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US-Kapitol nach dem Enthauptungsschlag – Szene aus der US-Serie «Designated Survivor» (2016). screenshot via netflix

Designated Survivor: Er übernimmt, wenn die ganze US-Führung auf einmal stirbt

Publiziert: 23.11.16, 18:12 Aktualisiert: 24.11.16, 06:25

Das Thema «Designated Survivor» ist derzeit in den USA in aller Munde. In der gleichlautenden TV-Serie (in der Schweiz auf Netflix verfügbar) spielt Kiefer Sutherland den US-Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung Thomas Kirkman. Er wird nach einem verheerenden Terroranschlag auf das Kapitol unverhofft als Präsident vereidigt und muss irgendwie verhindern, dass das Land in der Anarachie versinkt.

Trailer «Designated Survivor»

Video: YouTube/ABC Television Network

Sutherland ist in der Serie der Designated Survivor, der auch in der Realität existiert. Ihn zu bestimmen, wird eine der ersten Amtshandlungen des 45. Präsidenten der USA, Donald Trump, sein, bevor er am 20. Januar vereidigt wird. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass an jenem Freitag etwas sehr, sehr Schlimmes passiert. 

Seit der Erfindung von Atomwaffen existiert in der Militärstrategie das Konzept des sogenannten Enthauptungsschlags. Ziel ist, mit einem einzigen Angriff die gesamte politische Führung eines Landes auszuschalten. Dieses wäre in der Folge derart gelähmt, dass Gegenwehr nicht mehr oder kaum mehr möglich ist. 

So hypothetisch dieses Horrorszanario klingt – in den USA bieten sich zwei Anlässe für einen Enthauptungsschlag an: die Vereidigung des Präsidenten alle vier Jahre sowie dessen jährliche Ansprache zur Lage der Nation («State of the Union»). Bei diesen Gelegenheiten versammeln sich der Präsident, sein Vize, sein Kabinett, beide Kammern des Parlaments und in der Regel alle neun Mitglieder des Obersten Gerichtshofs sowie der Vereinigte Generalstab im oder um das Kapitol in Washington.

US-Präsident Barack Obama bei der Ansprache zur Lage der Nation 2014. In der ersten Reihe (von rechts nach links) der Vereinigte Generalstab, Mitglieder des Obersten Gerichts und Minister aus seinem Kabinett. Nicht im Publikum ist Energieminister Ernest Moniz – aus gutem Grund. Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Anders gesagt: Sämtliche Personen, welche laut Gesetz sukzessive nachrücken würden, sollte dem Präsident etwas zustossen, befinden sich am gleichen Ort. Kommen sie alle bei einem Terroranschlag ums Leben, ist die ganze Nachfolgeregelung gegenstandslos. Die USA hätten keinen Präsidenten, keinen der nachrückt und ziemlich sicher eine fatale Verfassungskrise.

Nachfolge des US-Präsidenten

  1. Vize-Präsident
  2. Sprecher des Repräsentantenhauses
  3. Präsident pro tempore des Senats*
  4. Aussenminister
  5. Finanzminister
  6. Verteidigungsminister
  7. Justizminister
  8. Innenminister
  9. Landwirtschaftsminister
  10. Handelsminister
  11. Arbeitsminister
  12. Gesundheitsminister
  13. Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung
  14. Verkehrsminister
  15. Energieminister
  16. Bildungsminister
  17. Minister für Kriegsveteranen
  18. Minister für Innere Sicherheit

(*in der Regel der dienstälteste Senator der grösseren Fraktion, nicht zu verwechseln mit dem Mehrheitsführer)

Damit das nicht eintritt, trifft der US-Präsident Vorkehrungen. Vor jeder Vereidigung und vor jeder Ansprache zur Lage der Nation bestimmt er einen «Designated Survivor», einen «designierten Überlebenden». Während die politische Elite zusammenkommt, hält dieser sich an einem unbekannten, entfernten und gesicherten Ort auf. Nach einem Enthauptungsschlag würde er kommissarischer Präsident werden und so die Fortführung der Regierungsgeschäfte und Aufrechterhaltung der verfassungsmässigen Ordnung garantieren.

Sogar einen Assistenten mit dem «Nuclear Football» bekommt er bei dieser Gelegenheit zugewiesen. Mit dem sagenumwobenen Köfferchen könnte er einen Atomschlag autorisieren.

Ein Major der US-Marineinfanteristen mit dem Nuclear Football (2015). Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Vor seiner Vereidigung am 20. Januar 2017 wird Trump einen Designated Survivor bestimmen. Seine Vorgänger im Weissen Haus entschieden sich meistens für einen der weniger prominenten Minister ihres Kabinetts, zum Beispiel den Energieminister.

Allerdings kann nicht jeder Designated Survivor werden: Die betreffende Person muss laut Verfassung zur Ausführung des Präsidentenamtes berechtigt, also gebürtiger Amerikaner und 35+ Jahre alt sein sowie mindestens 14 Jahre in den USA gelebt haben. Die aktuelle Innenministerin Sally Jewell zum Beispiel erfüllt diese Voraussetzung nicht, da sie gebürtige Britin ist. Dasselbe galt für Madeleine Albright (Tschecheslowakei) und Henry Kissinger (Deutschland), beides ehemalige US-Aussenminister.

