International

Sie schaffen's nicht: USA und Russland streiten – UNO sagt Sitzung zum Syrien-Konflikt ab

Ein Streit zwischen den USA und Russland hat die Hoffnung auf eine Besserung der Lage in Syrien gedämpft. Auf Bitten beider Staaten wurde eine für Freitag geplante Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats zum Syrien-Konflikt kurzfristig abgesagt.

Publiziert: 17.09.16, 06:40 Aktualisiert: 17.09.16, 09:19

Sie schaffen's einfach nicht: Bei der Dringlichkeitssitzung am Freitag hatte der UNO-Sicherheitsrat über die Vereinbarung der USA und Russlands für eine Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland diskutieren wollen.

Dabei sollte es auch um die Pläne zur Lieferung von Hilfsgütern und um die mögliche Zusammenarbeit zwischen Moskau und Washington im Kampf gegen die Dschihadisten gehen. 

Obama fordert Zulassung von Hilfsgütern

Bei einem Treffen mit Sicherheitsberatern unterstrich US-Präsident Barack Obama, dass die USA erst dann zu weiteren Schritten in der Kooperation mit Russland bereit seien, wenn Hilfslieferungen zu den bedürftigen Menschen gelangen könnten und die vereinbarte Waffenruhe sieben Tage lang halte.

Die Gesandten der USA und Russlands sollten dem UNO-Sicherheitsrat Details der eine Woche zuvor erzielten Vereinbarung vorlegen – doch Washington fürchtet, damit die von den USA unterstützten Rebellen in Syrien zu gefährden.

Ein Sprecher der US-Vertretung bei der UNO sagte, da es keine Einigung darüber gebe, wie der Rat informiert werden könne, ohne die Sicherheit zu untergraben, sei das Treffen abgesagt worden.

Frankreichs Forderung

Der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin sagte, der Sicherheitsrat werde die Vereinbarung über die Waffenruhe nicht mit einer Resolution unterstützen können, wenn Washington den Mitgliedern keine Details aus dem Abkommen offenlege. «Wir können sie nicht um die Unterstützung eines Dokumentes bitten, das sie nicht gesehen haben.» Unter anderem hatte Frankreich darauf bestanden, über die Einzelheiten der Vereinbarung informiert zu werden.

Tschurkin sagte, die russische Seite habe zwei Resolutionsentwürfe vorgelegt, aber die US-Seite habe versucht, diese zu ändern. «Auf ihre typische Art kamen sie mit etwas völlig Anderem an», sagte Tschurkin. «Sie tun nicht das Richtige.»

Seit Montagabend gilt in Syrien eine landesweite Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Die Feuerpause, die am Freitag bis Montag verlängert wurde, war auf Betreiben Moskaus und Washingtons zustande gekommen. Während Russland auf die syrische Regierung einwirken soll, sich an die Waffenruhe zu halten, sollen die USA dafür sorgen, dass die von ihnen unterstützten Rebellengruppen die Waffen schweigen lassen.

Obamas Bedingung

Obwohl die Feuerpause zunächst weitgehend eingehalten wurde, gelang es bisher nicht, wie geplant Hilfsgüter nach Aleppo und in andere belagerte Städte zu bringen. US-Präsident Barack Obama zeigte sich besorgt über die anhaltende Blockade von Hilfslieferungen. Bei einem Treffen mit Sicherheitsberatern unterstrich Obama nach Mitteilung des Präsidialamts, dass die USA erst dann zu weiteren Schritten in der Kooperation mit Russland bereit seien, wenn Hilfslieferungen zu den bedürftigen Menschen gelangen könnten und die vereinbarte Waffenruhe sieben Tage lang halte.

Kinder in Aleppo, 31. August 2016. Bild: AP/Aleppo Media Center

Die Aussenminister Russlands und der USA, John Kerry und Sergej Lawrow, hatten sich auf gemeinsame Luftangriffe auf Extremistengruppen wie die Terrormiliz Islamischen Staat (IS) verständigt, sollte eine einwöchige Waffenruhe zustande kommen.

