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In Marrakesch geht es darum, den Weltklimavertrag auszuformulieren. Bild: Mosa'ab Elshamy/AP/KEYSTONE

Ist die Klimakonferenz sinnlos? – 14 Antworten zum UNO-Treffen in Marrakesch 

Streit ums Geld, Debatte über die richtige Strategie – konkrete Beschlüsse? Ab Montag tagt die UNO-Klimakonferenz in Marrakesch: Fragen und Antworten zu einer verzwickten Veranstaltung.

07.11.16, 11:21 07.11.16, 12:18

Axel Bojanowski

Ein Artikel von

Welche entscheidenden Fortschritte sind auf der UNO-Klimakonferenz in Marrakesch zu erwarten?

Die Antwort fällt simpel aus: keine.

Warum wird dort dennoch gefeiert?

In Marrakesch wird zelebriert, dass der Weltklimavertrag kurz vor der Konferenz in Kraft getreten ist – eine historische Leistung der Diplomatie nach 20 Jahren Verhandlungen. Normalerweise vergehen Jahre vom Beschluss eines UNO-Abkommens bis zu seiner Akzeptanz durch die Parlamente der Staaten. Der Klimavertrag aber wurde nicht mal ein Jahr nach seiner Verabschiedung in Paris von genügend Ländern ratifiziert, sodass er nun gültig ist.

Was wird man ausserdem über die Konferenz lesen?

Ganz sicher wird man lesen, dass «der Schwung von Paris genutzt werden muss» und dass «die eigentliche Arbeit jetzt erst begonnen hat» und dass «ein klarer Fahrplan entwickelt werden muss». Die Floskeln gehören zur Klimakonferenz wie das Eisbär-Symbol.

Eisbär auf Eisscholle. bild: pinterest

Was ist das wichtigste Thema in Marrakesch?

Vorrangig wollen die Delegierten diskutieren, mit welchen Methoden der Ausstoss von Treibhausgasen gebremst und wie die erlaubten Treibhausgasbudgets der Staaten überprüft werden können.

Sie wollen nur diskutieren, aber nichts beschliessen?

Entscheidungen werden in Marrakesch nicht erwartet. Zum einen, weil Staaten, die den Klimavertrag noch nicht ratifiziert haben, seine Regeln nicht mitbestimmen dürfen – auf diese Länder möchte man noch warten. Zum anderen, weil vor der Tagung nicht beschlossen wurde, etwas zu beschliessen. Es ist eine Diskussionsagenda.

Ist die Konferenz von Marrakesch also sinnlos?

Nein. Der Weltklimavertrag schreibt Ziele vor, mit welchen Mitteln die Klimaerwärmung gebremst werden soll und ihre Folgen gemildert werden könnten. Im Vertrag stehen sozusagen Überschriften. In Marrakesch geht es darum, den Text auszuformulieren, konkrete Regeln zu entwickeln.

Ob Beschluss oder Diskussion: Dieses Video erklärt, warum die Klimakonferenz von höchster Relevanz ist

Video: watson.ch

Ein Beispiel für die Detailarbeit von Marrakesch?

Die Klimaziele der Staaten sind nicht vergleichbar: Sie legen etwa unterschiedliche Zeiträume zugrunde, oder erzielen ihre CO2-Verringerung aufgrund dubioser Methoden. Hier muss penibel gerechnet werden.

Ein Beispiel für solch dubiose Methoden?

Bislang dürfen Staaten selbst bestimmen, wie viele Bäume sie abholzen – erst, wenn sie ihre eigenen Pläne überbieten, rutschen sie ins Minus. Bäume speichern CO2. Wer sie abholzt, sollte nach Meinung vieler Diplomaten aber grundsätzlich seine CO2-Bilanz belasten.

Die grössten Klimasünder

Gibt es Streit in Marrakesch?

Zank dürfte es geben, wenn die reichen Industrienationen in Marrakesch keine Vorschläge machen würden, wie sie schneller als geplant ihre Treibhausgasemissionen drosseln können. Entsprechende Pläne hatten sie auf der Klimakonferenz von Paris den Inselstaaten in Aussicht gestellt, die vom Meeresspiegelanstieg bedroht sind. Das Versprechen bewog die Inselstaaten zur Zustimmung zum Weltklimavertrag.

Sind weitere Anstrengungen zur Eindämmung des Treibhausgasausstosses geplant?

Konkrete Vorhaben sollen verhandelt werden: Beispielsweise Indiens Initiative zur Förderung von Solarenergie, Afrikas Erneuerbare-Energien-Projekt oder das 100-Milliarden-Euro-Budget, das die reichen Nationen ab 2020 jährlich für den Klimaschutz in armen Ländern zur Verfügung stellen wollen.

Also geht es ums Geld?

Die afrikanischen Staaten haben zusammen eine Strategie für Marrakesch geschmiedet – mit einem vorrangigen Ziel: Die reichen Industrienationen, die am meisten Treibhausgase verursacht haben, sollen zu höheren Zahlungen verpflichtet werden, insbesondere für Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel und für erneuerbare Energien.

Sollen arme Länder für Klimaschäden entschädigt werden?

Das Thema soll in Marrakesch wiederaufgenommen werden. Im Gespräch sind Klimaversicherungen.

Wird es Überraschungen geben?

Die USA wollen nach Angaben von Beobachtern erstmals langfristige Klimaziele präsentieren: einen Plan zur CO2-Einsparung bis 2050.

Was macht die Schweiz?

In der Schweiz steht die Ratifikation 2017 im Parlament zur Debatte. Die Schweiz nimmt daher als Beobachterstaat an der Klimakonferenz teil. Anwendung findet das Abkommen erst nach 2020: Solange gilt noch der Vorläufer, das Kyoto-Protokoll. Einsetzen soll sich die Delegation nach dem bundesrätlichen Mandat für die «Einführung robuster und wirksamer Regeln». Schwerpunkte sind unter anderem bei den Bestimmungen zur Bekanntgabe von Reduktionszielen der Staaten oder bei der Schaffung von Anreizen für eine nachhaltigere Wirtschaft gesetzt worden. Am 16. und 17. November nimmt Umweltministerin Leuthard am Ministertreffen teil.

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  • Charlie B. 07.11.2016 12:37
    Highlight Der Umwelt zuliebe.
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Dürfen wir auf Reisen gehen, auch wenn wir damit die Welt zerstören?

Irgendwas geht da nicht auf: Bis 2030 will die Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) die Zahl der jährlich verbuchten Reisen verdoppeln. Gleichzeitig verfolgt sie aber das Ziel, die Armut zu bekämpfen und den Klimawandel zu stoppen.

Ob mit dem Rucksack auf Identitätssuche oder auf Pauschalreise im all-inclusive Bunker: Die Welt bereist zu haben, ist ein Ideal, mit dem sich die breite Masse identifizieren kann. Auslandsreisen füllen unsere Fotoalben, reichern den Lebenslauf mit Weltgewandtheit an und bringen kaufkräftige Kundschaft dazu, ihr Geld in Entwicklungsländern auszugeben. Bis heute gilt, wer reist, tut sich und den Leuten vor Ort Gutes.

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