International

Gemässigt islamistische Regierungspartei gewinnt Wahl in Marokko

Publiziert: 08.10.16, 04:04 Aktualisiert: 08.10.16, 07:04

In Marokko hat die gemässigt islamistische Regierungspartei PJD die Parlamentswahl gewonnen. Das geht aus vorläufigen Ergebnissen der Wahl vom Freitag hervor, die das marokkanische Innenministerium am Samstag veröffentlichte.

Die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) lag nach den Resultaten mit 99 Sitzen klar vor ihrer Hauptrivalin, der dem Königshaus nahestehenden liberalen Partei für Authentizität und Modernität (PAM), mit 80 Sitzen.

Die PJD regierte bisher in einer Koalition mit Kommunisten, Liberalen und Konservativen. Ihre Anhänger kommen vor allem aus der städtischen Mittelschicht, während sich die PAM vor allem auf Bewohner der ländlichen Gebiete und die marokkanische Elite stützt.

In ihrem Wahlkampf präsentierte sich die PAM als «Verteidigerin der bürgerlichen Freiheiten» und der Frauenrechte. Zugleich kritisierte sie eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft. Die PJD unter Ministerpräsident Abdelilah Benkirane versprach ihrerseits, die von ihr begonnenen Wirtschafts- und Sozialreformen fortzusetzen.

Steigende Arbeitslosigkeit

Zwar ist es der PJD seit 2011 gelungen, das Haushaltsdefizit zu senken und einige Reformen einzuleiten. Kritiker aber machen sie für eine steigende Arbeitslosigkeit verantwortlich und werfen ihr vor, zu wenig gegen die Korruption im Land zu unternehmen. Zudem leidet Marokkos wichtiger Agrarsektor unter der schweren Dürre in diesem Jahr.

Unter dem Eindruck massiver Strassenproteste im Gefolge des «Arabischen Frühlings» hatte König Mohammed VI. im Sommer 2011 in einer Verfassungsänderung die Rolle des Parlaments sowie die Position des Ministerpräsidenten gestärkt. Nach Einschätzung von politischen Analysten trifft der König aber weiter in allen wichtigen strategischen Fragen die Entscheidungen.

Zur Wahl am Freitag aufgerufen waren knapp 16 Millionen Stimmberechtigte. Um die 395 Mandate hatten sich Kandidaten von rund 30 Parteien beworben. Rund 4000 Beobachter, darunter 92 aus dem Ausland, überwachten den Urnengang. (sda/afp)

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59 Kommentare anzeigen
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  • Posersalami 08.10.2016 12:23
    Highlight Wenn man sich Wikipedia zur Partei durchliesst, klingt deren Programm doch ganz vernünftig!
    4 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 13:10
      Highlight Schön wärs!
      Die Realität sieht leider etwas anders aus.
      Aber wer weiss, viell. bessert es dort (Ich glaube kaum daran). Immerhin haben sie einen einigermassen pragmatischen König.
      Trotzdem wurden und werden diverse Minderheiten und Regimekritiker verfolgt und Pressefreiheit gibt es natürlich auch keine, dafür eine immense Arbeitslosigkeit und Korruption.
      2 1 Melden
    • Posersalami 08.10.2016 13:18
      Highlight Gibts dazu Berichte? Woher sind deine Infos, vor allem in Bezug auf die Partei? Weil sooo schlecht können sie es ja nicht macben, wenn sie die Wahlen gewonnen haben.
      3 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 14:26
      Highlight Das hab ich auch gedacht und mich dann gewundert, warum es aus Marokko Flüchtlinge gibt.
      Quelle: div. Zeitungsartikel über Fluchtgründe von Marokkanern.
      2 0 Melden
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  • sergi 08.10.2016 11:17
    Highlight Da wundern sich Europäer wie ein Land mit einer muslimischen Bevölkerung eine islamistische Partei wählen kann :-)
    5 2 Melden
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  • Mockingbird 08.10.2016 08:58
    Highlight «Gemässigt» und «islamistisch» gehen nicht zusammen. Entweder «gemässigt islamisch» oder «islamistisch». Bitte mehr Sorgfalt im Umgang mit Begriffen!
    9 17 Melden
    • Kian 08.10.2016 09:30
      Highlight Du hast die Bedeutung des Begriffs «islamistisch» nicht verstanden. Islamismus steht für den politischen Islam. «Gemässigt islamistisch» grenzt somit ab von extremen islamistischen Positionen, wie sie etwa die Salafisten vertreten. «Gemässigt islamisch» hingegen ergibt keinen Sinn, weil die Religion an sich keine politische Bewegung ist.
      24 6 Melden
    • Randy Orton 08.10.2016 09:34
      Highlight Danke Kian, traurig wie hysterisch einige hier reagieren ohne selber nachzudenken, sobald sie das Wort Islam lesen.
      11 11 Melden
    • Mockingbird 08.10.2016 09:48
      Highlight Ich reagiere weder hysterisch, noch habe ich den Begriff missverstanden. Selbst der Duden definiert «Islamismus» wie folgt (Zitat): «Dem islamischen Fundamentalismus zugrunde liegende Ideologie».

