Populärkultur

Die «Breaking Bad»-Crew. Bild: PAUL BUCK/EPA/KEYSTONE

Emmys 2014

«Breaking Bad»-Kopf Cranston schmust Julia-Louis-Dreyfus ab und der schöne «True Detective»- Regisseur Fukunaga sticht seine Schauspieler aus

Mit «Breaking Bad» haben die Emmys einen grossen Gewinner. Doch der verdiente Sieg des Drogendramas kann nur halb vertuschen, was für eine fantastische Grütze die Preisgala war.

26.08.14, 10:20 26.08.14, 11:53

 Hannah Pilarczyk

Ein Artikel von

Wenn einen in der Nacht gewisse Bedürfnisse überkommen, dann sollte man sich ans Fernsehen wenden, empfahl Moderator Seth Meyers gleich zu Beginn der 66. Emmy-Verleihung. Im Gegensatz zum Kino sei Fernsehen einfach weniger zickig und anspruchsvoll, da müsse man nicht teure Geschenke kaufen, um zum Zuge zu kommen.

Ein seltsamer Einstieg für ein familienkompatibles Unterhaltungsevent, sollte man meinen. Und überhaupt: Erleben wir nicht gerade das goldene Zeitalter des Fernsehens? Die Ära, in der TV dem Kino in Sachen Anspruch und Ästhetik längst den Rang abgelaufen hat?

Nein, nach drei Stunden Emmy-Gala können Generationen von Cineasten beruhigt sein: Das Fernsehen ist genauso schnell, schmutzig und anspruchslos, wie Meyers es gesagt hat.

Seth Meyers: Fernsehen sei weniger zickig und anspruchsvoll als Kino. Bild: reuters

Dabei fing der Abend gar nicht mal so schlecht an. In seinem Einstiegsmonolog landete NBC-Late-Night-Talker Meyers ein paar hübsche Pointen über den ungewöhnlichen Sendetermin (die Emmys wurden in diesem Jahr zugunsten der MTV-Awards und Football-Übertragungen auf einen Wochentag verschoben) und die ungewöhnlichen Einreichungen der Fernsehmacher.

«Das Drama, das uns zum Weinen bringt  – weil es bei den Comedys eingereicht wurde» – so wurde die zwölffach nominierte Netflix-Serie «Orange is the New Black» genannt. Leider sollte das die einzige Würdigung für die herausragende Produktion über einen Frauenknast bleiben: Wieder einmal gewann «Modern Family» den Preis für die beste Comedy, was den Kollegen vom «Guardian» zu der hübschen Pöbelei verleitete: «Schon wieder dieser angetrocknete, auf dem Bürotisch liegen gebliebene Donut von einer Show?»

Die Crew der «auf dem Bürotisch liegen gebliebene Donut von einer Show».  Bild: MIKE BLAKE/REUTERS

Wie ernst es die TV-Branche mit der Begeisterung für «Modern Family» wirklich meint, wurde noch in der Show selbst in Frage gestellt. Da wurde nämlich Sophia Vergara, Star aus der gefeierten Sitcom, wie eine Schaufensterpuppe auf ein rotierendes Podest gestellt, um als Kulisse mit Kurven die Bühne zu verschönern. Wenn der Twitter-Aufruhr über die Szene halbwegs aussagekräftig ist, dürfte der übertragende Sender CBS zu diesem Zeitpunkt einen merklichen Knick in der Zuschauerquote verzeichnet haben.

Sophia Vergara auf dem rotierenden Podest. Bild: Getty Images North America

Stürmischer Kuss für Julia-Louis-Dreyfus

Aber für jeden Vergara-Tiefschlag gab es zum Glück ein Julia-Louis-Dreyfus-Highlight. Der ehemalige «Seinfeld»-Star glänzt nicht nur in der HBO-Comey «Veep» als ruchlose Vizepräsidentin – auch als mittlerweile doppelte Preisträgerin spielt sie in einer anderen Klasse. 2013 lieferte sie nach ihrem ersten Emmy-Gewinn für «Veep» noch eine Dankesrede ab, wie sie Serienschöpfer Armando Ianucci nicht lustiger hätte schreiben können.

Der Sturmangriff Cranstons. gif: giphy

2014 nahm sie noch auf dem Weg zur Bühne völlig souverän den Liebesbeweis vom derzeit grössten männlichen TV-Star entgegen: Bryan Cranston («Breaking Bad») fing Louis-Dreyfus für einen freundschaftlich gemeinten, aber dennoch äusserst stürmischen Kuss ab. Wie auch der Preis für die beste Comedy-Hauptdarstellerin war dies ausnahmslos verdient.

Cranston ist sichtlich zufrieden. gif: twitpic

Ganz ohne Küsse musste schliesslich Cranston seine Trophäe als bester Drama-Darsteller entgegennehmen. Aber auch so dürfte er die Liebe der Academy für die letzte Staffel der Hitserie gespürt haben: Mit Aaron Paul und Anna Gunn siegte «Breaking Bad» in allen Darsteller-Kategorien und wurde zum Schluss auch noch zur besten Drama-Serie gekürt.

