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Die Oscar-Armee ist bereit für den Kampf gegen Donald Trump.   Bild: PAUL BUCK/EPA/KEYSTONE

So rüstet sich Hollywood gegen Donald Trump

Die Oscars stehen ganz im Zeichen von Donald Trump: Schon vor der Zeremonie machen Schauspieler gegen den US-Präsidenten mobil. Kalifornien wird mehr und mehr zum Zentrum des Widerstands gegen Washington.

26.02.17, 05:09 26.02.17, 08:45

Veit Medick, Marc Pitzke

Ein Artikel von

Jodie Foster scheut eigentlich jeden öffentlichen Aktivismus. «Ich gehöre nicht zu denen, die sich wohlfühlen, ihr Gesicht für politische Zwecke einzusetzen», ruft die Oscar-Preisträgerin. «Aber es ist jetzt alles anders. Es ist Zeit, sich zu zeigen!»

Lauter Jubel hallt über die abgesperrte Strasse. Die Leute halten Plakate hoch: «Widerstand!», «Nein zu Faschismus.» Hinten weht ein riesiges US-Sternenbanner.

Jodie Foster gibt sich auf einmal politisch. Bild: Willy Sanjuan/Invision/AP/Invision

Ein strahlender Nachmittag in Beverly Hills: Die United Talent Agency (UTA), eine der grössten Agenturen Hollywoods, die Stars wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie vertritt, feiert jedes Jahr eine rauschende Oscar-Party. Berater, Autoren, Darsteller – und die, die es werden wollen – huldigen sich dabei dann gern selbst.

Diesmal aber ist hier keiner in Feierlaune, selbst so kurz vor den Oscars nicht: Die Party wurde abgesagt und mit einer Kundgebung ersetzt, um gegen Donald Trump und seinen radikalen Kurs in der Einwanderungspolitik zu demonstrieren.

Fast 2000 Protestler haben sich dazu am UTA-Hauptquartier versammelt, gleich neben der «Playboy»-Zentrale. Auf einem Podium stehen Foster – die sonst nie privat auftritt – sowie zahlreiche andere Stars, darunter Michael J. Fox und Kristen Wiig. Die meisten tragen Jeans und T-Shirt, einige haben ihre Kinder mitgebracht. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU verteilt Aufkleber und Aktivismus-Broschüren.

Der Protest ist beispielhaft für die derzeitige Stimmung in Hollywood. Bis heute herrscht in der eher linksliberalen US-Filmfabrik Entsetzen darüber, dass Trump im November die Wahl gewann. Weite Teile der Branche sehen in dem Milliardär nicht nur eine grosse Gefahr für die Weltoffenheit der USA und den Zusammenhalt des Landes, sondern auch für die Freiheit der Kunst und der Meinungsäusserung.

Selten stand die Oscar-Saison so im Zeichen des politischen Zanks. Auch bei der Gala am Sonntag dürfte sich die Ablehnung Trumps offen zeigen: Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die den Filmpreis verleiht, ermuntert die Sieger erstmals, auf der Bühne politisch Stellung zu nehmen. Trump, sagte Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs, habe aus allen Künstlern «Aktivisten gemacht».

Sowas war bei den Oscars bisher selten und sorgte stets für grosse Schlagzeilen. 1972 lehnte Marlon Brando seinen Oscar für den «Paten» ab und schickte stattdessen eine Aktivistin auf die Bühne, um gegen die Behandlung der US-Ureinwohner zu protestieren. Susan Sarandon und Tim Robbins brachten 1993 das Schicksal HIV-kranker Haitianer zur Sprache, Richard Gere beklagte das Leid der Tibetaner. Michael Moore hielt 2003 eine Brandrede gegen George W. Bush.

Hollywood als Keimzelle des Widerstands

Die aktuelle Spannung zeigt sich auch schon in der Woche vor den Oscars. Zum Beispiel beim Academy-Empfang für die nominierten Dokumentarfilmer, deren Themen – Syrien, Flüchtlinge, Fremdenhass – die Zerrissenheit der Welt widerspiegeln.