      Nun, Kian, seit wann kann Fundamentalismus gemässigt sein? Dieser ist per se kompromisslos.
      13 7 Melden
    • Mockingbird 08.10.2016 09:55
      Highlight Nachtrag: Übrigens gibt es vielerorts islamische Räte und Parteien. Kann nachgelesen werden.
      9 3 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 10:16
      Highlight Das alte Problem:
      Jeder stelt sich unter islamismus das vor, was ihm grade passt.
      Gängig heute ist die Definition bei Journalisten, wie Kian es gesagt hat. Leider führt das bereits nach fünf Minuten Nachdenken zu verzwickten Problemen, weil damit die Extremisten mit der genau gleichen Ideologie abgetrennt werden und genauso die islamische Herkunft der Ideologie verleugnet wird: "Der Islam hat nichts mit den Extremisten zu tun."
      Man macht sich mit der Benutzung des Begriffes "Islamismus" zum Handlanger der Islam(ismus)-Apologeten.
      9 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 10:18
      Highlight Kian
      "Du hast die Bedeutung des Begriffs «islamistisch» nicht verstanden."

      Es gibt keine allgemein gültige Bedeutung dieses Begriffs!
      9 4 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 10:40
      Highlight @Rabbi Jussuf

      Mit dem Begriff "Islamismus" für den politischen Islam habe ich keine Mühe, bereits der Name sagt ja deutlich, dass Islam darin steckt. Eine Verleugnung der Herkunft findet nicht statt. Viel irreführender ist das Adjektiv "gemässigt". Wer für den politischen Islam einsteht, d.h. für die Einführung der Scharia, kann m.E. per se keine kompromissbereite gemässigt Position zu Demokratie/Menschenrechte einnehmen, weil die Scharia damit nicht vereinbar ist. Gemässigt ist bei diesen Islamisten nur das Tempo mit der sie die Gesellschaft islamisieren wollen.
      12 3 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 11:02
      Highlight @Kian

      Sie grenzen "gemässigt islamistisch" von "extremistisch islamistisch", wofür gemäss Ihnen die Salafisten (Daesh, Wahabiten) stehen, ab. Um diese Abgrenzung besser zu verstehen, wäre ich froh, wenn Sie uns verraten würden, wo Sie Erdogans AKP, Mursis Muslimbrüder, die iranische Regierung einordnen würden.
      4 1 Melden
    • Kian 08.10.2016 11:12
      Highlight Begriffe wie «gemässigt» und «extrem» werfen die Frage auf, was der «Normalzustand» ist, und eben was eine Abweichung davon. Ich denke nicht, dass hier eine diskrete Skala sinnvoll ist, die Realität ist wohl wie immer kontinuierlich. Dass die Muslimbrüder, die AKP und auch die Herrschaft der islamischen Rechtsgelehrten (Iran) im Vergleich weniger extrem agieren wie der «IS» und die Wahabiten, scheint mir aber eine korrekte Einordnung.
      4 5 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 11:25
      Highlight Kian
      schon der Vergleich vom Iran mit den Wahabiten dürfte schwierig sein. Was die einen nicht tun, machen die anderen. Wer da extremer ist, dürfte kaum zu entscheiden sein.
      Ich will nur darauf hinweisen, wie schwierig bis unmöglich 'Islamismus' zu definieren ist.
      5 2 Melden
    • Kian 08.10.2016 11:28
      Highlight Sorry, aber da mühe ich mich wesentlich lieber mit schwierigen Vergleichen ab, als alle in einen Topf zu werfen.
      5 5 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 11:33
      Highlight Maracuja
      Gemässigt kann eine "islamistische" Partei schon sein - im Moment.
      Das Wort "Islamismus" hat unterschwellig eine Wertung, nämlich schlecht, extremistisch, fanatisch. Mit dieser WErtung werden die "schlechten" Islamisten vom "guten" Islam abgetrennt. Das passiert ganz unbewusst.
      Damit wird überdeckt, dass hinter dem Islam und den politischen Ausformungen davon, ein und dieselbe Ideologie steckt.
      Der Islam kann gar nicht anders als politisch zu agieren. Darum ist die Abtrennung von Islamismus eine Augenwischerei.
      2 3 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 11:36
      Highlight Kian
      warum eine so absolutistische Reaktion?
      Niemand wirft alle in den gleichen Topf.
      3 2 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 11:52
      Highlight @Kian

