Panorama

Bild: imgur

Die Liebe in Zeiten des Austauschs

«Es gibt eine Million Erasmus-Babys»

Ein Erasmus-Semester fördert die Völkerfreundschaft, meldet die EU-Kommission und untermauert das mit Zahlen: Ein Drittel ehemaliger Erasmus-Studenten liebt international.

23.09.14, 22:02

Alexander Demling

Ein Artikel von

Über das Auslandsstudienprogramm Erasmus wird mitunter gespottet, es fördere eher den Austausch von Körperflüssigkeiten und Party-Ritualen als den von akademischen Anregungen. Völlig falsch ist das offenbar nicht: Laut einer Studie der EU-Kommission finden viele Auslandsstudenten in der Ferne tatsächlich oft die Liebe.

«Viele dieser jungen Menschen haben den Partner, den sie im Ausland gefunden haben, geheiratet. Es gibt rund eine Million Erasmus-Babys»

«Viele dieser jungen Menschen haben den Partner, den sie im Ausland gefunden haben, geheiratet. Es gibt rund eine Million Erasmus-Babys», sagte die EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou bei der Präsentation der Erasmus Impact Study (hier als pdf) am Montag in Brüssel. Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums lässt demnach die Wahrscheinlichkeit steigen, mit jemandem aus einem anderen Land zusammenzukommen.

Erasmus-Studenten sind seltener arbeitslos

In der Studie hatte die Beratungsgesellschaft CHE Consult im Auftrag der EU-Kommission die Auswirkungen von Erasmus auf Job, Fähigkeiten und Leben der Teilnehmer untersucht. Die Ergebnisse basieren unter anderem auf einer Online-Umfrage in 34 europäischen Ländern. Antworten von mehr als 75'000 Studenten und Absolventen flossen ein. 

Mehr als 90 Prozent der Befragten hatten sich schon mal während eines Auslandsaufenthalts weitergebildet, also im Ausland studiert, dort einen Sprachkurs besucht oder anderweitig gelernt. Rund die Hälfte waren als Erasmus-Studenten an einer Hochschule. Nur etwa zehn Prozent der Befragten war noch nie zu Studienzwecken im Ausland.

Dafür gab es häufig finanzielle Gründe: 58 Prozent der Daheimgebliebenen geben an, die Unsicherheit über die Kosten des Austauschsemesters habe eine Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt. 57 Prozent blieben unter anderem deswegen an ihrer Heimat-Uni, weil sie fürchten, der Auslandsaufenthalt könnte ihren persönlichen Beziehungen schaden.

Bei der Befragung ehemaliger Erasmus-Studenten gab ein Drittel an, ihr Lebenspartner komme aus dem Ausland und 27 Prozent hatten ihn im Rahmen des Programms kennengelernt. Bei Absolventen ohne Auslandsaufenthalt führten nur 13 Prozent internationale Beziehungen. Auf Basis der Zahlen schätzte die Kommission die Zahl der Kinder, die seit dem Programmstart 1987 aus Erasmus-Beziehungen hervorgingen, auf eine Million.

gif: giphy

Allerdings bringt ein Auslandsstudium laut EU-Kommission noch weitere Vorteile: So seien Teilnehmer am Erasmus-Programm fünf Jahre nach ihrem Studienabschluss nur seltener arbeitslos als solche, die ausschliesslich in ihrem Heimatland studiert hatten. Die Forscher führen das unter anderem auf die erhöhte Bereitschaft der Auslandsstudenten zurück, für einen Arbeitsplatz den Wohnort zu wechseln.

Auch die Persönlichkeit entwickelt sich während eines Auslandsaufenthalts weiter: Mehr als 90 Prozent gaben an, ihr Selbstvertrauen sei gestärkt worden, fast ebenso viele kamen nach eigenen Angaben neugieriger und gelassener aus dem Studium im fremden Land zurück. 

Das Erasmus-Programm fördert Studienaufenthalte oder Praktika im Ausland. Das Nachfolgeprogramm Erasmus+ unterstützt seit Januar auch berufliche Aus- und Weiterbildungen. Das Budget liegt in den kommenden sieben Jahren bei durchschnittlich rund zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0Alle Kommentare anzeigen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Baronis Lebenshilfen

11 Risotto-Rezepte für einen wohligen Winter

Natürlich, Risotto wird das ganze Jahr über gegessen. Und das Gericht kommt ja aus Italien, das eher für sonniges Sommerwetter als für nasskalte Winter bekannt ist.  

Trotzdem, sich die Zeit zu nehmen, einen richtig guten Risotto zu kochen und diesen danach in der warmen Stube zu geniessen, während es draussen schneit (oder regnet ... oder stürmt ...), ist einer der schönsten Wintergenüsse. «Comfort food», nennen das die Angelsachsen – Essen, bei dem es einem wohlig und kuschelig …

Artikel lesen