International

Mitglieder der irakischen Armee feiern erste Erfolge in der Schlacht um Mossul. Bild: Marko Drobnjakovic/AP/KEYSTONE

Irakische Armee zieht Schlinge zu: Zügigerer Vormarsch auf Mossul als erwartet

Publiziert: 20.10.16, 06:36 Aktualisiert: 20.10.16, 11:19

Die irakische Armee rückt nach Angaben der Regierung schneller auf die Stadt Mossul vor als erwartet. Dies sagte Regierungschef Haider al-Abadi am Donnerstag zur Offensive gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS»). Nach US-Einschätzung kommen sowohl die irakischen Sicherheitskräfte und die kurdische Peschmerga schneller voran als erwartet. Die Koalitionstruppen rücken in drei Stosskeilen auf Mossul vor.

«Sie stehen schon deutlich weiter als ich es zu Beginn der Operation erwartet hätte», sagte US-General Gary Volesky, Befehlshaber der US-Bodentruppen im Einsatz gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat».

Die «IS»-Kämpfer «geben Gelände auf, um sich in das komplexe Stadtgebiet von Mossul zurückzuziehen». Dort könnten sie versuchen, im Häuserkampf die technologischen Vorteile ihrer Gegner zu neutralisieren.

Die Koalitionstruppen rückten in drei Stosskeilen auf Mossul vor. Irakische Einheiten eroberten am Mittwoch den Ort Kani Harami rund 40 Kilometer südlich von Mossul. Ein irakischer Militärkommandeur sagte dem kurdischen Sender Rudaw, seit dem Beginn der Militäroperation am Montag seien bereits 18 Dörfer befreit worden.

Kämpfe in Karakosch

Offensichtlich kam es zu neuen Kämpfen in der früher vor allem von Christen bewohnten Stadt Karakosch, die die Armee am Vortag bereits für erobert erklärt hatte. Der Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, das Militär sei wegen Scharfschützen zum Rückzug aus Karakosch gezwungen worden.

Karakosch war einst eine der grössten christlichen Städte im Irak. Die «IS»-Extremisten hatten den Ort vor mehr als zwei Jahren eingenommen, nachdem sich kurdische Peschmerga von dort zurückgezogen hatten. Zehntausende Christen flohen damals vor den Extremisten.

Alles im Griff: Crew-Mitglied auf dem Flugzeugträger Dwight D. Eisenhower, von wo in Richtung Mossul geflogen wird. Bild: HAMAD I MOHAMMED/REUTERS

Ministertreffen in Paris

Mit Blick auf die erwartete Rückeroberung von Mossul aus den Händen des «IS» hat Frankreich für diesen Donnerstag in Paris zu einem Ministertreffen eingeladen. Dabei soll die Zukunft der Stadt erörtert werden. Die Aussenminister Frankreichs und des Iraks, Jean-Marc Ayrault und Ibrahim al-Dschafari, leiten die eintägige Konferenz.

Der französische Präsident François Hollande warnte, die «IS»-Extremisten könnten aus Mossul in die syrische Stadt Rakka fliehen, die ebenfalls eine Bastion der Dschihadisten ist. Terroristen dürften nicht an andere Orte gelangen und von dort aus ihre Aktionen weiterführen.

Präsident Hollande hält seine Rede am Aussenministertreffen.  Bild: REGIS DUVIGNAU/REUTERS

Hollande sagte mit Blick auf die Schlacht von Mossul: «Auf militärischer Ebene wird sie lang sein.» Die Zivilbevölkerung müsse geschützt werden. «Alles wird getan, um den Bewohnern der Ebene von Ninive die notwendige humanitäre Hilfe zu bringen(...)», sagte der Staatschef.

Einwohner Mossuls sollen in Häuser bleiben

Irakische Sicherheitskräfte und kurdische Peschmerga hatten am Montag eine seit langem erwartete Offensive begonnen, mit der Mossul aus der Gewalt des «IS» befreit werden soll. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der «IS» im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Der Kommandeur der gemeinsamen Militäroperation, Generaloberst Talib Schaghati, rief die Einwohner Mossuls auf, in ihren Häusern zu bleiben, damit sie nicht den Kämpfen ausgesetzt seien. In der Stadt sollen noch rund 1,5 Millionen Menschen leben. Hilfsorganisationen rechnen mit bis zu einer Million Flüchtlingen.

Zunächst seien noch keine grösseren Fluchtbewegungen der Zivilbevölkerung registriert worden, sagte US-General Volesky. «Vielmehr hat die Zivilbevölkerung der (bisher zurückeroberten) Dörfer die irakischen Truppen bei deren Heranrücken unterstützt.» (sda/dpa)

0 Kommentare anzeigen
0
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Weltweit gab es seit 1970 über 156'000 Terroranschläge. In der Schweiz ist seit 20 Jahren niemand mehr einem Attentat zum Opfer gefallen. Doch in den 70er- bis 90er-Jahren ermordeten Terrorgruppen teils Hunderte Menschen jährlich in Westeuropa. Eine Übersicht von 1970 bis Berlin 2016.

Zusammenfassung: In den 70er- bis 90er-Jahren töteten meist europäische Terrorzellen jährlich 100 bis 400 Menschen in Europa. Seit der Jahrtausendwende nehmen die Attentate in Westeuropa und in der Schweiz stark ab. Von 2001 bis 2015 entfielen nur 0,3 Prozent der Terroropfer auf Westeuropa. Hauptsächlich aufgrund der Attentate in Paris und Nizza stieg die Opferzahl zuletzt wieder auf rund 150 Menschen pro Jahr, sprich auf das Niveau der 80er-Jahre. Weltweit nimmt der Terrorismus seit 2005 zu …

Artikel lesen