Schweiz

Die Wut des Aargauer «Wildschwein-Killers»: «Einisch isch eifach gnueg»

Das Bezirksgericht Zurzach hat den geständigen «Wildschwein-Killer» von Böttstein wegen mehrfacher Tierquälerei verurteilt. Die Strafe fiel höher aus, als von der Staatsanwältin beantragt.

24.03.16, 08:22 24.03.16, 09:11

Rosmarie Mehlin / Aargauer Zeitung

Mit seinem knapp 13-jährigen Neffen auf dem Beifahrersitz hatte der Bauer und Bauarbeiter V.S. am 7. Oktober letzten Jahres gegen 20 Uhr mit seinem Hyundai Tucson auf einem Feld im Gebiet Schlatt bei Böttstein drei Frischlinge totgefahren und eine Bache schwer verletzt.

Wildschweinfrischlinge (im Zoo von Basel).
Bild: Zoo Basel

Wie die Reifenspuren zeigten, hatte er sein Fahrzeug dabei dreimal gewendet. Die Polizei hatte das Auto mit den eindeutigen Spuren rasch ausfindig gemacht. V.S. als dessen Halter aber hatte beteuert, er sei an jenem Abend nicht damit gefahren.

Fast zehn Wochen lang hatte S.V. auf dieser Aussage beharrt. Sein Neffe hatte ihn darin bekräftigt, indem auch er log. Gegen den Buben ist ein Verfahren der Jugendanwaltschaft hängig. Auch der junge Bauer B.H., freundschaftlich und durch ein gemeinsames bäuerliches Bauprojekt mit V.S. verbunden, hatte über Wochen hinweg dessen Unschuld beteuert. Dies, obwohl V.S. ihm nur Stunden nach dem Vorfall seine Tat geschildert hatte.

Korrekt, anständig, liebenswürdig

In der gestrigen Verhandlung wurde B.H. als Zeuge befragt. Er habe gelogen, weil er nicht wollte, dass seinem guten Kollegen V.S. etwas passiert. Er finde dessen Verhalten nicht gut, aber «ich habe Verständnis für seine Wut gegenüber Wildschweinen. Die machen uns Bauern so viel kaputt. Wenn einen eine Mücke sticht, schlägt man schliesslich auch zurück.»

Am 11. Dezember hatte B.H. unter erdrückenden Beweisen aus Telefon-Auswertungen dann doch reinen Tisch gemacht. Daraufhin war auch V.S. nichts übrig geblieben, als ebenfalls zu gestehen. B.H. wurde inzwischen wegen falscher Zeugenaussage und versuchter Begünstigung zu 6 Monaten Freiheitsstrafe bedingt und 3000 Franken Busse verurteilt.

Der Beschuldigte gab am Ende zu, die Tiere überfahren zu haben (Symbolbild).
Bild: KEYSTONE

Als weitere Zeugin vor Gericht sagte die langjährige Partnerin des Beschuldigten, dieser habe ihr gegenüber wiederholt betont, «er sei es hundert Prozent nicht gewesen». Wie sie ihn seit 20 Jahren kenne, «passen er und das, was passiert ist, einfach nicht zusammen. V. ist ein korrekter, anständiger und liebenswürdiger Mensch – nicht nur mir, auch seiner Mutter, seinen Freunden und Kollegen gegenüber.»

«Einisch isch eifach gnueg»

Der Angeklagte, ein stattlicher 56-Jähriger, braungebrannt, graumelierter Lockenkopf, schwarze Jeans, schwarzes Hemd, schwarze Fleecejacke und hellbraune Sneakers – drehte während seiner Befragung durch Gerichtspräsident Cyrill Kramer nervös die Lesebrille in einer Hand.

Den Job als Maurer im Geschäft seines Bruders habe er wegen all der negativen Schlagzeilen über ihn verloren. Seine Wut auf Wildschweine ist ihm als Bauer geblieben. «Die machen so viele Schäden, einfach katastrophal, die Entschädigungen decken diese bei weitem nicht und die Behörden unternehmen nichts.»

Als er – der in der Freizeit Muttertiere hält und 40 Hektar Acker- sowie Grasland bewirtschaftet – die Rotte an jenem Oktoberabend erblickte, habe er so eine Wut bekommen: «Einisch isch eifach gnueg.» Er habe die Sauen mit dem Auto von dem Feld vertreiben wollen. «Als dann plötzlich einige nach links und andere nach rechts abbogen, sind mir vier unter die Räder gekommen. Es war ein Unfall.»

Warum er sich immer nur rechtfertige, keine Reue gezeigt und nie ein Wort der Entschuldigung gesagt habe, wollte Richter Cyrill Kramer vom Angeklagten wissen. «Ich hab doch gesagt, dass ich das nie wieder machen werde», so die Antwort von V.S.

Vorsätzlich und verwerflich

Zu spät – die Quittung für sein schändliches Tun bekam der 56-Jährige am Mittwoch: 18 Monate Freiheitsstrafe bedingt auf zwei Jahre, 4000 Franken Busse plus Verfahrens- und Gerichtskosten in Höhe von über 10'000 Franken.

