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Eklat mit Ansage – Erdogan zu Besuch bei Trump 

Eigentlich passen Trump und Erdogan ganz gut zusammen, beide sind autoritäre Alphatiere. Doch über den Syrien-Krieg haben sie sich entzweit. Beim Treffen in Washington könnte es krachen.

16.05.17, 10:01 16.05.17, 11:04

Maximilian Popp, Istanbul

Ein Artikel von

Er redete sich in Rage. Er beschimpfte den Moderator und Israel. Schliesslich stand Recep Tayyip Erdogan mitten in der Podiumsdiskussion auf und stürmte von der Bühne. Das war auf dem Weltwirtschaftsforum 2009 in Davos, und es ging um den Gaza-Krieg.

Acht Jahre liegt dieser Vorfall zurück. Erdogans Anhänger erinnern noch immer daran wie an eine gewonnene Schlacht. Seine Gegner in der Türkei schämen sich für ihren Präsidenten.

Nun rechnen viele mit einem weiteren Davos-Moment. Am Dienstag trifft Erdogan seinen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump in Washington. Die Begegnung sollte einen Neuanfang in den türkisch-amerikanischen Beziehungen einleiten. Doch danach sieht es nicht mehr aus.

Recep Tayyip Erdogan. Bild: AP/Presidency Press Service

Zwar haben sich Erdogan und Trump mehrfach ihre gegenseitige Wertschätzung versichert. Die beiden teilen einen autoritären Regierungsstil, die Verachtung gegenüber Journalisten und einer unabhängigen Justiz. In Ankara wurde der Wechsel von Barack Obama zu Trump euphorisch begrüsst. Der US-Amerikaner wiederum war der erste westliche Staatschef, der Erdogan zu seinem knappen Sieg beim Verfassungsreferendum am 16. April gratulierte.

Die USA wollen keine Rücksicht mehr auf die Türkei nehmen

In den vergangenen Tagen und Wochen aber ist das Verhältnis deutlich abgekühlt. Mehr noch: Der Krieg in Syrien hat die beiden Nato-Partner entzweit.

Schliesslich verfolgen die USA und die Türkei in dem Bürgerkriegsland entgegengesetzte Interessen. Die Amerikaner wollen um jeden Preis den sogenannten «Islamischen Staat» («IS») besiegen. Trump braucht, nicht zuletzt nach der umstrittenen Entlassung von FBI-Chef James Comey, dringend einen PR-Erfolg. Er setzt im Krieg gegen den «IS »in erster Linie auf die YPG, den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Ankara jedoch betrachtet die PKK/YPG als Terrororganisation. Türkisches Militär und die Rebellengruppe bekämpfen sich seit Jahrzehnten. Die YPG soll, laut Aussagen türkischer Politiker, an Attentaten in der Türkei beteiligt gewesen sein.

Die türkische Regierung versucht mit aller Macht, die USA zu überreden, bei dem geplanten Sturm auf die «IS»-Hochburg Rakka auf Truppen der Freien Syrischen Armee (FSA) und türkische Spezialeinheiten statt auf Kurden zurückzugreifen. Hochrangige Beamte aus der Türkei, darunter Geheimdienstchef Hakan Fidan, sprachen deshalb gerade erst in Washington vor.

Die US-Regierung aber scheint mehr denn je davon überzeugt, dass die YPG als einzige Kraft dazu in der Lage ist, Rakka vom «IS »zu befreien. Trumps Vorgänger Obama hatte die Operation aus Rücksicht auf die Türkei über Monate hinweg immer wieder verschoben. Nun sind die USA offensichtlich nicht länger gewillt, zu warten.

Möglicher Deal in Washington

Das amerikanische Verteidigungsministerium gab vergangene Woche bekannt, schwere Waffen an die YPG zu liefern. Ankara betrachtet dies als eine Art Kriegserklärung. Sie sorgt sich, dass die Waffen später gegen die Türkei eingesetzt werden könnten. Premier Binali Yildirim drohte den USA mit Konsequenzen.

