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Ölförderanlage in Morichal, Venezuela. 
Bild: CARLOS GARCIA RAWLINS/REUTERS

Der grosse Bluff mit dem Ölpreis: Wie die Opec-Länder die Weltwirtschaft für dumm verkaufen wollen

Die Ölförderländer versprechen, ihre Produktion nicht mehr auszuweiten – und so den dramatisch gefallenen Preis zu stabilisieren. Doch das ist nur ein Versuch, die Investoren für dumm zu verkaufen.

18.02.16, 01:18 18.02.16, 07:41

stefan schultz / Spiegel online

Ein Artikel von

Auf den ersten Blick sind die Nachrichten zwei Hingucker: Zunächst hatten Russland, Saudi-Arabien, Venezuela und Katar sich geeinigt, ihre Ölproduktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren. Ausgerechnet die Russen und die Saudis, die sich – nicht nur auf dem Ölmarkt – oft spinnefeind sind.

Am Mittwochnachmittag nun versprach auch Iran, das Abkommen zu unterstützen. Ausgerechnet Iran, Erzrivale der Saudis und eben jene Ölfördermacht, die nach einem jahrelangen Embargo zurück an den Weltmarkt drängen will.

Formal gesehen ist beides bemerkenswert; inhaltlich ist es Blendwerk.

Es überrascht nicht, dass die Russen ihr Produktionsniveau einfrieren – sie pumpen ohnehin am Limit. Auch von Saudi-Arabien, Venezuela und Katar hatte niemand ernsthaft Produktionssteigerungen erwartet.

Und Iran? Ölminister Bijan Zanganeh hat mit keinem Wort erwähnt, die eigene Förderung auch einfrieren zu wollen. Die iranische Produktion dürfte weiter anziehen.

Hier wird am meisten Erdöl verbraucht

Das, was da als grosser Durchbruch verkauft wird, ist in Wahrheit ein Bluff mit durchsichtigem Motiv: Die Förderländer wollen die Stimmung auf dem Weltölmarkt verändern.

Konkret wollen die Fördernationen, dass Spekulanten nicht mehr sicher auf eine weitere Verbilligung des Öls setzen können. Ihr Kalkül: Vielleicht muss man gar keine milliardenteuren Förderkürzungen beschliessen. Vielleicht reicht es schon, die vage Möglichkeit von Förderkürzungen in den Raum zu stellen. Schon das könnte Erwartungen auf eine Verknappung des Angebots schüren und Investoren dazu bringen, sich mit billigem Öl einzudecken – was den Preis in die Höhe treiben würde.

Überspitzt gesagt: Die Ölförderländer versuchen, die Spekulanten für blöd zu verkaufen. Doch das wird kaum klappen – wie sich am Ölpreis zeigt: Vor dem Treffen der vier Fördernationen in Doha am Dienstag waren die Preise in die Höhe geschnellt, weil Investoren auf eine substanzielle Einigung hofften. Nachdem der laue Kompromiss verkündet war, stürzten die Preise rasch wieder ab.

Investoren schauen derzeit vor allem auf die harten Zahlen. Und die besagen: Selbst wenn die Ölproduktion weltweit – nicht nur in Saudi-Arabien, Russland, Venezuela und Katar – auf dem Januarniveau eingefroren würde, gäbe es im laufenden Jahr ein Überangebot von 300 Millionen Barrel (also von fast 48 Milliarden Litern). Hinzu kommen rund drei Milliarden Barrel als Reserven in randvollen Ölspeichern.