      Zu differenzieren finde ich gut, aber dann müsste man schon definieren, was man unter "gemässigt" versteht. Selbstverständlich sieht neben Daesh fast alles gemässigt aus. Angesichts der Tatsache, dass im Iran u.a. Apostaten und Homosexuelle hingerichtet werden, finde ich die Verwendung des Begriffs "gemässigt" nicht korrekt. Sie schrieben korrekt von "weniger extrem agieren". Was aber nicht zwingend an unterschiedlicher Gesinnung liegt, sondern an der Tatsache, dass der Handlungsspielraum ein solches Agieren (noch) nicht zulässt. Erdogan ist aber daran sich diesen Spielraum zu schaffen.
      2 2 Melden
    • Lorent Patron 08.10.2016 13:17
      Highlight Genau Rabbi Jussuf, du sagst es:

      "Das alte Problem:
      Jeder stelt sich unter islamismus das vor, was ihm grade passt."

      Indem jemand ausdrückt, was ihm "gerade passt", zeigst er seine Vorstellung vom Islam/ismus, sein Weltbild und seine Gesinnung. Mehr nicht. Er zeigt sein Gesicht. Subjektiv.

      Die Zeiten ändern sich. Damit auch die Bedeutung von Wörtern, bzw. was "gerade passt", weil auch die Menschen, ihre Vorstellungen, Weltbilderer und Gesinnungen stets ändern.

      Eure Art Islam zu deuten lässt erkennen, ob euch Toleranz oder Intoleranz "gerade passt". Du und Maracuja versprühen Intoleranz.
      0 3 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 13:57
      Highlight @Lorent Patron

      Gegenüber Salafisten und anderen religiösen Extremisten bin ich tatsächlich intolerant und das kommt aus meinen Texten halt deutlich hervor. Wieso Sie darüber hinaus zu wissen meinen, wie ich Islam deute, ist mir unklar. Der Koran kann sehr unterschiedlich ausgelegt werden, dass meine Sympathien bei Reformern wie Mouhanad Khorchide (dessen Texte ich sehr gerne lese und mit dessen Glauben ich mich verbunden fühle) liegen, möchte ich hier nochmals klar festhalten. Auch wenn es wohl nichts dagegen helfen wird, von Ihnen diffamiert zu werden.
      4 0 Melden
    • Lorent Patron 08.10.2016 14:19
      Highlight Maracuja, du hast doch geschrieben, "wer für den politischen Islam einsteht, d.h. für die Einführung der Scharia, kann m.E. keine kompromissbereite gemässigt Position zu Demokratie/Menschenrechte einnehmen, weil die Scharia damit nicht vereinbar ist." - Behauptest du. Stimmt aber nicht. Es zeigt nur deine Haltung.

      Oder, "weniger extrem agieren [liegt] nicht zwingend an unterschiedlicher Gesinnung, sondern dass der Handlungsspielraum ein solches Agieren (noch) nicht zulässt." - Behauptest du. Das macht aber Angst. Deine Absicht.