Erdogan selbst hielt sich mit Attacken gegen die Amerikaner zurück. Er glaubt offenbar nach wie vor, Trump im persönlichen Gespräch für eine Kursänderung gewinnen zu können. Beobachter halten es jedoch für mehr oder weniger ausgeschlossen, dass die USA in Syrien von den Kurden abrücken. Zu weit sind die Pläne fortgeschritten.

Es ist denkbar, dass sich Erdogan und Trump auf einen Deal verständigen, wonach Ankara eine Beteiligung der YPG an der Rakka-Operation hinnimmt und die USA im Gegenzug einen Angriff der Türkei gegen die PKK im Nordirak unterstützen.

Das türkische Militär hat Ende April bereits Stellungen der Kurden-Organisation in der Region Sindschar bombardiert. Ankara fürchtet, dass die PKK in Sindschar eine zweite Präsenz neben ihrem Hauptquartier in den Kandil-Bergen errichtet. Ein türkisch-amerikanischer Vorstoss in Sindschar würde den USA nicht nur ein Glaubwürdigkeitsproblem verschaffen, sondern auch die irakische Zentralregierung in Bagdad befremden, die die Intervention als Invasion verstehen dürfte.

Erdogan läuft Gefahr, Washington mit leeren Händen zu verlassen. Er könnte in diesem Fall eine offene Konfrontation mit den USA suchen. Sein Berater Ilnur Cevik hat bereits indirekt damit gedroht, die Türkei könnte US-Truppen in Syrien bombardieren. Der Krieg in Syrien würde dadurch noch unberechenbarer.

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  • SemperFi 16.05.2017 17:08
    Highlight Für ein Kompliment von Erdogan verkauft Trimp die YPG ohne mit den Wimpern zu zucken.
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  • Linus Luchs 16.05.2017 13:04
    Highlight THE ART OF DIPLOMACY (edition 2017)
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  • Harpist 16.05.2017 12:07
    Highlight Ich glaube kaum, dass die Türkei auch nur eine Bombe auf US-Soldaten werfen wird.
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  • Menel 16.05.2017 11:40
    Highlight Bei dem Treffen möchte man Mäuschen sein. Grössenwahnsinnige, Narzisten mit Selbstwertproblemen unterhalten sich mit beschränktem Wortschatz in einfach(st)en Sätzen. xD
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  • smoking gun 16.05.2017 11:16
    Highlight Ich mag Erdogan auch nicht. Aber dass er sich 2009 in Davos wegen dem Genozid in Gaza in Rage redete, kann ich gut nachvollziehen. Und ich glaube auch nicht, dass seine Gegner in der Türkei sich deswegen für ihren Präsidenten schämen. Viel eher schämen sie sich wegen seiner Doppelmoral. Er lässt ja auch Kurden bombardieren. Der Typ ist ein Heuchler.
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    • Mr. Malik 16.05.2017 14:47
      Highlight Genau das gleiche ging mir auch durch den kopf..
      Schliesslich haben zum beispiel in den 80ern, soweit ich weiss, die kurden um öcalan im libanon mit der plo zusammengespannt bei der kampfausbildung, pkk und erdogan anhänger zugleich, hab ich nochnie angetroffen.
      Und auch historisch und religiös gesehen, fühlen sich viele kurden und türken mit den palästinensern verbunden.
      Was leider auch dazu führt, dass das märchen, wonach israel den is gegründet hat immernoch anhänger findet.
      Ich schweife ab..
      Auf jedenfall: unglücklich gewählter anfang..
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  • Walter Sahli 16.05.2017 11:06
    Highlight Alle Weissagungen à la "Es ist denkbar, dass...", "Experten sind sich einig, dass..." und "Es kann erwartet werden, dass..." beruhen auf Erfahrungen mit "normalen" Politikern. Trump gehört aber nicht in diese Kategorie und es kann genau so gut sein, dass er auf die Erdogan-Schiene umschwenkt, wie dass er plötzlich behauptet, er hätte Comey nicht entlassen sondern befördert, weil der ja schliesslich sein bester und wertvollster Mitarbeiter sei....(oder dass Comey ein verdammter Kommunist sei, was man ja schon am Name erkennen könne). Wissen tun wir's erst, wenn's vorbei ist.
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  • Asmodeus 16.05.2017 11:01
    Highlight "Sein Berater Ilnur Cevik hat bereits indirekt damit gedroht, die Türkei könnte US-Truppen in Syrien bombardieren."

