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Moderator Andrej Afanasjew von Tsargrad TV, einem ultrakonservativen orthodoxen Fernsehsender aus Moskau. screenshot: facebook / tsargradtv

«Gute Reise, Sodomiten!»: Russischer TV-Sender schenkt Schwulen Freiflüge in die USA

«Gute Reise, Sodomiten!» – unter diesem beleidigenden Motto hat ein religiöser russischer Fernsehsender Homosexuellen Freiflüge versprochen, sollten sie sich zur Ausreise entscheiden.

01.07.17, 17:03 01.07.17, 17:18

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Die Sendung beginnt mit einem Vorwurf: «Wir werden oft angeklagt, die USA nicht zu mögen und uns aggressiv gegenüber Päderasten zu verhalten», sagt Moderator Andrej Afanasjew von Tsargrad TV, einem ultrakonservativen orthodoxen Fernsehsender aus Moskau. «Das ist aber nicht so», beteuert der junge Mann.

Neulich habe doch der US-Bundesstaat Kalifornien, «übrigens der liberalste überhaupt», den «russischen Perversen» angeboten, eine Greencard zu bekommen, um den Verfolgungen in Russland zu entgehen. Der Sender unterstütze dies.

Und hat deswegen vorgeschlagen, jedem ernsthaft ausreisewilligen Mitglied der LGBT-Gemeinde ein Oneway-Ticket in die USA zu spendieren. Die Bedingung: Ein Attest müsse vorliegen, das «die Liebe zu Männern oder andere Perversionen» belege, «also für alle, die krank sind». Wer interessiert sei, möge ihn bitte via Facebook kontaktieren, fügt Afanasjew noch treuherzig hinzu.

Der kurze, vor Zynismus und Herabwürdigung strotzende Clip des Senders macht gerade die Runde in den russischen Medien und den sozialen Netzwerken.

Was wirkt wie dümmliche Propaganda, ist vor dem Hintergrund der massiven gewalttätigen Übergriffe auf Homosexuelle, Lesben und Transgender in Russland recht unverkennbar dazu angetan, Diskriminierung zu fördern und das gesellschaftliche Klima weiter zu verschärfen.

Da werden munter Begriffe wie «Päderasten», «Perversion» und «Sodomiten» durcheinandergewirbelt. «Ein Attest vom Arzt ist eine unerfüllbare Bedingung, weil ‹Päderastie› als Krankheit nicht anerkannt ist», schreibt denn auch eine Facebook-Userin. «Das Problem dieser Marketing-Aktion ist, dass, wenn sich niemand um ein Oneway-Flugticket bewirbt, der Fernsehsender Tsargrad offiziell anerkennen muss: Päderasten, Sodomiten und Perverse wählen Russland.» Der nette Nebeneffekt: Die PR-Aktion kostet auch nichts.

«Lieber sogenannter Fernsehsender, kauft mir doch bitte ein Ticket, das mich möglichst weit von euch wegbringt.»

Facebook User

Während der zumindest offiziell religiös motivierte Sender bei seinen homophoben Anhängern auf Zustimmung stiess, reagierte die LGBT-Gemeinde erwartungsgemäss verärgert. «Lieber sogenannter Fernsehsender, kauft mir doch bitte ein Ticket, das mich möglichst weit von euch wegbringt», schrieb ein User auf Facebook. Andere versicherten den Homosexuellen im Land ihre Solidarität.

Festnahme einer LGBT-Aktivistin in Sankt Petersburg. Bild: Dmitri Lovetsky/AP/KEYSTONE

Zwar sperrte Facebook laut Berichten des TV-Senders bereits einige der homophoben Seiten. Das scheint Moderatoren wie Afanasjew aber nur weiter anzuspornen. Der hat auch zu der in Deutschland beschlossenen Ehe für alle eine klare Meinung: Auf seiner Facebook-Seite postete er einen Beitrag, in dem es heisst: «Was ich zur Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Deutschland sage? Das Land ist im Arsch.»

