Schweiz

Armeestabchef Claude Meier und Verteidigungsminister Guy Parmelin wollen Schweizer Kampfjets länger in der Luft halten. Bild: KEYSTONE

F/A-18 Flieger sollen für den Erdkampf umgerüstet werden: Parmelins Pläne unter Beschuss

VBS-Bericht: Die Tiger sollen als «Service-Flugzeuge» weiterdienen, die F/A-18 umfangreich nachgerüstet werden.

Publiziert: 22.11.16, 04:52 Aktualisiert: 22.11.16, 07:19

antonio fumagalli / Aargauer Zeitung

Der 18. Mai 2014 ging in die Geschichte der Schweizer Sicherheitspolitik ein: Zum ersten Mal sprach sich die Bevölkerung, die sich zuvor in Volksabstimmung zumeist klar armeefreundlich gezeigt hatte, gegen den Kauf neuer Kampfflugzeuge aus. Das Grounding des schwedischen Gripen war perfekt.

Seither wird um die künftige Ausgestaltung der Luftwaffe gestritten, ein konkretes Projekt ist noch nicht spruchreif. Gestern Abend präsentierte Verteidigungsminister Guy Parmelin aber einen gewichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zu allfälligen neuen Kampfflugzeugen.

Zentrale Aussage: Die bestehende Kampfjet-Flotte – die F/A-18 und die Tiger F-5 – soll länger als geplant in der Luft bleiben. Dies schlägt eine Expertengruppe aus dem Verteidigungsdepartement in einem Kurzbericht vor.

490 Millionen für die Upgrades

Den Plänen zufolge soll die Lebensdauer der noch bestehenden 30 F/A-18- Jets von aktuell 5000 auf 6000 Flugstunden pro Jet erhöht werden. Die Flugzeuge sollen damit mindestens bis ins Jahr 2030 ihre Aufgaben erfüllen können. Doch das gibt's natürlich nicht gratis: Parmelin will dem Parlament einen Kredit in der Höhe von 490 Millionen Franken vorlegen.

Damit sollen Komponenten ersetzt und Massnahmen bei der Kommunikation, Navigation und Identifikation getroffen werden.

Für die Aufrüstung der F/A-18-Jets werden 490 Millionen Franken benötigt. Bild: KEYSTONE

Zudem will das VBS prüfen, ob die F/A-18 für den sogenannten Erdkampf befähigt werden sollen – sie könnten dann also Ziele am Boden auf grössere Distanzen angreifen. Diese Fähigkeit ging mit der Ausserbetriebnahme der Hunter-Flugzeuge in den 1990er-Jahren verloren.

Die geplante Nutzungsdauerverlängerung ist durch den zeitlichen Fahrplan bedingt. Denn für das VBS ist auch nach dem Gripen-Debakel weiterhin klar: Die Schweiz braucht neue Kampfflugzeuge.

Gemäss Zwischenbericht soll die Typenwahl im Jahr 2020 erfolgen, womit der Beschaffungskredit dem Parlament im Rüstungsprogramm 2022 unterbreitet werden könnte. Wie die Evaluation genau ablaufen wird, ist noch offen. 

2025 könnten die ersten Flugzeuge ausgeliefert werden, sofern der Entscheid eine allfällige Volksabstimmung übersteht. «2030 sollte die neue Flotte einsatzbereit sein», so Parmelin. Um die Beschaffung neuer Flugzeuge formell aufzugleisen, soll das Parlament im kommenden Jahr einen Kredit über zehn Millionen Franken absegnen.

Im Rahmen der Gripen-Abstimmung betonte der Bundesrat mehrfach, die veraltete Tiger-Flotte spätestens 2016 aus dem Verkehr zu ziehen. Doch nun soll ein Teil davon ebenfalls länger in der Luft bleiben. «Trotz ihrer leistungsmässigen Beschränkungen lassen sich die verbliebenen Tiger noch während einiger Jahre als ‹Service-Flugzeuge› verwenden», heisst es dazu im Bericht – zum Beispiel für Testflüge oder bei der Simulierung von Gegnern im Luftkampf.

Sie können nun also doch noch etwas länger: Tiger-F-5-Kampfjet der Schweizer Armee. Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Verschwendung oder dringend?

Auf linker Seite kommen die bundesrätlichen Pläne gar nicht gut an: Die Grünen sprechen von einer «Verschwendung von mehreren Milliarden Franken für eine überholte Armee», die den Gripen-Entscheid der Bevölkerung missachte.

