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Noch fünf Wochen bis zu den Wahlen in den USA: Wer lacht am 8. November? Bild: BRIAN SNYDER/REUTERS

Trump vs. Clinton: Zwei Dinge, die die US-Wahl entscheiden könnten

Wer siegt? Wenige Wochen vor der US-Wahl ist das Rennen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump unübersichtlich. Der womöglich entscheidende Kampf zwischen den Rivalen findet im Hintergrund statt – und da scheint Trump Nachteile zu haben.

Publiziert: 03.10.16, 03:14 Aktualisiert: 03.10.16, 12:17

Veit Medick

Ein Artikel von

Es sind nur noch fünf Wochen. Dann ist klar, ob Hillary Clinton künftig im Weissen Haus residiert oder Donald Trump. Wer von beiden am Ende gewinnen wird, hängt von vielen Faktoren ab: Dem Vertrauen, den Inhalten, möglichen Fehlern. Entscheidend aber könnte die Frage sein, wie viele Amerikaner überhaupt wählen gehen und wer genau das sein wird. Worum geht es konkret?

Die Frage der Neuwähler

Was oft vergessen wird: Amerikaner können nicht automatisch wählen. Nur, wer sich als Wähler registriert, darf auch wirklich abstimmen. Jeder Bürger kann sich über die Demokraten, die Republikaner oder als unabhängiger Wähler anmelden.

Erstaunlich ist: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in den USA sind etwa 65 Millionen Amerikaner – knapp ein Drittel der Stimmberechtigten – noch immer nicht als Wähler erfasst. Für beide Kandidaten stellt der gewaltige Pool der Nicht-Registrierten eine grosse Chance, aber auch eine grosse Unsicherheit dar: Gerade in den «Swing States», in denen oft wenige Stimmen den Unterschied ausmachen, könnten neue Wähler am Ende das Zünglein an der Waage sein. Entsprechend hart ist der Wettlauf, den beide Lager sich im Hintergrund um diese Gruppe liefern. Es herrscht ein Datenkrieg. Beide Kampagnen besitzen Berge von Adressen und Telefonnummern, um an jene Bürger heranzukommen, die es zu mobilisieren gilt.

Nur: Wer ist erfolgreicher? Trump – könnte man denken. Jedenfalls scheint naheliegend zu sein, dass ein Grossteil der 65 Millionen Nicht-Registrierten empfänglicher für Trumps Anti-Washington-Kurs ist als für Clintons traditionelle Kampagne. Bisher allerdings – und das ist bemerkenswert – lässt sich in der Empirie nicht feststellen, dass der Milliardär besonders viele seiner Fans dazu bringt, sich erstmals zu registrieren.

Über die regelmässig aktualisierten Statistiken der Wahlbehörden in den wichtigen Bundesstaaten kann man den Wettlauf praktisch live verfolgen. Die Zahlen sind interessant: In Florida etwa haben sich seit der Wahl 2012 rund 430'000 neue Wähler angemeldet – 240'000 davon sind allerdings Latinos, unter denen Trump nur sehr eingeschränkt wird punkten können. In North Carolina ist die Zahl der Latino-Registrierungen um rund 20 Prozent gestiegen, die aller anderen Wähler nur um fünf Prozent. Auch der Trend in Virginia und Pennsylvania zeigt, dass Trump womöglich «etwas mehr neue Wähler gegen ihn als für ihn mobilisiert», wie es Dave Wasserman ausdrückt. Der Analyst interpretiert für die Wahlforscher von Fivethirtyeight.com seit Wochen die Statistiken und glaubt: Trump verliert das Rennen um die Neuwähler.

Bei den Latinos macht wohl Clinton das Rennen.  Bild: Eric Gay/AP/KEYSTONE

Ob das so ist, wird man mit letzter Sicherheit erst am 8. November wissen. Die heisse Phase des Wahlkampfs hat gerade erst begonnen. Der Milliardär hat vielerorts noch bis Mitte Oktober Zeit, neue Wähler zur Anmeldung zu bringen. Und je knapper das Rennen zu sein scheint, desto mehr könnte das republikanische Erstwähler dazu motivieren, noch die Papiere einzureichen. Hinzu kommt: Einige Südstaaten versuchen, es Wählern möglichst schwer zu machen, sich anzumelden. Und in Clintons Umfeld ist man über Berichte alarmiert, wonach russische Hacker die Registrierungslisten zu manipulieren versuchen. Aber die Zahlen der Wahlbehörden sind ein erstes Indiz dafür, dass die Demokraten wie schon in den Jahren 2008 und 2012 bei der Wählerregistrierung deutlich effektiver sein könnten als die Republikaner.

