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Nach Schiesserei in Washington: Ranghoher Republikaner verletzt, Schütze tot

Auf einem Sportplatz nahe Washington hat ein Schütze auf ein Baseball-Team aus republikanischen Kongressmitgliedern gefeuert. Dabei wurde der Abgeordnete Steve Scalise, der zur Fraktionsführung im Repräsentantenhaus gehört, an der Hüfte verletzt.

14.06.17, 14:05 14.06.17, 21:44

Wurde angeschossen: Steve Scalise. Bild: Alex Brandon/AP/KEYSTONE

Nach Augenzeugenberichten lieferten sich anwesende Polizisten am Mittwoch in Alexandria eine wilde Schiesserei mit dem Täter. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben einen Verdächtigen fest.

US-Präsident Donald Trump teilte später mit, der Schütze sei tot. Er sei seinen Verletzungen erlegen. Trump sagte, das ganze Land bete für Scalise. «Wir sind am stärksten, wenn wir vereint sind, wenn wir gemeinsam für das öffentliche Wohl arbeiten.»

Zur Identität und den Motiven des Schützen machte die Polizei keine Angaben. Laut Medienberichten soll es sich beim Täter um einen 66-jährigen linksgerichteten Aktivisten gehandelt haben. Der Selbstständige hatte den Berichten zufolge seine Lizenz für seine Firma verloren.

Der Mann aus Illinois soll als Freiwilliger für die Präsidentschaftskampagne des Demokraten Bernie Sanders gearbeitet. Sanders sah sich veranlasst, sich von dem Gewaltakt zu distanzieren. «Diese abscheuliche Tat widert mich an», erklärte er. Gewalt sei in jeglicher Form «in unserer Gesellschaft inakzeptabel».

«Gezielter Angriff»

Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf Sicherheits- und Parlamentskreise, es habe sich offensichtlich um einen «gezielten Angriff» gehandelt. Der Abgeordnete Scalise befand sich nach Angaben seines Büros in «stabilem» Zustand. Der 51-Jährige habe aus dem Spital mit seiner Frau telefoniert, bevor er in den Operationssaal gebracht worden sei.

Der Abgeordnete aus Lousiana ist «Majority whip» im Repräsentantenhaus, das ist eine Art Geschäftsführer, und damit die Nummer drei der republikanischen Partei. Seine Aufgabe ist es, in der grossen Parlamentskammer für die Einhaltung der Fraktionsdisziplin zu sorgen. Wegen seiner hohen Position in der Parteiführung wurde er neben Leibwächtern auch von der Capitol Police zu dem Sportplatz begleitet.

Neben Scalise wurden drei weitere Personen verletzt, nach Angaben von anwesenden Parlamentsmitgliedern ein Mitarbeiter eines Abgeordneten sowie zwei Polizisten.

Ein Mann erhält medizinische Versorgung. Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Schlimmeres verhindert

Gemäss dem Polizeichef von Alexandria, Michael Brown, gingen um 07.09 Uhr Ortszeit erste Berichte über Schüsse an dem Sportplatz in Alexandria ein. Drei Minuten später sei die Polizei vor Ort gewesen und habe die Capitol Police unterstützt.

Augenzeugen beschrieben dramatische Szenen auf dem Sportplatz. Der republikanische Senator Jeff Flake von Arizona berichtete auf CNN, während des rund zehnminütigen Schusswechsels hätten der Angreifer und die zum Schutz der Kongressmitglieder anwesenden Polizisten mindestens 50 Schüsse abgefeuert. Gemäss US-Medienberichten war der Täter mit einem Gewehr und einer Pistole bewaffnet gewesen.

Ohne die Anwesenheit der Polizisten «hätte niemand überlebt», sagte der republikanische Senator aus Kentucky, Rand Paul. «Ohne sie wäre es ein Massaker gewesen», sagte Paul.

Der verletzte Scalise sei vom Spielfeld weggekrochen, während die Schiesserei weitergegangen sei, berichtete der Fraktionskollege Mo Brooks. Nach Ende des Schusswechsels hätten er und andere Anwesende dann Scalise notdürftig versorgt.

Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Freund und Patriot

Insgesamt hätten sich rund 25 Mitglieder von Repräsentantenhaus und Senat auf dem Eugene-Simpson-Sportplatz aufgehalten, berichtete Senator Flake. Sie hatten am Morgen (Ortszeit) für ein traditionelles Wohltätigkeitsspiel gegen die Demokraten trainiert, das an diesem Donnerstag stattfinden sollte. Dieses Spiel hat eine mehr als 100-jährige Tradition.

Der Zwischenfall geschieht in den USA vor dem Hintergrund eines politischen Klimas, das seit dem Wahlkampf 2016 und dem Amtsantritt Präsident Trumps bereits äusserst angespannt ist. Die Gräben zwischen politischen Gegnern und Parteien sind tief wie selten.

