Schweiz

Erwin Beyeler, Ex-Bundesanwalt, verteidigt den verhafteten Kettensägen-Mann Franz W.  bild: keystone

Ex-Bundesanwalt Erwin Beyeler verteidigt den Kettensägen-Mann

Der am Dienstag verhaftete Kettensägen-Mann Franz W. bekommt einen prominenten Verteidiger: Erwin Beyeler, ehemaliger Bundesanwalt. Er verrät, wie es seinem Mandanten geht.

27.07.17, 17:08

Pascal Ritter / Schweiz am Wochenende

Der Kettensägen-Mann hat einen Prominenten Anwalt bekommen. Es ist der ehemalige Bundesanwalt Erwin Beyeler (65), der im Juni 2011 spektakulär abgewählt worden war.

Beyeler wurde dem Kettensägen-Mann Franz W. nun als Piquet-Verteidiger zugeteilt. Er war dabei, als Franz W. am Mittwochnachmittag die Festnahme eröffnet  wurde. Die Staatsanwaltschaft beantragte beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Schaffhausen Untersuchungshaft.

Auf Anfrage sagte Beyeler, es gehe seinem Mandanten «nicht gut», er befinde sich im Gefängnis, wo er von Ärzten betreut werde. Ob Beyeler das Mandat weiterhin ausführen wird, ist noch offen. Er sei dazu bereit, sagt er auf Anfrage. Entscheiden muss nun aber Franz W.

Franz W. war am Dienstagabend in Thalwil ZH verhaftet worden, nachdem er am Montagmorgen in der Schaffhauser Altstadt zwei Angestellte seiner Krankenversicherung CSS mit einer Motorsäge attackiert hatte.

Beyelers spektakuläre Vergangenheit

Bekannt ist Beyeler wegen dem unverhofften Ende seiner Zeit als Bundesanwalt. Bei einer eigentlich routinemässig vorgesehenen Wiederwahl 2011 erhielt er nur 109 von 227 gültigen Stimmen. Es fehlten fünf Stimmen zum absoluten Mehr. Viele Parlamentarier hatten ihn von der Liste gestrichen. Offen empfohlen hatte dies einzig die SVP. Beyeler sprach von einer «politischen Nicht-Wiederwahl». Zu einer weiteren Wahl trat er nicht mehr an. Sein Nachfolger wurde der aktuelle Bundesanwalt Michael Lauber.

SVP sorgte für Abwahl

Zum Verhängnis wurden Beyeler verschiedene Ereignisse. Die SVP warf ihm im Zusammenhang mit der Affäre um den Bankier Oskar Holenweger vor, Fehler gemacht zu haben. Er habe den Einsatz des kolumbianischen Drogenkriminellen Ramos als verdeckten Ermittler unterstützt und eine rechtswidrige Bezahlung vorgeschlagen. Dies sagte der damalige Nationalrat Christoph Mörgeli im Parlament. Die Vorwürfe wurden offiziell nicht bestätigt. Zudem hatte ihm die SVP vorgeworfen, gegen Christoph Blocher intrigiert zu haben, als dieser noch Bundesrat war. Andere kritisierten seine Ermittlungen gegen die militante Separatistenorganisation Tamil Tigers.

Nach seiner Abwahl betätigte sich Beyeler als Autor und schrieb mehrere Krimis. Zudem arbeitet er wieder als Anwalt in Schaffhausen. (aargauerzeitung.ch)

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Brikne, 20.7.2017
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  • Hierundjetzt 27.07.2017 20:57
    Highlight Ist es nicht der Beyeler der wegen schreiender Inkompetenz von der Bundesanwaltschaft gefeuert wurde?

    Ist es nicht Beyeler, dessen Mitarbeiter (Roduner?) sich selber (!) Drohfaxe schickten, um den Beweis zu Erbringen, dass die Hells Angels in der Schweiz ganz fest böse sind und eine Anklage gerechtfertigt?

    Ist es nicht der Beyeler, der gerne Fälle von Geldwäscherei Mord und organisierter Kriminalität liegen lies und die dann einfach mal ebenso verjährten?

    Ich wünsche dem Motorsägenmann viel Glück mit der Verteidigung und bin nun sehr beruhigt, da er gerade diesen Mann ausgesucht hat.
    13 15 Melden
    • exeswiss 27.07.2017 23:58
      Highlight "Beyeler wurde dem Kettensägen-Mann Franz W. nun als Piquet-Verteidiger zugeteilt."

      Bitte erst den Artikel durchlesen und nicht direkt zur Kommentarspalte springen. danke.
      2 2 Melden
    • Theor 28.07.2017 08:44
      Highlight Ausgesucht hat er ihn nicht. Er wurde ihm als Pflichtverteidiger zugewiesen. Das passiert häufig aufgrund einer Liste und ist damit blosser Zufall.
      3 1 Melden
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  • Gummibär 27.07.2017 20:14
    Highlight Husqvarna wird ihm einen Sponsor-Vertrag anbieten.
    18 5 Melden
    • themachine 27.07.2017 23:04
      Highlight Machs mit Stihl oder lass es sii!
      4 0 Melden
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  • α Virginis 27.07.2017 19:22
    Highlight Aye, ist er der SVP auf die Füsse getreten? Sowas böses aber auch!!!

    Nee, mal echt: Auch ein solch durchgeknalltes Hirni hat das Recht auf einen Anwalt. Wenn der es gut meint, bekommt das Kerle, ob im Gefängnis oder sonstwo, zumindest eine professionelle Hilfe, in Form eines Psychiaters oder so. Ich selbst kann das eigentlich nur befürworten, auch wenn ich vermutlich wenig Zuspruch bekommen werde. Naja, was solls^^
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