Jetzt, da sich Iran einem Abkommen verweigert, dürfte das Überangebot noch weiter steigen.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • ramonke 18.02.2016 16:38
    Highlight ja das stimmt aber die nachfrage ist zurückgegangen. china und andere staaten haben ein niedrigeres wachstum was dazu führt das weniger öl benötigt wird. gleichzeitig sind aber die fördermengen gleich geblieben.
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  • Typu 18.02.2016 07:45
    Highlight Frage an die Wissenden: wieso ist der Ölpreis so stark und rasch gesunken? Bei all den öl-analysten will mir doch niemand weismachen wollen, dass diese überkapazität nicht bekannt war. Das weit im voraus. Kann doch nicht sein, das der aktienmarkt sich jetzt grösstenteils am ölpreis orientiert. Hier läuft doch irgend ne andere geschichte... Ist es doch eine wirtschaftsattacke auf die kleinen jungen ölförderern (insb. USA), die man so zum chapter 11 beingen will? Oder haben hier die hedge fonds ihre globale wette am laufen?
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    • ramonke 18.02.2016 09:07
      Highlight die opec länder wollen einfach die immer mehr aufkommende konkurenz durch die usa und anderer nicht opec staaten unterdrücken. fracking in den usa lohnt sich zb nur bei einem barrelpreis von etwa 60 dollar. die opec muss noch ein jahr so weitermachen und jedem konkurenten in den usa geht das geld aus. eigentlich ein ziemlich genialer schachzug
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    • Typu 18.02.2016 12:07
      Highlight Das erklärt nicht weshalb dies alles so überraschend kam. Wurde von den märkten die reservieren auf freudsche art ignoriert und jetzt kams zum big bang?
      2 0 Melden
    • ramonke 18.02.2016 14:04
      Highlight diese strategie der opec länder kann nur funktionieren wenn sie unvorbereitet kommt. hätten sie das angekündigt, hätten die unternehmen in den usa sofort ihre investitionen zurückfahren können und der schaden wäre viel kleiner gewesen. der ölpreis hat sehr viel mit zukunftsaussichten zu tun, desshalb kann der kurs auch so schnell beeinflusst werden
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    • Typu 18.02.2016 14:56
      Highlight Diefördermenge war ja schon lange am maximum und die tanklager füllten sich seit monaten. Ich sehe hier die überraschung nicht.
      1 0 Melden
    • Stiller Berg 18.02.2016 17:45
      Highlight Es war wohl eine Kombination der oben vom typo oben genannten einflüssen. Erstmal wurde die frackingproduktion in den USA extrem ausgeweitet, was die US-Nachfrage auf dem Weltmarkt einbrechen liess. Die Produktion durch Fracking wurde jedoch immer günstiger und lohnenswerter, was den Trend beschleunigte. Als sich vor zwei Jahren abzuzeichnen begann, dass die Nachfrage Chinas in den nächsten Jahren sinken wird und die USA mittlerweile selbstversorgend produzieren, begann der Preis zu kippen. Saudiarabien bzw die Opec drosselte die Produktion nicht und Russlans steigerte sie sogar. Teil 1
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    • Stiller Berg 18.02.2016 17:51
      Highlight All diese Signale liessen den Preis immer tiefer und tiefer sinken, viele Hedgefunds werden diesen Trend noch weiter beschleunigt haben.
      Der Preis blieb dann fast ein Jahr lang relariv stabil zwischen 40-55 dollar. Doch dann zeichnete sich ein Ende des Embargos gegen Iran ab, was den Preis Angesichts des Wiedereinstiegs Irans noch einmal auf die aktuellen Levels einbrechen liess.
      Ich denke nicht, dass SA hier einen bewussten "Erdölkrieg" provozierte, sondern der Markt hat vor 2 Jahren erkannt, dass Erdöl lange nicht so knapp ist wie wir lange geglaubt haben. Teil 2
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    • ramonke 18.02.2016 17:55
      Highlight ja das stimmt aber die nachfrage ist zurückgegangen. china und andere staaten haben ein niedrigeres wachstum was dazu führt das weniger öl benötigt wird. gleichzeitig sind aber die fördermengen gleich geblieben.
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    • Stiller Berg 18.02.2016 17:57
      Highlight SA wollte und konnte daraufhin die Produktionsmenge gar nicht kürzen, sie hätten entweder Marktanteile oder viel Geld verloren, dabei machen diese Einnahmen einen Grossteil aller Staatseinnahmen SA's aus.
      Ingesamt war es vielleicht eine Blase, die in 3-4 Raten verteilt über sie letzten zwei Jahre platzte, weil einfach niemand die Entwicklung wahrhaben wollte. Das will ja irgendwie immer noch niemand, aber der Preis wird sich in den nâchsten Jahren wohl nicht mehr "erholen"
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