Angriffe bei Damaskus

Am Freitag gab es dann nach syrischen Armeeangaben allerdings «schwere Kämpfe und Raketenfeuer» am Stadtrand von Damaskus. Demnach versuchten Aufständische in die Hauptstadt vorzudringen. Unklar war, um welche Milizen es sich handelte.

Ausgenommen von der Waffenruhe sind die Terrormiliz «Islamischer Staat» und die Gruppe Fateh-al-Scham-Front. Hält die Vereinbarung eine Woche wollen die USA und Russland ihr militärisches Vorgehen gegen die Dschihadisten erstmals koordinieren.

Der von beiden Ländern ausgehandelte Pakt soll den Weg für eine friedliche Lösung des seit mehr als fünf Jahren tobenden Syrien-Konflikts ebnen. Die Kooperation mit Russland ist allerdings in den USA umstritten. (dwi/sda/afp/reu)

So lebt der russische Soldat in Syrien: Sogar eine fahrbare Sauna ist am Start

Analysen zur Lage in Syrien:

Was gerade in Aleppo passiert, ist «schlimmer als Auschwitz» – warum wir uns schämen werden

Bilder, die traurig – und zugleich hoffnungsvoll stimmen: So schön war es in Aleppo, Homs und Rakka vor dem Krieg

6 Fakten, die zeigen, dass Saudi-Arabien keinen Deut besser ist als der «IS» – aber die Schweiz liefert weiterhin Waffen

Hören wir auf, dem Westen die Schuld an allen Problemen in Nahost zu geben

Annäherung der Erzfeinde: Warum die USA bald um Russland buhlen werden

Alle Artikel anzeigen

Meistgelesen

1

«Du hast Husten? Nimm Abführmittel!» – Bei solchen Freunden …

2

Scott Beattie muss bei den SCL Tigers gehen – Wunschkandidat ist …

3

Mal kurz die Nerven verloren im Apple Store – dieser Franzose …

4

Über diesen Werbespot für die Porno-Messe in Barcelona spricht ganz …

5

Milliarden-Sparkur bei den SBB – aber die Chefin kann den Maserati …

Meistkommentiert

1

Religion ist infantiler Aberglaube und gehört nicht in eine …

2

«Bald entziehen sie auch angetrunkenen Fussgängern die …

3

«Es sind Menschenfänger» – wie der «Lies!»-Verein als Forum …

4

Chile schickt Panzermotoren an die Ruag – darin versteckt: Kokain im …

5

Ins Altersheim, weil die Rente nicht reicht: 40'000 Senioren kämpfen …

Meistgeteilt

1

Geniale Pix: Hier haben die Fotografen einfach den perfekten Moment …

2

Mathias Seger ist neuer NLA-Rekordmann – 8 Anekdoten zur …

3

Kriminell, unschweizerisch, arm – zu Besuch in Lohn, der Bündner …

4

Geniale Pix: Hier haben die Fotografen einfach den perfekten Moment …

5

Zürcher Bezirksgericht spricht «Weltwoche»-Autor Philipp Gut schuldig

18 Kommentare anzeigen
18
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Beobachter24 17.09.2016 20:21
    Highlight Die amerikanische Seite weigert sich, die Details der neuesten Vereinbarung offenzulegen. (Das war jenes Abkommen, nach dem Lawrov und Kerry den Journalisten Pizza und Wodka offeriert hatten.)

    Solange die USA auf Geheimhaltung beharren wird man sich im Sicherheitsrat nicht einig werden, darum wurde auch die Sitzung des UNO-Sicherheitsrates abgesagt.