SP-Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé begrüsst ihrerseits die Verlängerung der Nutzungsdauer von F/A-18 und Tiger, will bei der Beschaffung von neuen Jets aber das Tempo drosseln: «Wir brauchen jetzt keine neuen Kampfflugzeuge», so die Zürcher Nationalrätin. Sie sei nicht grundsätzlich gegen die Luftwaffe, aber vorerst sei dringender, dass der Bundesrat eine vertieftere Kooperation mit den umliegenden Ländern prüfe.

Wohlwollender reagieren die Bürgerlichen auf den Expertenbericht: «Der Bericht zeigt auf, dass es ungefähr zehn Jahre dauert, bis neue Kampfjets geliefert werden können – darum ist es wichtig, die Beschaffung schnellstmöglich aufzugleisen», sagt Corina Eichenberger (FDP, AG). Ihr schweben drei Staffeln – also 33 Jets – vor, zur Kostenfrage will sie sich noch nicht äussern.

Auch Jakob Büchler (CVP, SG) fände gerade in der aktuellen weltpolitischen Lage «fatal», die Beschaffung neuer Flugzeuge auf die lange Bank zu schieben. «Die Schweiz hat damals Nein zum Gripen und nicht Nein zu Kampfflugzeugen gesagt. Darum muss jetzt die Neubeschaffung dringend angegangen werden.»

