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Sieht nicht gut aus: Der Staudamm Oroville. Bild: EPA/CALIFORNIA DWR

Drohende Flutwelle in Kalifornien: 200'000 Menschen evakuiert

Nach wochenlangen Regenfällen ist der Oroville-Stausee in Kalifornien übergelaufen, 200'000 Menschen sind vor einer drohenden Flutwelle geflüchtet. Steinsäcke sollen den maroden Damm nun stabilisieren.

13.02.17, 19:28 13.02.17, 20:31

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Im Norden Kaliforniens sind fast 200'000 Menschen auf der Flucht vor einer möglichen Katastrophe: Aus Sorge, dass der beschädigte Überlaufkanal des grössten Staudamms der USA brechen könnte, hatten die Behörden die Evakuierungen angeordnet.

Die Bewohner unterhalb des Oroville-Damms sollten ihre Häuser in Richtung Osten, Süden oder Westen, aber keinesfalls in Richtung Norden verlassen, erklärte die Katastrophenschutzbehörde des County von Yuba.

In der Nacht zum Montag hatte sich die Lage an dem Oroville-Damm etwa hundert Kilometer nördlich von Sacramento offenbar etwas entspannt. Der Pegel des nach wochenlangen Regenfällen randvoll gefüllten Stausees ist etwas gesunken.

Überlaufkanal zum ersten Mal im Einsatz

Wenn des See überzulaufen droht, kann das Wasser auf zwei zusätzlichen Wegen abfliessen: Zuerst durch den Überlaufkanal, der mit Beton ausgekleidet ist. Und falls das nicht ausreicht, über einen breiten Damm direkt daneben – den Notüberlauf.

Der Hauptdamm selbst droht nach Behördenangaben nicht zu brechen. Probleme bereitete zunächst der beschädigte Überlaufkanal. Dieser mit Beton ausgekleidete Kanal war in der vergangenen Woche zum ersten Mal in der Geschichte des 48 Jahre alten Staudamms zum Einsatz gekommen.

Aktuelles Video vom Oroville-Staudamm. Video: YouTube/I DONT KNOW WHY ?

Doch in dem Kanal sind Betonstücke herausgebrochen, sodass ablaufendes Wasser teils im Boden versickert. Die damit verbundene Erosion könnte die Stabilität des Damms in diesem Bereich gefährden.

Weil das Wasser nicht schnell genug abfloss, strömte es zudem auch über den Notüberlauf. Die Wassermassen schossen kreuz und quer den Hang hinunter und zerstörten eine Strasse. Auch hier besteht die Gefahr von Erosion, die den Damm destabilisieren kann.

Weil der Wasserstand am Sonntagabend Ortszeit aber gesunken war, fliesst zumindest vorerst kein Wasser mehr direkt über diesen Dammbereich neben dem Überlaufkanal.

Stabilisierung mit vielen Unbekannten

Entwarnung geben wollen die Behörden noch nicht. «Sobald die Struktur beschädigt ist, kann es katastrophal enden», sagte Bill Croyle von der zuständigen Wasserbehörde im Norden Kaliforniens.

Kory Honea, Sheriff des County Butte, sagte, die Situation sei «stabilisiert», aber es blieben «viele Unbekannte». Es könne noch nicht entschieden werden, ob die Bevölkerung bereits wieder in das Gebiet zurückkehren könne.

Mit Steinsäcken will man verhindern, dass der Damm bricht. Bild: JIM URQUHART/REUTERS

Rettungskräfte sind im Einsatz, um Schäden am Damm zu reparieren. Mit Baggern füllen sie Steine in grosse Säcke, die dann von Hubschraubern aus abgeworfen werden. So soll das grosse Loch im Entlastungskanal aus Beton geschlossen werden.

Im Falle eines Dammbruchs im Bereich des Notüberlaufs müsse mit einer neun Meter hohen Flutwelle gerechnet werden, hatten Behörden gewarnt. Am Sonntag hatte die zuständige Wasserbehörde via Twitter erklärt, der Damm könne binnen einer Stunde brechen. Zum Glück geschah dies nicht.

Evakuierungszentrum auf Festwiese

Gouverneur Jerry Brown hatte am späten Sonntagabend den Notstand für die Bezirke Butte, Sutter und Yuba ausgerufen. Ein Evakuierungszentrum wurde für die Menschen in der Ortschaft Chico auf einer Festwiese eingerichtet.

Um eine Katastrophe zu verhindern, leitete die zuständige Behörde zunächst grössere Wassermassen über den Hauptabfluss des Staudamms ab. Am Freitag stand das Wasser zwei Meter unter der Oberkante des Damms – der Stausee hatte seine maximale Kapazität erreicht.

