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In Paris protestierten am Samstag viele Menschen für einen besseren Klimaschutz.
Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

«Wir haben heute alle zusammen Geschichte geschrieben» – Reaktionen auf den Klimavertrag

Der Jubel ist gross, selbst Umweltverbände sind mit dem Klimaabkommen von Paris zufrieden. US-Präsident Obama sparte unterdessen nicht an Eigenlob. Die Reaktionen.

12.12.15, 22:06 13.12.15, 12:30

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Die Worte von Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius gingen im Jubel der Delegierten aus 196 Ländern fast unter: Das Abkommen von Paris habe historische Dimension, sagte Fabius, der den Klimagipfel in Paris leitete. Erstmals hätten sich arme und reiche Staaten gemeinsam darauf verständigt, gegen steigende Emissionen und damit die gefährliche Erderwärmung vorzugehen. Das jetzt erzielte Abkommen sei «ausgewogen und ambitioniert».

Die UNO hat diesen Moment, diese erste unmittelbare Reaktion auf die Einigung festgehalten und getwittert.

Auch US-Präsident Barack Obama meldete sich kurz nach der Entscheidung via Twitter zu Wort, allerdings mit einer gewaltigen Portion Eigenlob: «Das ist der Wahnsinn», schrieb der Präsident, fast jedes Land auf der Welt habe sich zu dem Klimaabkommen bekannt – «dank Amerikas Führung».

US-Aussenminister John Kerry lobte hingegen seinen Amtskollegen: «Laurent, du hast einen hervorragenden Job gemacht!», sagte er an Konferenzleiter Fabius gewandt. Die Vereinbarung sei nicht nur im amerikanischen Interesse, sondern im Interesse jedes Landes auf der Erde.

Nur Nicaragua beschwert sich

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert ging es für die Bundesregierung mit einem Retweet aus dem Umweltministerium schon etwas nüchterner, aber dafür bildgewaltig an: mit einem Foto des Eifelturms, auf dem «für den Planeten» zu lesen ist.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sagte in einer ersten Stellungnahme, sie sei sehr froh über das Erreichte, «wir haben heute alle zusammen Geschichte geschrieben.» Doch sei «Paris nicht das Ende, sondern der Anfang eines langen Weges».

Einzig Nicaragua beschwerte sich: Dessen Chefverhandler Paul Oquist sagte, die reichen Nationen müssten weit mehr tun, um die Treibhausemissionen zu vermindern und «Mutter Erde» zu schützen.

Umweltschützer reagieren erfreut

Selbst Umweltverbände beurteilten den Vertrag fast einhellig positiv, riefen aber auch zu raschem Handeln auf, um die darin definierten Ziele zu erreichen. «Paris gibt der Welt Hoffnung» und sende ein klares Signal für die Abkehr von fossilen Brennstoffen, erklärte der Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser.

Der politische Geschäftsführer der deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, erklärte: «Das Abkommen wird die Welt der Energie- und Klimapolitik verändern.»

Leuthard zufrieden mit Kompromiss-Vertrag und fordert jetzt Taten

Das Pariser Klima-Abkommen ist laut Bundesrätin Doris Leuthard nicht perfekt, aber ein guter Kompromiss. Jetzt müssten die Taten folgen und die Schweiz werde das Ihre dazu beitragen, sagte Leuthard am Samstagabend in Paris.

Bild: KEYSTONE

Das Wichtigste sei der erstmalige Einbezug aller Länder in die Verantwortung, sagte die Umweltministerin vor Schweizer Medien nach Annahme des Abkommens. Die Schweiz hätte sich gewünscht, dass Entwicklungsländer stärker zum Senken ihrer Emissionen verpflichtet worden wären. Auch wäre es im Sinne der Schweiz gewesen, die Basis der Geberländer in der Klimafinanzierung auf grosse Schwellenländer auszuweiten.

Das zeige, dass das Abkommen nicht perfekt sei, aber es sei zustande gekommen. Damit einher gingen nun die Verpflichtungen. Die Entwicklungsländer müssten besser unterstützt werden. Dabei sei auch die Ausbildung wichtig.Bei den Reduktionszielen für Treibhausgase habe die Schweiz eine ehrgeizige Vorgabe gemacht mit 50 Prozent weniger CO2 bis 2030, mindestens 30 Prozent davon im Inland. Sie sei gespannt, wie denn das Parlament darauf reagieren werde, spielte Leuthard auf die nächstes Jahr anstehende Revision des CO2-Gesetzes an.

Das Pariser Abkommen habe zum Ziel «eine bessere Welt mit weniger CO2». Für die Umsetzung brauche es Mehrheiten, im Parlament und in der Bevölkerung.

Stellungnahme der Grünen Schweiz

Die Grüne Partei der Schweiz begrüsst das neue Klima-Abkommen in einer am Samstag an die Medien verschickten Stellungnahme. «Die Ziele für den weltweiten Klimaschutz werden ambitionierter. Ungenügend bleibt dagegen die Schweizer Klimapolitik. Sie reicht schon jetzt nicht, um einen gerechten Beitrag an die Erreichung des 2-Grad-Ziels zu leisten.» Noch weniger genüge sie, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Das sei unverantwortlich. Die Grünen fordern, dass Umweltministerin Doris Leuthard und der Gesamtbundesrat «über die Bücher gehen und beim Klimaschutz endlich vorwärts machen». (dsc)

Der WWF Deutschland lobte das Abkommen gar als «Meisterstück der Klimadiplomatie». Die Präsidentin der Entwicklungsorganisation Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, warnte vor Schlupflöchern in der Vereinbarung und Untätigkeit. «Jetzt müssen sofort die Schnürschuhe angezogen werden, um in grossen Schritten den in Paris immerhin vorgezeichneten Weg zur Minderung der Treibhausgase rasch zu betreten», forderte sie.

Lob kam auch aus der Wissenschaft: «Wenn dies umgesetzt wird, bedeutet das eine Senkung der Treibhausgasemissionen auf Null in wenigen Jahrzehnten», erklärte der Leiter des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber. Sein Stellvertreter Ottmar Edenhofer bezeichnete das Abkommen als «Durchbruch». Nun hänge «das Schicksal der Erde» davon ab, wie schnell und wie umfassend die beschlossenen Massnahmen umgesetzt würden.

(sun/dpa/Reuters)

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  • mrmouse 13.12.2015 01:22
    Highlight Nach Worten sollten Taten folgen.
    Bei Politikern leider oftmals eine Schwäche.
    Aber ich bin guten Mutes.
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  • Schuhmeister Flaig 13.12.2015 00:16
    Highlight Hat sich die UNO das Logo etwa bei Comedy Central abgeschaut?
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  • Gelöschter Benutzer 12.12.2015 23:22
    Highlight Endlich eine Einigung. Jetzt geht es vorwärts.
    8 8 Melden
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