Die Lage für Andersliebende in Russland ist desolat, erst vor Kurzem sorgten zahlreiche Festnahmen von LGBT-Aktivisten in Tschetschenien für Empörung. Die Regierung zeigt sich regelmässig unbeeindruckt von Protesten nationaler und internationaler Menschenrechtler. Auch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, dass Russland mit dem Verbot der sogenannten «Homosexuellen-Propaganda» fundamentale Rechte der LGBT verletzt, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit kaum Konsequenzen zeitigen.

Tsargrad TV gehört dem Unternehmer Konstantin Malofejew, der sich laut eigenen Angaben bei der Gründung des Senders an «Fox News» aus den USA orientierte. Wie der Sender Doschd berichtet, teilten sich Präsident Putin und Malofejew einen Beichtvater: den Archimandriten Tichon aus dem Sretenskij-Kloster im Zentrum Moskaus.

Umfrage

Wir fragen nicht: Wer hat Recht? Beurteile lieber, wie oft heute wohl noch Schwule, Lesben und Transmenschen diskriminiert werden!

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  • 20%Vielleicht gibt es dann und wann nochmal Ausreisser, aber im Grossen und Ganzen sehe ich keine krasse Diskriminierung dieser Leute mehr.
  • 4%Ich weiss nicht.
  • 38%Ich glaube, trotz Aufklärung gibt es sowas schon noch häufig.
  • 32%Jeden Tag. Durch Blicke, Worte, Taten.

(ala)

Video: srf

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • Benot 02.07.2017 16:58
    Highlight Ja, die Diskriminierung von Schwulen in Russland (auch hochoffiziell von staatlicher Seite), ist schon ein grosser Punkt im Gesicht der LÄCHERLICHKEIT DIESER NATION.

    Aber wie ein Kommentar weiter unten erklärt, hat es wohl viel mit fehlender Bildung und ökonomischer Rückständigkeit zu tun.

    Übrtigens: Polen ist nicht besser. Genauso lächerlich wie katholisch.
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  • Gelöschter Benutzer 02.07.2017 16:40
    Highlight Das Welttheater verkommt zum Irrenhaus. Schuld daran sind die rechten Fundis und Ultrareligiöse. Mich persönlich würde es sehr freuen, die Menschheit würde etwas gayer. Ich habe noch nie Schwule oder Lesben kennengelernt die nicht auf sehr hohem Niveau tolerant, intelligent und einfühlsam waren. Da könnte sich so mancher rechte Fascho vieles zum Vorbild nehmen.
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  • pamayer 02.07.2017 15:46
    Highlight Russland bekennt Farbe...

    Sind LGBT Menschen in den USA überhaupt willkommen oder muss Trump wieder mal eine Einreisesperre verhängen?
    10 3 Melden
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  • who cares? 02.07.2017 14:07
    Highlight Lustigerweise sind viele Homophobe so Machotypen, die Frauen nicht respektieren und als Jagdobjekt anschauen. Da sie ihr eigenes Verhalten auf andere Männer spiegeln, haben sie Angst von schwulen Männern so behandelt zu werden, wie sie Frauen behandeln, also als Freiwild. Und das behagt ihnen nicht, obwohl die meisten Schwulen gar nichts von solchen Typen wollen. Deswegen hat es in Machokulturen, wie auch Russland eine ist (russiche Weisheit: "wen er dich nicht schlägt, liebt er dich nicht") diese extreme Homophobie.
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  • Waedliman 02.07.2017 10:35
    Highlight Mir ist die Spekulation darüber egal, ob der Hassprediger selbst schwul ist oder nicht - faktisch sind die Russen ein Volk, das keine Demokratie kennt, wohl auch keine will und sich lieber von Popen und Politdespoten die Welt erklären lässt. Es wird Zeit, dass wir die Welt von religiösem Wahn und narzisstischen Politikern befreien. Vielleicht gibt es dann eine Chance zu mehr Vernunft.
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  • WildPenguin 02.07.2017 03:59
    Highlight So traurig...
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  • jSG 02.07.2017 01:10
    Highlight Finde die Umfrage schon etwas fragwürdig. Wie kann ein heterosexueller Mensch beurteilen ob homosexuelle Menschen diskriminiert werden? Jeder kennt nur sich und sein Umfeld, die homosexuellen treffen aber auf Menschen aller Schichten.
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  • Menel 01.07.2017 22:49
    Highlight «die Liebe zu Männern oder andere Perversionen»