Der Damm wurde zwischen 1962 und 1968 gebaut. Er ist mit 235 Metern der höchste in den USA und überragt den berühmten Hooverdamm um zwölf Meter. Der Oroville-Damm ist rund 2300 Meter lang und staut den Oroville-See auf. Er dient der Stromgewinnung.

Teile Kaliforniens hatten in den zurückliegenden Tagen wegen heftiger Regenfälle unter Wasser gestanden. Bewohner wurden aus ihren Häusern gerettet, nachdem der Fluss San Lorenzo über die Ufer getreten war. Die Wassermassen überraschten den Bundesstaat nach Jahren der Dürre.

hda/AFP/Reuters/dpa

Bilder der aktuellen Lage in Oroville: 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Gelöschter Benutzer 14.02.2017 07:04
    Highlight Am 10.02. hat der kalifornische Gouverneur Trump gebeten, einen Notstand erklären zu dürfen und Hilfe zu erhalten, bisher kam aber noch keine öffentliche Reaktion. Seit Kathrina, wo Bush ebenfalls nur nach langer Zeit Hilfe schickte, darf FEMA unabhängig vom Präsidenten Hilfe leisten, trotzdem ist es bedenklich das der Präsident lieber über angeblich fälschliche Berichterstattung über sein Publikum in Florida tweetet. Würde mich auch nicht überraschen wenn Trump versucht einen Deal daraus zu machen, z.B. Hilfe gewährt für Kooperation Kaliforniens bei der Ausweisumg illegaler Einwanderer.
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  • Posersalami 13.02.2017 23:15
    Highlight Es ist schon krass, dass in einer Industrienation die Infrastruktur dermassen verkommen ist. Da muss man doch einfach mal hinterfragen, ob die Prioritäten richtig gesetzt werden. Ich hoffe, dass nix schlimmeres passiert und die Menschen wieder in ihre Häuser zurück können!
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  • Dirk Leinher 13.02.2017 23:01
    Highlight Nachdem Obama einen Rekord aufstellte indem er 8 Jahre ohne auch nur einen Tag Unterbruch Krieg führte, könnte Trump ja einen Rekord im Zusammenhang mit Katastrophen aufgrund der maroden US Infrastruktur aufstellen. Während Obama seinen Rekord wohl selbst herbeisteuerte kann Trump wenigstens direkt noch nichts angelastet werden.
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  • exeswiss 13.02.2017 22:31
    Highlight gleichzeitig zu dem ereignis regt sich trump über twitter auf das nicht über "die massen" vor seinem anwesen waren und ihm zujubelten als er sein anwesen in florida verlassen haben "Fake News. Terrible"
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  • Butschina 13.02.2017 21:33
    Highlight ui die Dinger sollten besser gewartet werden. Hoffe dass nichts gröberes passieren wird
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  • mortiferus 13.02.2017 20:45
    Highlight Man stelle sich vor das ein AKW in Reichweite des berstenden Damms steht. Wen man genug lange suchen würde könnte ich mir vorstellen das es AKWs gibt die in der Reichweite von berstenden Dämmen stehen. AKWs stehen doch oft oder fast immer am Wasser. Wen das Wetter weiter so spinnt wird es wohl immer mehr Ereignisse geben mit denen man nicht gerechnet hat.
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    • raphidet 13.02.2017 21:03
      Highlight Lange musst du da nicht suchen. Das KKW Mühleberg befindet sich einige hundert Meter unterhalb der Wohlensee-Staumauer - einer der ältesten Staumauern der Schweiz.
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    • Monkey Shoulder 13.02.2017 21:11
      Highlight Nicht das Wetter spinnt, sondern die Leute, die solche Anlagen unzureichend unterhalten.
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    • Maett 13.02.2017 21:27
      Highlight @mortiferus: in den meisten Ländern vergisst man ja auch den Unterhalt von Staudämmen nicht. Ist ja peinlich für CA.
      18 1 Melden
    • chilli37 14.02.2017 00:02
      Highlight Live Stream vom Oroville Dam:
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    • mortiferus 14.02.2017 20:37
      Highlight gerade heute habe ich in GEO noch eine Art gelesen wie AKW s in Schwierigkeiten geraten an die man anfangs nicht dachte. Quallen. Quallen in Schwärmen die die Kühlwasserversorgung blockieren. Mussten schon AKW s runtergefahren werden wegen Quallen. Das die Quallen in Megaschwärmen auftreten wird von manchem auch der Erderwärmung und der Überfischung zugeschrieben. Es gibt sicher noch x-Ereignisse an die wir noch nicht denken die möglich wären ein AKW in Schwierigkeiten zu bringen. Die Japaner hatten in Fukushima auch Probleme mit denen man, im Nachhinein, eigentlich rechnen musste.
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