International

Tankstelle in Caracas, Venezuela. Bild: MARCO BELLO/REUTERS

Venezuelas staatlicher Erdölkonzern in akuter Zahlungsnot

19.10.16, 05:08 19.10.16, 06:36

Venezuelas staatlicher Erdölkonzern PDVSA ist in akuter Zahlungsnot und warnt indirekt vor einer Pleite. Bis Freitag wurde eine letzte Frist verlängert, um ausländische Schuldner von einer Umwandlung bald fälliger Anleihen in länger laufende Anleihen zu überzeugen.

Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, versuche man, 2016 und 2017 fällige Anleihen in solche umzutauschen, die erst 2020 zu begleichen sind – statt bisher mindestens 5,25 Prozent Verzinsung werden 8,50 Prozent angeboten. Wenn das nicht klappt, werde es schwer, Schulden zu begleichen. Es drohe dann eine komplizierte Situation. Insgesamt geht es um ein Volumen von 5,3 Milliarden US-Dollar.

«Wenn das Umtauschangebot nicht erfolgreich ist, könnte es sehr schwierig für das Unternehmen werden, die fälligen Schulden zum vereinbarten Zeitpunkt zu bezahlen», teilte das Unternehmen mit – bisher ist das Interesse offensichtlich gering.

Drohung für Investoren?

Unklar war zunächst, wie ernst die Situation tatsächlich ist – oder ob die Drohung vor einem Zahlungsausfall Investoren bewegen soll, in die Umwandlung der Bonds einzuwilligen. Das Unternehmen mit seinen 150'000 Mitarbeitern leidet unter dem niedrigen Ölpreis von derzeit rund 50 US-Dollar je Barrel – PDVSA gilt zudem als ineffizient, es fehlen Raffinerien und moderne Fördertechnik in Venezuela.

Um notwendige neue Investitionen anstossen zu können, hatte Ölminister Eulogio Del Pino einen Mindestpreis von 70 bis 80 US-Dollar genannt.

Venezuelas Erdölminister hofft auf einen Barrel-Preis von 70 bis 80 Dollar.  Bild: MARCO BELLO/REUTERS

Im Oktober waren als ein kleiner Lichtblick Investitionsabkommen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen mit der spanischen Repsol und dem russischen Rosneft-Konzern in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar geschlossen worden. Zudem versucht man händeringend, im Ausland Anteile zu verkaufen.

Venezuelas Lebensversicherung

Das Staatsunternehmen ist so etwas wie Venezuelas Lebensversicherung – das Land ist in sehr hohem Masse vom Ölexport abhängig und mit den Einnahmen werden die milliardenschweren Sozialprogramme finanziert. Das Land hat zwar die grössten Ölreserven der Welt – aber der Ölpreisverfall und Misswirtschaft haben PDVSA in eine existenzielle Krise gebracht. Das Land leidet seit Monaten unter einer tiefen Rezession und hat die höchste Inflation der Welt.

Dadurch fehlen Devisen, um Medikamente und Lebensmittel einzuführen, lange Schlangen vor vielen Geschäften prägen das Bild. Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro hat schon vor Monaten einen Ausnahmezustand verhängt und stemmt sich gegen Versuche, ihn per Referendum absetzen zu lassen. (cma/sda/dpa)

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Limpleg 19.10.2016 09:27
    Highlight Nun das Problem ist nicht der schlechte Ölpreis (der hat sich sogar ja wieder ein wenig erholt) sondern das schamlose sich bereichern der Regierung.
    4 0 Melden

Chinas Wirtschaft wächst um 6,8 Prozent – doch etwas gefällt den Experten gar nicht

Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal weiter stark gewachsen, das Wachstum hat sich aber leicht abgekühlt. Experten warnen: Das Wachstum wird durch Schulden erkauft. Neue Rezepte bleiben Fehlanzeige.

Von Juli bis September legte das Wachstum der zweitgrössten Volkswirtschaft um 6.8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Sie wuchs 0.1 Prozentpunkte langsamer als in der ersten Jahreshälfte, wie das Statistikamt in Peking am Donnerstag mitteilte.

Die Wirtschaft entwickelte sich insgesamt …

Artikel lesen