    Und weil die Vereinbarung eben bisher geheim ist, kann man noch so viel spekulieren, was drin steht, ist unbekannt.
    4 1 Melden
    600
  • PeterMüller 17.09.2016 12:15
    Highlight USA und Russland - Ihr nervt!
    10 4 Melden
    600
  • _kokolorix 17.09.2016 11:03
    Highlight Russland und die USA können sich erst annähern wenn die strategischen Ziele Moskaus erreicht sind. Das ist die Wiederherstellung der Assad'schen Diktatur und die Vernichtung der gefährlicheren Rebellengruppen. Putin ist sich völlig sicher, dass Obama es sich nicht leisten kann einen offenen Schlagabtausch mit Russland zu riskieren. Desshalb werden die Russen nicht aufhören zu zündeln, denn jeder Frieden würde unaufhaltsam die sich drastisch verschlechternde wirtschaftliche Lage im eigenen Land in den Mittelpunkt stellen. Das will Putin um jeden Preis verhindern.
    8 15 Melden
    600
  • lilie 17.09.2016 09:15
    Highlight Es ist ermutigend zu sehen, dass es in Syrien den Versuch gibt, eine Lösung zu erarbeiten. Eine erste Waffenruhe und Pläne zur Zusammenarbeit sind ja zumindest schon einmal Schritte in die richtige Richtung.

    Dass aber die Hilfsgüterlieferungen nicht klappen, ist eine Katastrophe! Offenbar lässt die Regierung die Lastwagen nicht durch.

    Das ist echt tragisch! 😓
    6 7 Melden
    • Atlantis 17.09.2016 11:25
      Highlight "Offenbar lässt die Regierung die Lastwagen nicht durch."
      So kolportieren es unsere Medien, die Wahrheit liegt, wie so oft, ganz wo anders.
      Im von Rebellen gehaltenen Teil Aleppos gab es sogar Demos gegen die Hilfslieferungen.
      8 7 Melden
    • lilie 17.09.2016 11:53
      Highlight @Atlantis: Echt jetzt? Warum?
      6 5 Melden
    • Atlantis 17.09.2016 13:24
      Highlight Sie verweigern Hilfe durch die von Assad kontrollierte Castello Route, weil diese dann zu einem "Humanitären Korridor" würde und es den Rebellen (auch politisch) verunmöglichen würde, diese militärisch "zurück" zu erobern. Eine alternative Route durch Rebellengebiet wird aber von Assad abgelehnt, weil diese dann höchstwahrscheinlich auch dazu genutzt wird, neues militärisches Material in die Stadt zu bringen.
      Wieviele Einwohner diese Haltung unterstützen ist schwer zu sagen, da die Rebellen/Terroristen in diesem Stadtteil das Sagen haben.
      2 1 Melden
    • _kokolorix 17.09.2016 15:02
      Highlight @Atlantis
      Deine Behauptung ist genau so wenig überprüfbar wie die Aussage von lilie.
      Tatsache ist jedoch, dass die Belagerten evtl. von Hilfslieferungen profitieren könnten. Da liegt es auf der Hand, dass wohl eher die assad'schen Schlächter die Lieferungen behindern
      1 3 Melden
    • Atlantis 17.09.2016 17:15
      Highlight Sie ist sehr wohl überprüfbar, da es Videos von der Demo, inklusive Interviews gibt. Das heisst natürlich nicht, dass steckengebliebene Hilfslieferungen nur darin begründet sind. Da gibts es diverse andere Probleme. Aber es ist eine Zusatzinformation für die magere Berichterstattung hier. Und Assad hat nichts gegen Hilfslieferungen an die Bevölkerung, warum sollte er auch. Das machen die Syrer und Russen seit Monaten. Das Problem sind die Rebellen/Terroristen in diesen Gebieten.
      3 1 Melden
    • lilie 17.09.2016 18:46
      Highlight @Atlantis: Wenn es das gibt, warum verlinkst du nicht? Ich hab gegooglet, und die letzte Demonstration war demnach im März und richtete sich gegen das Assadregime.
      1 1 Melden
    • Atlantis 17.09.2016 20:18
      Highlight http://www.telegraph.co.uk/news/2016/09/14/un-says-armed-syrian-groups-blocking-aid-to-aleppo-for-political/
      1 0 Melden
    600
  • rodolofo 17.09.2016 08:52
    Highlight Was können wir aus Syrien lernen?
    Wenn ein Land seine Minderheiten nicht schützt und nicht in den politischen Selbstfindung-Prozess integriert, mittels Rechtsstaat, Gewaltentrennung, Freien Medien und fairen, respektvollen Umgangsformen, wenden sich diese verdrängten und gedemütigten Minderheiten ab und lassen sich von Imperialen Mächten instrumentalisieren, welche sich Teile von zerfallenden Staaten einverleiben wollen.
    Das Gleiche gilt auch für diese Imperialen Mächte selber!
    Wenn sie eroberte Gebiete unterdrücken und ausplündern, werden sie dort anfällig, wo sie ihre Leute vernachlässigen.
    10 10 Melden
    • Radiochopf 17.09.2016 10:58
      Highlight @rodolfo das einzige was momentan klar scheint,:in Syrien geht und ging es nie um Assad, Demokratie oder Terrorismus, wenn jetzt die USA und Russland alleine über Krieg und Frieden entscheiden können.. die Wahrheit wird man wohl erst in 20-30 Jahren erfahren...
      13 5 Melden
    • stan1993 17.09.2016 11:54
      Highlight Die Anstalt ist eifach toll <3
      5 4 Melden
    • rodolofo 17.09.2016 11:56
      Highlight Worum geht es?
      Um Macht, Territorien, Bodenschätze, Reichtum, Luxus (alles materielle Dinge).
      Für diese Dinge, die uns abhängig und süchtig machen, gingen Menschen schon seit ewigen Zeiten über Leichen...
      Doch wer dem Mammon dient, bleibt arm im Herzen und wird Gott niemals finden können!
      Diesen reichen und mächtigen Herrschern bleibt der grösste Reichtum, den ein Mensch finden können, verschlossen.
      Dieser wirkliche Reichtum heisst LIEBE.
      3 4 Melden
    • Hoppla! 17.09.2016 13:11
      Highlight @ Radiochopf: Witziges Video. Aber leider werden die Zusammenhänge doch, auch bei der 100 Wiederholung, doch sehr vereinfacht dargestellt.