«Wir haben noch einen weiten Weg vor uns», seufzt Hébert Peck, der mit seinem Bruder Raoul den Film «I Am Not Your Negro» produzierte – eine Anklage gegen den Rassismus, kaschiert als Hommage an den 1987 verstorbenen schwarzen Schriftsteller James Baldwin: «Als habe der seine Worte erst heute früh verfasst.»

Hollywood sieht sich dabei als Keimzelle des Widerstands gegen Trump und Vehikel für aufgeklärtes Gedankengut. «Eine Demokratie funktioniert nur, wenn die Leute gut informiert sind», sagt Rory Kennedy, die Nichte John F. Kennedys und selbst eine sozial engagierte, zweifach Oscar-nominierte Dokumentarfilmerin.

Der Aufruhr in Hollywood – der nicht erst mit Meryl Streeps Rede bei den Golden Globes begann – offenbart zugleich, wie sehr ganz Kalifornien zum Zentrum der neuen Résistance wird. Der bevölkerungsreichste US-Staat, den Trump haushoch gegen Hillary Clinton verlor, ist nicht nur einer der wirtschaftlich mächtigsten, sondern auch ein Bilderbuchbeispiel für den demografischen Wandel Amerikas: 40 Prozent der fast 40 Millionen Kalifornier sind Latinos, jeder Vierte ist ausserhalb der USA geboren. Viele Arbeitsmarktsektoren sind von Einwanderern abhängig – nicht zuletzt eben die Filmindustrie, die Gastronomie und die Tech-Branche.

Jungstars der politischen Linken

Trumps radikalen Pläne für die Abschiebung undokumentierter Einwanderer treffen in Kalifornien auf heftige Gegenwehr. Aber auch anderswo stehen hier heftige Konflikte zwischen dem Westküstenstaat und dem Präsidenten an. Nirgends sonst wurde zuletzt mehr für den Klimaschutz getan. Auch leitete der Staat eine Justizreform in die Wege und modernisierte Arbeitsrechte. Kalifornien wirkt wie das Gegenstück zur Programmatik Trumps, und die Landesregierung fürchtet, dass sie demnächst mehr damit beschäftigt sein wird, dem Machthaber in Washington Gegenwehr zu leisten, als die eigenen Fortschritte zu manifestieren.

Ein Investor aus dem Silicon Valley kündigte unlängst sogar an, eine Kampagne für die Abspaltung Kaliforniens vom Rest der USA finanzieren zu wollen. Dazu wird es zwar nicht kommen. Aber dass Kalifornien in der Ära Trump eine wichtige nationale Rolle zukommen wird, liegt nicht nur wegen seiner vielen prominenten Politiker im Kongress auf der Hand, sondern auch wegen der Tatsache, dass hier einige der interessantesten Jungstars der politischen US-Linken beheimatet sind.

Xavier Becerra, Kaliforniens neuer Justizminister, wurde im Wahlkampf als möglicher Vizepräsident Clintons genannt. Nun dürfte sein Bekanntheitsgrad weiter wachsen, steht er doch im Mittelpunkt harter juristischer Auseinandersetzungen mit der US-Regierung, gerade in der Einwanderungsfrage.

Dem Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, werden ebenso Präsidentschaftsambitionen nachgesagt wie dem Gouverneur Jerry Brown. Der hielt im Januar eine zornige Rede gegen Trump, stellte seinen Staat auf massive Spannungen mit Washington ein und bemerkte ironisch, man solle vielleicht über eine eigene Mauer nachdenken, um sich zu verteidigen. Die nächste Zeit wird zum Schaulaufen all jener werden, die sich vorstellen können, Trump zu beerben.

