Populärkultur

Regisseur Joss Whedon drehte «Avengers: Age of Ultron» für 250 Million Dollar. Der Film wird allerdings ein Vielfaches davon einspielen – das kann man bereits jetzt mit gutem Gewissen behaupten. Bild: EPA/ANSA

Wie uns Hollywood mit immer mehr Superhelden-Filmen zu therapieren versucht – und wir die Medizin willig schlucken

10.05.15, 20:40 11.05.15, 12:20

Hat es denn nie ein Ende?

Soeben lief der Superhelden-Streifen «Avengers: Age of Utron» an. Kurz zuvor erschien auf Netflix die Serie «Daredevil».

Alleine im Jahre 2014 wurden mit «Captain America: The Winter Solder», «The Amazing Spider-Man 2»,«X-Men: Days of Future Past»,«Guardians of the Galaxy» und «Teenage Mutant Ninja Turtles» fünf der immergleichen Comic-Verfilmungen veröffentlicht. 

2015 drohen uns mit «Ant-Man» und «Fantastic Four» zwei weitere. 2016 werden es gar deren neun sein. 

Neun!

Hinter vorgehaltener Hand wird es schon lange gemunkelt: Leidet die amerikanische Volksseele, boomen zwei Dinge: die Kosmetikindustrie und Filme mit Superhelden. Wertet man die Daten der Wikipedia-Seite «List of American superhero films» aus, wird wenigstens das zweite Gerücht durchaus gestützt: 

Zwischen 1991 und 2001 spielten gerade mal zehn Superhelden-Filme mehr als 100 Millionen Dollar ein. Nach 9/11 schafften das in derselben Zeitspanne ganze 33.   grafik watson.ch 

Während nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York die Trümmer des World Trade Centers weggeräumt wurden, kümmerte man sich im fernen Hollywood um die Verletzungen der amerikanischen Volksseele: die Studios kurbelten die Produktion von Superhelden-Streifen an – ein altbewährtes Mittel, das man bereits gegen den Vietnam-Kriegs-Kater eingesetzt hatte: 

Zweimal Superman, zweimal Captain America, einmal Spider-Man und einmal ein Typ namens Condorman: Zwei Jahre nach Ende des Vietnamkriegs begann ab 1977 eine Ära von Superhelden. grafik watson.ch 

Wer nun an einen selbstlosen Akt aus Hollywood glaub, der irrt. Die Filmstudios schlagen enormen Profit aus der Therapie auf Zelluloid. Seit 2002 blieben die Einnahmen mit dem Genre nur gerade in den Jahren 2009 und 2010 unter der Milliardengrenze. 

Spider-Man, Iron Man, X-Men, Wolverine, Captain America, The Avengers: Marvel ist für den Grossteil der Comic-Verfilmungen verantwortlich. grafik watson.ch 

Im Rekordjahr 2012 spielten die fiktiven Helden gar mehr als 3.5 Milliarden ein. «The Avengers» wurde erfolgreichster Film des Jahres, «The Dark Knight Rises» erreichte weltweit Platz drei. 

Weltweit?

Ja. Weltweit. Denn es scheint, als würde Hollywood in dieser verwirrenden und verunsichernden weltpolitischen Lage langsam auch global zum akzeptierten Therapiezentrum avancieren.

Fünf der 20 erfolgreichsten Filme aller Zeiten erzielten mehr als 40 Prozent ihres Umsatzes in den USA, vier davon sind Superhelden-Streifen (rot). Iron Man 3 ist der einzige Film des Genres in den Top-20, der mehr als 60 Prozent seines Umsatzes im Ausland erzielte.  grafik watson.ch

Im vergleich zu «normalen» Hollywood-Filmen wie «Avatar», «Titanic» oder «Furious 7» erzielen die Comic-Verfilmungen zwar immer noch einen deutlich höheren Anteil des Umsatzes im Heimmarkt, die letzten beiden Jahre haben aber gezeigt: Captain America und Co. sind auch im Ausland sehr beliebt.

In den beiden Jahren 2013 und 2014 erzielten nur zwei von neun Superhelden-Filmen mehr als 40 Prozent ihrer Einnahmen in den USA. grafik: watson

Es gibt durchaus Zeichen, dass die Superheldenmania schon bald zu Ende sein könnte. Stimmt die Superhelden-Therapie-Theorie allerdings, dann ist aufgrund der politischen Weltlage zu befürchten, dass uns der Zenit dieses mit der Zeit doch etwas langweiligen Genres noch bevorsteht.

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Brikne, 20.7.2017
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  • AdiB 11.05.2015 17:58
    Highlight marvel hat bis 2019 fixe filme. nächstes jahr 3 garantiert und dieses jahr noch 2. dc hat bis 2020 fix.
    marvel ist bei der überlegung nach infinity wars mit den young avangers weiter zu mschen. dort stehen hawkeyes und caps töchter, hulkling, iron lad, vision ( vom jetzigem film) und noch viele mehr. riesen truppe.
    wen ich mich recht erinnere, bei neuem avangers sieht man das ende, bei starks vision, von infinity wars.
    0 0 Melden
  • Dan Rifter 11.05.2015 07:15
    Highlight Die Amerikaner sind halt - so im grossen und ganzen mit ein paar löblichen Ausnahmen - ein extrem banales Volk.
    11 7 Melden
    • 's all good, man! 11.05.2015 09:40
      Highlight Als ob solcherlei Filme dann bei uns niemand schauen würde...
      16 1 Melden
  • Tatwort 10.05.2015 23:53
    Highlight Geht es den Amis schlecht, brauchen sie einen starken Mann. Das ist meist ein Superheld. Superman entstand vor dem zweiten Weltkrieg, während des Krieges wurden Helden ohne Ende aus der Taufe gehoben...
    Nach 9/11 war es ähnlich: Wer sein Geld in Aktien bei Marvel steckte, wurde reich (naja, wenn er genug Geld in Marvel steckte). Und die Comics, die in Krisen geboren werden, sind am Ende das beste langfristige Investment, das man tätigen kann (Amazing Fantasy: von 15 Cent innerhalb von 50 Jahren auf 1 Millione)...
    4 0 Melden
  • Alnothur 10.05.2015 22:53
    Highlight Uhh, die pöse, pöse Filmindustrie verdient Geld daran, dass sie ein stark nachgefragtes Produkt anbietet...
    18 0 Melden
  • guy_fawkes 10.05.2015 22:38
    Highlight Einbisschen eine monokausale Theorie....
    5 2 Melden
  • Pieter 10.05.2015 21:26
    Highlight Jaja die Amis irgendwoher brauchen die ihr Aha-Erlebnis.
    Siehe dir ganzen Serien: NAV-CIS, NAV-Los Angeles. Hast du eine gesehen kennst du alle anderen auch schon. Langweilig
    23 4 Melden
    • Karl33 10.05.2015 23:12
      Highlight Die Russen haben ihre nationalistische Putin Propaganda, die Amis ihr nationalistisches Superheldenprogramm.
      10 2 Melden

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