International

Proteste in Istanbul: Polizei setzt Wasserwerfer gegen «Cumhuriyet»-Sympathisanten ein

Nach der Festnahme regierungskritischer Journalisten versammelten sich in Istanbul Demonstranten zu einer Solidaritätskundgebung - die Veranstaltung wurde von der Polizei gewaltsam aufgelöst.

Publiziert: 05.11.16, 17:24

Demonstrationen in Istanbul Bild: OSMAN ORSAL/REUTERS

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Über dem Istanbuler Viertel Sisli kreisten Hubschrauber am Himmel, die Polizei rückte mit Wasserwerfern und Tränengas an. Auf diese Weise wurden Demonstranten auseinandergetrieben, die zum Redaktionsgebäude der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» ziehen wollten. Eine Solidaritätsbekundung für die Journalisten des Blattes.

Kurz zuvor hatten die türkischen Behörden Haftbefehl gegen «Cumhuriyet»-Chefredakteur Murat Sabuncu und acht weitere führende Mitarbeiter erlassen. Die türkische Justiz wirft ihnen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor sowie zur Bewegung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, den Ankara für den Putschversuch von Mitte Juli verantwortlich macht.

Ausserdem wurden neun weitere Politiker der prokurdischen Oppositionspartei HDP festgenommen. Zuvor, in der Nacht zum Freitag, waren bei Razzien der türkischen Polizei bereits elf HDP-Abgeordnete festgesetzt worden, darunter die Parteichefs Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag.

Bild: KEMAL ASLAN/REUTERS

Das Vorgehen des Nato-Partners Türkei gegen die HDP und «Cumhuriyet», die letzte grosse regierungskritische Zeitung im Land, hat international Empörung ausgelöst.

Auch in Deutschland kam es zu Protesten gegen die Festnahmen und die repressive Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. In Köln versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 3000 Demonstranten auf einem Platz in der Kölner Innenstadt. Die Veranstalter erwarteten bis zu 15000 Teilnehmer. Einige Hundert Polizisten schirmten die Kundgebung ab, laut Behördenangaben verlief der Protest friedlich.

cbu/Reuters/AFP

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  • Admiraal Michiel Adrianszoon de Ruyter 07.11.2016 10:57
    Highlight Schon krass, dass alles was dem Sultan nicht passt, einfach mit der Begründung
    - Verbindung PKK
    - Verbindung Gülen
    festgenommen wird...es gibt keine anderen Begründungen in den letzten Wochen und Monaten... traurig sowas
    1 0 Melden
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  • Duweisches 05.11.2016 19:48
    Highlight Interpretationssache Demokratie...
    6 4 Melden
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  • FrancoL 05.11.2016 19:12
    Highlight Verstehe nicht wieso bei den letzten Demos keine Wasserwerfer eingesetzt wurden, waren wohl noch im Service.
    Arme Türkei! Aber auch; Sie haben es sich selbst eigebrockt!
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  • äti 05.11.2016 18:21
    Highlight Ist es möglich, dass die Türkei einen einzigen Feind hat? Erdogan.
    42 1 Melden
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  • tzhkuda7 05.11.2016 18:10
    Highlight „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun!“

    Edmund Burke, 1772
    37 0 Melden
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  • N. Y. P. 05.11.2016 18:02
    Highlight Erdi,
    bitte stell Dich kurz neben dieses prächtige Tier. Ich würde gerne ein tolles Photo schiessen.
    37 0 Melden
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  • rodolofo 05.11.2016 17:50
    Highlight Jetzt wird also auch die Türkei zu einem "Zerfallenden Staat"...
    Wann sehen diese sturen Ziegenböcke (!) endlich ein, dass Militärische Lösungen nichts bringen und zu nichts führen, ausser zu noch mehr Mord und Totschlag?
    Aber ich will mich ja gar nicht einmischen.
    Macht nur weiter so!
    Und Eure Frauen können dann die ganze Sauerei, die Ihr angerichtet habt, aufräumen und wieder sauber machen, so wie sie es immer getan haben und auch weiterhin tun werden?
    Ich richte mich jetzt an die braven Frauen unter den Kopftüchern, die mir manchmal vorkommen, wie Tauben:
    Werdet zu Friedenstauben!
    Streikt!
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