International

Clinton und Trump bei der UNO – ein Gipfel, zwei Weltordnungen

In Manhattan hat der UNO-Gipfel begonnen. Die Tagung wird überlagert vom US-Wahlkampf: Alle schauen bereits auf Hillary Clinton und Donald Trump und ihre völlig unterschiedlichen Pläne für Amerikas Rolle in der Welt.

Publiziert: 20.09.16, 10:59 Aktualisiert: 20.09.16, 11:09

Veit Medick, New York

Alle sind sie in New York – auch Clinton und Trump Bild: AP

Ein Artikel von

Der jährliche UNO-Gipfel ist stets ein besonderes Spektakel. Für eine Woche leidet Manhattan unter Absperrungen und Dauerstau. In der Zentrale der Vereinten Nationen direkt am East River geben sich die Staatschefs der Welt die Klinke in die Hand. Gemeinsam beraten sie über die grossen Krisen des Planeten, aber weil nirgends so viel Prominenz an einem Ort versammelt ist, wie im Herbst in New York, ist der Gipfel immer auch eine grosse Show.

In diesem Jahr gilt das ganz besonders. Barack Obama, der US-Präsident gibt seine Abschiedsvorstellung, und die Frage, wer ihm im Weissen Haus nachfolgt, überlagert das Treffen selbst und viele Gespräche am Rande. Kein Land hat ähnlichen Einfluss auf die Vereinten Nationen wie die USA, aber wie die Aussen- und Sicherheitspolitik Amerikas nach dem 8. November aussieht, welche Interessen das Land verfolgt, kurzum: Welche Rolle Amerika für sich selbst auf der Weltbühne vorsieht, ist völlig unklar. Die Vorstellungen von Hillary Clinton und Donald Trump könnten unterschiedlicher kaum sein.

Beide Kandidaten nutzen das Treffen der Mächtigen, um schon einmal für das wichtigste Amt in den USA zu proben. Ihre Terminkalender erlauben einen Blick darauf, wie sie ihr Land nach einem Wahlsieg positionieren würden. Grob formuliert ist es so: Clinton würde ihre Politik stark an den traditionellen Verbündeten und alten Leitlinien der amerikanischen Aussenpolitik ausrichten, Trump dagegen möglicherweise völlig neue Allianzen schmieden. Er hält die amerikanische Aussenpolitik der vergangenen Jahre – und nicht zuletzt Clintons Beitrag dazu – für gescheitert und will mit etlichen Traditionen brechen.

Beispiel Russland

Petro Poroschenko mit Hillary Clinton. Bild: CARLOS BARRIA/REUTERS

Hillary Clinton streute früh, dass sie sich in New York mit Petro Poroschenko treffen werde, dem ukrainischen Präsidenten. Das Gespräch der beiden – gleich zu Beginn des UNO-Gipfels am Montag – sollte in mehrfacher Hinsicht eine deutliche Botschaft sein. Clinton will sich als jene Kandidatin präsentieren, die das Interesse der osteuropäischen Staaten im Blick hat und Moskau gegenüber eine harte Linie fahren wird. Sie will alten Alliierten amerikanische Treue versichern und der Weltgemeinschaft zeigen, dass die US-Aussenpolitik unter ihr vergleichsweise berechenbar wäre. Dass ein solches Bekenntnis im Wahlkampf überhaupt nötig ist, ist überraschend genug, aber Donald Trumps bemerkenswerte Kumpanei mit Russlands Präsident Wladimir Putin hat auch im Lager der Republikaner zu der Sorge geführt, dass der Milliardär eine völlig unberechenbare Aussenpolitik verfolgen könnte. Dazu gehört nicht zuletzt auch seine Ankündigung, als Präsident das amerikanische Engagement innerhalb der NATO zu überprüfen – eine Forderung, die Clinton ablehnt.