Der Kampf um die Daheimgebliebenen

In Trumps Kampagne glaubt man, auch dann die Wahl gewinnen zu können, wenn Clinton bei der Registrierung von Neulingen vorne liegt. Es gibt nämlich eine zweite Gruppe, auf die der Milliardär setzt: die Nichtwähler, also jene Amerikaner, die 2012 zwar registriert waren, aber der Urne fernblieben. Immerhin 24 Millionen zur Wahl angemeldete US-Bürger stimmten beim letzten Präsidentschaftskrimi nicht mit ab.

Besonders schlecht war die Wahlbeteiligung damals unter weissen Amerikanern ohne Universitätsabschluss – ausgerechnet also in jener Gruppe von Industriearbeitern, die Trumps Aufstieg ganz wesentlich mitbegründet hat. Rund 11 Millionen von ihnen blieben nach Zahlen des Statistischen Bundesamts zu Hause. Trumps Kalkül ist, diese «weissen Karteileichen», von denen es gerade in den wichtigen Staaten des Mittleren Westens wie Ohio und Wisconsin viele gibt, mit seinem nationalistischen Kurs wieder zu mobilisieren. Er hofft, auf diese Weise seine Verluste im Lager der gebildeten und gut verdienenden Republikaner mehr als ausgleichen zu können.

Paradox: Die grosse Gruppe der weissen Industriearbeiter neigte in den vergangenen Jahrzehnten eher den Demokraten zu. Doch in diesem Jahr scharen sie sich um Trump. Er liegt dort je nach Umfrage zwischen zehn und 20 Prozentpunkten vorne. Hillary Clinton dagegen ist unter weissen Akademikern populär – einer Gruppe, die seit 60 Jahren mehrheitlich stets republikanisch wählte. Wie gross Trumps Chancen auf das Weisse Haus sind, hängt entsprechend von zwei Dingen ab: Er muss bildungsferne weisse Wähler massenhaft aktivieren, gleichzeitig aber zusehen, dass sein Rückhalt unter Akademikern nicht vollständig kollabiert.

Donald Trump setzt auf Massenveranstaltungen.  Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Für den Wahlkampfendspurt scheint Clinton besser gerüstet zu sein als der Milliardär. Die Demokratin hat ihre Kampagne strikt durchorganisiert und schon vor Monaten Hunderte bezahlte Helfer in die wichtigen Staaten geschickt, um potenzielle neue Unterstützer zu finden und alte davon zu überzeugen, auch wirklich wählen zu gehen. Das dafür nötige Geld hat sie. Trump fehlt sowohl die Professionalität vor Ort als auch eine schier unerschöpfliche Wahlkampfkasse wie die seiner Rivalin. Er glaubt, durch Massenveranstaltungen und Fernsehauftritte am Ende mehr Menschen erreichen zu können.

Der 8. November ist somit nicht nur eine Entscheidung zwischen Clinton und Trump. Er wird auch zum spannenden Votum darüber, wie wertvoll eine traditionelle, datenfixierte Kampagne heutzutage noch ist – und ob sie womöglich mit einem unkoordinierten Sponti-Ansatz zu schlagen ist.

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  • stef2014 03.10.2016 17:17
    Highlight Lustig ist die Zusammenstellung der prominenten Trump-Unterstützer: gefühlt die Hälfte hat sich zu Karrierezwecken das Hirn weichprügeln lassen und ein weiterer Viertel sind Promis mit einer gewissen Affinität für (illegale) Substanzen, die über die Jahre wohl ein zwei Spuren hinterlassen haben dürften.... :)
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  • Radiochopf 03.10.2016 10:11
    Highlight Nach Trump-Steuer Skandal kann man doch endlich Hillary den Friedensnobelpreis und die US-Präsidentschaft geben und dann hört dieser Kindergarten endlich auf.. es geht doch gar nicht um das Volk bei diesen Wahlen, es geht nur noch um 2 Egoisten, Lügen, Show und Heuchlerei..
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