      Ich bin mir allgemein nicht sicher ob die Anstalt als gute Quelle taugt.
      1 1 Melden
    • _kokolorix 17.09.2016 15:42
      Highlight @rodolfo
      Die einen streben nach Macht und Reichtum, für Liebe ist da kein Platz.
      Andere töten, versklaven und vergewaltigen im Namen Gottes, da scheint die Liebe auch sehr begrenzt zu sein.
      Ich glaube die wenigsten Menschen sind für die Art Liebe die du beschreibst empfänglich. Was es braucht sind Regeln und Gesetze, die Anstand, Toleranz und Freiheit quasi vorschreiben. Nur so kann die Mehrheit zu einem gesitteten Zusammenleben bewegt werden. Stammen diese Regeln aus einer Religion, endet das Ganze in Extremismus, da das Regelwerk zu starr ist. Nur beständiges Anpassen kann dies verhindern
      0 0 Melden
    • rodolofo 17.09.2016 18:08
      Highlight @ _kokolorix
      Ich weiss, was Du meinst.
      "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."
      Da aber der Kontrollaufwand viel zu gross wird, wenn das Vertrauen fehlt, kommen wir doch wieder zurück auf das Vertrauen, welches die wichtigste Grundlage für das Zusammenleben ist.
      Wo das Vertrauen da ist, ist das Leben und Arbeiten sehr angenehm, weil dann der ganze Kontroll-Aufwand entfällt.
      Vertrauen ist eine Erscheinungs-Form der Liebe.
      0 0 Melden
    600

Diese 23 Bilder aus Syrien beweisen, dass gerade was komplett falsch läuft

An der syrisch-türkischen Grenze sitzen zehntausende Flüchtlinge fest. Die folgenden Bilder vermitteln einen Eindruck, wie katastrophal die Lage für die Vertriebenen ist. 

Die Lage an der syrisch-türkischen Grenze ist prekär. Rund 40'000 Menschen warten darauf, das Bürgerkriegsland zu verlassen. 

Doch das geht nicht mehr, weil die Türkei die Grenze dicht gemacht hat. 

Nur wenige Schwerverletzte dürfen derzeit den Grenzposten passieren, für die anderen ist ein Übertritt ins Nachbarland nicht mehr möglich. Beim Grenzdorf Akinci hat die Türkei sogar mit dem Bau einer Mauer begonnen. 

Auf syrischer Seite wurden zwar Flüchtlingslager eingerichtet, doch …

Artikel lesen