Beispiel Asien

Clinton mit Abe. Bild: CARLOS BARRIA/REUTERS

Auf Clintons Programm in New York stand am Montag auch ein Gespräch mit Shinzo Abe. Das Treffen mit Japans Premier hatte ebenfalls grosse Symbolik. Die Demokratin wollte unterstreichen, für wie wichtig sie das Bündnis mit der Regierung in Tokio hält, um das aufstrebende China in Schach zu halten. Unter ihr wäre Japan der Anker Amerikas in Asien, der stärkste Partner auf einem Kontinent mit vielen Krisen. Auch hier vertritt Trump völlig andere Positionen. Das amerikanische Engagement in Asien hält Trump für kontraproduktiv. Die Milliarden, die die USA ihren Verbündeten in Fernost jährlich als Hilfe überweisen, würde er lieber für innenpolitische Projekte verwenden. Als Zeichen dafür, wie ernst er es meint, riet er im Wahlkampf Japan unlängst, sich künftig Nuklearwaffen anzuschaffen, um sich im Falle eines amerikanischen Rückzugs wieder stärker selbst verteidigen zu können.

Beispiel Mittlerer Osten

Abdel Fattah el-Sisi Bild: HANDOUT/REUTERS

Beide Kandidaten trafen sich am Montagabend mit Abdel Fattah el-Sisi und Trump und Clinton machten aus ihren Treffen eine Art Wettlauf darum, wer Ägyptens Staatschef näherkam. El-Sisi ist ein fragwürdiger Herrscher, aber in der Region und in Fragen des Anti-Terror-Kampfs ein äusserst wichtiger Player. Wir haben einen kurzen Draht in den Mittleren Osten, das wollten Clinton und Trump mit dem Treffen signalisieren. Wie unterschiedlich sie die Rolle Amerikas in der Region verstehen, blieb dabei etwas zurück. Trump hält die USA seit Jahren für überengagiert, will sämtliche Kräfte bündeln, um den sogenannten «‹Islamischen Staat› zu zerstören und in die Hölle zu bomben». Clinton sieht den Anti-Terror-Kampf als Teil eines Gesamtansatzes im Mittleren Osten, der auch eine Stabilisierung Syriens, eine Beruhigung Iraks und Afghanistans umfasst und möglicherweise gar einen Neuanlauf des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses.

Noch sind es knapp zwei Monate bis zur Wahl. Und noch ist jemand anders Präsident. Aber wenn Barack Obama an diesem Dienstag ein letztes Mal vor der UNO auftritt, dürfte auch er indirekt klarmachen, dass die Wahl über seine Nachfolge erhebliche Auswirkungen auf die Weltgemeinschaft haben könnte.

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  • Radiochopf 20.09.2016 13:13
    Highlight Kurz zusammengefasst: Clinton wird mit ihrer Politik und Haltung überall für neue Konflikte/Kriege führen. Einen neuen kalten Krieg hat sie nun schon mehrmals angekündigt, ohne das dies irgendwie kritisiert wird. Trump will sich mehr zurückhalten und die anderen sollen sich um ihre eigene Probleme kümmern. Mir gefällt die Haltung von Trump definitiv besser...
    8 12 Melden
    • Special K 20.09.2016 13:34
      Highlight Gefällt dir auch der Teil, wo er sagt, er würde den IS auch mit Flächenbombardements bekämpfen?

      Trump ist eine Katastrophe: Er ist ignorant und stolz darauf. Er heizt Konflikte an und freut sich, wenn seine Anhänger zu Gewalt aufrufen. Er behauptet ständig, er könnte es besser, sagt aber nicht wie. Er nimmt jede Kritik persönlich und wird ausfällig. So einer ist nicht wählbar.
      11 8 Melden
    • Butzdi 20.09.2016 14:09
      Highlight Kurz zusammengefasst: Trump will die Probleme die primär die USA verursacht haben, nicht ausbaden. Weder im mittleren Osten noch in der Ukraine. Toll. Ausserdem sind da massiv grössere Fragezeichen bei Trump als seine Haltung zu den Regionen. Lügen, Behauptungen, Unfehlbarkeitswahn, Rassismus, Aufhetzung der Bevölkerung, Verschwörungsheorien, Sexismus, doppelte Standards. Er soll seine Tax Returns zeigen, dann ist dann wohl endlich klar wie viel Dreck und wie wenig Gutbürgertum und Kapital am Trump effektiv dran sind.
      8 8 Melden
    • Adrian Habegger 20.09.2016 19:16
      Highlight Zuerst die gesamte Region zerbomben und dann die eigenen Firmen als Wiederaufbauhilfe anbieten so läufts im moment.. Trump will alles zerbomben und nichts aufräumen... Jeder der eine gute Erziehung genossen hat weiss welche Haltung richtig wäre....
      0 1 Melden
    600

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