    ...uuuhhh, dann bin ich wohl auch pervers 😉😅
    55 8 Melden
    • pamayer 02.07.2017 15:56
      Highlight Hoppla.
      Hätte ich nie von dir gedacht!

      enttäusch enttäusch 😞😟😤😢
      5 1 Melden
    • Menel 03.07.2017 11:08
      Highlight Ja, sorry 😳🙈
      1 0 Melden
    • Fabio74 03.07.2017 17:10
      Highlight Wir Perversen sollten mal vor der russischen Botschaft in Bern Flagge zeigen
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  • Danyboy 01.07.2017 19:59
    Highlight In Russland liegt das Problem ganz einfach in fehlender Bildung und teils auch an ökonomischer Rückständigkeit in gewissen Regionen.
    Das sieht man an der ignoranten Thematisierung von Homosexualität, eklatantem Unwissen und bewusstem Verdrehen und Vermischen von Fakten. Gerade die ständige Vermischung von Päderast, Pädophiler und Schwuler zeigt dies deutlich. Auch das lächerliche Gesetz in Russland setzt ja genau dort an: "Schutz der Kinder". Vor ebendiesen "Päderasten". Armes ignorantes Russland.
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    • Informant 01.07.2017 23:50
      Highlight Reisebericht eines Schwulen nach Moskau.
      (Gert Ewen Ungar)

      https://logon-echon.com/2015/03/09/moskau-ein-reisebericht/
      6 19 Melden
    • Danyboy 02.07.2017 09:20
      Highlight Informant:
      Sorry, aber das ist etwas reichlich naiv. ALLES, was unsere bösen Medien kritisieren, ist aufgrund eines "authentischen" Eintauchens dieses Homosexuellen diametral anders erlebt worden. Irgendwie sehr seltsam.
      Es ist FAKT, dass alles was homosexuelle Lebensweisen öffentlich zur Schau stellt, wegen dem "Jugendschutz" unterbunden wird.
      Es gibt rechtsextreme Schlägertrupps, die Schwule in Fallen locken, misshandeln und teilweise töten. Interessiert keinen.
      Dass Russland das Böse per se ist, sage ich bestimmt nicht. Aber es ist mit Sicherheit NICHT das Märchenland dieses Touristen.
      34 3 Melden
    • atomschlaf 02.07.2017 09:46
      Highlight @Informant: Interessant. Danke für den Link.
      7 20 Melden
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  • Hayek1902 01.07.2017 18:41
    Highlight auf wen bezieht sich die umfrage? auf die schweiz? auf industrieländer? weltweit? wird nicht wirklich klar und deshalb ist sie auch für die tonne.
    15 20 Melden
    • PhilippS 01.07.2017 20:16
      Highlight Verstehe nicht, weshalb es wichtig ist auf welches Land/Region sich die Umfrage bezieht. Auch wenn nur die CH gemeint ist, kommen leider nur die letzten beiden Möglichkeiten in Frage.

      Wer den ersten Punkt wählt, der/die sind offenbar diese, die die Antworten auf den letzten beiden Punkten verantworten.

      Diskriminierung ist immer falsch! Egal gegen wen oder was!!
      33 8 Melden
    • Hayek1902 02.07.2017 03:00
      Highlight So ein stuss, natürlich macht es einen unterschied, ob du in kalifornien, der schweiz oder saudi arabien schwul bist.
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  • roger.schmid 01.07.2017 17:40
    Highlight der Typ ist sehr wahrscheinlich selbst nicht so ganz straight - wie die meisten homophoben:

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