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Philipp Löpfe mit Michael Braungart. bild: ACADEMIA ENGELBERG / STUDHALTER

«Das Rentenalter muss weg, denn wir entsorgen unsere Rentner als Sondermüll auf Mallorca» 

Warum der deutsche Chemiker Michael Braungart das Rentenalter abschaffen will, ein bedingungsvolles Grundeinkommen fordert, Political Correctness für doof hält und die Zukunft in einer genfreien Garten-Landwirtschaft sieht.

Publiziert: 25.10.16, 09:05 Aktualisiert: 25.10.16, 18:34

Sie wollen das Rentenalter abschaffen. Wie kommen Sie auf diese verrückte Idee?
Michael Braungart: Als das Rentenalter eingeführt wurde, war unsere Lebenserwartung genau halb so hoch. So gesehen müsste das Rentenalter heute bei 88,2 Jahren liegen. Damals hat man die Rente nur für die Menschen gemacht, die man sonst nicht tot kriegen konnte. Jetzt aber werden die jungen Leute von den alten enteignet.

Die Rente ist doch sicher, wie uns immer wieder versichert wird.
Unsere Gesellschaft kann es sich leisten, Menschen eine Rente für den Zeitraum von 10 Jahren zu bezahlen. Heute sind wir bei 20 Jahren und mehr angelangt. Das wird eng. Zudem ist die Rente überflüssig geworden. Die Gesellschaft ist so jung wie noch nie, denn ein 60-Jähriger hat das biologische Alter eines 40-Jährigen.

Michael Braungart. bild: ACADEMIA ENGELBERG / STUDHALTER

Zur Person

Professor Michael Braungart ist Chemiker und Verfahrenstechniker. Er lehrt an den Universitäten in Lüneburg und Rotterdam. Braungart startete seine Karriere in den 1980er Jahren bei der Umweltorganisation Greenpeace. Zusammen mit dem US-Architekten William McDonough entwickelte er in den 1990er Jahren mit Cradle-to-Cradle ein Konzept für nachhaltiges Produktedesign. Er wurde unter anderem mit dem «Hero of Planet Award» des Time-Magazin ausgezeichnet. watson hat ihn am Kongress der Academia Engelberg getroffen.

Haben Menschen, die 40 Jahre und mehr geschuftet haben, nicht ein Anrecht, in Rente zu gehen?
Darum geht es gar nicht: Heute wird jeder, der mehr als 65 Jahre alt ist, als Abfall deklariert. Wir entsorgen unsere Rentner als Sondermüll auf Mallorca. Nach drei Jahren können sie mit diesen Menschen nichts mehr anfangen – ausser über die schönsten Strände oder die schönsten Golfplätze zu sprechen. Die entsorgten Rentner retardieren komplett.

Was schlagen Sie als Alternative vor?
So lange wir gesund sind, sollten wir tätig sein. Wenn wir hingegen krank und pflegebedürftig sind, brauchen wir viel mehr Unterstützung, als wir heute erhalten. Deshalb kann ich mir folgenden Lebensentwurf vorstellen: Wie sind ein Drittel unseres Lebens sozial tätig, ein Drittel traditionell erwerbstätig und ein Drittel landwirtschaftlich.

Mit 65 wird man als Abfall deklariert – und auf Mallorca entsorgt, meint Braungart. bild: watson

Dummerweise brauchen wir gar nicht mehr so viele Bauern.
Natürlich müssen wir nicht aufs Land ziehen und den Bauern Konkurrenz machen. Es geht darum, dass wir beginnen, in den Städten Gärten anzulegen. Ein Haus wie beispielsweise das neue Roche-Gebäude in Basel eignet sich bestens, um beispielsweise Algen anzupflanzen. Das Eiweiss dieser Pflanzen ist viel gesünder als Mais. Auf diese Weise können wir beginnen, die Weltuntergangs-Diskussion in Innovation umzuwandeln.

In der Schweiz gab es einen Riesenaufschrei, als kürzlich wieder einmal das Rentenalter 67 aufs Tapet kam. Wie wollen Sie Ihre Vorstellungen politisch umsetzen?
Mir geht es nicht um sinnlose Schufterei, sondern um eine lebenslange Tätigkeit. Arbeit sollte mehr sein als eine Belastung. Natürlich hat der Bauarbeiter oder der Dachdecker Anspruch darauf, von der körperlich schweren Arbeit befreit zu werden. Das sollte meiner Ansicht nach schon im Alter von 40 Jahren geschehen. Danach sollen diese Menschen Arbeiten ausüben, bei denen körperliche Tätigkeiten nicht mehr so wichtig sind. Sonst werden sie zu körperlichen Wracks.

Kann man überhaupt Arbeitsbedingungen schaffen, bei denen die Menschen gesund bleiben?
Das geht, wenn man die Arbeit sinnvoll verteilt und andere Tätigkeiten schafft. Kinder etwa brauchen viel mehr Aufmerksamkeit als sie heute erhalten, nicht nur von ihren Eltern. Unsere Natur braucht viel mehr Aufmerksamkeit. Deshalb plädiere ich nicht für eine lebenslange Arbeit, sondern für eine lebenslange Tätigkeit.

Lebenslange Tätigkeit statt ein Leben lang zu schuften, verlangt Braungart. bild: shutterstock

Ohne die freiwillige Arbeit von älteren Menschen würde unsere Gesellschaft schon heute zusammenkrachen. Freiwilligenarbeit kann ein guter Anfang sein, aber sie ist willkürlich und zufällig. Ich treffe oft auf Rentner, die mir erzählen, dass sie gerade zum fünften Mal die Seidenstrasse rauf und runter gefahren sind. Das sind parasitäre Existenzen, die anderen Menschen Lebensmöglichkeiten wegnehmen.

Brauchen wir ein anderes Wirtschaftssystem, um die Arbeit nach Ihren Vorstellungen zu organisieren?
Ich bin nicht jemand, der nach einer Revolution schreit. Wir müssen das bestehende System weiterentwickeln und Arbeit befriedigender gestalten. Ich habe kürzlich ein Einstellungsgespräch mit einem jungen Mann geführt. Er hat mir erklärt, er wolle vor allem ein Burn-out vermeiden. Da hab ich ihm geantwortet: Fangen Sie erst mal mit einem Burn-in an!

bild: imgur

«Es kann nicht angehen, dass man nur die Dienste der Gesellschaft in Anspruch nimmt und nichts zurückgibt.»