Ein Vorteil der Trump-Gegner ist, dass Kalifornien über ein bestens organisiertes und finanziertes Netzwerk an Protestgruppen verfügt. Ob Einwanderer, Arbeiter, Homosexuelle, Umweltschützer, Marihuanafreunde oder Rentner – für fast alle gibt es Interessengruppen. Wie hoch der Mobilisierungsgrad vieler Kalifornier jetzt bereits ist, zeigt sich auch vor Ort in den Wahlbezirken republikanischer Politiker.

Aufgebrachte Bürger stürmen da die Sprechstunden der lokalen Abgeordneten, um gegen die drohende Abschaffung von Obamacare oder die Abschiebungspläne zu protestieren. Der Kongressabgeordnete Tom McClintock musste in seinem Wahlkreis Roseville kürzlich sogar unter Polizeischutz aus dem Saal geführt werden, nachdem er zuvor die Agenda seines Präsidenten unterstützt hatte.

Iranischer Boykott, Maren Ades Botschaft

Bei der Demonstration in Beverly Hills geht es friedlicher zu. Über eine Videoleinwand zugeschaltet wird der iranische Regisseur Asghar Farhadi, dessen Drama «The Salesman» als Best-Foreign-Film nominiert ist. Farhadi boykottiert die Verleihung aus Protest gegen Trumps Einreiseverbot für sieben mehrheitlich muslimische Staaten. «Ich bin dankbar für den Anstand meiner Kollegen», sagt er.

Gemeinsam mit den anderen für den Auslands-Oscar nominierten Regisseuren, darunter die deutsche Anwärterin Maren Ade («Toni Erdmann»), hat Farhadi ein Statement für Weltoffenheit veröffentlicht. Die Filmemacher verurteilen darin «das Klima von Fanatismus und Nationalismus, das wir heute in den USA und in so vielen anderen Ländern sehen, in Teilen der Bevölkerung, und, was am bedauerlichsten ist, unter führenden Politikern».

Der schwarze Komödiant Keegan-Michael Key, der 2015 beim Galadinner der Washington-Korrespondenten als «wütender» Sidekick eines coolen Barack Obamas auftrat, beklagt die «schaurigen Folgen» der Einwanderungsrestriktionen auf «den globalen Ideenaustausch». Er fordert seine wohlhabenden Hollywood-Kollegen auf: «Wir müssen für die sprechen, die selbst nicht sprechen können.»

Am Rande steht ein Food Truck, da gibt es Tacos umsonst, drei pro Person. Woher sie kämen, werden die zwei Verkäufer gefragt. Ihre Antwort: «Mexiko.»

Räume bei folgendem Quiz den Oscar für «den besten Filmkenner 2017» ab!

