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Wittert eine Wahlmanipulation: Donald Trump.  Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Angst vor Wahlmanipulation: Wie Trumps Gift wirkt

Die Präsidentschaftswahl in den USA werde gefälscht, behauptet Donald Trump und stachelt seine Anhänger vor einer möglichen Niederlage auf. Die Reaktionen sind deutlich – und die Angst vor Unruhen wächst.

Publiziert: 17.10.16, 00:41 Aktualisiert: 17.10.16, 06:24

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Die Umfragewerte sinken, führende Republikaner und Parteispender wenden sich ab – und nahezu täglich neue Vorwürfe von sexuellen Übergriffen: Drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl steht der republikanische Kandidat Donald Trump enorm unter Druck. Seine Reaktion: Er schlägt verbal um sich.

Am Samstag hatte Trump mehrfach Behauptungen wiederholt, die US-Wahlen würden gefälscht, alle Vorwürfe gegen ihn seien eine Verschwörung der Medien, um ihn vom Weissen Haus fernzuhalten. Kontrahentin Hillary Clinton gehöre ins Gefängnis.

Prominente widersprechen Trump

Eine Abfuhr für diese Rhetorik gab es von Paul Ryan, Republikaner und Sprecher des Abgeordnetenhauses. «Unsere Demokratie gründet auf Vertrauen in Wahlergebnisse, und [Paul Ryan] ist vollkommen überzeugt, dass die Bundesstaaten diese Wahl integer durchführen», teilte Ryans Sprecherin mit. Ryan hatte in der vergangenen Woche Trump öffentlich die weitere Unterstützung für den Wahlkampf entzogen.

Auch Prominente meldeten sich zu Wort: Schriftstellerin Joyce Carol Oates zweifelte auf Twitter offen Trumps Geisteszustand an, Schauspieler Zach Braff nannte die Anschuldigungen «gefährlich».

«Eine faire Wahl als gefälscht zu bezeichnen, ist so kriminell wie eine gefälschte Wahl fair zu nennen», so Schach-Legende Gary Kasparow.

Busladungen mit illegalen Einwanderern

Trumps Vorwürfe der Wahlmanipulation sind nicht neu. Seit Monaten arbeitet der Milliardär an der Legende, eine Wahlniederlage könne nur auf Wahlmanipulation zu seinen Ungunsten zurückzuführen sein. Unter Trump-Anhängern kursierten Gerüchte, die Obama-Administration wolle «Busladungen mit illegalen Einwanderern» von Wahllokal zu Wahllokal fahren, um für Clinton zu stimmen.

Diese Gerüchte hat Trump befeuert. Mehrfach forderte er seine Anhänger auf, sich im November in «gewissen» und «anderen Bezirken» als Wahlpolizei zu betätigen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. «Es ist wichtig, dass ihr andere Communities im Auge habt, denn wir wollen nicht, dass uns diese Wahl gestohlen wird», wiederholte er zuletzt am Montag bei einer Veranstaltung – vor fast ausschliesslich weissem Publikum, wie die «New York Times» anmerkte. «Trump stellt eine Zeitbombe für Rassenunruhen am Wahltag», fürchtet das Onlinemagazin Slate.com.

Die Kanzlei Ashby Law, die in Washington Politiker berät, versuchte, mit Argumenten Theorien des Wahlbetrugs zu entkräften: In 33 lesenswerten, mittlerweile viralen Tweets erklärten die Anwälte stoisch, wie eine Wahl abläuft, wie man diese manipulieren müsste, warum dies nicht möglich ist – und warum diese Anschuldigungen nicht nur falsch, sondern auch gefährlich für das gesellschaftliche Klima sind.

Fans radikalisieren sich

Doch die sinkenden Umfragewerte sowie die Berichterstattung über Trumps Skandale scheinen ihn sowie Teile seiner Fans die an einen Kampf gegen das verhasste Establishment glauben, weiter zu radikalisieren.

