Islamischer Staat (IS)

Flüchtlinge aus Kobani überqueren die türkische Grenze. Bild: AP/STR

Angst vor IS-Terroristen

UNO rechnet mit 400'000 Flüchtlingen aus einer einzigen Kurdenstadt

23.09.14, 14:26 23.09.14, 16:23

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erstellt Notfallpläne für den Fall, dass alle 400'000 Einwohner der nordsyrischen Kurdenstadt Kobani in die Türkei flüchten. Kobani wird von der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) belagert.

Sie haben es geschafft und sind in der Türkei. Bild: AFP

Die Dschihadisten überrannten bereits Dutzende Dörfer in der Region. «Unsere grösste Sorge ist, dass Kobani fällt», sagte UNHCR-Sprecher Robert Colville am Dienstag in Genf. «Wir wissen es nicht, aber wir treffen entsprechende Vorbereitungen, falls die gesamte Bevölkerung flüchtet.»

Die Türkei hat bereits 138'000 Flüchtlinge aufgenommen. Bild: STRINGER/TURKEY/REUTERS

Der Islamische Staat hat grosse Teile Syriens und des Iraks unter seine Kontrolle gebracht und ein Kalifat ausgerufen. Seit dem 15. September rückt der IS auf Kobani vor. Die auch als Ain al-Arab bekannte Grenzstadt Kobani ist für Nordsyrien von zentraler militärischer Bedeutung.

Eine Video von Hamza Bakr im Kurdi Channel, das angeblich den Beschuss von Kobani durch IS-Terroristen aus Mosul zeigt.  quelle: youtube/kurdi channel

Aufruf zu internationaler Hilfe

Die Türkei hatte am Freitag angesichts der Flüchtlingswelle ihre Grenzen geöffnet, nachdem das Land tagelang Schutzsuchende zurückgeschickt hatte. Seither hat sie 138'000 Flüchtlinge aufgenommen. Das sind so viele wie in allen europäischen Staaten zusammen seit dem Beginn des Bürgerkrieges in Syrien vor drei Jahren Schutz fanden, wie UNHCR-Sprecher Colville betonte.

Massenansturm an der türkischen Grenze. Bild: STRINGER/TURKEY/REUTERS

Die Organisation rief die internationale Gemeinschaft auf, die Türkei und andere Nachbarländer Syriens zu unterstützen, die mehr als drei Millionen Flüchtlinge versorgen. Das UNHCR wird am Mittwoch per Flugzeug weitere Hilfsgüter für etwa 200'000 Flüchtlinge in die Region bringen. (whr/sda/reu) 

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Brikne, 20.7.2017
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