International

Der treue Pitbull: Wie Marc Kasowitz Trump (bis jetzt) aus jedem Schlamassel befreite

Ob Scheidung, Casino-Pleite oder Grapsch-Vorwürfe: Wenn es eng wird für Donald Trump, ist Marc Kasowitz zur Stelle. Doch in der Russlandaffäre könnte der Anwalt des US-Präsidenten an seine Grenzen stossen.

16.06.17, 10:47 16.06.17, 12:10

Marc Pitzke, New York

Marc Kasowitz. Bild: Manuel Balce Ceneta/AP/KEYSTONE

Ein Artikel von

Täglich gibt es neue Enthüllungen in der Russlandaffäre um Donald Trump. Die jüngste: Sonderermittler Robert Mueller nehme den US-Präsidenten nun auch direkt unter die Lupe. Trump schiesst via Twitter zurück – und über seinen Rechtsanwalt: Dass solche Interna durchsickerten, liess Marc Kasowitz von seinem Sprecher erklären, sei «unentschuldbar und illegal».

Zwei Dinge sind daran bemerkenswert. Erstens: Selbst der Anwalt hat einen Sprecher, so haarig ist das alles. Zweitens: Nicht den Inhalt der Meldungen greift Kasowitz an, sondern dass die Interna publik werden – ein klassisches Ablenkungsmanöver.

Diese Taktik beherrscht Kasowitz, 64, bestens. Der New Yorker Jurist, der Trump seit 15 Jahren vertritt, bellt laut, beisst aber selten – und wenn, oft ohne Erfolg. Doch darum geht's ihm auch nicht. Er operiert so: den Gegner diskreditieren, notfalls ruinieren, bevor die Wahrheit ans Licht kommt.

Damit wurde Kasowitz im Lauf seiner Karriere – er vertrat so umstrittene Klienten wie den geschassten Fox-News-Star Bill O'Reilly – zum «härtesten Anwalt der Wall Street» (CNBC), zum «Überanwalt» (Bloomberg) – und nun also zu Trumps letzter Bastion im ausufernden Russlandskandal.

Eigentlich hat der Präsident ein vom Steuerzahler finanziertes Anwaltsteam. Doch Trump heuerte Kasowitz jetzt mutmasslich auf eigene Kosten an, zum Stundensatz von 1500 Dollar. Will heissen: Die Dinge haben sich derart brisant entwickelt, dass Trump nur noch seinem loyalsten, skrupellosesten Pitbull vertraut.

Der ist jedoch, wie sich schnell zeigt, unerfahren auf Washingtons politischem Parkett, das etwas glatter poliert ist als die Gerichtssäle New Yorks. Es ist also fraglich, ob Kasowitz' rüde Methoden auch weiter Erfolg haben.

Die meisten Amerikaner hörten erstmals im Oktober 2016 von Kasowitz, als er einen Brief an die «New York Times» (NYT) schrieb: «Ihr Artikel ist unverantwortlich, diffamierend und verleumderisch.» Sollte die Zeitung den Bericht nicht widerrufen, werde er sie wegen Rufmords verklagen. In dem besagten Artikel beschuldigten zwei Frauen Trump, sie sexuell belästigt zu haben. Doch die NYT widerrief nichts: Trumps Ruf sei so schlecht, dass man den gar nicht noch mehr schädigen könne, antwortete der Justiziar der Zeitung, David McCraw. Kasowitz klagte nie, es blieb beim Bluff.

Ein vertrautes Muster. Schon vor seinem politischen Aufstieg galt Trump, nicht zuletzt dank Kasowitz, als der prozessfreudigste Prominente Amerikas – ob in Form tatsächlicher Klagen oder nur durch deren öffentliche Androhung.

Kasowitz setzte durch, dass Trumps erste Scheidung unter Verschluss blieb und Medien keinen Einblick in Gerichtsakten erhielten, er steuerte Trump durch die Insolvenzen seiner Casinos. 2009 formulierte er die Verleumdungsklage Trumps gegen den Journalisten Timothy O'Brien, der behauptet hatte, Trump sei nur ein Millionär. Ein Richter wies die Klage zwei Jahre später ab – aber erst, nachdem Trump sich unter Eid zu der Aussage hatte verleiten lassen, er stelle den Wert seines Vermögens «gefühlt» fest, je nach «Lage der Welt».