Wie passt das bedingungslose Grundeinkommen in Ihre Vorstellungen?
Ich hätte lieber ein bedingungsvolles Grundeinkommen. Die Gesellschaft stellt uns Dinge zur Verfügung und hat daher auch ein Recht, eine Gegenleistung zu verlangen. Die kollektiven Menschenrechte sind genauso wichtig wie die individuellen. Das Kollektiv Schweiz hat ein Recht, dass Menschen sich engagieren, wenn sie vom Staat bezahlt werden.

Haben Sie die Abstimmung über ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz verfolgt?
Mit Interesse sogar.

Wie unterscheidet sich Ihr bedingungsvolles vom bedingungslosen Grundeinkommen?
Das bedingungsvolle Grundeinkommen ist an eine Tätigkeit geknüpft. Es kann nicht angehen, dass man nur die Dienste der Gesellschaft in Anspruch nimmt und nichts zurückgibt.

Unter Tätigkeit verstehen Sie nicht traditionelle Lohnarbeit?
Natürlich nicht. Tätig zu sein kann auch heissen, sich um Kranke zu kümmern. Heute sind sie Pflegefälle, die im zwölf Minuten Takt behandelt werden. Tätig sein kann auch heissen, beschauliche Gartenarbeit zu verrichten, weil man mit dem stetig steigenden Leistungsdruck nicht mehr klar kommt.

bild: shutterstock

Sie spotten über Verzicht und Moral – und gleichzeitig sind Sie ein Kämpfer für eine ökologische Welt. Wie geht das zusammen?
Ich bin durchaus auch für Moral. Nur jedes Mal, wenn man sie predigt, führt das zu Doppelmoral. Wo hat der schlimmste Kindesmissbrauch stattgefunden? In der Kirche.

«Nur schlechte Qualität produziert Abfall. Wenn ich gute Qualität habe, dann brauche ich keine Moral mehr.»

Wir leben in einer Zeit, in der Moral wieder wichtig wird. Nur heisst sie jetzt «political correctness». Was halten Sie davon?
Political Correctness ist ein Unterdrückungs-Instrument. Ich habe derzeit Ärger mit der Frauenbeauftragten an meiner Universität. Sie sagt mir stets, dass ich die Frauenaspekte mehr berücksichtigten müsse. Dabei stammen bei mir drei Viertel der besten Abschlüsse von Frauen. Was soll ich also noch berücksichtigen? Ich habe ihr daher vorgeschlagen, dass ich künftige nicht mehr meine «males» (Mails), sondern meine «females» checken werde. Ich habe das lustig gefunden, sie weniger.

Die Political Correctness geht weit über den Feminismus hinaus.
Es ist in der Tat ein Versuch, die Menschen unter Kontrolle zu bekommen. Ich halte das für falsch. Menschen sind besser mit positiven Zielen zusammenzubringen.

Wie sieht Ihre grüne Nicht-Moral aus?
Ich bin ein Freund von guten Produkten. Nur schlechte Qualität produziert Abfall. Wenn ich gute Qualität habe, dann brauche ich keine Moral mehr. Dabei hilft mir die narzisstische Selfie-Generation.

Nach Braungart produzieren nur schlechte Produkte Abfall. gif: tumblr

Weshalb?
Die jungen Menschen wollen Innovation und neue Produkte. Vor zehn Jahren galt ich noch als der Feind der chemischen Industrie. Jetzt werde ich für Preise und Auszeichnungen vorgeschlagen, weil ich von Gymnasium zu Gymnasium und von Universität zu Universität ziehen und dort meine Botschaft verbreiten kann.  

«Wir haben auf der Erde einen Überschuss an Energie, den wir in andere Materie umsetzen könnten.»

Sie selbst waren in jungen Jahren ein Öko-Rebell.
Aber ich habe meine Liebe zur Chemie nie verleugnet, und ich bin mir im Klaren darüber, dass ich moralisch nicht besser bin als jeder andere Chemiker. Es gab eine Zeit, da musste man ganz einfach protestieren. Damals fuhren Schiffe mit konzentrierter Schwefelsäure aufs offene Meer, um sie dort zu entladen. Die mussten mit voller Geschwindigkeit fahren, damit sie sich nicht selbst aufgelöst haben. Ich konnte Wege aufzeigen, wie man die Schwefelsäure umweltfreundlich zurückgewinnen kann. Oder ich habe eine Methode entdeckt, bei der man Zellstoff bleichen kann ohne dabei Chlor einzusetzen.

gif: tumblr

Gibt es überhaupt eine ökologische Chemie?
Ganz klar, wir verhalten uns bloss dumm. Wir haben auf der Erde einen Überschuss an Energie, den wir in andere Materie umsetzen könnten. Würden wir dies tun, dann könnten wir – ökologisch gesehen – leicht fünf Planeten haben.

Und müssten keine Angst haben vor dem ökologischen Fussabdruck?
Nein, wir müssten den Menschen nicht mehr als Schädling verdammen, sondern wir könnten ihn feiern. Ein grosser Fussabdruck ist eine ideale Voraussetzung, um beispielsweise ein neues Feuchtgebiet zu schaffen.

Könnten wir die Menschen auch ernähren?
Sicher. Nehmen Sie Holland, ein Land, das etwa gleich gross ist wie die Schweiz, aber doppelt so viele Einwohner hat und trotzdem nach den USA der zweitgrösste Exporteur von Lebensmittel ist.  

Dank einer hoch industrialisierten Landwirtschaft.
Industrialisierung findet in der Viehhaltung statt. Ich plädiere jedoch für eine Garten-Landwirtschaft.

Mit Kleinbauern und ohne Gentech?
Ja, eine Garten-Landwirtschaft kann auch ohne Gentech sehr produktiv sein. Hätten wir auf der ganzen Welt eine Landwirtschaft wie in Holland, dann könnten wir rund 45 Milliarden Menschen ernähren. Aber eben nicht mit Rindfleisch, übrigens die ungesündeste Form von Eiweiss.

Sie haben das sogenannte Cradle-to-Cradle-Prinzip entwickelt. Können Sie es kurz zusammenfassen?
Dinge, die beim Gebrauch kaputt gehen – Schuhsohlen oder Waschmittel beispielsweise – sollten so gebaut werden, dass sie biologisch abbaubar sind und man sie kompostieren kann. Dinge, die nur genutzt werden – Waschmaschinen oder TV-Geräte – sollten so gestaltet werden, dass sie in die Technosphäre gehen und recycliert werden können.

