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US-Kongress legt gegen den «Verräter» Snowden nach – der wehrt sich via Twitter

Publiziert: 16.09.16, 06:46 Aktualisiert: 16.09.16, 07:34

Ein Parlamentsausschuss in den USA hat dem Informanten Edward Snowden ehrenwerte Motive bei der Weitergabe von Geheimdienstinformationen rundweg abgesprochen. Snowden sei «kein Held», sondern er sei ein «unzufriedener Angestellter gewesen.

Snowden auf einem Foto von 2013. Bild: AP/WikiLeaks

Er habe häufige Konflikte mit Vorgesetzten gehabt», heisst es in einem Untersuchungsbericht, den der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses am Donnerstag nach zweijähriger Ermittlungsarbeit vorlegte. «Er ist ein Verräter, der seine Kollegen und sein Land vorsätzlich verraten hat.»

Die Autoren legen den Schluss nahe, dass der frühere Mitarbeiter des Geheimdiensts NSA aus persönlicher Unzufriedenheit die Geheimdaten weitergab, die dann einen weltweiten Skandal auslösten. Snowden sei «nur zwei Wochen, bevor er mit dem illegalen Herunterladen geschützter Informationen begann, abgemahnt worden», heisst es in dem Bericht.

«Lebenslauf frisiert»

Die Autoren werfen Snowden vor, seine Leistungsbeurteilungen manipuliert und «seinen Lebenslauf frisiert zu haben, um neue Positionen innerhalb der NSA zu bekommen». Sie kritisierten ihn auch dafür, dass er die Bedenken hinsichtlich der Abhörpraktiken der NSA, mit denen er die Weitergabe der Daten rechtfertigte, «niemals einem Vorgesetzten gegenüber geäussert» habe.

Whistleblower

Der Grossteil des Ausschussberichts ist als vertraulich eingestuft, allerdings wurden Auszüge in Washington der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vorsitzende des für die NSA zuständigen Unterausschusses, Lynn Westmoreland, richtete dabei schwere Vorwürfe an Snowden: Dieser habe «der Sicherheit der USA schwereren Schaden zugefügt als jeder andere Mensch in der Geschichte der USA».

«Besseres verdient»

Snowden reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter und wies die Vorwürfe zurück. «Mit diesem Bericht setzt sich der Ausschuss selbst herab», schrieb er. Nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit hätte «das amerikanische Volk Besseres verdient».

In den USA hatten sich zuletzt die Forderungen nach Snowdens Begnadigung durch US-Präsident Barack Obama gehäuft. Amnesty International und weitere Menschenrechtsgruppen riefen Obama diese Woche dazu auf. Die US-Regierung bekräftigte aber, dass sie Snowden vor Gericht sehen wolle.

Russische Aufenthaltsgenehmigung erlischt

Snowden arbeitete früher über eine Servicefirma als IT-Spezialist unter anderem für den Geheimdienst NSA und hatte daher Zugang zu brisanten Informationen. Im Jahr 2013 veröffentlichte er tausende als geheim eingestufte Dokumente zu weltweiten Überwachungstaktiken und löste damit eine globale Debatte über die Zulässigkeit staatlicher Eingriffe in die Privatsphäre aus.

Von den USA wird er deshalb wegen Spionage verfolgt. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft. Snowden lebt derzeit in Russland im Exil, seine Aufenthaltsgenehmigung erlischt aber im kommenden Jahr.

(sda/afp)

