International

Das Schutzgebiet in der Antarktis soll 1,55 Millionen Quadratkilometer umfassen foto: shutterstock

Jetzt soll vor der Antarktis das grösste Meeresschutzgebiet der Erde entstehen

Die EU und 24 weitere Staaten planen im Rossmeer vor der Antarktis ein Schutzgebiet zu errichten. Jetzt hat auch Russland eingelenkt.

28.10.16, 03:16 28.10.16, 08:27

Das Schutzgebiet im ökologisch bedeutsamen Rossmeer soll 1.55 Millionen Quadratkilometer umfassen. Dies sieht eine Vereinbarung vor, auf die sich 24 Staaten und die EU nach jahrelangen Verhandlungen am Freitag in der australischen Stadt Hobart verständigten.

Verbot von Fischerei

Im grössten Teil des neuen Schutzgebiets soll jegliche Fischerei verboten werden. Das Ausmass des neuen Meeresschutzgebiets entspricht der kombinierten Fläche von Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.

Die Verhandlungen hatten 2012 begonnen. Zuletzt hatte sich nur noch Russland gegen die Ausweisung des Schutzgebiets gewandt, weil es Nachteile für seine Fischereiflotte fürchtete.

Der nun gefundene Kompromiss bringe «den Schutz des Meeres, nachhaltige Fischerei und die Interessen der Forschung in ein Gleichgewicht», sagte der neuseeländische Aussenminister Murray McCully in Hobart.

43 Vorher-nachher-Bilder, die zeigen, wie krass sich die Erde verändert hat

Geführt wurden die Verhandlungen im Rahmen der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR), der 24 Staaten sowie die EU angehören. Die Beschlüsse der Kommission erfordern Einstimmigkeit der Mitglieder.

«Es ist überhaupt die grösste Meeresschutzzone.»

Elsa Evers, Sprecherin der Umweltschützer

Umweltschützer freuen sich

Ein Verbund von Umweltschutzorganisationen, die Antarctic Ocean Alliance, lobte die Entscheidung als bahnbrechend. Es sei die erste Schutzzone dieser Art in internationalen Gewässern. «Es ist überhaupt die grösste Meeresschutzzone», sagte Sprecherin Elsa Evers.

In den Gewässern rund um den eisigen Kontinent leben Pinguine, Robben und unzählige Arten von Fischen. Weil das Gebiet so abgelegen und so unwirtlich ist, dass kaum Schiffe dorthin fahren, ist das Ökosystem nach Angaben von Wissenschaftlern noch weitgehend intakt. Es gilt als Schatzkammer des Meeres, mit zahlreichen einzigartigen Lebewesen sowie Krill und kleinen Fischarten, die Meeressäugern als Lebensgrundlage dienen.

«Hier ist heute Geschichte geschrieben worden.»

Mike Walker, Sprecher der Umweltschützerverbände.

Nur für 35 Jahr gültig

Durch die Erwärmung der Meere dürften viele Arten zum Überleben in die kälteren Gefilde rund um die Antarktis wandern, glauben Wissenschaftler. In der Antarktis gibt es einige Dutzend Forschungsstationen. Dort werden unter anderem die Folgen des Klimawandels auf die Meere untersucht.

«Hier ist heute Geschichte geschrieben worden», meinte Verbund-Sprecher Mike Walker. «Hier wird das gesündeste Ozeangebiet der Welt geschützt.» Der Kontinent selbst war bereits geschütztes Gebiet, nicht aber grosse Teile der Meere rundum. Die Umweltstiftung WWF kritisierte, dass die Einigung zunächst nur für 35 Jahre gilt. «Meeresschutzzonen müssen auf Dauer eingerichtet werden», sagte Chris Johnson vom WWF Australien. (sda/afp/dpa)

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Gulli 28.10.2016 07:58
    Highlight Auf den ersten Blick eine schöne Nachricht. Die Japaner werden sich aber davon nicht abschrecken lassen und weiterhin im Rossmeer auf Walfang gehen. (Rein aus Forschungszwecken natürlich)

    Schon heute gälte in dieser Region ein Verbot von Schiffen welche mit Schweröl angetrieben werden, aber auch das ist den Japanern schlicht egal.
    5 0 Melden

Der österreichische Wahlkampf – ein Drama in 5 Akten

In Österreich geht am Sonntag ein Wahlkampf zu Ende, der so schmutzig war wie noch nie. Die grosse Koalition zwischen Sozialdemokraten und Konservativen wird Geschichte sein, der 31-jährige Sebastian Kurz wohl neuer Kanzler. Ein Rückblick auf einen turbulenten Sommer.

Vor fast vier Monaten sagte Sebastian Kurz einen denkwürdigen Satz im österreichischen Parlament: «Dieser Wahlkampf», so der Spitzenkandidat der konservativen ÖVP, sollte «kurz, intensiv und fair sein». 

Zwei Tage vor der Wahl in Österreich lässt sich das Fazit ziehen: Das ging gründlich in die Hose. 

Aber der Reihe nach: Nachdem ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner im Mai 2017 den Bettel als Vizekanzler schmiss, war klar: das Ende der grossen Koalition aus Konservativen (ÖVP) und …

Artikel lesen