Bild: Wayne Parry/AP/KEYSTONE

Ab 2013 vertrat Kasowitz seinen prominentesten Klienten im Verfahren, das ehemalige Studenten der sogenannten Trump University angestrengt hatten. Im Wahlkampf beschimpfte Trump den zuständigen Richter Gonzalo Curiel, einen gebürtigen US-Bürger, als mexikanischen «Hasser». Der Fall wurde kurz nach der Wahl beigelegt, Trump zahlte den Klägern 25 Millionen Dollar.

Obwohl kein Regierungsangestellter, mischt sich Kasowitz offenbar schon länger auch in die Politik ein. So prahlte er nach Informationen der Investigativ-Website «ProPublica», Trump bewegt zu haben, den New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara zu feuern, obwohl Trump dem versprochen hatte, ihn im Amt zu halten. Bharara ermittelte demnach gegen Trumps Gesundheitsminister Tom Price, der mit Pharma-Aktien gehandelt haben soll, ausserdem gegen den verstorbenen Fox-News-Gründer Roger Ailes, einen Freund Trumps, sowie gegen andere Figuren im Dunstkreis Trumps.

Roger Ailes. Bild: AP/Invision

Als Kandidat für Bhararas Nachfolge wird Edward McNally gehandelt, ein Kanzleipartner von Kasowitz. Kasowitz selbst soll vorübergehend als neuer US-Justizminister im Gespräch gewesen sein.

Auch mit Russland hat Kasowitz juristische Erfahrung. Zu seinen weiteren Klienten zählen die russische Sberbank, die von den US-Sanktionen betroffen ist, und der Oligarch Oleg Deripaskadie, ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin und einst der reichste Mann Russlands.

Wie erfolgreich Kasowitz nun gegen Sonderermittler Mueller sein wird, entscheidet sich am Ende daran, ob er Trump bändigen kann. Manchmal gelingt es ihm, dessen Twitter-Tiraden zu stoppen – doch immer nur kurz. Am Ende ist der US-Präsident selbst sein schlimmster Gegner.

40 (momoll, vierzig!) Gründe, weshalb man trotz Trump die USA immer noch lieben kann

Trumpgate

Das Weisse Haus wird zum Tatort – wegen zwei verhängnisvollen Sätzen Trumps

«Martha» ist der «hässlichste Hund der Welt»

«Nice.»: Trump tut, was Trump immer tut, wenn er angegriffen wird: Er twittert

Die Russen-Connection: Die drei wichtigsten Punkte des Sessions-Kreuzverhörs

Das sind die 6 brisantesten Aussagen aus dem Hearing mit Ex-FBI-Chef James Comey

Russland-Affäre: Trump zu «100 Prozent» zu Aussage unter Eid bereit

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

User-Review:
Pulo112, 20.12.2016
Beste News App der Schweiz! Mit Abstand!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3 Kommentare anzeigen
3
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Spooky 20.06.2017 01:08
    Highlight Das ist eine andere Welt.
    Die hat mit mir nichts zu tun.
    0 0 Melden
    600
  • Yallix 16.06.2017 13:30
    Highlight Wie zutreffend doch schon Charles Dickens meinte:

    "Gute Rechtsanwälte sind die Folge von schlechten Menschen."
    14 2 Melden
    600
  • INVKR 16.06.2017 11:55
    Highlight "So prahlte er nach Informationen der Investigativ-Website «ProPublica», Trump bewegt zu haben, den New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara zu feuern, obwohl Trump dem versprochen hatte, ihn im Amt zu halten. Bharara ermittelte demnach gegen Trumps Gesundheitsminister Tom Price, der mit Pharma-Aktien gehandelt haben soll, ausserdem gegen den verstorbenen Fox-News-Gründer Roger Ailes, einen Freund Trumps, sowie gegen andere Figuren im Dunstkreis Trumps."

    Bitte was? So eine Geschichte sollte doch eigentlich alleine schon für ein Impeachment reichen.
    45 3 Melden
    600

Wahnsinnig lustig: Jetzt hat auch die Schweiz ein Trump-Video – aber wer spricht denn da?

Und plötzlich will jeder nur noch Zweiter sein, gleich hinter «America first». Angefangen damit hatten die Niederländer mit ihrem Gruss an US-Präsident Donald Trump per Video, das mittlerweile millionenfach die Runde gemacht hat. «America first – the Netherlands second» – das können die Comedians landauf, landab nicht auf sich sitzen lassen und legen nun nach. Auch die Schweiz.

Die SRF-Comedy-Sendung «Deville Late Night» hat am Donnerstagabend ein Video veröffentlicht, das sich am …

Artikel lesen