      Deine Intoleranz geht weiter, als du uns vorgaukeln willst.
      1 3 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 14:38
      Highlight Lorent
      Was Maracuja schreibt ist völlig korrekt.
      Es scheint mir, dass Du nicht verstanden hast, was Scharia bedeutet.
      2 1 Melden
    • Lorent Patron 08.10.2016 17:04
      Highlight Jussuf: Es ist doch vielmehr so, dass mein Islam/Scharia-Verständnis von deinen wirren Vorstellungen abweicht, und dass ich deinen Anspruch auf alleinige Deutungshoheit ebenso überheblich wie auch hassgeschwängert und intolerant empfinde.
      1 3 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 17:56
      Highlight @Lorent Patron

      Greifen Sie doch endlich zu Argumenten statt zu permanenten Unterstellungen. Bitte zeigen Sie konkret auf, wie die Scharia mit westlichen Vorstellungen von Menschenrechten kompatibel ist. Ich lasse mich gerne eines Besseren überzeugen, wenn jemand gute Argumente vorbringt. Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte (quasi der Kompromissvorschlag des fundamentalistischen Islams) genügt mir aber nicht.

      1 0 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 18:47
      Highlight @Lorent Patron

      Legen Sie doch Ihr Verständnis von Scharia und Hadd-Strafen dar, statt anderen wirre Vorstellungen vorzuwerfen.
      1 0 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 19:34
      Highlight @Rabbi Jussuf: Der Islam kann gar nicht anders als politisch zu agieren. Darum ist die Abtrennung von Islamismus eine Augenwischerei.

      Der Islam kann gar nicht agieren, das können nur Menschen. Unter den Muslimen gibt es durchaus solche, die eine Trennung von Religion und Politik befürworten, für die die fünf Säulen des Islams wichtig sind und nicht die Einführung der Scharia. Für mich ist es deshalb korrekt, zu unterscheiden zwischen islamischen Strömungen, die einen politischen Anspruch haben und solchen, die sich mit einem "spirituellen" Anspruch begnügen.
      1 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 00:39
      Highlight Klar gibt es ein paar, die gerne Religion und Politik trennen würden... aber wo sind die? Und sind es mehr als ein paar Wenige?

      Der Islam kann sehr wohl agieren - durch die Gläubigen. Und da kannst du es glauben, dann geht es garantiert nicht um eine Privatisierung von Religion. Wohin die Reise geht, geht klar aus der Geschichte hervor, ist aber auch ganz einfach herauszuspüren, wenn man den Koran/Hadithe liest.
      1 0 Melden
    • Saraina 09.10.2016 10:25
      Highlight "Der Islam" agiert überhaupt nicht. Es sind immer Menschen, die agieren. Muslime, genau wie Juden, Christen und Hindu gehen mit ihrer Religion unterschiedlich um. Einige befolgen extremistische und abgrenzende Auslegungen, andere zeigen sich offen, oder sehen ihre Religion als spirituelle Anleitung. Islamismus, der Islam als politisches Konzept, entstand als Reaktion auf den Kolonialismus, durch Denker wie Mohamed Abduh, Rashed Rida etc. die innerislamischen auch als Modernisten bezeichnet werden.
      1 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 11:13
      Highlight Saraina
      Hör mir doch auf mit dem Ammenmärchen vom Kolonialismus! "Reformbewegungen" gab es seit es den Islam gibt und sind eigentlich typisch für diese Religion.
      Du erwähnst Rida? Der wäre, wenn schon, geprägt durch den osmanischen Kolonialismus und hatte später Zugang zu westlicher Bildung. So ziemlich das Gegenteil von dem, was du behauptest.
      Klar hatte der abendländische K. einen gewissen Einfluss auf den Islam, war aber nur ein Faktor unter vielen.
      1 1 Melden
    • Maracuja 09.10.2016 11:26
      Highlight @Rabbi Jussuf