Die Staatsanwältin hatte V.S. der Tierquälerei, der Vergehen gegen eidgenössische und aargauische Jagdgesetze sowie gegen Verkehrsregeln angeklagt und 15 Monate bedingt gefordert. Der Verteidiger hatte für einen Schuldspruch einzig wegen Tierquälerei, ansonsten auf Freisprüche und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen plädiert.

Das Gericht urteilte schliesslich einstimmig: V.S. ist schuldig in allen Anklagepunkten, und er hat vorsätzlich gehandelt. «Er hat klar aus egoistischen Gründen gehandelt, und eine Einsicht ins Unrecht seiner Tat liegt nicht wirklich vor», so Gerichtspräsident Kramer.

Zwar sei V.S. nicht vorbestraft, doch sei sein Nach-Tat-Verhalten sehr bedenklich gewesen. «Besonders verwerflich ist die Tatsache, dass er gegenüber den Medien die Tat selber einmalabscheulich genannt hatte», schloss der Richter die Kurzbegründung.

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  • Gelöschter Benutzer 25.03.2016 14:57
    Highlight Niemand macht mehr Schaden als das Menschen tun.
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  • Mnemonic 24.03.2016 18:58
    Highlight Was für ein armseliger Wicht!
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  • Gelöschter Benutzer 24.03.2016 16:37
    Highlight Dieses Problem hätte er besser Obelix überlassen😄
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  • stiberium 24.03.2016 13:24
    Highlight Auf "einisch esch eifach gnueg" kann ich nur mit "Das goht eifach ned" antworten.
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  • Hüendli 24.03.2016 12:27
    Highlight Wie war das mit den Beteuerungen, Telefonüberwachung werde nur bei organisierter Schwerstkriminalität eingesetzt? So schändlich diese Tat ist, fällt sie für mich dennoch definitiv nicht darunter. Und das ist alles wohlbemerkt noch vor der BÜPF- und NDG-Revision geschehen. Könnt Ihr hier mal nachhaken watson?
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    • sentir 24.03.2016 20:09
      Highlight Telefon-Auswertungen hat nichts mit Telefonüberwachung zu tun. Das sind die Daten, die die Anbieter ein halbes Jahr speichern und keine Gesprächsüberwachung.
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    • Hüendli 24.03.2016 21:41
      Highlight Also die Randdatenspeicherung auf Vorrat aus dem BÜPF? Dann sehe ich aber nicht ein, wie sich daraus erdrückende Beweise ergeben.
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    • sentir 25.03.2016 02:27
      Highlight Was man aus diesen Infos herauslesen kann, hat Watson mit den Daten von Herrn Glättli vorbildlich dargestellt;

      http://www.watson.ch/Digital/Schweiz/533090301-Wo-war-Herr-Glättli-die-letzten-sechs-Monate--Minute-für-Minute--Ort-für-Ort--Swisscom-oder-Sunrise-wissen-es--Sie-wissen-es-jetzt-–-und-der-Staat-kann-es-jederzeit-wissen
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  • elivi 24.03.2016 09:10
    Highlight den 13 jährigen da noch reinziehen, vor gericht zu lügen, wow was hat der für eltern, die das zugelassen haben.
    und Unfall? ja es war ein unfall das man 3 mal dafür wenden musste ...
    manche würden meinen, so ein verhalten ist ein anzeichen für psychopatische tendenzen ... nächsten mal könnten es menschen sein weil die medien und alle so gemein sind und «Einisch isch eifach gnueg.»
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  • Asmodeus 24.03.2016 09:07
    Highlight Tiere umbringen ohne schlechtes Gewissen, ansonsten ein liebevoller, korrekter, anständiger Mensch....

    Mal sehen wann die Polizei wegen häuslicher Gewalt vor seiner Türe steht.

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    • Friiitz 24.03.2016 10:21
      Highlight Schätze mal du bist Veganer (kann man, muss man aber nicht). Ansonsten dürftest du hier keine Dinge posten wie "Tiere umbringen ohne schlechtes Gewissen".

      Und was wenn sich eine Wildsauenbande in deinem Urban Gardening Kistli austobt? Wenn du da zu Fuss mit den Armen ruderst kriegst du mächtig Ärger mit der Muttersau.

      Ich verstehe wenn man seine Ernte gegen Schädlinge schützt.
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    • Asmodeus 24.03.2016 10:35
      Highlight Ich bin ehrlich gesagt ein absoluter Antiveganer. Ich bevorzuge Fleisch absolut auf meinem Teller. (auch wenn ich Rind, Poulet oder Strauss dem fettigen Schweinefleisch vorziehe)

      Aber mit einem Auto über Tiere rüber zu fahren "weil es einfach mal reicht" hat nichts mit Selbstverteidigung oder Schlachten zum Essen zu tun.
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  • SeKu 24.03.2016 08:38
    Highlight 3000 und 4000 Franke Busse ist doch absolut nichts für einen Bauern. Wann kommen endlich auch hier einkommensabhängige Bussen?
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    • SeKu 24.03.2016 10:15
      Highlight Wie alles bei den Bauern, da haben Sie recht, kliby.
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