Aaron Paul, Anna Gunn und Bryan Cranston freuen sich. Bild: Invision for the Television Academy/Invision

Bei so viel Jubel für Everybody's Seriendarling ging fast unter, dass zuletzt eigentlich ganz andere Formate für Gesprächsstoff gesorgt hatten: «True Detective» war zweifellos die massgebliche Serie des Frühjahrs, doch statt wie erwartet für Hauptdarsteller Matthew McConaughey gab es nur für Regisseur Cary Fukunaga einen Emmy. Dass beide an der zweiten «True Detective»-Staffel nicht mehr mitwirken werden, dürfte niemanden trösten.

Matthew McConaughey und Woody Harrelson, das Polizistenduo «True Detective». Bild: AP/HBO

Cary Joji Fukunaga kriegt seinen Emmy. Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Kolbort statt Colbert

Ebenso ging bei der dichtgetakteten Preisvergabe unter, was für ein grossartiges Jahr es für neue Comedys war – neben «Orange is the New Black» ging auch «Silicon Valley» leer aus. Stattdessen musste man sich über die Academy-Begeistertung für «Sherlock» wundern, ein starkes Format, das aber sicherlich nicht seine stärkste Saison hinter sich hat. Von der Aussicht auf Preise als bester Haupt- bzw. Nebendarsteller hatten sich Benedict Cumberbatch bzw. Martin Freeman wohl auch nicht viel versprochen und waren erst gar nicht nach Los Angeles gereist.

Benedict Cumberbatch und Martin Freeman aus «Sherlock» sahnen ebenfalls ab.  Bild: followingthenerd

Als sie schliesslich gewannen, musste unter anderem Stephen Colbert einspringen und in Freemans Namen akzeptieren. Der Letterman-Nachfolger Colbert war es denn auch, der unfreiwilligerweise für den lustigsten Moment der Emmys 2014 sorgte. No-Doubt-Sängerin Gwen Stefani verhunzte den Namen seiner Show «The Colbert Report» so sehr (sie sagte Kolbort statt Koll-Bär), dass ihr Co-Preisverleiher Adam Levine schnell noch mal den Show-Namen richtig sagte, damit auch klar war, wer denn nun als beste Variety-Show gewonnen hatte.

Gwen Stefani hadert mit der Aussprache von «Colbert». gif: buzzfeed

Zu diesem Zeitpunkt versuchten Liveblogger und Twitter-User noch mal, die Emmys auf Augenhöhe mit den Oscars zu bringen – schliesslich hatte dort John Travolta ähnlich versagt und Idina Menzel als Adele Dazeem angekündigt. Aber da war es schon längst zu spät und die Emmys nicht mehr und nicht weniger als eine wirre TV-Preisverleihung. Schnell, schmutzig, anspruchslos. Aber, wenn wir ehrlich sind, auch ganz schön unterhaltsam.

Liste aller diesjährigen Emmy-Gewinner: 

Best Comedy: Modern Family

Best Drama: Breaking Bad

Best Variety Series: The Colbert Report

Best Reality Competition Series: The Amazing Race

Best Miniseries: Fargo

Best Television Movie: The Normal Heart

Lead Actor, Comedy: Jim Parsons, The Big Bang Theory

Lead Actress, Comedy: Julia Louis-Dreyfus, Veep

Lead Actor, Drama: Bryan Cranston, Breaking Bad

Lead Actress, Drama: Julianna Margulies, The Good Wife

Supporting Actor, Comedy: Ty Burrell, Modern Family

Supporting Actress, Comedy: Allison Janney, Mom

Supporting Actor, Drama: Aaron Paul, Breaking Bad

Supporting Actress, Drama: Anna Gunn, Breaking Bad

Actor, Miniseries/Movie: Benedict Cumberbatch, Sherlock

Actress, Miniseries/Movie: Jessica Lange, American Horror Story: Coven

Supporting Actor, Miniseries/Movie: Martin Freeman, Sherlock

Supporting Actress, Miniseries/Movie: Kathy Bates, American Horror Story: Coven

Best Directing, Comedy: Gail Mancuso, Modern Family

Best Directing, Drama: Cary Joji Fukunaga, True Detective

Best Directing, Miniseries/Movie: Colin Bucksey, Fargo

Best Directing, Variety Special: Glenn Weiss, 67th Annual Tony Awards

Best Writing, Comedy: Louis C.K., Louie Best Writing, Drama: Moira Walley-Beckett, Breaking

Bad Best Writing, Miniseries/Movie: Steven Moffat, Sherlock: His Last Vow

Best Writing, Variety Special: Sarah Silverman, Sarah Silverman: We Are Miracles

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