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
28 Kommentare anzeigen
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  • 09nico09 24.11.2016 08:46
    Highlight Wenn der Präsident stirbt oder zurück tritt, wie lange dauert eigentlich die Amtszeit des Vizepräsidenten oder halt hier des Designated Survivor, wenn der Präsident wird? Also hat er dann noch die zeit die der vorherige Präsident hatte oder fängt die Amtszeit wieder von vorne an(wieder 4 Jahre)?
    2 3 Melden
    • Kian 24.11.2016 09:49
      Highlight Er macht die angebrochene Amtszeit zu Ende, siehe z.B. LBJ oder Gerald Ford (nach Nixons Rücktritt).
      14 0 Melden
    • 09nico09 24.11.2016 11:27
      Highlight Ah okay Danke für die Info ;)
      2 0 Melden
    600
  • Zerpheros 24.11.2016 08:01
    Highlight Wenn ich mit dem norwegische Okkupert durch bin, fange ich damit an. Ich liebe Serien-Bingeing.
    4 0 Melden
    600
  • 8004 Zürich 24.11.2016 00:00
    Highlight Der Text zu Jimmy Carter in der Bildstrecke ist hammergeil: "Jimmy Carter erbte sehr wenig, so dass er mit seiner Frau in einer Sozialwohnung lebte - als bisher einziger Präsident. (...)"
    Was auch für ein Pech, wenn man nicht erbt. Da musst Du wohl oder übel in die Sozialwohnung!
    Aber als Präsident hat er wohl nicht in einer Sozialwohnung gelebt, das war wohl vorher ;-) Seine Mutter aber starb erst nach der Präsidentschaft und als Klein-Jimmy schon fast 70 Jahre alt war.
    18 0 Melden
    600
  • Shalashaska 23.11.2016 20:21
    Highlight Ich werde in Washington via meine Lobbyisten eine Initiaive namens "The Watson Act" lancieren, die in jedem Fall auswirkt das Stephen Bannon alles automatisch übernimmt ;-P
    11 15 Melden
    • exeswiss 23.11.2016 23:32
      Highlight hast du nicht mitbekommen das lobbyisten laut trump, in der regierung sowie administration verboten werden?
      7 1 Melden
    600
  • Randy Orton 23.11.2016 20:14
    Highlight "Für den unwahrscheinlichen Fall, dass an jenem Freitag etwas sehr, sehr Schlimmes passiert."
    Ich will euch nichts unterstellen, aber für mich liest sich das irendwie sarkastisch ;)
    35 5 Melden
    • Kian 23.11.2016 20:42
      Highlight So ist es wirklich nicht gemeint.
      32 2 Melden
    600
  • nissi 23.11.2016 19:56
    Highlight Sowie man Trump kennt wird dies wohl eines seiner Kinder werden :P
    44 5 Melden
    • Pana 23.11.2016 22:02
      Highlight Oder er macht eine Twitter Umfrage :D
      13 1 Melden
    • Alle haben bessere Namen als ich. 24.11.2016 07:18
      Highlight Harambe for designated Survivor!
      16 1 Melden
    600
  • Der Tom 23.11.2016 19:39
    Highlight 1 Folge pro Woche ist mühsam. Ich bezahle für Netflix eigentlich damit ich unter anderem genau diese Einschränkung nicht habe.
    17 6 Melden
    • Kian 23.11.2016 20:45
      Highlight Geht mir gleich. Ist aber eine Show von ABC, nicht Netflix. In den USA sind sie schon bei Folge 9.
      20 0 Melden
    • Karl Müller 23.11.2016 20:46
      Highlight Wenn sie nun mal nicht schneller mit dem Drehen nachkommen!

      (Aber ernsthaft: Es ist eine ABC-TV-Serie, keine Netflix-Serie.)
      12 0 Melden
    • Rhabarber 23.11.2016 21:44
      Highlight Ich hab die Serie auf meine Liste genommen und warte bis die erste Staffel komplett ist. Dann guck ich mal rein.
      15 1 Melden
    600
  • Kevin Meili 23.11.2016 18:58
    Highlight Und wo ist der obligatorische "Jeder Energieminister wäre besser als Trump" Kommentar?
    33 9 Melden
    • SemperFi 23.11.2016 19:55
      Highlight Hier: Jeder Energieminister wäre besser als Trump.
      116 16 Melden
    600
  • LuckyLuke 23.11.2016 18:42
    Highlight Will es der Zufall hab ich gerade die Serie auf Netflix geschaut🎉
    35 1 Melden
    • chrisdea 23.11.2016 18:57
      Highlight Ist sie gut?
      11 2 Melden
    • Preacher 23.11.2016 20:41
      Highlight Bin grad m schauen, ja ist sie. Lohnt sich. 24 meets House of Cards. Rein schauen!
      13 0 Melden
    600
  • sanmiguel 23.11.2016 18:36
    Highlight Kann die Serie nur wärmstens empfehlen!
    34 1 Melden
    600
  • Luca Brasi 23.11.2016 18:35
    Highlight Ist Steve Bannon Trumps designated survivor? *schauder*
    30 4 Melden
    • Kian 23.11.2016 20:48
      Highlight Normalerweise ist es ein Mitglied des Kabinetts, und die müssen vom Senat bestätigt werden. Bannon als Chief Advisor gehört nicht in diese Kategorie.
      12 0 Melden
    • Luca Brasi 23.11.2016 21:35
      Highlight Normalerweise gewinnt auch kein Typ, der eine Mauer zu Mexiko bauen und sie vom jenem Staat finanzieren lassen will. ;D
      17 3 Melden
    • Kian 23.11.2016 22:00
      Highlight Ja, nichts ist mehr normal...
      16 1 Melden
    600
  • DePippo 23.11.2016 18:28
    Highlight Momentan meine Lieblingsserie.
    12 1 Melden
    600
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 23.11.2016 18:17
    Highlight House of Cards meets 24
    24 4 Melden
    600

Alles war nur fake! Jetzt wird die «Trumpman-Show» aufgelöst

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