Panorama

Bild: Alexander Kargaltsev via OutThereMagzaine

Reaktion auf den umstrittenen stuhl

Mann auf Frau, schwarz auf weiss oder umgekehrt: Wer soll denn nun auf wem sitzen?  

Erst empörte eine russische Bloggerin weltweit mit einem Frauenbild, jetzt antwortete der russische Fotograf Alexander Kargaltsev mit einem Männerbild: Er setzte dafür einen nackten schwarzen Mann auf einen weissen  –  und fürchtet, dass viele sein Foto nicht verstehen.

27.01.14, 10:18 27.01.14, 15:28

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Die Chefredakteurin Dasha Zhukova auf dem umstrittenen Stuhl. Bild: Fashionbombdaily

Damit antwortete der russische Fotograf Kargaltsev auf ein Bild, das in den vergangenen Tagen viele entsetzte: Die russische Bloggerin Miroslava Duma, einer der Stars der Street-Style-Szene, hatte ein Interview geführt mit Dasha Zhukova, Stilikone und Chefredakteurin des russischen Modemagazins «Garage». Zum Interview veröffentlichte Duma jenes Foto, das im Netz für Furore sorgte: Die Chefredakteurin sitzt auf dem Bild elegant in Jeans und weisser Bluse auf einer schwarzen, barbusigen, mit einem Gürtel zusammengeschnallten Puppenfrau mit hochhackigen Lederstiefeln und Handschuhen. Duma veröffentlichte den Beitrag am Gedenktag von Martin Luther King.

«Entsetzlich und inakzeptabel», bezeichnete der russische Fotograf Kargaltsev die Bildauswahl später in «OutThere», einem Magazin für Homo-Kultur. Kargaltsev ist schwul, er lebt heute in New York. Er sagt, er habe selbst wegen des allgegenwärtigen Homosexuellen- und Fremdenhasses aus Russland flüchten müssen. «Es macht mich sehr traurig zu sehen, dass Rassismus glorifiziert wird.» Sein Foto, sagte er dem Magazin, drehe die visuelle Ungerechtigkeit um. Jetzt sei die Gleichstellung von Geschlecht, Herkunft und sexueller Orientierung wieder hergestellt.

Das ist Kunst, keine Diskriminierung 

Sowohl die Bloggerin Duma als auch die Chefredakteurin Zhukova entschuldigten sich inzwischen für das Bild. In ihrem Blog «Büro 24/7» zeigt Duma es zwar noch, inzwischen wurde das Bild aber so bearbeitet, dass der provozierende Frauenstuhl nicht mehr zu sehen ist. 

Sie sei gegen Rassismus und Geschlechterungerechtigkeit, schreibt Duma in ihrem Instagram-Profil. «Wir lieben, respektieren und bewundern Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihres sozialen Status.» Der Stuhl sei Kunst, keine Diskriminierung, schreibt die Chefredakteurin Zhukova.

Den Stuhl hat der Norweger Bjarne Melgaard entworfen, er ließ sich dabei offensichtlich von dem britischen Pop-Art-Künstler Allen Jones inspirieren.

Seine sehr realistischen Frauenfiguren aus Stahl und Fiberglas machten Jones berühmt: Er legte eine Tischplatte auf den Rücken einer Frau, die auf dem Boden kniet und ihren Po in die Luft streckt, einer anderen Frau schnallte er einen Stuhl auf den Leib. Feministinnen sahen den weiblichen Körper missbraucht und verdinglicht. 

Als 1978 die Objekte im Londoner «Institute of Contemporary Arts» gezeigt wurden, flogen Rauch- und Stinkbomben, ein paar Jahre später kam es in der «Tate Britain» zu einer Säureattacke auf den Frauenstuhl.

Der russische Fotograf Kargaltsev fürchtet, dass seine Bildantwort auch nicht überall auf Gegenliebe stösst. Er sagt: «Bedauerlicherweise weiss ich sehr genau, dass die meisten Russen meine Arbeit als provozierend und unangemessen ansehen, während das abstossende Bild kaum jemanden zu einem Kopfschütteln bewegen wird.» (fln/spon)

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  • susannbo 27.01.2014 14:07
    Highlight Egal wer auf wem sitzt, Frau auf Frau/Mann oder Mann auf Mann/Frau, diese Bilder wirken grotesk und für mein Empfinden menschenverachtend. Kunst hin oder her.
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