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Anstehen am Bancomat. Bild: Ajit Solanki/AP/KEYSTONE

Paukenschlag in Indien: Seit Mitternacht sind 500- und 1000-Rupien-Noten nicht mehr gültig

Publiziert: 09.11.16, 16:00

Die indische Regierung zwingt ihr Land auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft vorwärts. Fast ohne Vorwarnung erklärte sie alle Banknoten im Wert von mehr als 1.46 Franken für wertlos. Das soll die Schattenwirtschaft eindämmen.

Eigentlich sollte der indische Premierminister Narendra Modi am Dienstagabend eine eher unspektakuläre Ansprache an die Nation halten. Doch was er sagte, löste ein wirtschaftliches Beben aus, dessen Folgen noch nicht absehbar sind.

Gegen 20.30 Uhr Ortszeit verkündete der mächtigste Mann Indiens, dass nur wenige Stunden später das meiste Bargeld im Land nichts mehr wert sein würde.

100-Rupien-Schein grösste legale Banknote

«Um uns aus dem Griff von Korruption und Schwarzgeld zu befreien, haben wir entschieden, dass die aktuellen 500- und 1000-Rupien-Noten nicht mehr gültig sind», sagte Modi. Ein 1000-Rupien-Schein, bisher die grösste Banknote im Land, ist gerade einmal 14.60 Franken wert. Schon um Mitternacht sollte er nichts mehr wert sein. Die grösste legale Banknote im Land ist nun der 100-Rupien-Schein – rund 1.46 Franken.

Schon kurz nach Modis Ansprache bildeten sich lange Schlangen vor den Geldautomaten, die aber entweder gar kein Geld mehr oder nur noch minimale Beträge ausspuckten.

Staus vor Tankstellen

Run auf Tankstellen. Bild: Manish Swarup/AP/KEYSTONE

Am Mittwochmorgen stauten sich die Autos vor den staatlichen Tankstellen und Apotheken, die zu den wenigen Stellen gehörten, die ein paar Tage lang noch grosse Scheine annehmen durften. Den meisten von ihnen ging bereits am frühen Morgen das Wechselgeld aus, was häufig zu lautstarken Auseinandersetzungen führte.

Kleinere Geschäfte und Strassenhändler hatten sichtlich weniger Kunden – was angesichts fehlender Geräte für bargeldlose Zahlung auch vorerst so bleiben dürfte.

Monatlich 4000 Rupien dürfen getauscht werden

Noch bis zum 30. Dezember haben Bargeldbesitzer nun Zeit, ihr Geld zur Bank zu bringen oder gegen neu entwickelte Banknoten im Wert von 500 oder 2000 Rupien zu tauschen, die die indische Notenbank RBI ab Donnerstag versprochen hat.

Bargeld soll jedoch auch danach knapp bleiben: Gerade einmal 4000 Rupien (rund 58 Franken) dürfen direkt getauscht werden, der Rest muss auf ein indisches Konto eingezahlt werden.

Anschliessend bleiben Abhebungen an Geldautomaten auf 4000 Rupien pro Tag limitiert, wer direkt in die Filiale geht, darf pro Woche zunächst nicht mehr als 20'000 Rupien abheben.

Schattenwirtschaft ausbremsen

«Eine ganze Währung so auszutauschen wird die Wirtschaft kurzfristig bremsen», schreibt Fondsmanager Sandip Sabharwal auf Twitter. «Aber dafür werden die Bankeinlagen sprunghaft steigen und die Zinsen spürbar sinken.»

Die indische Regierung erhofft sich durch den Zwang zum papierlosen Geld vor allem ein Ende der Schattenwirtschaft, die verschiedenen Schätzungen zufolge ein Fünftel bis ein Viertel der indischen Wirtschaftskraft ausmacht.

Ausnahme für Touristen

Besonders schmerzhaft dürfte die Umstellung für diejenigen werden, die kein Bankkonto haben. Laut Weltbank waren das im Jahr 2014 fast die Hälfte aller Inder. «Indien bleibt eine auf Bargeld basierende Wirtschaft», beginnt selbst die indische Notenbank ihre Erklärung zur Aktion.

Zu denen, die kein indisches Konto haben, gehören auch Touristen. Ihnen erlaubt die RBI noch bis einschliesslich Freitag, bis zu 5000 Rupien in ihre eigene Währung zurück zu tauschen, jedoch ausschliesslich in Wechselstuben an Flughäfen.

Wie gross das wirtschaftliche Beben durch die Überraschungsreform tatsächlich wird, werden sie danach wohl nur noch aus der Ferne miterleben. (whr/sda/dpa)

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  • Loniel 13.11.2016 13:03
    Highlight Toristen haha, drei Tage lang habe ich versucht zu Geld zu kommen, schlussendlich halfen meine indischen Freunde. Die Wechselstuben an den Flughäfen hatten absolut kein Geld und die ATMs waren leer
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    • AnnaX 13.11.2016 19:45
      Highlight Ich bin am 5.11 zurückgekommen und sitze nun auf 12000 inr wertlosem papier. Kann man in der Schweiz noch wo wechseln?
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  • Baccara 10.11.2016 07:38
    Highlight Nur noch über Bankkonten? Manchmal frage ich mich ja schon, was sich die Elite bei solchen überlegt - die leben doch im selben Land wie die bitterarmen Familien auf dem Randstein mitten im Verkehr Delhis, wie sollen die denn da ein Bankkonto haben? Gut, vermutlich besteht da das Problem mit den Tausender auch nicht.
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  • Rendel 09.11.2016 23:35
    Highlight Leider geht diese Meldung im Trump-Gedöns ziemlich unter. Ich bin fassungslos, das ist wie eine Art Enteignung ohne Entschädigung. In einem Land wo so viele keine Möglichkeiten haben für den bargeldlosen Zahlungsverkehr unmöglich brutal. Total Überwachung der Bürger wird dadurch auch möglich und die können über ihr Kapital,wenn sie welches haben im Falle einer grossen Krise auch nicht mehr verfügen. Dann sind die Banken und der Geldverkehr dicht. Schöne neue Welt.
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    • Loniel 13.11.2016 13:05
      Highlight All diekleinen Leute stehen seit Tagen Schlange vor den Banken nur um dann vielleicht nach ein paar Stunden zu hören dass das Bargeld ausgegangen ist
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  • Cross 09.11.2016 20:52
    Highlight Sehr bedenklich, das Bargeld abschaffen zu wollen. So können Sparende beispielsweise mit Negativzinsen belastet werden, ohne dass diese etwas dagegen tun können.
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    • Loniel 13.11.2016 13:07
      Highlight Es gibt dann schon wieder Bargeld, neue 500er sind unterwegs, fragt sich nur wann sie in den Banken und ATMs sind
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  • Rom78 09.11.2016 19:30
    Highlight Die Inder wissen den Wert des Goldes zu schätzen.
    Das wird man bei uns auch noch Lernen müssen.
    14 23 Melden
    • LeCorbusier 09.11.2016 22:49
      Highlight "[...] Ein Goldbarren ist für uns das gleiche wie ein Ziegelstein [...]"
      K. I. Z. - Hurra die Welt geht unter
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    • exeswiss 15.11.2016 05:32
      Highlight @LeCorbusier richtig. letzten endes ist ein goldbarren soviel wert wie ein ziegelstein, denn essen kann man ihn nicht.
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