Panorama
Thai surrogate mother Pattaramon Chanbua (L) holds her baby Gammy, born with Down Syndrome, at the Samitivej hospital, Sriracha district in Chonburi province on August 4, 2014. The surrogate mother of a baby reportedly abandoned by his Australian parents in Thailand because he has Down Syndrome was a "saint" and "absolute hero", Australian Immigration Minister Scott Morrison said. AFP PHOTO / Nicolas ASFOURI

Baby Gammy und seine thailändische Leihmutter: «Das war alles sehr belastend» Bild: AFP

TV-Auftritt von Gammys Eltern

«Wir vermissen unseren kleinen Jungen»

Fortsetzung im Streit um ein Baby mit Down-Syndrom: In einem TV-Interview haben die biologischen Eltern von Baby Gammy die Leihmutter beschuldigt, sie gezwungen zu haben, das Kind bei ihr zurückzulassen. Die gibt ihnen in einem Punkt sogar recht.

10.08.14, 18:52 11.08.14, 12:49

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 Ihr Verhalten sorgte weltweit für Aufsehen, nun haben sich die leiblichen Eltern von Baby Gammy und dessen gesunder Zwillingsschwester in einem Interview mit dem australischen TV-Sender Channel 9 an die Öffentlichkeit gewandt. Darin geben sie der Leihmutter die Schuld daran, dass sie den Jungen mit Downsyndrom bei ihr in Thailand zurückliessen. Die Frau soll ihnen gedroht haben, andernfalls die Polizei einzuschalten.

«Wenn wir versuchten, unseren kleinen Jungen zu nehmen, würde sie die Polizei alarmieren und auch noch das Mädchen wegnehmen, um beide zu behalten», sagte der Vater. Seine Frau und er hätten deshalb keine andere Chance gesehen, als das gesunde Mädchen Pipah mitzunehmen, sagten die Eltern in dem TV-Interview. Ihr Plan sei aber gewesen, den Jungen nachzuholen, sobald ihre Tochter australische Papiere habe.

Gammy mit seiner Leihmutter Pattaramon Chanbua: Die Thailänderin brachte das Baby zur Welt, dessen biologische Eltern aus Australien kommen. Bild: DAMIR SAGOLJ/REUTERS

Dennoch räumte das Paar auch ein, seit ihrer Rückkehr keinen Kontakt mehr zu Gammy oder der Leihmutter gesucht zu haben, um zu erfahren, wie es ihm geht. «Das alles war sehr belastend», sagte der Mann. «Wir vermissen unseren kleinen Jungen. Manchmal komme ich nach Hause, und meine Frau hat unsere Tochter komplett in blau angezogen, weil sie immer noch an unseren Jungen erinnern möchte.»

Der Nachrichtenagentur Associated Press gegenüber räumte die Leihmutter inzwischen ein, dass sie den Eltern nicht erlaubt hatte, ihren Sohn mit nach Australien zu nehmen. «Das habe ich gemacht, weil sie ihn in ein Heim gesteckt hätten», sagte die 21-Jährige.

Gammy hat das Downsyndrom. Laut Medienberichten liessen die biologischen Eltern den Jungen deshalb zurück - und nahmen nur seine Zwillingsschwester bei sich auf. Bild: AFP

Die Probleme hätten angefangen, als festgestellt worden sei, dass einer der beiden Föten nicht gesund zur Welt kommen würde, sagte der Vater dem australischen Fernsehsender. Damals war es bereits zu spät für eine Abtreibung. Wenn sie es früher erfahren hätten, hätten sie vermutlich auf einen solchen Eingriff bestanden, sagte der Vater. «Ich glaube nicht, dass irgendein Elternteil einen behinderten Sohn haben will», sagte er. «Eltern wollen, dass ihre Kinder gesund und glücklich sind.»

Der Vater, der aus einer vorherigen Beziehung bereits drei Kinder haben soll, sprach auch über seine Vorstrafen. Vor Kurzem war bekanntgeworden,dass er in den Neunzigerjahren eine Gefängnisstrafe verbüsste - weil er sich an drei Mädchen vergangen hatte, die jünger als 13 Jahre alt gewesen sein sollen.

«Ich bin wegen sexueller Nötigung von Kindern schuldig gesprochen worden, und ich schäme mich dafür», sagte er. Er sei aber behandelt worden und stelle nun kein Risiko mehr für Kinder dar. Inzwischen ermittelt allerdings eine australische Kinderschutzbehörde gegen die Eltern. Es gehe um die Sicherheit und das Wohlergehen des sieben Monate alten Mädchens in der Obhut des Ehepaars, sagte ein Sprecher der Behörde dem Sender ABC.

Chanbua mit Gammy und ihren leiblichen Kindern: Der kleine Junge soll nun bei ihr bleiben. Bild: Apichart Weerawong/AP/KEYSTONE

Gammy ist in der Zwischenzeit von Ärzten in Bangkok erfolgreich am Herzen operiert worden, wie die australische Hilfsorganisation Hands Across the Water mitteilte. Die Gruppe hatte mehr als 240.000 Dollar (knapp 180.000 Euro) an Spenden für den Jungen eingeworben. Das Krankenhaus konnte er demnach wieder verlassen. Der Junge lebe nun mit seiner Familie in Bangkok. vks/Reuters/AP/AFP

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