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  • Ali G 18.09.2016 04:52
    Highlight Ich hatte ein ähnliches Problem, natürlich viel kleiner.
    Ich arbeite auch in einem Staatsähnlichen Betrieb, als ich per Zufall von einer gravierenden Vertuschung efuhr ging ich zum Zuständigen und wies ihn darauf hin, was natürlich nichts brachte.
    Am Schluss wurde Ich dem Kunden als unzufriedener Arbeiter welcher nur der Firma schaden wollte dargestellt.
    Grosse Betriebe ohne externe Kontrolle werden immer Lügen und Betrügen um an der Macht zu bleiben.
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  • zsalizäme 16.09.2016 10:57
    Highlight Schon witzig irgendwie. Wenn ein Banker Daten über seinen Arbeitgeber und dessen Kunden an den amerikanischen Staat weitergibt, ist er ein ehrenvoller Whistleblower. Wenn nun ein Angestellter der USA das selbe mit seinem Arbeitgeber macht, ist er ein Verräter.
    15 0 Melden
    • Ursula Schüpbach 16.09.2016 13:39
      Highlight Wenn es um Steuerhinterziehung und -betrug geht, ist man halt nicht immer so gnädig wie in der Schweiz. Da verfolgt man in erster Linie den Datendieb.
      Und zu Snowden, da finde ich den Kommentar von Toerpe Zwerg sehr passend: "M.E. haben beide recht, bzw. er ist in der Tat ein Verräter, was ein Geheimdienst nie gutheissen kann und er hat gleichzeitig durch den Verrat einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft geleistet"
      0 4 Melden
    • zsalizäme 16.09.2016 15:06
      Highlight Man verfolgt den Datendieb, weil es gegen das Gesetz ist Daten zu klauen. Natürlich hat auch Snowden gegen das Gesetz verstossen. Aber das meine ich mit meinem Kommentar ja gar nicht. Es geht mir mehr darum, wie man diese beiden Fälle eben anders bezeichnet, obwohl es überspitzt und grob gesagt ums gleiche geht.
      2 0 Melden
    • Ursula Schüpbach 16.09.2016 16:20
      Highlight Steuerhinterziehung und -betrug sind für mich aber komplett andere Dinge als das, was sich mitunter manche Geheimdienste leisten, wenn sie komplett überborden mit ihren Schnüffeleien. Und punkto USA: Was sich manche Banker von Schweizer Banken da in den USA geleistet haben, war schon etwas mehr, als dass sie ihre Kunden bloss "normal" beraten hätten... Die waren bekanntlich schon etwas "aktiver". Auch wenn sie damit nicht alleine waren in der Welt, wie später z.B. die Panama Papers zeigten. Ist ja eher ein globales Phänomen und betrifft keineswegs bloss die Schweiz oder auch US-Steueroasen.
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  • kleiner_Schurke 16.09.2016 08:55
    Highlight Snowden soll seinen Lebenslauf “frisiert“ haben um intern einen besseren Posten zu erhalten. Und das hat die NSA nicht bemerkt? Zum Brüllen!
    43 3 Melden
    • Toerpe Zwerg 16.09.2016 09:46
      Highlight Hab ich auch gedacht. Vermutlich konnten sie es wegen dem Datenschtz nicht rausfinden! Hihihi
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  • Toerpe Zwerg 16.09.2016 08:49
    Highlight M.E. haben beide recht, bzw. er ist in der Tat ein Verräter, was ein Geheimdienst nie gutheissen kann und er hat gleichzeitig durch den Verrat einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft geleistet.
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  • efrain 16.09.2016 08:40
    Highlight Ziemlich übel.. habe nie verstanden, wieso die USA sich hier aufs Niveau von Russland, China etc. begibt.

    Gibt's irgendwo links zum Originalmaterial?
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  • Radiochopf 16.09.2016 08:21
    Highlight Was für eine lächerlicher Versuch der Regierung, Snowden zu diskreditieren! All diese Vorwürfe sind Lügen. Er hat ja extra Spuren hinterlassen, dass sie herausfinden das er es war und nicht seine Kollegen! Er musste diesen Weg gehen, da er sonst umgebracht würde. Er ist ein Held, daran kann die US-Regierung noch lange rütteln, nur naive Leute werden euch diesen Unsinn glauben!
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  • Firefly 16.09.2016 08:08
    Highlight «Er ist ein Verräter, der seine Kollegen und sein Land vorsätzlich verraten hat.»

    Tja, wenn man Verräter verrät.
    31 4 Melden
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  • Hypnos 16.09.2016 07:17
    Highlight In der Bilderstrecke fehlt meiner meinung nach noch daniel ellsberg, sicherlich einer der bekannteren whistleblowers
    14 0 Melden
    • Kstyle 16.09.2016 07:36
      Highlight Jetzt weiss ich endlich wo die superhelden geboren werden. Im Amerikanischen Parlamentsausschuss ;-).
      Haben die dort eine Heldenprüfung? ;-)
      13 0 Melden
    • Radiochopf 16.09.2016 08:23
      Highlight @Hypnos Auch Thomas Drake müsste genannt werden, den dank ihm hat Snowden seinen Weg der Veröffentlichung so gewählt..
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Wahlkampf im Jahr 2016 ist irgendwie merkwürdig, gell Hillary?

Ein Bild aus Hillary Clintons Wahlkampf macht derzeit die Runde in den Sozialen Medien:

Die Kandidatin der Demokraten winkt in die Menge – wem genau, ist unklar, denn es sieht keiner hin. Praktisch alle haben der 68-Jährigen den Rücken zugekehrt, um sich für ein Selfie mit dem Politstar in Position zu bringen.

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