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In Trumpland ist (fast) alles Politik – auch die Super-Bowl-Werbespots

06.02.17, 16:02 06.02.17, 21:06

Die Super Bowl ist nicht nur das grösste Sportspektakel der USA, sondern auch ein Festival der Werbebranche. Viele Firmen versuchen, mit möglichst originellen und aufwändigen Spots beim Fernsehpublikum zu punkten.

Im Jahr 2017, in dem der neue Präsident Donald Trump die Nation mit seinem wilden Aktionismus aufwühlt, haben einige Unternehmen Spots mit mehr oder weniger subtilen politischen Anspielungen produziert und teilweise schon im Vorfeld für Wirbel gesorgt.

Der Wohnungsvermittler Airbnb gehört zu den schärfsten Kritikern von Trumps Einwanderungspolitik. Nachdem der Präsident seinen Einreisestopp für Menschen aus sieben Ländern verhängt hatte, bot Airbnb gestrandeten Reisenden kostenlos Unterkünfte an. Der eigentlich nicht geplante und kurzfristig gebuchte Super-Bowl-Spot ist ein Plädoyer für die Akzeptanz von Menschen aller Hautfarben und Herkunft.

Der Biergigant Budweiser hingegen geriet ungewollt in eine politische Kontroverse. Sein Spot zeigt die Geschichte von Brauereigründer Adolphus Busch, der aus Deutschland in die USA eingewandert war. Weil er dabei auf feindselige Reaktionen der Einheimischen stösst, interpretierten Trump-Fans den Clip als Kritik an der Einwanderungspolitik des Präsidenten, sie riefen zum Budweiser-Boykott auf.

Dabei war der Spot bereits im Mai 2016 konzipiert worden. Im letzten Sommer lancierte Budweiser zudem eine patriotische Werbekampagne, mit der die Biermarke den Namen «America» erhielt. Im Trump-Amerika aber braucht es wenig, um in den Verdacht der politischen Agitation zu geraten.

Diese Erfahrung machte mit Coca-Cola ein anderer Getränkeriese. In diesem Fall aber war die Kontroverse wohl beabsichtigt: Vor Spielbeginn liess Coca-Cola nämlich einen Spot von 2014 wiederholen, in dem Menschen verschiedener Herkunft in verschiedenen Sprachen das superpatriotische Lied «America the Beautiful» singen.

Bereits im Vorfeld der Super Bowl hatte der Spot von 84Lumber, einem Hersteller von Baumaterialien, für Ärger gesorgt. Er zeigt eine Frau, die offenkundig aus Lateinamerika stammt und mit ihrer Tochter aufbricht, um ein besseres Leben zu finden. Am Ende stehen sie vor einer hohen Mauer. Für den übertragenden TV-Sender Fox war dies zu viel der Anspielung, der Spot durfte nur in einer «zensierten» Version ohne Mauer ausgestrahlt werden.

Am Ende verweist 84Lumber auf seine Website, wo die «Auflösung» zu sehen ist, also der unzensierte Clip. Mutter und Tochter stehen darin vor der Mauer, die sich schliesslich öffnet. Der Spot endet mit dem Satz: «Der Wille zum Erfolg ist bei uns immer willkommen.»

Einen etwas plumpen, aber doch lustigen Spot hat die Haarpflegelinie It's a 10 produziert. Die Botschaft lautet: «Amerika, uns stehen vier schreckliche Haare bevor. Ihr könnt das ausgleichen mit tollem Haar. Und zwar jeglichem Haar.»

Einfach nur plump und peinlich ist hingegen die Werbung von Cyprus Air. Dabei handelt es sich nicht um eine Fluglinie aus Zypern, sondern einen Hersteller von gasbetriebenen Cheminées in der Region Washington, wo der Spot mit einem drittklassigen Trump-Double ausgestrahlt wurde.

