Schweiz

AHV schreibt über eine halbe Milliarde Franken Verlust

29.03.16, 12:12 29.03.16, 12:22

Die AHV ist 2015 in die roten Zahlen gerutscht. Die Sozialversicherung hat 579 Millionen Franken mehr ausgegeben, als sie an Beiträgen eingenommen hat. Weil auch das Anlageergebnis schlecht war, resultierte ein Verlust von 559 Millionen Franken.

Bereits 2014 waren die Erträge der AHV tiefer als der Aufwand ausgefallen. Das gute Anlageergebnis verhinderte damals aber einen Verlust. Das änderte sich im vergangenen Jahr: Auch die vom Bund bezahlten Zinsen auf die IV-Schuld in Höhe von 257 Millionen Franken konnten das Betriebsergebnis nicht ins Positive rücken.

Bild: KEYSTONE

Nach Angaben des Ausgleichsfonds AHV/IV/EO (compenswiss) vom Dienstag belief sich der Vermögensverlust 2015 auf 237 Millionen Franken - ein Jahr zuvor hatte die AHV mit Ausgleichsfonds-Anlagen noch 1.752 Milliarden Franken verdient.

Die Verantwortlichen bezeichneten das Jahr 2015 bereits im Februar als schlecht. Die Marktverhältnisse seien widrig gewesen. Zu den rückläufigen Aktienmärkten sei die Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze gekommen, die sich ebenfalls negativ ausgewirkt habe. Viel Geld musste compenswiss deshalb für Währungsabsicherungen ausgeben. Geld kosteten auch die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Auf und Ab

Zu rund drei Vierteln stammen die AHV-Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, ein Viertel steuert die öffentliche Hand bei. Darin enthalten sind die Beiträge von Bund und Kantonen, das Mehrwertsteuerprozent und die Spielbankenabgabe.

2015 kamen so insgesamt 41.156 Milliarden Franken zusammen. Das genügte aber nicht ganz, um die Ausgaben - fast ausschliesslich für Renten - von 41.735 Milliarden Franken zu decken. So kam beim Umlageergebnis vergangenes Jahr ein Minus von 579 Millionen Franken zustande. Zum Vergleich: 2013 verzeichnete die AHV hier noch einen Gewinn von 14 Millionen Franken.

Es ist nicht das erste Mal, dass die AHV in die roten Zahlen rutscht. Schon in der 1970er- und 1980er-Jahren sind die Beiträge konjunkturell bedingt zurückgegangen. Ab Mitte der 1990er-Jahre machte sich der demografische Effekt bemerkbar.

Gemäss Sozialversicherungsstatistik wies die AHV 1998 beim Umlageergebnis einen Verlust von 2.357 Milliarden Franken aus. Nur mit dem ab 1999 erhobenen «Demografieprozent» der Mehrwertsteuer konnte die Rechnung stabilisiert werden. In der Folge wies die AHV 14 Jahre lang ein positives Umlageergebnis aus - bis vorletztes Jahr.

Reform im Nationalrat

Nun machen Demografie und die höhere Lebenserwartung eine umfassende Reform der Altersvorsorge nötig. Sonst droht der AHV bis 2030 eine Finanzierungslücke von über 8 Milliarden Franken. Die aufgegleiste Reform verspricht allerdings nur vorübergehend Linderung.

Nach 2030 dürfte die AHV wieder Verluste schreiben. Das ist der zeitliche Horizont der Reform «Altersvorsorge 2020», die derzeit beim Nationalrat liegt. Darüber hinaus könnten ohnehin keine vernünftigen Voraussagen gemacht werden, hatte Bundesrat Alain Berset im Ständerat erklärt.

Die kleine Kammer übernahm die zeitliche Perspektive des Innenministers. Mit ihren Beschlüssen verschlechterte sie aber die finanziellen Aussichten der AHV. Werden diese umgesetzt, dürfte das Umlageergebnis der AHV im Jahr 2030 fast 2 Milliarden Franken im Minus liegen.

Verschiedenste Szenarien

Der Bundesrat hatte mit seinen Reformvorschlägen einen Fehlbetrag von rund 1.1 Milliarden Franken einkalkuliert. In beiden Varianten sollte der AHV-Fonds im Jahr 2030 aber noch über eine ganze Jahresausgabe verfügen.

Ohne weitere Reformen geht es danach steil bergab mit der AHV: Gemäss den mit grossen Unsicherheiten behafteten Projektionen liegt das Umlageergebnis 2035 nach den Plänen des Bundesrats 4.3 Milliarden Franken im Minus, der AHV-Fonds enthält noch 69 Prozent einer Jahresausgabe. In der Variante des Ständerats beträgt das Loch 5.9 Milliarden, der Fonds-Stand liegt bei 61 Prozent.

Zu einer gänzlich neuen Ausgangslage würde die Annahme der Initiative «AHVplus» des Gewerkschaftsbunds SGB führen. Diese verlangt 10 Prozent höhere AHV-Renten. Zur Finanzierung äussert sich das Volksbegehren nicht.