      Die Vorstellung, dass allein ein alter Text bestimmt, wohin die Reise geht und nicht die Menschen, die ihn auslegen - und deren Auslegung von äusseren Umständen (sozialen, ökonomischen usw.) beeinflusst wird - ist für mich nicht plausibel. Dass im Islam repressive Phasen immer wieder durch liberalere abgelöst wurden (leider auch umgekehrt) , zeigt doch deutlich, dass es durch alle Zeiten Muslime gab, die sich gegen extr. Auslegungen wehrten. Dass fundam.Strömungen mit so viel Geld und Gewalt gepuscht werden müssen, zeigt m.E. deutlich, dass viele Muslime ein anderes Ziel haben.
      2 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 12:47
      Highlight Maracuja
      Doch, es muss so sein. Warum funktioniert das Aufbauen ausgerechnet im Islam so gut und in anderen Religionen weniger gut? Das Buch verbreitet ein Klima, das genau solche Leute anzieht, die das dann ihrem Gusto gemäss interpretieren und weitergeben. Das ist ein Rattenschwanz.
      Natürlich gibt es immer wieder Muslime, die es gerne anders haben würden. Aber das ist und war immer höchst gefährlich und dementsprechend hatten solche "Bewegungen" längerfristig nie eine Chance.
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 12:56
      Highlight Eine Reform im Sinne einer Modernisierung, wie wir uns das wünschen würden, funktioniert bei keiner Religion. Wenn, dann ist das Rückbesinnung auf die Ursprünge der jeweiligen Religion (Reformation, Salafiya, etc). Allerhöchstens kann es eine Abspaltung geben, wie es ja massenhaft schon gibt.
      Einzig eine "Aufklärung" hätte eine Chance, die aber mit massiven Druck von aussen kommen muss, vielleicht. Aber der Islam hat nicht die Ansatzpunkte (z.B. Trennung Kirche/Staat), die das Christentum hatte. In diesem Sinn kann man einen Euro-kompatiblen Islam schlicht vergessen.
      1 0 Melden
    • Lorent Patron 09.10.2016 15:45
      Highlight Rabbi: Im Islam wäre Modernisierung heilige Pflicht. Da wären zahlreiche Ansatzpunkte. Auch betreffend Trennung von Religion (Gott) und Staat (Stellvertreter).

      Sure 3.79: Es darf nicht sein, daß ein Mensch, dem Gott die Weisheit gegeben hat, zu den Leuten spräche: "Seid meine Diener neben Gott." Vielmehr (soll er sagen): "Seid Gottesgelehrte mit dem, was ihr gelehrt habt und mit dem, was ihr studiert habt."

      Die Zauberformel lautet demnach Demokratie inklusiv Bildung. Nicht ohne.

      http://www.deutschlandfunk.de/sure-3-vers-79-trennung-von-staat-und-religion.2395.de.html?dram:article_id=353047
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 16:06
      Highlight Ähem,
      Der verlinkte, durchaus interessante, Artikel besagt aber genau das Gegenteil von dem, was Du uns weis machen willst, mein lieber Lorent!

      Nun ja, war ja auch nicht anders zu erwarten...
      1 0 Melden
    • Lorent Patron 09.10.2016 17:20
      Highlight Vielleicht siehst du es einfach mit anderen Augen, Jussuf. Man kann es so oder anders sehen. Du wählst schliesslich deine Perspektive. Ich kann nicht mehr als dir andere Perspektiven anbieten und dir Perspektivenwechsel nahe legen. Die Wahl liegt letztlich an dir.

      In diesem Sinne besagt der Artikel eben nicht "genau das Gegenteil". Vielmehr ist dein gegenteiliges Verständnis nur einmal mehr Ausdruck deiner beharrlichen Weigerung, die Dinge auch mal aus Perspektiven von Andersgläubigen anzuschauen.

      Du wünschst dir zwar oben eine Modernisierung. Aber du stehst dir diesbezüglich selbst im Weg.
      0 2 Melden
    • Maracuja 09.10.2016 17:34
      Highlight @Lorent Patron

      Aus Ihrem verlinkten Text: "Der Mensch selbst ist eine unzulässige Mittelsperson für Gottes Willen. Er soll durch eine geistige Leitung ersetzt werden, die für die irdische Welt eine Regierung der Gerechtigkeit herstellt."

      Entspricht in etwa dem Wächterrat im Iran, ein Staat in dem die Menschenrechte regelmässig verletzt werden. Das System enthält zwar pseudo-demokratische Elemente, aber ein demokratischer Rechtsstaat ist es definitiv nicht.