Der politisch vielleicht stärkste Spot stammt vom deutschen Autohersteller Audi. Er bezieht sich nicht auf Donald Trump, sondern spornt Frauen an, für gleiche Rechte wie die Männer zu kämpfen, inklusive Entlöhnung. (pbl)

Lady Gaga Super Bowl

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  • BetterTrap 06.02.2017 16:49
    Highlight Es ist lächerlich das genau die, welche alle Trump-Kritiker als "Snowflakes" bezeichnen, sich über solche Spots aufregen. Aber wie heißt es doch so schön; mit einer Doppelmoral hat man nur halb so viele Gewissensbisse.
    10 8 Melden
    • Lowend 06.02.2017 19:00
      Highlight Diesen Spruch: "Mit einer Doppelmoral hat man nur halb so viele Gewissensbisse." lese ich heute zum ersten Mal, aber der ist so gut, dass man sich fast das Urheberrecht sichern sollte, bevor die Elite der grössten Partei der Schweiz sich diesen Satz zu ihrer neuen Parole macht!
      3 2 Melden
    600
  • Monkey Shoulder 06.02.2017 16:42
    Highlight Das Audi-video hat schon über 40k dislikes.
    Ich frage mich immer, ist dass neid, hass, missgunst oder die angst?

    Was spricht dagegen, dass bei gleicher Arbeit, Frau + Mann gleichviel verdient?
    29 6 Melden
    • who cares? 06.02.2017 17:22
      Highlight Vorallem wird im Spot gar nicht gesagt, dass Frauen weniger verdienen, nur dass Audi sich dazu bekennt, nicht unterschiedliche Löhne aufgrund des Geschlechts zu bezahlen. Für einige Kommentarschreiber scheint das bereits zu weit zu gehen. Gleichberechtigung macht Angst.
      11 2 Melden
    • Donald 06.02.2017 19:07
      Highlight Offensichtlich zeigt Audi aber dass der Vater das dicke Auto fahren soll und der Tochter den Weg vorgeben soll ;)
      1 0 Melden
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  • Theor 06.02.2017 16:39
    Highlight Mit ein Grund, weshalb ich American Football so mag, ist eben, weil man sich dort nicht scheut, auch mal aufn Boden zu hauen und sich für die Menschenrechte und generell Mitmenschen einzusetzen.

    Bei einem FIFA-WM-Spiel dürfte man solche Spots niemals senden. Bei der Fifa versteckt man sich doch immer scheinheilig hinter der "Fussball ist Sport und unpolitisch"-Kredo, während man sich für WM-Vergaben mit Millionen schmieren lässt, Menschenausbeutung in Veranstaltungsländer einfach ignoriert und sich nebenbei auf dem Schwarzmarkt mit Tikets Extra-Einkommen sichert.
    17 7 Melden
    • GeneralButtNaked 06.02.2017 17:52
      Highlight Sorry, aber wirklich politische Statements ausser der von Audi sehe ich in keiner dieser Spots. Sie gehen unterschwellig auf das Zusammenleben ein und zeigen auf das die USA ein Einwanderungsland ist. Ich würde sogar behaupten, dass bei einer FIFA WM weitaus mehr politische Statements sowie dementsprechende Hilfsorganisationen günstiger einen Werbeplatz bekommen und dass beim Superbowl jeder spot politisch neutral sein muss!
      1 3 Melden
    • Theor 07.02.2017 07:33
      Highlight Erstens halte ich die Werbespots in einem Land zu einer Zeit solcher grosser Unsicherheit wie die Regierung reagieren wird, für ziemlich mutig, zweitens geht es nicht nur um Medien und Werbespots. Den Man of the Year Award beispielsweise. Oder generell die Unterstützungsprogramme der einzelnen Teams. Charity-Arbeit für die Bevölkerung, die man im Fussball in dem Ausmass vergebens sucht.
      1 0 Melden
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  • Charlie B. 06.02.2017 16:32
    Highlight Ich vermute Melania und Donald gehen zum selben Coiffeur.
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  • Töfflifahrer 06.02.2017 16:10
    Highlight Das Flüchtlingsvideo hinterlässt doch einen faden Beigeschmack, denn das könnte ebenso für Europa gelten.
    18 4 Melden
    600

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