1.Welcher Film erhielt in diesem Jahr die meisten Oscar Nominierungen?
Sony Pictures Releasing GmbH
«Arrival»
Studiocanal GmbH Filmverleih
«La La Land»
A24
«Moonlight»
Paramount Pictures Germany
«Allied – Vertraute Fremde»
2.Welcher dieser Filme hat als einziger mehrere Oscars gewonnen?
Sony Pictures Releasing GmbH
«The Social Network»
«Ziemlich beste Freunde»
Disney
«Gefährten»
Twentieth Century Fox of Germany GmbH
«Der Teufel trägt Prada»
3.Welcher Filmstreifen staubte 2014 die meisten Goldmänner ab?
Warner Bros
«Gravity»
Tobis
«American Hustle»
Warner Bros. Ent. All Rights Reserved
«Der Hobbit – Smaugs Einöde»
Concorde
«Iron Man 3»
4.Welcher dieser Filme hat mehr als einen Goldjungen gewonnen?
20th Century Fox
«Black Swan»
Sony Pictures
«Verblendung»
Warner Bros. Pictures Germany
«Argo»
Universal Pictures
«Les Misérables»
5.Welcher dieser Animationsfilme hat keinen Oscar gewonnen?
United International Pictures GmbH
«Shrek»
Walt Disney Studios
«Findet Nemo»
Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
«Ratatouille»
The Walt Disney Company Germany GmbH
«Findet Dorie»
6.Nur einer dieser Filme mit Leonardo DiCaprio hat Oscars gewonnen. Weisst du, welcher es war?
United International Pictures GmbH
«Catch Me If You Can»
Concorde Filmverleih GmbH
«Shutter Island»
Warner Bros. Pictures Germany
«The Departed – Unter Feinden»
Universal
«The Wolf Of Wall Street»
7.Welcher dieser Filme hat weniger als vier Goldmänner gewonnen?
Twentieth Century Fox of Germany GmbH
«Avatar – Aufbruch nach Pandora»
Warner Bros. Pictures Germany
«Mad Max: Fury Road»
Concorde Filmverleih GmbH
«Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Warner Bros. Pictures Germany
«Inception»
8.Welche erfolgreiche Filmreihe hat noch nie einen Goldjungen gewonnen?
Warner Bros. Pictures Germany
«Harry Potter»
Buena Vista
«Fluch der Karibik»
The Walt Disney Company Germany GmbH
«Star Wars»
Universal Pictures International Germany GmbH
«Indiana Jones»
9.Kommen wir zu den Oscar-Rekorden: Bislang wurden nur drei Filme mit je elf Oscars ausgezeichnet. Welcher dieser Filme gehört nicht dazu?
Warner Bros. Pictures Germany
«Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs»
Neue Visionen Filmverleih GmbH
«Ben-Hur»
Warner Bros. Pictures Germany
«Der seltsame Fall des Benjamin Button»
Twentieth Century Fox of Germany GmbH
«Titanic»
10.Als Big Five bezeichnet man bei den Oscars die für einen Film fünf wichtigsten Kategorien: «Bester Film», «Beste Regie», «Bester Hauptdarsteller», «Beste Hauptdarstellerin» und «Bestes Drehbuch». Nur drei Filme konnten bisher die Big Five gewinnen. Welcher Film gehört nicht dazu?
Columbia Tri-Star Filmgesellschaft mbhH
«Das Schweigen der Lämmer»
Warner Bros
«Es geschah in einer Nacht»
United Artists
«Einer flog über das Kuckucksnest»
The Weinstein Company
«Silver Linings»

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • Calvin WatsNon 26.02.2017 14:19
    Highlight I'ts Showtime 😂😂😂 wo sind die verdammten Kameras. 😂😂😂👎🏻
    1 2 Melden
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  • Chrigi-B 26.02.2017 13:10
    Highlight Wem haben sie Geld gepfeffert? Aha ja stimmt der Wallstreetkönigin! Hahhaa viiiiel Spass liebe Stars ihr könntet nicht weiter vom arbeitenden Volk entfernt sein! Hättet ihr ein Herz, wäre Bernie eure Wahl gewesen. Sch**** Heuchler!
    12 2 Melden
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  • AJACIED 26.02.2017 11:32
    Highlight Ochhhhh die Möchtegern Stars die sich in einem besseren Licht zeigen müssen.
    Tun so als ob sie die besseren Presidenten wären.
    10 3 Melden
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  • Mia_san_mia 26.02.2017 10:38
    Highlight Diese Stars sollen doch einfach ihr Zeugs machen und die Politik sein lassen. So hat man ja gar keine Freude an so einem Anlass.
    11 4 Melden
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  • Döst 26.02.2017 09:37
    Highlight Wieso bloss wählen diese Hollywoodgrössen nicht den demokratischen Weg und werden selbst Politiker?
    So wie es z.B. Ronald Reagen oder Arnold Schwarzenegger getan haben? Zufall das dies 2 Republikaner waren? Sind die Hollywood-Demokraten zu feige oder zu bequem dazu? Oder dienen die Anti-Trump Auftritte nur zur eigenen Imagepflege?
    12 3 Melden
    • Spooky 28.02.2017 00:04
      Highlight @Dast S.

      "Oder dienen die Anti-Trump Auftritte nur zur eigenen Imagepflege?"

      100%ig richtig! Diese Leute sind Profis. Die wissen genau, wie man die Medien für seine eigenen Zwecke einspannt.
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