Alles sollte so gebaut werden, dass es abbaubar oder recylebar ist. 

Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Als Student habe ich mit Nicolas Hayek an der Entwicklung des Smart-Autos gearbeitet. Schon damals wollten wir kein Auto verkaufen, sondern 1000 Fahrkilometer, also nur die Nutzung. So hätte es sich gelohnt, teure Materialien zu verwenden und ein qualitativ hochstehendes Kleinauto zu bauen. Als Mercedes Smart gekauft hat, blieb vom ursprünglichen Konzept nur das Cockpit übrig. Geblieben ist ein extrem hässliches, Benzin fressendes Vehikel.

Ist das nicht das Dilemma des Cradle-to-Cradle-Prinzips? Es ist kurzfristig mit der Billigbauweise nicht wettbewerbsfähig.
Überhaupt nicht. Die Dinge, die wir machen, sind im Durchschnitt 20 Prozent günstiger. Deshalb gibt es in der Schweiz eine ganze Menge von Unternehmen, die mit dem Cradle-to Cradle-Prinzip arbeiten. So haben wir mit Triumph einen Büstenhalter entwickelt, den man auf dem Kompost entsorgen kann.

gif: giphy

Trotzdem: Öko gilt doch in der Regel als teuer. Man zahlt mehr, hat aber dafür ein gutes Gewissen.
Das ist dumm. Wenn man nicht die billigsten Rohstoffe nimmt, sondern die besten, dann kann man auch ganz andere Dienstleistungen anbieten. Heute geht etwa bei Turnschuhen doppelt so viel Geld ins Marketing wie in die Produktion der Schuhe. Wäre es da nicht viel sinnvoller, eine bessere Qualität bei den Schuhen anzustreben?

«Wenn wir die falschen Dinge perfekt machen, dann handeln wir perfekt falsch.»

Sie entdecken fast überall giftige Stoffe, selbst in der Muttermilch.
Menschen atmen sehr viele Schadstoffe ein, auch Mütter. Deshalb hat es in der Muttermilch tatsächlich eine sehr hohe Konzentration an Schadstoffen.

Also Schluss mit Stillen?
Nein, Mütter sollten ihre Kinder neun Monate lang stillen. Bei Babys wird die Leber erst allmählich aufgebaut, deshalb rauschen die Schadstoffe in diesem Zeitraum einfach durch. Mütter, die ihre Kinder zwei Jahre oder noch länger stillen, betreiben jedoch, was ich «toxisches Harassment» nenne.

bild: tumblr

Sie sagen auch, dass die Luft in den Häusern dreckiger sei als die Aussenluft. Das gälte selbst für die dreckige Stadtluft.
Wir haben an der Zürcher Bahnhofstrasse die Luft in verschiedenen Gebäuden gemessen. Das Resultat war, dass die Luft drinnen etwa drei bis acht Mal schlechter war als die Luft draussen.

Und was folgern Sie daraus?
Dass Minergie ein Unsinn ist. Minergie ist ein sehr anschauliches Beispiel für meine Überzeugung, die lautet: Wenn wir die falschen Dinge perfekt machen, dann handeln wir perfekt falsch. Wir versiegeln die Gebäude und vergessen dabei, dass die Innenräume gar nicht für diese Bauweise konzipiert worden sind. Wir verbringen etwa 80 Prozent unseres Lebens in Gebäuden. Asthma ist die häufigste Kinderkrankheit.

«Mit billigen Solaranlagen packen wir chinesischen Sondermüll auf unsere Dächer.»

Wie kann man das ändern?
Ich habe in New Orleans zusammen mit meinem Partner William McDonough und Brad Pitt Häuser für Menschen gebaut, die beim Hurrican Katrina alles verloren hatten. Darunter waren 76 Kinder mit Asthma. In den neuen Häusern hat keines davon mehr darunter gelitten. Man kann mit intelligenter Architektur (McDonough ist Architekt, Anm. d. Red) und qualitativ hochstehenden Rohstoffen Häuser bauen, die nicht krank machen – auch für ganz normale Menschen.  

Sie setzen sich für eine hedonistische Ökogesellschaft ein, eine umweltgerechte Gesellschaft, die weder auf Moral noch auf Verzicht gebaut ist. Kann man diese Vision in die Praxis umsetzen?
Wir müssen alles nochmals neu erfinden. Dazu gehört auch das von der Religion vermittelte Menschenbild. Die Religion sagt dir: Du bist schlecht, und nur der liebe Gott kann dich erlösen. Dieses Denken wird fälschlicherweise oft auch von Umweltschützern übernommen. Wenn eine Stadt wie Zürich das Ziel setzt, klimaneutral zu sein, dann ist das Unsinn. Klimaneutral kann ich nur sein, wenn ich nicht da bin, wenn der Mensch wie in der Religion grundsätzlich schlecht ist.

Der religiöse Mensch muss auf die Gnade Gottes hoffen. bild: avclub

«In Deutschland haben wir das schlechte Gewissen aus der Nazizeit auf die Umwelt übertragen und so der Welt in Sachen Wind- und Solartechnik 20 Jahre geschenkt.»

Haben sie ein Beispiel für ökologischen Hedonismus?
Ich mag Bäume. Bäume sind nicht klimaneutral, Bäume sind nützlich. Wollen Menschen dümmer als Bäume sein? Es geht darum, die ganze Weltuntergangs-Diskussion in Innovation umzusetzen. Sonst werden wir elementare Schlüssel-Industrien verlieren. Gerade in der Schweiz können wir höchste Qualität herstellen. Wenn man nicht – wie das derzeit der Fall ist – Solaranlagen verkaufen würde, sondern 20 Jahre Licht einfangen, dann könnte man auch in der Schweiz wieder Solaranlagen herstellen. Wenn wir aber nur auf den Preis achten, dann werden billige Solaranlagen aus China aufs Dach montiert, die ihren Wirkungsgrad rasch einbüssen. So packen wir chinesischen Sondermüll auf unsere Dächer.

Wie vertragen sich das Cradle-to-Cradle-Prinzip und die Digitalisierung?
Die Digitalisierung ist zwar eine riesige Chance, aber im Moment ist sie noch ein potemkinsches Dorf. Gags wie Kühlschränke, die selbst Milch einkaufen, sind eher eine «Dünnitalisierung». In Deutschland heisst das wahrscheinlich deshalb Digitalisierung, weil der Wirtschaftsminister so korpulent ist ...