      P.S. Wieso beantworten Sie nicht endlich mein Fragen bezüglich Vereinbarkeit Scharia und Menschenrechte.
      1 0 Melden
    • Maracuja 09.10.2016 17:42
      Highlight @Rabbi Jussuf: In diesem Sinn kann man einen Euro-kompatiblen Islam schlicht vergessen.

      Wenn man wie du die in Europa lebenden Muslime mit ihren Wünschen/Bedürfnissen so konsequent ausklammert und sich rein auf Theorien stützt, kann man einen "Euro-Islam" tatsächlich vergessen. Meine muslimischen Freunde und Bekannten finden die Hadd-Strafen aber genauso schrecklich wie ich, sie sind klar gegen die Einführung der Scharia und viele wünschen sich eine Aufklärung innerhalb ihrer Religion. In diesem Sinne finde ich dein Abschreiben eines Euroislams verfrüht.
      2 1 Melden
    • Lorent Patron 09.10.2016 18:33
      Highlight Maracuja: Ich habe dir schon geantwortet. Aber zwei meiner Beiträge hat Watson weggeworfen.

      Im Wesentlichen geht es darum, dass bei den islamischen Rechtsgelehrten die Meinung vorherrscht, dass es im Islam (bei der Auslegung) verboten sei, das Allgemeine mit dem Spezifischen oder das Bedingte mit dem Unbedingten zu vermischen. Das genau tust du aber.

      Daher legst du die Scharia oder dergleichen aus, als ob wir heute noch im Mittelalter leben würden. Tun wir aber nicht.

      In diesem Sinne kann man deine Fragen nicht beantworten, weil sie von falschen Voraussetzungen (Unterstellungen) ausgehen.
      0 2 Melden
    • Maracuja 09.10.2016 19:23
      Highlight @Lorent Patron: Daher legst du die Scharia oder dergleichen aus, als ob wir heute noch im Mittelalter leben würden. Tun wir aber nicht.

      Nicht ich lege die Scharia so aus, sondern all die islamischen Richter, die von Afghanistan bis Somalia grausame mittelalterliche Strafen anordnen. Und dabei handelt es sich nicht überall um ungebildete Laienrichter, sondern in Ländern wie Iran und Saudiarabien um Richter, die eine fundierte Ausbildung in islamischen Recht haben. Nicht ich lebe im Mittelalter, aber andere tun es leider immer noch.
      2 0 Melden
    • Lorent Patron 09.10.2016 20:14
      Highlight Maracuja: Das trifft leider wohl zu. Allerdings sehe ich sie nicht als Richter, die etwas anordnen, sondern eher als Beherrschte, die anordnen müssen, was die Machthaber verlangen. Aber mit dem Islam lässt sich solch diktatorisches Machgebahren nicht rechtfertigen.

      Das merkt zB. der Wächterrat im Iran, sobald das Volk auf die Strasse geht und "Gott ist gross" skandiert. Oder wenn die Leute mit dem Koran in den Händen das Unrecht anprangern.