Der Ausgleichsfonds hat am Dienstag auch die Ergebnisse von Invalidenversicherung (IV) und Erwerbsersatzordnung (EO) bekanntgegeben. Die IV weist ein positives Umlageergebnis von 645 Millionen Franken aus, das Anlageergebnis war mit minus 31 Millionen Franken negativ.

Trotzdem konnte die Schuld der IV gegenüber der AHV weiter abgebaut werden. Diese beläuft sich nun noch auf gut 12.23 Milliarden Franken. Die EO schloss 2015 mit einem Plus von 108 Millionen Franken. (sda)

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  • Schneider Alex 31.03.2016 06:38
    Highlight

    AHV neu finanzieren statt Rentenalter erhöhen!

    Die AHV sollte in Zukunft nicht wie bisher weitgehend über Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge finanziert werden. Ergiebige neue Finanzquellen wie zum Beispiel eine Finanztransaktionssteuer sind neben der Erhöhung der Mehrwertsteuer zu prüfen. Aber auch eine Umlagerung der bestehenden Ausgaben von Bund und Kantonen zugunsten der AHV ist diskutierbar.
    0 3 Melden
  • banda69 29.03.2016 13:57
    Highlight Immerhin gibts Dank der rechtspopulistischen SVP Steuergeschenke für die Reichen.
    16 16 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.03.2016 19:04
      Highlight Ganz schön populistische Aussage!
      14 2 Melden
    • banda69 29.03.2016 22:39
      Highlight @zahnfee - Etwa nicht?
      4 4 Melden
  • Kookaburra 29.03.2016 13:35
    Highlight Tja, liebe Zuwanderer. Zeit nach Hause zu gehen.
    Bedankt euch bei der Generation asozial. Sorry. Und danke.
    24 12 Melden
    • Fabio74 30.03.2016 22:44
      Highlight muss ein Kommentar Sinn machen?
      1 1 Melden
    • Kookaburra 31.03.2016 09:58
      Highlight Es muss nicht jeder den Sinn verstehen? Viele können es gar nicht.
      3 1 Melden
  • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 29.03.2016 13:20
    Highlight Zeit für das unbedingte Grundeinkommen. Eine gänzliche Umstrukturierung unseres Sozialversicherungssystems. AHV/IV/EO können entlastet oder eventuell gänzlich ersetzt werden. Es können bzw. müssen neue Finanzierungswege in Betracht gezogen werden. Wir haben jetzt die Chance, diesen Weg einzuschlagen ohne unter aktuem Zeitdruck zu stehen. Irgendwann wird ein vollkommenes Umdenken unumgänglich sein, wieso also nicht schon heute damit beginnen?
    33 11 Melden
  • Hayek1902 29.03.2016 13:14
    Highlight Pyramidensysteme und Schenkkreise sind illegal, ausser der Staat ist der Veranstalter. Schafft die AHV endlich schrittweise ab, sie ist nicht mehr sinnvoll und schon gar nicht sozial: Immer weniger ärmere Junge, die Familien gründen, Hypotheken aufnehmen, etc. geben immer älter werdenden reichen Alten, die ein Leben lang steuerbegünstgt sparen und reinvestieren konnten noch mehr Geld. Die AHV brauchts nicht mehr, 2. und 3. Säule sind genug und wenn das nicht reicht, dann halt Unterstützung von der Familie oder Sozialhilfe.
    13 45 Melden
    • Markus Steinegger 29.03.2016 15:01
      Highlight Eigentlich schon lustig, dass der Staat das grösste Schneeballsystem betreibt, und keiner dafür belangt wird.
      11 6 Melden
  • Kookaburra 29.03.2016 13:05
    Highlight Und nach uns die Sintflut...
    19 3 Melden
  • AL:BM 29.03.2016 13:02
    Highlight Ich bin froh befindet sich meine Zukunft in guten Händen...
    13 1 Melden
  • trollo 29.03.2016 12:51
    Highlight da muss ein rechenfehler passiert sein. frau dreyfuss hat mir versprochen die ahv sei sicher, auch wenn die babyboomer ins rentenalter kommen werden. frau dreyfuss wird das sicher aufklären können, fragt sie doch.

    27 9 Melden
    • Markus Steinegger 29.03.2016 13:50
      Highlight Ja, genau! Und der Paule Rechsteiner wurde bis vor kurzem auch nicht müde, immer wieder zu erzählen, wie solide die AHV finanziert sei.
      15 7 Melden
    • Asmodeus 29.03.2016 14:54
      Highlight Na die Rente von Frau Dreyfuss ist garantiert sicher.

      Einmal im Bundeshaus hast Du für Dein Leben ausgesorgt.
      16 3 Melden
    • kettcar #teamhansi 29.03.2016 16:53
      Highlight Naja, sie ging davon aus, dass die Erbschaftssteuer angenommen wird. Sie könnte ja nicht wissen, wie sehr sich die 99% Nichtbetroffenen einreden lassen, dass die 1% Betroffenen gleich auswandern bei einer Annahme.
      10 5 Melden

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