Wir hoffen mal, Sigmar Gabriel hat das nicht gehört ... Bild: Ivan Sekretarev/AP/KEYSTONE

Europa habe die Digitalisierung verschlafen heisst es. Stimmt das?
Wir haben Umwelt und Gesundheit diskutiert wie sonst niemand auf der Welt, gerade im deutschsprachigen Raum. In Deutschland haben wir das schlechte Gewissen aus der Nazizeit auf die Umwelt übertragen und so der Welt in Sachen Wind- und Solartechnik zwanzig Jahre geschenkt. Wenn wir Umwelt und Gesundheit mit Digitalisierung verbinden, dann sind wir absolute Weltspitze. Das müssen wir nutzen. Wir können nicht warten, bis auch China drei bis vier Jahrzehnte den Weltuntergang diskutiert hat.

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
54 Kommentare anzeigen
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  • Schnurri 26.10.2016 07:05
    Highlight Interessante Ansichten die der Herr hat!!!
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  • JackMac 25.10.2016 22:02
    Highlight Ich war gerade 10 Tage auf Mallorca und könnte mir gut vorstellen, da Entsorgt zu werden in 10 Jahren. Da gibt es weit schrecklichere Orte um noch 20-30 Jahre zu verbringen.
    Wenn es sein muss oder darf, gerne auch als Skipper auf einem Boot, das Angler und Touristen mitnimmt.
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  • Maracuja 25.10.2016 20:11
    Highlight Auf was für Ideen privilegierte Menschen kommen! Die Renten sollen abgeschafft werden, dafür muss man, wenn man es auf dem 1. Arbeitsmarkt nicht mehr bringt, für einen Hungerlohn Fronarbeit leisten (euphem. bedingungsvolles Grundeinkommen genannt). Gut für Akademiker, deren Fachwissen länger gefragt ist, die auf Teilzeit wechseln können, wenn es ihnen zu streng wird. Wenn sie gar nicht mehr können, hilft ihnen wohl das Ersparte sich vor der Fronarbeit zu drücken. Den Armen wäre es auch nach 50 Jahren Lohnarbeit nicht mehr vergönnt, sich ins Land der Herkunft oder Sehnsucht zurückzuziehen.
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  • Joël 25.10.2016 19:17
    Highlight Niemand entsorgt Rentnerinnen und Rentner. Das ist zumindest nicht schweizerische Realität. Ich kenne die Situation des nördlichen Nachbarn nicht.
    8 2 Melden
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  • Ludwig von Mises 25.10.2016 18:59
    Highlight Guten Abend Herr Löpfe,
    gefällt es Ihnen in Mallorca?
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  • Wilhelm Dingo 25.10.2016 15:59
    Highlight Meine Inspiration heute, ich werde mich mit Michael Braungart genauer befassen.
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  • FrancoL 25.10.2016 15:10
    Highlight "Heute geht etwa bei Turnschuhen doppelt so viel Geld ins Marketing wie in die Produktion der Schuhe. Wäre es da nicht viel sinnvoller, eine bessere Qualität bei den Schuhen anzustreben?"
    Das sind Phrasen die ich bald nicht mehr hören mag.
    Wo lebt der liebe Mann?
    Wer macht den Marketing wichtiger als die Qualität?
    der Turnschuh etwa?
    Es ist unser Wesen, das Wesen einer guten Anzahl an Menschen, die das Marketing kreiert haben weil sie wissen dass man mit dem Instrument lenken kann und sie auch sicher sind dass der Mensch sich lenken lässt, gestern heute und auch morgen.
    10 8 Melden
    • stef2014 25.10.2016 16:42
      Highlight Als ich vor einiger Zeit hier mal geschrieben hatte, dass in einem weiteren Sinne heute das Angebot die Nachfrage bestimmt und nicht mehr umgekehrt, wurde ich mit Fackeln und Heugabeln vertrieben....Dein letzter Satz bringt es auf den Punkt! Uns wird gesagt, was wir wollen sollen und wir folgen dieser Aufforderung.

      Aber ich schätze den Mann mal ganz gutgläubig so ein, dass er sich dessen bewusst ist und eigentlich genau diesen Umstand impliziert.
      12 0 Melden
    • FrancoL 25.10.2016 17:30
      Highlight @stef2014; Es ist mir bewusst dass Braungart es wohl auch genau weiss und impliziert doch genau dieses Verhalten, das VERDECKTE Vorhalten von verkehrten Mustern dient nicht der Zukunft!

      WIR müssen den Mut haben und hin stehen und festhalten dass es Unsinn ist sich so lenken zu lassen, dass das Angebot die Nachfrage bestimmt, wir müssen mündig werden, sonst gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes baden.