      Im Iran hat das Volk die Mullahs mehr erschreckt, als alle US-Sanktionen und feindlichen Drohgebärden zusammen. Und die Mullahs mässigen sich. Gut so.
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 20:46
      Highlight Maracuja
      Bei der Scharia geht es kaum um die Strafen, die sind nur die Spitze des Eisberges. Die Scharia ist ein Ganzes, von Allah initiiertes und gegebenes Gesetz, das alle Lebenslagen der Gläubigen UND Nichtgläubigen betrifft. Aber das weisst du.
      Wenn aber dieses "Gesetz" nicht gewollt wird, dann betrifft das auch alle religiösen und sozialen Regeln. Wie soll das gemacht werden? Nur die kompatiblen Regeln übernehmen? Neu interpretieren? Wie, ohne dass es zu einem Einkaufsladen wird, wo jeder das rausholt, was er braucht? Und dann noch kontrolliert, ob es auch demokratieverträglich ist?
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 20:46
      Highlight Das hat zwei Umstände zur Folge: Erstens wird die Religion ihres Fundamentes beraubt und zweitens wird es damit keine starke Gruppe geben können, die eine solche Regelung plausibel vertreten kann. Darum auch kein Euroislam. Nicht zu vergessen, dass daneben der althergebrachte Islam bestehen bleibt und unter Umständen noch gestärkt wird. Ähnliches hatten wir schon mit der Gegenreformation durchgemacht.
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 09.10.2016 21:00
      Highlight Apropos Richter
      Hier bei uns geht es dann auch noch um die so genannten Friedensrichter die sich mehr und mehr etablieren und nach der Scharia und sonstigen kulturellen Regeln ihrer Herkunftsländer agieren. Das scheint mir für hier vorerst das wesentlich grössere Problem zu sein, als irgendwelche Gelehrte in Kairo und sonstwo. Das unterhöhlt die Gleichheit vor dem Gesetz - einem der Stützpfeiler unserer Kultur.
      Dank verschiedenen Medien und Internet werden auch die arabischen oder iranischen Richter zum Problem, schon klar.
      1 1 Melden
    • Saraina 09.10.2016 21:49
      Highlight Ja, Maracuja... Afghanistan und Somalia, dazwischen Saudi Arabien und Pakistan. Richtig gruselig. Wie siehst du es aber in Marokko, Tunesien, Algerien, Ägypten und - hört, hört! Israel, die alle für ihr Personenstandsrecht teilweise die Scharia nutzen? Für Muslime, wohlverstanden, und nur für Muslime. Offensichtlich gibt es doch Nuancen und Freiheiten in der Rechtsgestaltung.
      0 1 Melden
    • Maracuja 09.10.2016 23:05
      Highlight @Rabbi Jussuf: dann betrifft das auch alle religiösen und sozialen Regeln. ... Wie, ohne dass es zu einem Einkaufsladen wird, wo jeder das rausholt, was er braucht?

      Ach dieses Cherry Picking wird doch längst von den vielen relativ säkular lebenden Muslimen betrieben, von liberalen Christen und Juden übrigens genauso. Für Fundamentalisten und für Atheisten, die meinen, wenn einer schon gläubig sei, dann müsse er jedem Vers/Vorschrift buchstabengetreu nachleben, mag das erschreckend sein, trotzdem scheint mir diese Form des Glaubens ziemlich verbreitet.



      1 0 Melden
    • Maracuja 09.10.2016 23:22
      Highlight @Saraina

      In all diesen Ländern wird der strafrechtliche Teil der Scharia nicht angewandt. Mir ging es in der Diskussion um die Hadd-Strafen, die ich klar für nicht kompatibel mit den Menschenrechten halte. Zivilrechtlich finde ich z.B. dass das Erbrecht und das Scheidungsrecht die Frauen deutlich schlechter stellt. Letzteres gilt aber klar auch für die Halacha.
      2 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 10.10.2016 13:52
      Highlight Maracuja
      Gäbe es dieses Cherry Picking nicht, hätten wir schon viel früher Probleme mit dem Islam gehabt.
      Das war aber nicht der Punkt meiner Argumentation.
      Das Problem bereiten doch die Fundi-Gruppen, die dann auch noch die "laschen" Muslime versuchen zu vereinnahmen. Und davon gibt es erschreckend viele, jedenfalls proportional wesentlich mehr als im christlichen Bereich.
      1 0 Melden
    600
  • rodolofo 08.10.2016 08:26
    Highlight "Gemässigt Islamistisch" klingt eigentlich wie CVP...
    Marokko scheint also tatsächlich auf dem Weg zur Europäischen Normalität zu sein.
    Wenn wir Tomaten aus Spanien beziehen, dann können wir auch noch einen kleinen Schritt weiter gehen, bis nach Marokko, wo das Klima im Winter noch trockener ist und weniger Fäulnis-Erreger vorhanden sind.
    Die Marokkaner, die ich kennengelernt habe, waren mir jeweils sehr sympathisch! Von einem Einwanderer weiss ich, dass er sich hier bestens integriert hat und zusammen mit seiner Frau (eine selbstbewusste Schweizerin) zwei herzige und lebenslustige Kinder hat.
    18 3 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 10:02
      Highlight <"Gemässigt Islamistisch" klingt eigentlich wie CVP...>