Präsident Donald Trump bezeichnete Scalise als «wahren Freund und Patrioten». Er sei tief betroffen von dem Geschehen. Trump, der am Mittwoch seinen 71. Geburtstag feierte, sagte eine für den Nachmittag geplante Rede ab. Das US-Abgeordnetenhaus setzte alle für Mittwoch geplanten Abstimmungen aus. (sda/afp/dpa)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • reaper54 14.06.2017 19:39
    Highlight Laut CNN und Washington Post war es ein Wahlhelfer von Bernie Sanders.
    Was halten seine Zahlreichen Fans hier davon? (Wäre es ein Trump Supporter gewesen wäre der Tenor hier ja klar...)
    14 35 Melden
    • Datsyuk * 14.06.2017 22:32
      Highlight Trump schürt Hass, Sanders nicht...
      30 12 Melden
    600
  • Pana 14.06.2017 18:16
    Highlight Zitat Trump: "Steve Scalise, ganz Amerika betet für dich. Nein, ganz EHRLICH, die ganze Welt betet für dich."

    Ich fang mal an zu beten.
    5 8 Melden
    600
  • gmiraisin 14.06.2017 17:16
    Highlight Der 66 Jahre alte Täter, James T. Hodgkinson, ist ein ausgesprochener Unterstützer von Bernie Sanders: https://www.facebook.com/jthodgkinson
    9 9 Melden
    600
  • John Smith (2) 14.06.2017 15:30
    Highlight Steve Scalise kämpft als Abgeordneter gegen jede Regulierung von Feuerwaffen: http://scalise.house.gov/issues/2nd-amendment . Ich weiss, es ist total daneben, aber trotzdem kann ich mir ein klein wenig Schadenfreude nicht verkneifen.
    46 26 Melden
    • roger.schmid 14.06.2017 23:39
      Highlight Schadenfreude ist komplett fehl am Platz.
      1. ist Waffengewalt imho höchst verwerflich
      2. nützt dieser Anschlag den Republikanern, die darauf nun bestimmt endlos herumreiten werden und einige Leichtgläubige wieder auf ihre abstruse Seite ziehen können.
      1 1 Melden
    • maxi 15.06.2017 11:44
      Highlight etwa dieselbe logik wie, leicht bekleidete frauen sind selberschuld wenn sie vergewaltigt werden... dies ist so falsch! schuld ist immer der täter!

      die herzen zeigen was für kranke spinner sich hier auf watson aufhalten...
      3 2 Melden
    600
  • Asmodeus 14.06.2017 14:45
    Highlight Steve Scalise repräsentiert im Repräsentantenhaus den Bundesstaat Louisianna.

    2002 gab er eine Ansprache für die "European-American Unity and Rights Organization (EURO)" welche eine Unterorganisation des Ku Klux Klan ist.

    Der Mann hat sich in seiner Karriere einige Feinde gemacht. Auch bei den Republikanern.

    http://www.politico.com/story/2015/01/steve-scalise-republicans-113985
    40 12 Melden
    • Rendel 14.06.2017 16:22
      Highlight Und was willst Du damit nun sagen Asmodeus, in Bezug auf die Tat?
      14 26 Melden
    • dondor 14.06.2017 17:20
      Highlight @Rendel: dass wir uns Karma wünschen auch wenns sowas wohl nicht gibt.
      10 9 Melden
    • Rendel 14.06.2017 18:38
      Highlight Meine Frage drückt nicht aus, dass ich den KuKlux-Clan gut finde. Ich verabscheu ihn.
      Weiss aber trotzdem nicht was Asmodeus zur Tat denkt und ich war neugierig.
      6 5 Melden
    • Asmodeus 14.06.2017 21:44
      Highlight Ich halte verschiedene Dinge davon.

      1. Betrachte ich es als absolut daneben so rumzuballern. Besonders auf Kinder
      2. Ist es die USA und da empfinde ich prinzipiell nichts mehr wenn mal wieder jemand rumballert
      3. Kann ich durchaus nachvollziehen, wenn jemand so verzweifelt und wütend ist, dass er den Politikern die ihm das Leben zur Hölle machen unter die Erde bringen möchte.

      Defakto ging es aber nur darum mal kurz zu zeigen über wen da geschrieben wird, weil der Beitrag genau 0 Infos zu diesem Scalise beinhaltete.
      14 10 Melden
    • Rendel 14.06.2017 23:07
      Highlight Danke für Deine Antwort, Asmodeus. Ich kann nachvollziehen, wenn jemand verzweifelt ist. Nachvollziehen, dass man jemanden tatsächlich umbringen will, kann ich schwer. Und egal wo, es trifft mich immer, wenn Menschen sich gegenseitig töten und der Hass regiert. Gleichgültigkeit ist ein Wegbereiter des Hasses, indem er ihm Platz macht.
      1 1 Melden
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Trump legt nach: «Nordkorea sollte sehr, sehr nervös sein»

US-Präsident Donald Trump hat den verbalen Schlagabtausch mit Nordkorea am Donnerstag noch eskaliert. Seine jüngste Erklärung sei womöglich «nicht scharf genug» gewesen, sagte Trump am Donnerstag zu Journalisten.

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