      Ich finde es gut dass man Mut hat unbequeme Tatsachen zu posten (wie Du beschrieben hast) ungeachtet der teilweise unterirdischen Reaktionen.
      5 0 Melden
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  • Boogie 25.10.2016 14:11
    Highlight Schön, wenn zur Abwechslung auch mal ein intelligenter Mensch Medienaufmerksamkeit erhält! Leider streiten sich Politiker lieber um Macht und Geld als über solche innovativen Ansätze.
    29 10 Melden
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  • Jol Bear 25.10.2016 12:58
    Highlight Der erfreulichste Punkt: der Mann ist kein Negativ-Denker, der im Menschen per se einen Schädling sieht und technologische Weiterentwicklung ablehnt. Fortschritt und Verbesserung werden und wurden seit jeher nur mit positiven, optimistischen Ansätzen erreicht.
    36 4 Melden
    600
  • pamayer 25.10.2016 12:57
    Highlight 2 gute freunde von mir sind im ruhestand.
    sie sind so aktiv, dass sie sich selbst als unruhestand bezeichnen. wenn ich was mit einem davon abmachen will, weiss ich, vor ende nächster woche geht nichts. immer und überall schon was los.
    und nicht etwas 15 x die seidenstrasse rauf- und runterfahren: sturzprävention in altesheimen, vorträge hier, kurse da...
    19 3 Melden
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  • Humbolt 25.10.2016 12:43
    Highlight Danke für das Interview!
    Es gibt viele Menschen, die sehr sinnvolles von sich geben, nur leider finden sie in der Politik kein Gehör.
    Wir müssen es wagen innovative Leute zu wählen!
    30 3 Melden
    • FrancoL 25.10.2016 17:37
      Highlight Stimme Dir mit Abzug zu;
      Wieso ist immer die Politik schuld?
      Viele der von Braungart vorgetragenen Gedanken sind doch bestens ohne jegliche Politik zu verwirklichen!
      Oder brauchen wir die Politik um gute Gedanken der Mehrheit die sie nicht sehen will per Gesetz zu verordnen?
      Wir sollten uns emanzipieren, uns vom Versteckspiel hinter der Politik lösen und dort wo es möglich ist neue Wege gehen. Man kann einen solchen neuen Weg auch einmal ohne die Mehrheit im Rücken zu wissen gehen.
      13 0 Melden
    • Humbolt 25.10.2016 18:55
      Highlight Absolut! Aber dafür braucht es jemanden mit einem Charisma von Ghandi, Mandela oder King. Die Schweiz hat keine solche Persönlichkeiten mit informeller Autorität. Deshalb, finde ich, braucht es die formelle Autorität der Politik um mindestens etwas in Bewegung zu setzten.
      2 1 Melden
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  • Abraham 25.10.2016 12:22
    Highlight Das RentenALTER mal von einer anderen Seite betrachtet. Gut - Bin einverstanden mit dem Perspektivenwechsel. Weg von der unsäglichen Rentenalter-Diskussion, hin zur Diskussion über mögliche, neue Lebensentwürfe. Aber MÖGLICHE! Dass ich Algen an meine Hausfassade pflastere ist doch kein Lebensentwurf.
    21 7 Melden
    • stef2014 25.10.2016 13:07
      Highlight Dann sag mir mal, was gegen die Algen spricht. Natürlich hört ein Lebensentwurf nicht bei den Algen auf. Aber sie stehen für etwas. Urban Gardening ist auch Ausdruck einer Rückkehr zur Natur. Ein Protest gegen die Betonbauten, die wie Pilze aus dem Boden schiessen. Ein Interesse an lebenserhaltenden Stoffen, wo sie herkommen und wie sie heranwachsen. Manchmal ist die Symbolkraft einer Bewegung durchschlagender als der Output selbst.
      19 2 Melden
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  • dmark 25.10.2016 12:20
    Highlight Das kann man so eigentlich quasi uneingeschränkt unterschreiben. Es gibt nur ein Problem an der ganzen Sache - den Menschen. Es wird immer wieder Menschen geben, welche solche o.g. Dinge für ihre Gunsten versuchen werden auszuhebeln. Es ist die u.a. die Bequemlichkeit und auch die Gier, welche dabei immer wieder im Weg stehen werden.
    32 3 Melden
    • stef2014 25.10.2016 12:49
      Highlight Meine Meinung. Die etwas utopische Lösung liegt darin, den Menschen nicht nur in seinem Verhalten zu verändern (mit Regeln und Gesetzen z.B.), sondern in seiner freien Denkweise. Solange unser System auf Kapitalanhäufung und Gier basiert, bringen alle coolen Pläne nix. Kommen wir aber davon ab, dass persönliche Bequemlichkeit sich langfristig nicht auszahlt, wäre eine Veränderung nicht auszuschliessen.
      13 3 Melden
    • FrancoL 25.10.2016 15:01
      Highlight Ja zu Deinem Statement: die GIER wird uns noch um eine schöne Zukunft bringen. Wobei ich festhalten will dass fast jeder von uns der GIER zugetan ist. Ich habe den Aufstieg von Vielen und mit diesen Aufstiegen den Ausstieg aus deren Idealen zu Gunsten der Gier miterlebt. Dies macht mich nicht besonders zuversichtlich.
      11 2 Melden
    600
  • Ruedi89 25.10.2016 11:50
    Highlight Ein sehr interessantes Interview. Der Mann hat Visionen. Ob das tatsächlich möglich ist, sei dahingestellt. Die Idee mit der Drittelsvariante der Arbeit ist nicht neu. Zu prüfen wäre es allemal. Scheitern könnte ein solches System wie alles, an der Gier des Menschen. Der Mensch war immer gierig und er wird es immer sein. Er will immer mehr haben als die anderen. Gib und dir wird gegeben steht schon in der Bibel. Dass man aber mehr haben will als man gibt ist seit jeher so. Also passt nicht mal das. So gesehen, eine weitere schöne Idee, die vermutlich nicht umsetzbar ist.
    21 2 Melden
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  • Groll 25.10.2016 11:40
    Highlight Das klingt für mich nach einem Zukunftsplan :) Das Grösste Problem ist, dass viele Leute ihr Leben lang so stark "schuften", dass sie nach der Pension alles gehen lassen und so schnell unfähig werden wieder etwas zu tun aus dem einfachen Grund, dass das Hirn schnell einrostet.

    Es wäre doch schön wenn jede Person das ganze Leben lang das tun könnte was sie gern und gut macht ohne sich sorgen über die eigene existenz machen zu müssen.
    25 1 Melden
    • Regas 25.10.2016 13:20
      Highlight Ja genau, die meisten Menschen lieben es am Strand zu liegen und nichts zu tun. Um am Abend Wein und ein feines Fleischgericht zu geniessen. Es wird nur wenig freiwillige geben, die noch für die Anderen schuften.
      3 8 Melden
    600
  • FrancoL 25.10.2016 11:01
    Highlight Das was hier von Braungart angedacht wird hat viele gute Ansätze.
    ABER einen eminenten Nachteil; es handelt sich grundsätzlich um eine Gesellschaft oder Wirtschaft nach Plan, überspitzt gesagt eine NEUE Planwirtschaft.
    Die Freiheit des Individuums wird in Bahnen gelenkt und dies widerspricht dem Drang vieler Menschen nach Freiheit.
    Ich bin auch überzeugt dass in Zukunft mehr strukturiert werden muss, Menschen im Laufe eines Lebens mehrere Aufgaben übernehmen müssen, doch dies zu bestimmen kommt wohl einer kleinen Revolution gleich.
    14 9 Melden
    • stef2014 25.10.2016 11:13
      Highlight Die Freiheit des Menschen befindet sich bereits heute in fixen Bahnen. Nur werden diese Bahnen als Freiheit verkauft, was sie aber nicht sind. Abschaffung des Rentenalters, Grundeinkommen, Tätigkeit statt Lohnarbeit, Sharing-Communities etc. sind für mich eher Ausdruck von Freiheit als die heutigen Strukturen.

