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Donald Trump und Wladimir Putin: Liebesgrüsse aus Moskau

Beide lieben die Machopose und poltern gegen Hillary Clinton: Donald Trump und Wladimir Putin sind voll des Lobes füreinander. In Moskau gilt der US-Milliardär schon als «Kandidat des Kreml».

24.05.16, 20:41

Benjamin Bidder, Moskau

Mögen sich: Putin und Trump
Bild: AP/ap

Ein Artikel von

Donald Trumps Hand fährt über Wladimir Putins Nacken, sein Mund drückt sich auf die Lippen des russischen Präsidenten, so stellt es ein Graffiti in Litauens Hauptstadt Vilnius dar. «Make Everything Great Again», steht daneben.

Es ist ein spöttischer Kommentar zum merkwürdigen Flirt zwischen dem US-Präsidentschaftsbewerber und dem Kreml-Chef. Beide tauschen seit Wochen Liebenswürdigkeiten aus. Trump preist Putin als starken Anführer, Putin lobt Trump als brillant und talentiert. In Osteuropa schürt so viel Innigkeit auch Ängste, beispielsweise im kleinen und fünf Jahrzehnte von der Sowjetunion besetzten Litauen.

Bestärkt fühlen sich die Osteuropäer durch Trumps Aussagen. Sollte er Präsident werden, will er Amerikas Engagement in der Nato zurückfahren. Die Ukraine? Gehe die USA «weniger an als andere Nato-Länder. Warum müssen wir das immer machen?» Die Konfrontation mit Russland? Soll unter einem Präsidenten Trump beendet werden: «Wir müssen eine freundschaftliche Ebene finden!» Das Vorgehen in Syrien? Trump sagt, er stehe «zu 100 Prozent hinter Putin».

Putin und Trump gemein ist das Faible für Auftritte in Machopose, beide nehmen wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer. «Putin mag offene Leute, die Tacheles reden und politische Korrektheit ausser Acht lassen», sagt der Moskauer Aussenpolitikexperte Fjodor Lukjanow, der auch Herausgeber des Fachmagazins «Russia in Global Affairs» ist.

Verhasste Hillary Clinton

Trump und der Kreml haben auch einen gemeinsamen Gegner: Hillary Clinton. «Trump flirtet mit Putin, um Clinton unter Druck zu setzen», sagt Josef Braml, Amerika-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Der US-Milliardär folge keiner klaren aussenpolitischen Doktrin, sondern sei vor allem getrieben durch den Wahlkampf.

Bild: REBECCA COOK/REUTERS

Die ehemalige Aussenministerin und First Lady ist für Moskau die Verkörperung von Amerikas russlandkritischer Elite. Donald Trump wiederum hat seinen gesamten Wahlkampf ausgebaut zu einer Anti-Establishment-Kampagne. Als Präsident würde er darauf setzen, mit Russland und anderen autoritären Regimen einen Deal zu schliessen, so Braml. «Trump will aussenpolitische Stabilität, um in Ruhe seine revolutionäre innenpolitische Agenda umzusetzen.»

Tatsächlich ist Clinton in Russland noch unbeliebter als der scheidende Präsident Barack Obama. Der Kreml hat nicht vergessen, dass Clinton Putin bereits 2012 vorgeworfen hatte, die Sowjetunion wiedererrichten zu wollen. Nach der völkerrechtswidrigen und von Moskau mit Soldaten durchgesetzten Krim-Annexion 2014 zog sie Parallelen zwischen Putins Vorgehen und Hitler. Zuletzt erklärte Clinton, die Vereinigten Staaten müssten in Syrien und der Ukraine «die Kosten für Putin in die Höhe treiben». Das war ein Aufruf, der Regierung in Kiew und den Rebellen in Syrien mehr Waffen zu liefern.

«Trump: Der Kandidat des Kreml»
Bild: Ted S. Warren/AP/KEYSTONE

Trump argumentiert im Wahlkampf, Putin nehme Demokraten wie Obama und Clinton nicht ernst. Moskau liefert dafür reichlich Munition. Nach Clintons Vergleich zwischen Putin und Hitler konterte der Kreml-Chef, die ehemalige Aussenministerin sei schwach. Dann setzte er - ganz Macho - hinzu, Schwäche sei nicht die schlechteste Eigenschaft. Jedenfalls für eine Frau.

Berater mit Gazprom-Verbindungen

«Trump: Der Kandidat des Kreml» hat die konservative Washingtoner Zeitschrift «National Review» deshalb neulich getitelt. Mit seinen Russland-Kurs setzt sich Trump nicht nur von Clinton ab, sondern auch vom Gros der Republikaner. Deutlich wird das im Vergleich zu den letzten republikanischen Präsidentschaftskandidaten: Für Mitt Romney war Russland schon Amerikas «wichtigster geopolitischer Rivale». John McCain, 2008 unterlegen, behauptete zuletzt, Putin benutze «die Flüchtlingskrise als eine Waffe», um den Westen zu schwächen.