Für Erschütterung sorgte ein gewählter Sheriff aus Milwaukee, der nicht nur sämtliche staatliche Institutionen und die Medien als korrupt bezeichnete, sondern auch erklärte, es sei nun «Zeit für Fackeln und Mistgabeln» – und seine Botschaft mit einem kruden Agenturfoto untermauerte.

Mann will Clinton töten

Der «Boston Globe» zitiert in einer Passage über eine Trump-Veranstaltung einen Mann, der Hillary Clinton bei einem Wahlsieg töten würde: «Sie sollte im Gefängnis sein oder erschossen werden. Wir werden eine Revolution haben und sie aus dem Amt treiben ... es wird viel Blut fliessen.»

Der Bericht des «Globe» sorgte für derartigen Wirbel in den USA, dass sich nach Veröffentlichung das Trump-Lager distanzierte -–halbherzig. «Wir lehnen Gewalt in jeder Form ab», heisst es in einem Statement aus seinem Kampagnenteam. «Diese inakzeptablen Äusserungen repräsentieren nicht die Millionen Amerikaner, die vom manipulierten System in Washington genug haben.»

Und wie reagiert Hillary Clinton? Sie liess ihren Sprecher trocken kommentieren: «Politische Teilhabe, besonders das Wahlrecht, sollte ermutigt, nicht untergraben werden – nur weil der Kandidat Angst hat, dass er verliert.»

ayy

Von George Washington bis Barack Obama: Alle 44 US-Präsidenten

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
31 Kommentare anzeigen
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  • Beobachter24 18.10.2016 00:39
    Highlight Die Wahlen finden statt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

    Wenn es eng wird - und ich denke, das wird es - dann könnte die eine oder andere Seite Manipulation vornehmen, vorwerfen oder beides. Ich traue beides beiden Seiten zu. Beide können's. Die Reps 2000 bei Bush Junior in Florida. Die Demokraten 2016 bei den Primaries u.a. in NY.

    Andrew Appel (Professor an der Uni Princeton) warnt seit Jahren davor, wie schlecht die sog. "US-Wahlmaschinen" vor Cyber-Angriffen geschützt sind (vgl. https://goo.gl/Fs85jE).
    Sehr fahrlässig derartige Gefahren nicht zuvor auszuschliessen.
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  • mister_michael 17.10.2016 22:35
    Highlight Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Kluft zwischen Arm und Reich, Krieg und Ausbeutung in fremden Ländern, Waffengesetze (Waffenlobby lässt grüssen), Gesundheitsversorgung und überdurchschnittliche Umweltverschmutzung. Wenn Trump gewählt wird wird es viel schlimmer, bei der gekauften Hillary wird sich leider wohl kaum etwas bessern.
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  • Zarzis 17.10.2016 11:19
    Highlight Leider hat Trump aber recht.
    In den USA werden 8 bis 12 Mio. Wählerstimmen nicht gezählt. Also gestohlen.
    Nur nicht die Demokraten bescheissen im grossen Stil, sondern die Reps. Das schon seit 16 jahren.
    Immer mit dem selben vorwand, Doppelwähler Auszuschliessen. Deshalb werden in Rep Staaten aufwändige Listen mit Angeblichen Doppelwählern erstellt. Hauptsache Afro, Latinos, Studenten und Asiaten.
    Das habe ich aus Greg Palast Film:
    The best Demokratie you can buy it.