      Heute besteht das Problem darin, die Individualisierung den konservativen Lebensvorgaben anzupassen, was vielerseits unerwünscht ist. Das wird immer mehr zur Herausforderung, weil sich mehr Lebensentwürfe herausbilden als die heutigen Strukturen zu tragen vermögen.
      27 4 Melden
    • FrancoL 25.10.2016 11:25
      Highlight @stef2014; Wieso die eine Freiheit als in fixen Bahnen gelenkt betrachten und die neu angedachte Freiheit von solchen Fesseln befreit zu sehen?
      Werden da nicht neue Lebensentwürfe über andere Entwürfe gestellt? Tätigkeit statt Lohnarbeit, wo ist da der Unterschied, wenn am Schluss das System doch noch funktionieren muss oder soll? Ich mache viel ohne Lohn und wenn ich es genau betrachte, so mache ich mehr weil andere zu wenig machen und je älter ich werde stelle ich fest dass es mir ganz gut passen würde wenn mehrere Schultern da mittragen würden, ergo ich rufe nach Regelung, Verteilung, Plan!
      5 1 Melden
    • FrancoL 25.10.2016 11:29
      Highlight @stef2014; Der Mensch hat mehrheitlich (zur Zeit) das Bestreben mehr zu heben als zu geben. Bevor diese Mentalität nicht korrigiert wird sind so Schlagworte wie "Tätigkeit statt Lohnarbeit" nicht Ziel führend. Die Freiheit beginnt dort wo das Individuum akzeptiert dass diese Freiheit für alle gelten soll und Freiheit auch bedeutet nicht mehr zu heben als zu geben.
      Und sorry die jüngste Generation scheint mir wie die Vorgängergenerationen weit von dieser Einsicht entfernt.
      7 2 Melden
    • stef2014 25.10.2016 11:42
      Highlight Ich meine das Gegenteil zu erkennen, wenn auch nur als Indizien. Es wächst eine Generation heran, die auch das Leben in den Vordergrund stellt und nicht nur Arbeit und guter Verdienst. Denn um letztere zwei dreht sich unser Leben tagtäglich. Das wird vielerorts als faul betitelt und das bekannte Jugendbashing baut darauf auf. Aber die negative Betrachtungsweise ist per se schon das Resultat einer konservativen, kapitalistischen Sozialisierung die wir erlebt haben.

      Deine Definition von Freiheit ist korrekt, aber man muss erkennen, was tatsächlich Freiheit ist und was eine Matrix ist ;)
      11 0 Melden
    • FrancoL 25.10.2016 12:20
      Highlight @stef2014; Du erkennst diese Indizien? Schön das mag ich Dir von Herzen gönnen. Ich habe auch bei der letzten jungen Generation diese Indizien erkannt, ja selbst in meiner Jugend gab es diese Indizien und ja sie wurden in die Ecke der Faulheit gestellt und das mehrheitlich zu unrecht. Doch was ergab sich aus diesen Indizien? Viele Menschen die sich kaum noch an ihre Ideale erinnern mögen und viele ihrer Ideale mit Füssen treten. Vielleicht ein fremdes Beispiel: Viele Arbeiter die sich verwirklichen können und ein eigenes UN gründen, agieren in den ALLERMEISTEN Fällen wie ihre ehemaligen Chefs.
      5 1 Melden
    • FrancoL 25.10.2016 12:26
      Highlight @stef2014; Jugendbashing ist nichts Neues und wohl auch nicht nur mit dem Schlagwort-Kontext
      "Resultat einer konservativen, kapitalistischen Sozialisierung" zu umschreiben oder gar zu begründen.
      Es ist nicht das Resultat einer speziellen Sozialisierung sondern eine Entwicklung der Mehrheit von uns die ihre Prinzipien je nach Lebenslage und Alter über Bord wirft.
      Ich habe teilweise in Ungarn studiert und da war das Dilemma das Gleiche.
      Jede Generation hat irgendwie das Gefühl, sie müsse plötzlich mehr leisten als die vorherige, das ist ein Grundübel!
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    • stef2014 25.10.2016 12:55
      Highlight Die Frage ist dann aber, wieso aus diesen Indizien keine Fakten geworden sind. Du hast Recht, wir verfallen immer wieder in alte Muster. Wieso? Weil wir es müssen. Weil unsere Gesellschaft nix anderes zulässt - überspitzt formuliert. Es bestehen Strukturen und Bahnen, und von diesen soll man nicht abweichen. Ausser man wechselt mal die Perspektive und erkennt und fördert das Potential. Ich erkenne eine Anhäufung von solchen Denkrichtungen, bin aber deiner Meinung, diese sind noch nicht spruchreif. Es zahlt sich für die Profiteure unserer Gesellschaft nicht aus. Noch nicht.
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    • stef2014 25.10.2016 13:35
      Highlight Du kannst Entwicklung der Mehrheit aber nicht von Sozialisierung trennen! Denn Sozialisierung ist keine Frage der Tischmanieren im elterlichen Esszimmer, sondern das Spiegelbild der gegenwärtigen Gesellschaft. Diese Wechselwirkung kann man nicht einfach so ausblenden. Und deshalb beharre ich auf dem Potential einer mensch- und umweltzentrierten Aufklärung und entschuldige unser Versagen nicht mit einer unlenkbaren Reproduktion eines zerstörerischen Systems (Mehrheit).
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    • FrancoL 25.10.2016 14:57
      Highlight @stef2014; Sobald Du das Wort Mehrheit in den Kontext wirfst, dann hast Du verloren. Noch nie heben Mehrheiten wirklich etwas Gutes an den Tag gebracht. Mehrheiten sind träge und starr! Jede Aufklärung prallt an den Mehrheiten ab. Mehrheiten generiert man mit dem KLEINSTEN GEMEINSCHAFTLICHEN NENNER und das ist -sorry den Ausdruck- meistens SCHROTT. Als kleines Beispiel der unsägliche HickHack um die Atomenergie, bis alles unter Dach und Fach der Mehrheit ist, werden wir wieder kostbare Zeit verloren haben und da mischt nicht nur im positiven Sinn die heutige mitteljunge Generation mit.
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    • stef2014 25.10.2016 15:29
      Highlight Mit "Mehrheit" hast aber du angefangen. ;)

