International

Das Problem mordender Polizisten in den USA ist nicht nur die Hautfarbe

08.04.15, 13:48 08.04.15, 15:06

Der Täter ist weiss und Polizist, das Opfer schwarz und unbewaffnet. Ein weiterer Fall in dieser traurigen und nimmer endenen Reihe erschüttert die USA: Am Samstag wurde Walter Scott wegen eines kaputten Rücklichts angehalten und anschliessend vom Polizisten Michael Slager mit acht Schüssen in den Rücken niedergestreckt.

Neben der verschiedenen Hautfarbe von Täter und Opfer scheint sich noch eine andere Dimension zu wiederholen: Das relativ geringe Alter der Polizisten.

Michael Slager, der Täter im aktuellen Fall, ist 33 Jahre alt.

Darren Wilson war 28, als er Michael Brown in Ferguson erschoss.

Daniel Pantaleo war 29, als er Eric Garner in New York zu Tode würgte.

Timothy Loehmann war 26, als er Tamir Rice in Cleveland erschoss.

Peter Liang war 27, als er Akai Gurley in New York erschoss.

Bereits 2008 hatte eine Studie über Polizei-Konfrontationen mit tödlichem Ausgang den Altersfaktor herausgeschält. «Das Risiko nimmt mit zunehmendem Alter der Polizisten ab», heisst es dort. Das könnte damit zusammenhängen, dass junge Polizisten öfter auf Streife sind, während ihre älteren Kollegen öfter im Büro arbeiten. Oder aber es gibt einen Zusammenhang zwischen Alter und Gewalt.

Experten fordern Mindestalter für Polizisten

«Mir fehlten die nötige Reife und Klugheit komplett», sagte Tom Nolan gegenüber Buzzfeed. Der Professor für Kriminologie am Merrimack College in Massachusetts war vorher 27 Jahre lang Polizist und erst 22, als er den Dienst antrat. Es sei ein «schmutziges kleines Geheimnis», dass Polizisten viel zu jung angestellt werden. «Wer überfordert ist und Angst hat, reagiert in der Regel mit übermässiger Gewalt, ich weiss das aus eigener Erfahrung», so Nolan.

In anderen Berufen mit grosser Verantwortung ist es normal, dass nur Personen mit fortgeschrittenem Alter und einer gewissen Erfahrung in Frage kommen. CEOs und Chirurgen sind typischerweise über 30 oder sogar über 40. «Manche Berufe setzen eine gewisse Reife voraus, und ich finde, Polizisten gehören auch in diese Kategorie», sagt Jeffrey Jensen Arnett, Psychologie-Professor an der Clark University in Massachusetts. «Sie repräsentieren die Staatsmacht und entscheiden über Leben und Tod.»

Professor Nolan sieht zwei nötige Korrekturen: Mehr Sensibilisierung für die Konsequenzen von Gewaltanwendung in der Ausbildung, was allerdings mit höheren Kosten verbunden wäre. Und ein Mindestalter für die Anstellung von Polizisten: Besser einen 32-Jährigen, der bereits Berufserfahrung mitbringt als einen High-School-Abgänger.

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  • 's all good, man! 09.04.2015 13:43
    Highlight Weiss auch nicht, wie viel das tatsächlich mit dem Alter der Polizisten zu tun hat. Kann natürlich schon auch eine Rolle spielen, aber vielmehr muss das doch auch mit der gesellschaftlichen Haltung/ dem sozialen Umfeld, in dem die dort aufwachsen und insbesondere auch mit der Art der Ausbildung zusammen hängen. Wenn die das nur so lernen, ist ja klar, dass sie es dann auch so anwenden. Da muss doch bei denen grundsätzlich etwas passieren in ihren Anschauungen.

    Der aktuellste Fall ist echt haarsträubend und für mich absolut nicht zu greifen.
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  • 8004 Zürich 09.04.2015 11:51
    Highlight Könnte eine weitere Gemeinsamkeit sein, dass diese Polizeibeamten (grösstenteils) Veteranen sind?
    Es stellt sich die Frage, ob Menschen, "die für den Krieg trainiert sind" (Überleben!) überhaupt in der Lage sind, umsichtig und adäquat Polizei- und Sicherheitsdienst ("Peace Officers" - keine S.W.A.T. usw.) zu leisten. Dazu kommt die (Selbst-) Wahrnehmung von Veteranen in den USA: Ein Veteran hat für unser Land gekämpft, deshalb wird er nicht in Frage gestellt. Somit hat er immer Recht. Einem Veteran widerspricht man nicht. Manch ein Veteran denkt, sich mehr Recht "verdient" zu haben.
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  • amore 09.04.2015 10:18
    Highlight In einem Land, dessen Präsident unter zu Hilfenahme von Lügen ein fernes Land angreift und Tausende von Toten "produziert", werden auch weiterhin Polizisten so unmenschlich reagieren. Übrigens, wieso wird eigentlich Bush nicht vor Kriegsgericht geführt?
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  • Ricco Speutz 09.04.2015 08:02
    Highlight Ich versteh es nicht. Ich leiste Militärdienst, dabei des öfteren den Nahkampf trainiert und Nahkampfmittel wie RSG oder andere nicht tödliche Zwangsmittel. Im äussersten Notfall wird ein Warnschuss abgegeben, nutzt dieser nichts, wird auf die "nicht-tödliche Zone" geschossen, d.h. Beine. Und erst wenn das nichts gebracht hat, wird ein direkter Körpertreffer notwendig. Wir haben das gedrillt bis zum umfallen.

    Ich kann mir den psychischen Druck als Polizist nicht vorstellen, aber das es meist mehr wie 3 Kugel sind, die treffen beunruhigt mich doch sehr! Das ist wie im wilden Westen!
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  • Gelöschter Benutzer 09.04.2015 07:03
    Highlight Gut recherchiert! Auch sollte es verboten werden dass ein einzelner Polizist eine Anhaltung vornimmt. Kapo ZH macht das nie....!
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