    Darum muss Trump das jetzt behaupten, um ja nicht den Verdacht aufkommen zu lassen die Reps betrügen.
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  • BigE 17.10.2016 09:12
    Highlight Meinem die Reps so eine Wahlmanipulation, wie damals bei GBJ? Der hatte ja nachweislich weniger Stimmen als sein demokratischer Gegenkandidat......
    4 1 Melden
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  • solani 17.10.2016 09:12
    Highlight Oh je... Ich hoffe es werden keine Menschen verletzt, wenn Hillary gewinnt...
    Diese Leute (und Trump) geben solche Wortkotze von sich.. und dann wundern sie sich, dass man gegen sie ist.. klar das ist sicher eine Verschwörung..!! *augenroll*
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  • zombie woof 17.10.2016 08:45
    Highlight Trump und seine Schnepfe haben wahrscheinlich schon damit begonnen, Plaene zu machen, wie sie das Weisse Haus umbauen wollen. In seinen kuehnsten Traeumen wird er von Dienern auf einem Schild herumgetragen und das Volk kuesst ihm die Fuesse. Und ploetzlich beginnt dieser Kleingeist zu realisieren, es koennte schiefgehen. Wir duerfen uns noch auf einige boese und vorallem dumme Geschichten freuen, er hat noch ein paar Tage Zeit um seine flache Fantasie walten zu lassen.
    17 8 Melden
    • dododo 17.10.2016 09:42
      Highlight nichts gegen auf einem schild herumtragen lassen!!
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  • lilie 17.10.2016 08:38
    Highlight Was für ein trauriges Theater. Der Wahltermin kann nicht früh genug kommen (ob wir dann bessere Neuigkeiten aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten bekommen oder einfach andere, bleibe mal dahingestellt).

    Gibts eigentlich irgendwo einen Zeitverlauf von Trumps und Clintons Umfragewerten? Ich habe nichts gefunden...
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  • Andreas19 17.10.2016 08:03
    Highlight Was wäre, wenn Trump von den Demokraten aufgestellt wurde? Immerhin war er früher sls Demokrat registriert...
    8 21 Melden
    • Raban T. Jolibois 17.10.2016 09:31
      Highlight Und Clinton war Republikanerin
      2 0 Melden
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  • zigi97 17.10.2016 07:45
    Highlight Wenn man scheinbar das ganze politische Establishment und sämtliche Medien gegen sich hat ist es irgendwie verständlich, wenn man niemandem mehr vertraut...
    17 37 Melden
    • solani 17.10.2016 09:06
      Highlight Dieser Mann gibt so viele Gründe um gegen ihn zu sein. Da hat er nicht misstrauisch zu sein..
      Und übrigens würde seine eigenen Aussagen ausreichen um gegen ihn zu sein. Da braucht es die Medien eigentlich gar nicht... Dieser Mann hat sich selber einfach nicht ihm Griff.
      29 7 Melden
    • meglo 17.10.2016 09:35
      Highlight Allmachtsfantasien, Sexismus, Rassismus und als Sahnehäubchen Verfolgungswahn. Eine wahrhaft erschreckende Kombination. Wer einen Präsidentschafts Kandidaten mit diesen Eckwerten noch Verständnis aufbringen kann, hat es nicht verdient in einer demokratischen Gesellschaft zu leben.
      8 1 Melden
    • zigi97 17.10.2016 12:16
      Highlight Hillary hat ja auch keine weisse Weste... Sie sagt sie habe eine öffentliche und eine private Meinung. Über die konservativen Newsportale Breitbart und Infowars sagt sie, die hätten keine Existenzberechtigung. Ihr Wahlkampf in grossen Teilen von den Golfstaaten finanziert. Während ihrer Zeit als Aussenministerin hat sie den IS unterstützt (Kampf gegen Gaddhafi, Assad). Sie scheint auf Konfrontation mit Russland aus. Hinzu kommt noch die Geschichte mit ihrem emailserver und ihr fragwürdiger Gesundheitszustand. Hierzulande liest man davon wenig bis gar nichts.
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    • zigi97 17.10.2016 12:19
      Highlight Versteht mich nicht falsch, ich unterstütze Trump keineswegs. Ich bin der Meinung, dass keiner der beiden ins Weisse Haus gehört. Ich würde mich schlichtweg weigern einen der beiden zu wählen (Garry Johnson wäre für mich der einzige wählbare Kandidat, leider hat er aufgrund des kaputten Systems keine reelle Wahlchance). Egal wer gewählt wird, die USA haben so oder so ein Problem.
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    • zigi97 17.10.2016 12:33
      Highlight @meglo jedem, der nicht exakt der gleichen Meinung wie man selber ist, das Recht darauf in einer demokratischen Gesellschaft zu leben abzusprechen ist nicht besonders demokratisch...