      Korrekt, denn "Mehrheit" besagt auch, dass es eine (oder mehrere) Minderheiten gibt, was einem gemeinschaftlichen Denken und Handeln widerspricht. Richtig arg wirds, wenn es eine politische Mehrheit gibt, die gleichzeitig auch eine ökonomische Mehrheit darstellt, die durch diese kumulierte Macht Minderheiten kontrollieren kann. Ethnie, sex. Orientierung, Geschlecht, whatever, suchs dir aus. "Problematische" Subjekte werden durch Mehrheiten definiert und exkludiert. War schon immer so, muss aber nicht immer so bleiben.
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    • FrancoL 25.10.2016 16:01
      Highlight @stef2014; Und wieso genau muss es nicht immer so sein? Da müssten wir vom Mehrheitsgedanken abweichen oder besser noch eine qualifizierte Mehrheit einsetzen das würde dann wahrlich Veränderungen ermöglichen. Allerdings ist eine qualifizierte Mehrheit eine Utopie.
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    • stef2014 25.10.2016 16:35
      Highlight Das war eher Wunschdenken. Aber eines, welches durch Visionen wie im Interview genährt wird. Das sind ja nicht nur Visionen, sondern da schwingt auch eine Gesellschaftsanalyse mit, die man ernst nehmen sollte.

      Ganz klar vom Mehrheitsgedanken abweichen. Genau darum geht es. Funktionieren wird das wohl nur durch Abbau von Unterschieden, welche eine Minderheit überhaupt zu einer machen. Es steht und fällt - und das ist ja mein zentraler Punkt (oder Spekulation) - vieles mit ökonomischen Standards. Und diesbezüglich disqualifiziert sich die amtierende Mehrheit eben selbst.
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  • Eljham 25.10.2016 10:53
    Highlight Dazu passt ja bestens diese Meldung:
    http://www.watson.ch/Schweiz/Klima/433594270-384-Klima-Seniorinnen-reichen-erste-Schweizer-Klimaklage-ein
    Gutbetuchte Seniorinnen wollen noch mehr Umverteilung.
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  • j_west3 25.10.2016 10:53
    Highlight Hmm... Da hat aber nicht alles Hand und Fuss, von dem was der Typ so von sich gibt.
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  • schoggifresser@gmail.com 25.10.2016 10:18
    Highlight Wo ist der Unterschied zwischen ARBEIT und TÄTIGKEIT......
    Nur weil Arbeit bezahlt und eine Tätigkeit nicht (unbedingt) sehe ich darin noch lange keinen unterschied...
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    • stef2014 25.10.2016 11:19
      Highlight Der Punkt ist, wofür ARBEIT steht. Nämlich für eine "erfolgreiche" Integration in der Gesellschaft. Wer nicht arbeitet kann noch so ein lieber Mensch sein, es fehlt die gesellschaftliche Anerkennung. Und je mehr du arbeitest, je mehr du verdienst, desto höher sind die Chancen einer prestigeträchtigen Rolle in der Gesellschaft. Diese statische Rollenverteilung, die im Grunde nur Auswuchs einer kapitalistischen Gesellschaft ist, fängt jetzt aber langsam an zu bröckeln. Und der gute Herr hier sieht darin die Chance von Reformen. Nicht immer schlüssig, aber der Gedanke dahinter ist korrekt.
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  • picu 25.10.2016 10:15
    Highlight Bin beeindruckt! Selten habe ich eine solche Menge guter Denkansätze in einem einzigen Interview gelesen. Der Mann bringt manches dermassen auf den Punkt, dass es schon fast schmerzt. Mega Daumen hoch.
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    • Ruedi89 25.10.2016 11:52
      Highlight Obwohl ich dir nicht unbedingt absprechen will, dass du hier recht liegst; auch bei Marx haben viele schon gesagt: Genau das ist es! Wo es geendet hat haben wir alle gesehen. Ideologien sind schwer vorauszusehen, ob sie funktionieren...
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  • LeChef 25.10.2016 09:32
    Highlight Gut, ist der Mann Chemiker und nicht Politiker..
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  • FrancoL 25.10.2016 09:28
    Highlight Viele interessante Ansätze, aber ein pauschalisierter Satz wie:
    "Nach drei Jahren können sie mit diesen Menschen nichts mehr anfangen – ausser über die schönsten Strände oder die schönsten Golfplätze zu sprechen. Die entsorgten Rentner retardieren komplett"
    zeigt dass wohl auch bei der Wahrnehmung der Realität nicht alles zum Besten steht.
    Solche Sätze nehmen den Ideen den Grundboden, denn sie sie betreffen nur einen ganz kleinen Teil der RentnerInnen.
    Dies lässt auch die Vermutung zu dass die teilweise guten Ideen auch nur für einen ganz kleinen Teil der Gesellschaft funktionieren würden.
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    • stef2014 25.10.2016 10:01
      Highlight Stimmt schon, aber ich denke man muss da etwas zwischen den Zeilen lesen und nicht alles wortwörtlich nehmen. Im Grunde genommen geht es darum, dass die Lohnarbeit wie wir sie kennen nur schleppend mit den individualisierten Lebensbedingungen und -entwürfen mitwächst. Lohnarbeit ist ein veraltetes Konstrukt, dass mehr dazu beiträgt den Menschen zu kontrollieren als ihn nach eigenen Wünschen leben zu lassen. Dazu zählt auch der frei erfundene Stichtag der Pensionierung, der eben überhaupt nicht mehr zur Gesellschaft des 21. Jahrhunderts passt.
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    • FrancoL 25.10.2016 11:10
      Highlight @stef214; Es geht ja eigütlich nicht um den Stichtag, der wurde von der Wirtschaft bereits seit vielen Jahren abgeschafft und existiert nur noch in den Systemen, denn der Stichtag ist heute so bei 50 bis 55 Jahren, die die älter sind sind weitgehend auf sich selbst angewiesen.
      Darum glaube ich auch nicht das die Quintessenz der Aussagen von Braungart etwas mit "nach eigenen Wünschen leben zu lassen" zu tun hat. Es wäre eine neue Struktur die ähnlich zur Lohnarbeit dem Individuum übergestülpt wird, also ein Leben nach Plan! Und wenn die Uebeung nach Braungart aufgehen soll braucht es Kontrolle
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    • stef2014 25.10.2016 11:25
      Highlight Mit Stichtag meinte ich ein fixes Datum, dass dir sagt, dass du ab jetzt nicht mehr Teil der ordentlichen Arbeitswelt bist. Rentner. Schon das Wort ist negativ konnotiert. Das ist bereits eine übergestülpte Struktur, die aber überhaupt nicht zur modernen Zeit passt. Der Plan, wie du ihn nennst, ist ein Plan zum Wohle von Natur und Gesundheit, nicht zum Wohle der Staatskasse. Darin sehe ich den Unterschied.
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    • FrancoL 25.10.2016 11:44
      Highlight @stef2014; Wenn man von einem Plan zum Wohle der Natur spricht finde ich dies bemerkenswert, stelle aber fest das das Wohl der Natur nicht bei allen glich hoch hängt, also geht es wiederum um das Überstülpen, denn wie bereits mehrfach festgehalten, wir haben unterschiedliche Sichtweisen gerade was zB die Natur betrifft und diese gilt es auszuräumen wenn man den Plan als nicht "aufzwingend" betrachten will.
      Zum Stichtag: ich kann Dir versichern dass der grössere STICH beim Menschen dann zu verzeichnen ist, wenn er zB 55 keine Stelle mehr findet! DA wünscht er sich den 65. fix oder nicht.
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    • stef2014 25.10.2016 11:57
      Highlight Einverstanden. Aber ich habe auch nie behauptet, dass der Mensch ohne Regeln und Pläne zur Regulierung von Gesellschaft und Natur in der Lage ist. Ich sage nur, und so verstehe ich das Interview, dass wir uns von alten Plänen distanzieren oder diese mind. anpassen sollten. Diese neuen Pläne scheinen mir humanistischer orientiert zu sein wie die bisherigen.