Trump hält nicht viel von McCain. Er ätzt: Der Vietnamveteran sei gar kein richtiger Kriegsheld, er sei schliesslich gefangen genommen worden. McCain war als Navy-Pilot abgeschossen worden und geriet fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft. In Russland ist McCain als «russophob» verhasst, solche Beleidigungen kommen gut an.

Ebenso wie Trumps Personalauswahl. Zu seinem Stab gehört Carter Page, ein Finanzfachmann, der früher Geschäfte im Umfeld des russischen Gazprom-Konzerns gemacht hat. Nach der Maidan-Revolution 2014 warb Page für Verständnis für Russlands Vorgehen auf der Krim und in der Ostukraine. Für Page ist die Ukraine eine Art abtrünnige Provinz des grossen Nachbarlandes. Page glaubt, dass in Wahrheit US-Diplomaten die entscheidende Rolle beim Aufstand in Kiew gespielt hätten. Als Beweis führt er ein Video an, auf dem US-Vizeaussenministerin Victoria Nuland Kekse an Demonstranten in Kiew verteilt, und ein abgehörtes Telefongespräch, in dem Nuland die Europäer beschimpft - Stichwort «Fuck the EU».

So verwundert es nicht, dass ein Ableger der Staatszeitung «Rossijskaja Gaseta» jüngst verkündete: Wenn der Kreml eine Stimme bei den US-Vorwahlen hätte, er «würde wahrscheinlich Donald Trump unterstützen».

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Brikne, 20.7.2017
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  • Gelöschter Benutzer 25.05.2016 19:11
    Highlight Die amerikanische Elite, und somit die gesamte westliche inkl. schweizer Presse, haben nicht Angst vor Russland, Putin und Trump.
    Nein - sie haben Angst vor dem Weltfrieden. Denn sowas könnte es tatsächlich geben, wenn sich die Präsidenten von USA und Russland gut verstehen.
    Weltfrieden? kommt für die USA gar nicht in die Tüte, ist doch Krieg und Waffenexport für die USA absolut wirtschaftsrelevant.
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  • Radiochopf 25.05.2016 08:18
    Highlight typischer Bidder Artikel, ein paar Behauptungen von irgendwelchen Putin-Kenner und sonst noch Meinungen die wahr oder unwahr sein können.. zuerst sollte man vielleicht mal lesen, wie oder was Putin an Trump gelobt hat bei seiner Rede, dann sieht es auch wieder ganz anders aus.. das Russland eher einen Kandidaten wählen würde, der eine gute Beziehung zu Russland will als eine Kandidatin die das nicht will, skrupellos ist und mehr lügt als Trump (was schon sehr schwer ist), ist wohl mehr als verständlich.. hoffentlich schafft es Sanders noch, sonst wird es wirklich eine Post und Cholera-Wahl...
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    • Radiochopf 25.05.2016 08:24
      Highlight Pest und Cholera-Wahl ;-).. watson, eine Edit-Möglichkeit wäre cool...
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  • Gelöschter Benutzer 25.05.2016 06:12
    Highlight Ist doch ein Grund sich über Trump als Präsident zu freuen. Er deeskaliert den dritten Weltkrieg, den Obama und Merkel starten wollen.
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  • Ignorans 25.05.2016 03:12
    Highlight Ja, Clinton macht mir auch Angst...
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  • The Writer Formerly Known as Peter 24.05.2016 23:01
    Highlight Wie lange wird es dauern, bis wir einen Löpfe Artikel darüber lesen? Da Löpfe und Spiegel etwa so nahe sind wie Bier und Hopfen sage ich keine 6 Wochen voraus und er ist da! Wer wettet dagegen? Alles einzulösen im Cafe Federal HB Zürich! Freue mich!
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  • Dä Brändon 24.05.2016 21:09
    Highlight Szenario1: Trumputin werden Freunde, trinken Wein miteinander anstatt sich gegenseitig zu provozieren.

    Szenario2: Clinton wird Präsidentin und macht sich als erstes zum Ziel ALF zu finden. Trumputin trinken trotzdem Wein
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  • Thor's Godfather 24.05.2016 20:57
    Highlight Putin bezeichnet Trump als brilliant. Das Kind des Kalten Krieges erwünscht sich doch nur der Zusammenbruch der USA. Kein Wunder unterstützt er nicht den Sozialisten Bernie Sanders, denn der ist schliesslich demokratisch orientiert.
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    • Don Alejandro 24.05.2016 22:16
      Highlight Logisch. Clinton kann Putin locker das Wasser reichen, Trump nie und nimmer!!
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    • Gelöschter Benutzer 24.05.2016 22:29
      Highlight Nicht alles glauben, was Bidder so zusammenkonstruiert: "Russian President Vladimir Putin says that to avoid the increasing divide between America and Russia on the issues Bernie Sanders must become president.

      Taking a break from the situation in Syria, Putin found time to watch a replay of the democratic debate.

      “The clear winner was Sanders. Clinton side-stepped the real issues while Sanders showed his willingness to embrace change. He would be the best choice from all candidates running,” the Russian President stated.
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