      Abgesehen davon würde ich eine Privatrechtsgesellschaft, wie sie z.B. Hans-Herrmann Hoppe verschlägt, einer Demokratie vorziehen. Dann würde sich auch die Wahl zwischen den beiden erübrigen...
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    • solani 17.10.2016 13:47
      Highlight @zigi97:
      Apropos Gary Johnson und co.:
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  • deleted_643566127 17.10.2016 07:45
    Highlight In etwas geringerem Ausmass war dies doch schon 2008 und 2012 der Fall. Eine kleine radikale Minderheit kaufte in 2008 massenhaft Waffen weil Obama bekanntlich das 2nd Amendment abschaffen würde, und mittels Militärdiktatur Schariagesetze einführen würde. Diese Leute müssten jetzt zum dritten Mal in Folge feststellen, dass sie völlig out of touch mit dem Rest der Bevölkerung sind, aber sie realisieren es nicht. Auch wenn es sich nicht gehört, hatte Hillary schon Recht als sie Trumps Wähler angegriffen hat, aber letztendlich ist das Recht, dumm zu sein, die demokratischte Freiheit die es gibt.
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  • Kaakwurst 17.10.2016 06:26
    Highlight Als schweizer kann ich nur sagen: sollen die ihr land doch ins chaos reiten, dann merken sie dass sie nicht der mittelpunkt der welt sind
    14 102 Melden
    • Calvin WatsOn 17.10.2016 06:38
      Highlight @Kaakwurst: ja warum nicht, dumm nur, reitet der Rest der Welt hinterher ^^
      43 5 Melden
    • saugoof 17.10.2016 06:46
      Highlight Problem ist dass wenn die ihr Land ins Chaos reiten, sie uns auch mitreissen.
      38 4 Melden
    • deleted_643566127 17.10.2016 07:34
      Highlight Das würde man gerade als Schweizer respektive Europäer stark bereuen. Denn in Sachen europäischer Verteidigung und in diversen für die wirtschaftliche Stabilität verantwortliche Organisationen (etwa das IMF) steht die USA sehr wohl im Mittelpunkt.
      28 4 Melden
    • meglo 17.10.2016 10:03
      Highlight Was in den USA vorgeht, hat sehr wohl Einfluss auf das Geschehen in der Welt. Bei einem Präsidenten eines Landes, welches das Potential hat die zivilisierte Welt dem Erdboden gleichzumachen, wünscht man sich mit Recht, dass er ein Minimum an Verstand hat.
      Im übrigen wünschte ich auch vielen selbst ernannten Eidgenossen die Einsicht, dass sie nicht auf einer Insel leben und nicht der Nabel der Welt sind.
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  • Spooky 17.10.2016 00:49
    Highlight «Politische Teilhabe, besonders das Wahlrecht, sollte ermutigt, nicht untergraben werden - nur weil der Kandidat Angst hat, dass er verliert.»

    Sie könnte geradesogut gesagt haben: "Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!“
    16 131 Melden
    • alessandro 17.10.2016 07:04
      Highlight Ehm, wunderbar erfundener Zusammenhang mit dem du Hillary relativ starke Vorwürfe machst. Entweder ausformulieren oder das nächste Mal auslassen...
      31 6 Melden
    • Sir Affe 17.10.2016 07:30
      Highlight Ja, oder in etwa den selben Zusammenhang: "Käse schliesst den Magen"...
      20 5 Melden
    • meglo 17.10.2016 09:50
      Highlight Wie du den Zusammenhang von Clintons richtiger Festellung zur dümmlichen Aussage, die Mary Antoinette zugeschrieben wird, herstellst, bleibt wohl dein Geheimnis.
      3 2 Melden
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