      Gab ja mal welche, die gedacht haben die Erdogans AKP sei so etwas wie die CDU/CSU. Offensichtlich habe manche Sie und die Herzchenverteilen noch immer nicht begriffen, dass "gemässigt" bei islamistischen Parteien nur heisst, dass sie die Islamisierung eines Landes langsam angehen, d.h. die Freiheit scheibchenweise abschaffen wollen. Ein Vergleich mit der CVP, bei der manche Vertreterinnen z.B. für die Fristenlösung gestimmt haben, geht nicht auf. Wenn schon könnte man das eher mit einer evangelikalen Partei wie der EDU vergleichen.
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    • rodolofo 08.10.2016 11:48
      Highlight @ Maracuja
      Gestern hätte ich Dir noch recht geben können.
      Heute muss ich Dir aber leider sagen, dass die CVP unter der Leitung von Gerhard Pfister scheibchenweise an den Rechtsnationalen Kurs der SVP herangeführt wird.
      Dabei zeichnet sich - ähnlich wie bei einem 2-Komponenten-Kleber- eine ungeniessbare Mischung aus Nationalismus und Christlichem Getue ab.
      Wenn der Rechtsbürgerliche Leim dann aushärtet, haben wir den steinharten Bürgerblock, an dem sich "die Anderen die Zähne ausbeissen werden", wie Gartenzwerg Merz (FDP) hämisch grinsend kommentieren würde, währenddem er seine Fünfliber zählt.
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    • Fabio74 08.10.2016 12:28
      Highlight nun ja man müsste dann noch den dunklen Fleck "Westsahara" klären
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    • Rukfash 08.10.2016 13:42
      Highlight Den Marokanern ist es auch egal das 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Nazi Partei gewählt hat.. jetzt lasst es Blitzli regen :)
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    • Maracuja 08.10.2016 14:07
      Highlight @Rodolofo

      Ich habe nie CVP gewählt, da ich mich von bürgerlichen Parteien nicht vertreten fühle. Dass sich die CVP zurzeit weg von der "Mitte" bewegt, gebe ich Ihnen Recht. Ich zweifle aber daran, dass Pfister alttestamentarisches Strafrecht wieder einführen möchte. Wer islamistische Parteien mit Parteien wie CDU oder CVP vergleicht, ist sich offenbar nicht bewusst, dass Islamismus langfristig immer auf die Einführung der Scharia abzielt. Islamismus kann man eher mit amerikanischen Evangelikalen vergleichen, die unbedingt an der Todesstrafe festhalten.
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    • rodolofo 08.10.2016 14:41
      Highlight Ich wollte das auch nicht 1:1 gleichsetzen.
      Ausserdem sollten wir mit berücksichtigen, dass Arabische Gesellschaften sich (noch) in anderen Entwicklungs-Phasen befinden, als die Unsrige.
      Ich möchte das jetzt gar nicht werten!
      Gewisse Qualitäten sind in einem Gesellschafts-System besser ausgebildet worden, andere weniger.
      Trotzdem können wir hier festhalten, dass Marokko ein erfreulicheres Beispiel nach dem "Arabischen Frühling" abgibt, als z.B. Syrien und dass dieses Land in absehbarer Zeit an die EU "andocken" könnte.
      Eine "Europäische Perspektive" wiederum könnte für Marokko attraktiv sein.
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  • Frühstück 08.10.2016 08:07
    Highlight Wie genau ist "gemässigt islamistisch" zu verstehen? So wie "gemässigt rechtsradikal"?
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    • Hoppla! 08.10.2016 09:00
      Highlight https://de.m.wikipedia.org/wiki/Partei_f%C3%BCr_Gerechtigkeit_und_Entwicklung_(Marokko)
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    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 10:38
      Highlight Hoppla
      Danke für den Link.
      Selbst da auf Wiki sieht man, was die für ein Geheu mit dem Begriff Islamismus haben. Liest man nämlich nicht nur die ersten zwei Sätze sondern den gesamten Artikel, dürfte auch einem Journalisten auffallen, dass danach der Begriff "Islamismus" nicht mehr auftaucht, sondern von der Partei nur noch von "islamisch" gesprochen wird.
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