    Wers glaubt wird selig. Dann kann sich die Türkei endgültig aus NATO und Europa verabschieden.
    Und sooo sehr mit Putin anfreunden will sich Erdibaby ja auch nicht.
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  • Wehrli 16.05.2017 10:54
    Highlight Erdogan erinnert mich an Charlie Chaplin in "Der grosse Diktator" als er sich in Rage redet ...
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  • Donald 16.05.2017 10:48
    Highlight Erdower? Warum sollte man diesen unwichtigen kleinen Mann überhaupt noch beachten?
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    • Radiochopf 16.05.2017 11:14
      Highlight @Donald 1. Weil die NATO einen Stützpunkt dort hat. 2. Weil die USA dort Atom-Bomben gelagert haben 3. Weil von der Türkei aus viele Angriffe auf Syrien geflogen werden 4. Zugang zum schwarzen Meer 5. Er die EU mit den Flüchtlingen erpressen kann

      so unwichtig ist Erdogan und die Türkei eben nicht..
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    • Raembe 16.05.2017 11:45
      Highlight Du hast keine Ahnung wer Macht hat in der Weltpolitik
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    • Gelöschter Benutzer 16.05.2017 11:57
      Highlight unwichtig ist einzig dein kommentar donald
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  • Gelöschter Benutzer 16.05.2017 10:44
    Highlight gar nix wird geschehn. wie seit jeher dienen die kurdischen extremisten als nützliche idioten. erdogan wird die ypg-zusammenarbeit hinnehmen müssen und im gegenzug freie hand gegen die pkk kriegen. der syrische ableger der pkk die ypg wird solange die usa sie braucht geschützt. danach gilt wieder alle gegen alle.
    solange die mächte auf die hilfe von terrorgruppen setzen, solange wird sich die gewaltspirale weiter drehen.
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    • Radiochopf 16.05.2017 11:20
      Highlight genau so ist es.. die "Rebellen" die "uns" vor Assad befreien sollen, sind dann die Terroristen vor denen wir dann wir dann in 10 Jahren Angst haben sollen.. genau das gleiche warmit Al Quaida.. von der CIA aufgebaut um die Russen in Afghanistan zu bekämpfen und Jahre später sind sie die grösste Bedrohung für die Welt.. wenn man sich nur mal 5-10min Zeit nimmt um auf Wikipedia nachzulesen welche Rebellen wirklich von der USA/Westen unterstützt werden gegen Assad, dann ist das einfach nur krank.. die sind alle 10X so schlimm und brutal wie Assad und genauso extremistisch wie IS/Al Quaida usw.
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  • acove 16.05.2017 10:12
    Highlight Na ja, da treffen sich wenigsten zwei Männer welche in etwa den gleichen tiefen IQ aufweisen und somit können sie sich über Dinge unterhalten, welche eigentlich niemanden interessieren. Die entsprechenden Gesprächs Inhalte werden sich wohl kaum über ein bla bla bla hinaus bewegen.
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    • Walter Sahli 16.05.2017 11:00
      Highlight Wer braucht schon IQ, wenn man Ego hat?
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    • pamayer 16.05.2017 13:15
      Highlight Oder, erweiterter Wortschatz: bomb, not bomb, my bomb, your bomb, show me your bomb, ha! my bomb is bigger, I sell you Viagra, now my bomb is still smaller, you sold a Placebo, you are a cheater. I bomb you with my little bomb...

      Etc etc, da capo ad absurdum.
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    • Madison Pierce 16.05.2017 13:53
      Highlight Man sollte Intelligenz nicht mit Sympathie verwechseln. Trump scheint nicht der Hellste zu sein, zumindest steht sein Ego einem vernünftigen Auftreten im Weg.

      Aber Erdogan ist nicht dumm. Eine Demokratie Schritt für Schritt in eine Diktatur umzubauen, braucht Intelligenz und Geschick.
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