International

Bild: © Edgard Garrido / Reuters/REUTERS

Nein. Der Corona-CEO verteilte leider keine Millionen. Wie ein Hoax um die Welt geht

Publiziert: 28.11.16, 13:27 Aktualisiert: 28.11.16, 14:56

Ein reicher Spanier, der als CEO einer Bierbrauerei in Mexiko ein Vermögen erwirtschaftete, soll jedem der 80 Bürger seines Heimatdorfs in Spanien über 2 Millionen Euro vererbt haben. Dies meldeten in den letzten Tagen diverse Medien aus dem In- und Ausland. 

Doch die Story ist zu schön um wahr zu sein:

Der Corona-Millionär sorgte mit seiner erfundenen Aktion auf der ganzen Welt für Schlagzeilen.

Befeuert wurde das schöne Märchen durch ein Zitat des örtlichen Barbesitzers Maximino Sanchez, der vom vielen Fernandez-Geld schwärmt: «Vorher hatte hier im Dorf nie jemand Geld in der Tasche. Ich wüsste nicht, was ohne Antonio aus uns geworden wäre.»

Wahr ist: 1917 wird Antonio Fernandez im kleinen Städtchen Cerezales geboren. Nach dem Bürgerkrieg wanderte der Spanier nach Mexiko aus, wo er sich bis zum Generaldirektor der grössten Brauerei in Mexiko, Grupo Modelo, hocharbeitet.

Als CEO sorgt er dafür, dass «Corona» zur Weltmarke reift – was sich nicht nur für die Brauerei, sondern auch für den fleissigen Spanier finanziell auszahlt.

Ebenfalls wahr ist, dass Fernandez sich rührend um seinen Geburtsort kümmerte. Noch zu Lebzeiten finanzierte er laut der BBC eine anständige Trinkwasserversorgung, die Renovation der Kirche, einen Friedhof mit Kapelle, einen Dorfplatz und eine Strasse gesäumt mit über 90 Zypressen. 

Interessant in diesem Zusammenhang: In diesen 5 Städten ist das Bier am billigsten

2016 stirbt Fernandez, und kurz nach seinem Tod entsteht die Millionärmacher-Mär.

Das Online-Magazin «Mashable» kam dem Hoax auf die Spur. «Ich bestätige ihnen, dass Antonio sein Geld nicht den Dorfbewohnern vermachte», sagte die Sprecherin der Fundación Cerezales Antonino y Cinia, welche im besagten Dorf ihren Sitz hat: «Die Familienangehörigen hatten Einsicht in sein Testament. Wir wissen nicht genau, wer Antonios Vermögen erben wird, wir sind aber sicher, dass es nicht die Dorfbewohner sind.»

Ursprung der Falschmeldung dürfte ein Übersetzungsfehler aus dieser Originalmeldung im Diario de Leon gewesen sein. 

(tog)

Hol dir die App!

User-Review:
naja, mir - 16.4.2016
Immer auf dem neusten Stand. Besticht mit sympathischem, intelligentem Witz!
5 Kommentare anzeigen
5
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Hippie-ster 28.11.2016 16:32
    Highlight Interessant wäre es gewesen, zu recherchieren wo die Falschmeldung zuerst auftauchte und welche Medien diese dann weiterverbreitet haben. Wer hat wem in welcher Reihenfolge abgeschrieben?

    "Ursprung der Falschmeldung dürfte ein Übersetzungsfehler aus dieser Originalmeldung im Diario de Leon gewesen sein."

    Ich hab die Originalmeldung gelesen und die Frage der Erbschaft ist kein Thema. Es wird einzig darauf hingewiesen, dass seine Ehe Kinderlos blieb. Testament und Erbschaft kommen nicht vor.

    "Übersetzungsfehler"

    Glaube ich nicht. Da hat sich wohl eher jemand einen Spass erlaubt.
    3 0 Melden
    600
  • Madison Pierce 28.11.2016 16:12
    Highlight Aber Hauptsache man schimpft über Facebook wegen "Fake News"...
    14 1 Melden
    600
  • Hippie-ster 28.11.2016 14:17
    Highlight Der Titel verwurrt mich. Wie ging denn jetzt der Hoax um die Welt?

    Viel dazu habt ihr ja nicht gerade herausgefunden.
    17 0 Melden
    • Roaming212 28.11.2016 15:27
      Highlight Per Brieftaube.
      7 1 Melden
    600
  • bcZcity 28.11.2016 14:01
    Highlight Willkommen in Zeiten des Internets, wo statt sauber recherchiertem Journalismus schnell mal im Fast-Food-Info Bereich ausartet weil sich Leute auf der Redaktion über halbgare Webseiten informieren, welche wohl auch schon irgendwo eine falsch-Info erhalten haben.

    Copy&Paste Informationen Ahoi - Ich weis manchmal nicht mehr was ich glauben soll und was nicht. Kommt es noch so weit dass unprofessionelle Clickbait Youtube Videos als Quelle herangezogen werden, a la: "Die 10 grössten Geheimnisse von denen wir nichts wissen!!".
    21 0 Melden
    600

«Katzen gegen Glatzen»: Ein Student kämpft mit süssen Bildern gegen Fremdenhass

Sie sind süss, witzig und kennen kein Pardon bei Intoleranz: Die Katzen auf der Facebook-Seite «Katzen gegen Glatzen». watson hat mit dem Administrator der Seite gesprochen.

Philipp ist 27, studiert Ethnologie und Geografie an der Uni Heidelberg und reagiert mit Katzenbildern auf fremdenfeindliche Kommentare.

Aus diesem Grund engagiert sich der junge Student unter anderem bei der Initiative gegen Rechts in Pforzheim. Seit Anfang Jahr postet er auf seiner Facebook-Seite Katzen gegen Glatzen regelmässig Bilder wie dieses:

Ein Freund brachte ihn auf die Idee für die Seite. Dieser brauchte nach einem schlechten Tag etwas Aufmunterung. Philipp postete ein …

Artikel lesen