      Korrekt! Und was schliessen wir daraus? Solange ein Mensch nur eine rentable Arbeitskraft sein soll, wird 55 oder 65 immer problematisch sein. Wenn aber die Tätigkeit in den Vordergrund rückt, verschieben sich die Prioritäten plötzlich.
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    • FrancoL 25.10.2016 12:38
      Highlight @stef2014; jetzt kommen wir der Sache schon näher und verlassen die "theoretische" Ebene. Wo müssen wir uns genau von alten Plänen distanzieren? bei der Umwelt? bei der Marktführung? bei der Globalisierung?
      Sind es denn wirklich so alte Pläne die das heutige Leben bestimmen? Sind es nicht die Entwürfe der heute 30-40 jährigen, deren Modelle aus dem Computer die die Welt bedrängen, deren Beweisführung aus dem Computer die den Arbeitsmarkt beeinflussen und heute leiten? Darum mein ewiges "müden": der Mensch muss sich ändern und dann werden die Modelle auch stimmig.
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    • FrancoL 25.10.2016 12:45
      Highlight @stef2014; Zur Rentabilität: Seit man rechnen + zählen kann ist dieser Massstab ein fixer Punkt im Leben und er ist auch fix in den Köpfen der Jugend, denn diese zählt genau so wie vor 10, 20 oder 30 Jahren. Man braucht nur einmal die Idole zu betrachten, das meiste geht da über die Zahlen. Alles wird gezählt! auch bei Watson "Herz+Blitz".
      Da würde auch eine Wortänderung von Arbeit zu Tätigkeit dieser Zählerei nicht entfliehen. Ich mag etwas hart klingen, aber die Arbeit mit Jungen und alten Menschen lehrt mich diese Härte. Ich erkenne keine Wende, wir müssen sie wohl "befehlen" ;-)
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    • stef2014 25.10.2016 13:22
      Highlight Der fixe Punkt im Leben soll auch bleiben. Aber der Massstab muss sich ändern. Deine Zeitfenster sind interessant, denn vor ca. 30 Jahren hat sich eben genau dieser Massstab stark verändert. Und das war was? Ein Plan. Einer, der die folgenden 10, 20 Jahren massiv geprägt hat. Ansonsten würden wir hier eine andere Diskussion führen. Aber ich kann deinen Ausführungen grösstenteils zustimmen. Nur sind es eben nicht die heutigen 30s/40s die diesen Plan entworfen haben, sie führen ihn nur aus, weil sie es nicht anders gelernt haben. Der Befehlsgeber liegt weiter oben und weiter zurück.
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    • FrancoL 25.10.2016 14:50
      Highlight @stef2014; Die Befehlsgeber liegen nicht, sie lagen weiter zurück. In keiner Area hat es so viele junge Milliardäre gegeben wie in den letzten 10 Jahren und diese Milliarden haben sie selbst, nicht auf dem Buckel der Vergangenheit erwirtschaftet, teilweise wohl ergaunert.
      Was mich beschäftigt ist dass wir Menschen ob jung oder alt immer seit Jahrzehnten ähnlich funktionieren und darum auch immer die ähnlichen Fehler begehen. Es müsste eine Art kollektive Vernunft in den Köpfen Einzug halten, dann würden wir wohl weiter kommen.
      Ich finde es gut dass Sie die junge Generation so positiv sehen.
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    • stef2014 25.10.2016 15:09
      Highlight Dem 2. Teil kann ich uneingeschränkt beipflichten. Genau von dieser kollektiven Vernunft spreche ich.

      Die Befehlsgeber als Personen ja. Ihr politisches und wirtschaftliches Vermächtnis aber ist noch präsent. Der Sinn davon, diese Milliardäre zu produzieren lag darin, das ökonomische Gleichgewicht zu stärken und soziale Ungleichheiten zu minimieren. Das ist nicht eingetreten, denn man hat zu spät gemerkt, dass die Politik einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat.
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Ordensschwester Ingrid Grave: «Faule Menschen gibt es überall, auch ohne Grundeinkommen»

Um ihren Lebensunterhalt muss sich Ingrid Grave keine Sorgen machen. Die Ordensschwester erhält schon heute eine Art Grundeinkommen. Auf die faule Haut legt sie sich deshalb nicht, sondern sprüht vor Ideen.

Frau Grave, als Ordensschwester leben Sie eigentlich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Sie müssen sich um Finanzen keine Sorgen machen. Ja, das stimmt. Wenn zum Beispiel eine Schwester in der Klosterküche arbeitet, erhält sie dafür keinen Lohn. Aber sie verfügt über die Gewissheit, dass für sie bis an ihr Lebensende gesorgt wird.

Das bedingungslose Grundeinkommen würde das Klosterprinzip in die Gesellschaft tragen. Nicht ganz. Es würde aber dafür sorgen, dass ein Mensch so viel …

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