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  • 7immi 22.11.2016 16:46
    Highlight die fa 18 sollen nicht für den erdkampf umgerüstet werden. man prüft dies lediglich und möchte es, sofern es nicht allzuviel kostet, im gleichen aufwisch erledigen. die lebensdauererweiterung wird so oder so durchgeführt. es geht hier nur um eine beschränkte erdkampffähigkeit zur weiteren evaluation ob man dies überhaupt noch braucht und zum erwerben des know-hows.
    all dies steht im offiziellen, online gestellten bericht den man halt lesen sollte, bevor man eine solche schlagzeile schreibt...
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  • Amras 22.11.2016 12:31
    Highlight Meine Frage: Warum wird dafür ein Kredit notwendig? Das Budget der Armee wurde doch erhöht.
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  • simply smarter 22.11.2016 10:59
    Highlight Die Grünen naiv und treudoof wie immer.
    Verlängerung der Lebensdauer ist notwendig und sinnvoll, Erdkampf-Ausrüstung völlig überflüssig.
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  • saukaibli 22.11.2016 10:47
    Highlight Die Schweiz kann gar nicht so viel Geld ausgeben wie es nötig wäre eine wirklich schlagkräftige, moderne Armee auf die Beine zu stellen (33 Flugzeuge? Wer soll damit abgeschreckt werden?). Aus dem Grund sollte man lieber einen Nachbarstaat mit einer starken Armee (das wäre wohl Frankreich) dafür bezahlen uns zu beschützen und selber nur noch für Cyberabwehr und militärpolizeiliche Aufgaben sorgen. Dafür könnte man einen professionellen Zivilschutz aufbauen, der bei Natur- und anderen Katasrophen zum Einsatz kommen würde.
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  • klugundweise 22.11.2016 10:13
    Highlight Aufrüstung für den Bodenkampf?
    Die Einflüsterer von BR Parmelin sind wohl im kalten Krieg stehen geblieben oder sie wollen die Schweiz Nato-tauglich machen.
    Variante 1 ist wahrscheinlicher, da SVP-verträglich.
    Es ist einfach interessant, wie zwischendurch die im VBS vorherrschende Denke nach aussen dringt.
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    • 7immi 22.11.2016 15:35
      Highlight nichts dergleichen. die steigerung auf 6000 flugstunden sieht eine verstärkung und ersatz von strukturkomponenten vor. bei diesem schritt kann man vermutlich praktisch ohne mehrkosten (offerte/abklärungen noch hängig) diese zusatzfähigkeit erlangen. man könnte also fürs gleiche geld eine fähigkeit mehr haben. der verkürzte bericht liegt online vor und klärt solche fragen auf...
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  • Perseus 22.11.2016 08:53
    Highlight Neue Flieger will man nicht kaufen und Geld für die Verlängerung der Nutzungsdauer will man auch nicht ausgeben? Das Volk hat schon oft genug JA zur Armee gesagt und wenn man eine Armee will soll man auch genügend Mittel dafür bereitstellen.
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    • Wehrli 22.11.2016 09:30
      Highlight Das Volk sagt ja zur Armee und Nein zu Flugis. Das sollte man auch umsetzen können. Wartet noch 5 Jahre, dann wird das Thema soweiso über Drohnen gelösst.
      11 28 Melden
    • Perseus 22.11.2016 10:04
      Highlight Es hat nein zum Grippen gesagt und nicht zur Luftwaffe. Ist ein bedeutender Unterschied.
      4 1 Melden
    • Kimbolone 22.11.2016 10:39
      Highlight Nein. Das vielzitierte “Volk“ hat Nein gesagt zum Gripen. Die Grünen und die GSoA versuchen schon lange, das in ein Nein zu Kampfflugzeugen umzudeuten umd du bist prompt darauf hereingefallen.
      4 1 Melden
    • Lord_ICO 22.11.2016 10:49
      Highlight @Wehrli
      Luftpolizeilicher Dienst, kann NICHT via Drohne erledigt werden, da im Falle eines Funkproblems, die Piloten via Handzeichen kommunizieren.
      Ich bin kein Armeefreund, doch ist es für mich unverständlich, wie man so vehement gegen die Luftwaffe sein kann. Die Luftwaffe kontrolliert täglich unseren Luftraum und hatte in diesem Jahr einige Ernstfälle im Luftpolizeilichen Dienst. Wenn wir ihnen die Mittel streichen, wer übernimmt dann diesen Job?
      4 1 Melden
    • 7immi 22.11.2016 11:06
      Highlight @wehrli
      das volk hat nein zum gripenfondsgesetz gesagt, nicht gegen flugzeuge. durch drohnen ersetzt werden sie sicher nicht, nur ergänzt (wie bereits heute).
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    • chem123 22.11.2016 12:09
      Highlight Das Volk sagte Nein zum Gripen und nicht zur Kampfflugzeugbeschaffung allgemein. Nicht mehr und auch nicht weniger.
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  • 321polorex123 22.11.2016 07:28
    Highlight "Die Grünen sprechen von einer «Verschwendung von mehreren Milliarden Franken für eine überholte Armee», die den Gripen-Entscheid der Bevölkerung missachte."
    Öhm, bitte was? Ja, das Volk hat nein zur Beschaffung der Gripen gesagt. Die Beschaffung neuer Flugzeuge wurde aber nicht ausgeschlossen, darum ginge es ja auch nie (wahrscheinlich im Gegensatz zu dem, was viele hineininterpretieren möchten).
    Und ein Nein zur Revision von "betagter" Hardware sehe ich noch viel weniger ein.
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    • simply smarter 22.11.2016 11:02
      Highlight Der Gripen wurde nicht abgelehnt, weil die Volksmehrheit keine neuen Kampfflugzeuge wollte, sondern weil viele Armeebefürworter erkannten, dass einmal mehr ein Beschaffungsdesaster drohte.
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    • 321polorex123 22.11.2016 13:55
      Highlight Bin deiner Meinung, im Kommentar wollte ich es so "neutral" wie möglich formulieren.
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  • dracului 22.11.2016 07:14
    Highlight Wenn schon über diese langen Zeiträume nachgedacht wird, frage ich mich, ob Kampfflugzeugen überhaupt noch die gleiche Bedeutung zukommt in Zukunft? Müsste man nicht eher einen Teil der Flotte durch unbemannte Drohnen und andere moderene Abwehrechniken ergänzen? Die Digitalisierung ist längst auch ein starker Treiber in der Kriegsindustrie geworden.
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    • Posersalami 22.11.2016 08:30
      Highlight Wenn der Staat befähigt sein soll, seine hoheitlichen Aufgaben wahrzunehmen, führt leider kein Weg an einer Armee inkl. Luftwaffe vorbei. Richtige Kampfjets werden wohl noch lange nicht durch Drohnen abgelöst werden können und das ist auch gut so!
      Übrigens hat unsere Armee schon Drohnen. Diese dienen der Aufklärung.
      37 8 Melden
    • 7immi 22.11.2016 08:38
      Highlight dies wird im bericht berücksichtigt. es wird ausdrücklich erwähnt, dass drohnen für den luftpolizeidienst und verteidigung nicht sinnvoll sind (wir führen ja zum glück keinen krieg). der mensch vor ort als entscheidungsträger ist sehr wichtig. das heisst aber nicht, dass man keine drohnen kauft. so werden bis 2020 neue drohnen (hermes900) beschafft, die die ranger ablösen werden.
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    • MarZ 22.11.2016 09:06
      Highlight Hast du schonmal von einem Staat gehört der luftkampffähige Drohnen hat? Dies ist schliesslich auch Voraussetzung für den Luftpolizeidienst.
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    • Wehrli 22.11.2016 09:37
      Highlight AVIC 601-S China, Northrop Grumman X-47B USA, EADS Barracuda (Deutschland/Spanien) nur als kleine auswahl von Luftkampffähigen Systemen. Bis 2040 fliegt kein Pilot mehr die Kisten. Isso, weil isso.
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    • Posersalami 22.11.2016 09:48
      Highlight @ Wehrli: Die genannten Drohnen können nichts, ausser vielleicht irgendwann einmal teilautonom eine Bombe auf eine GPS Koordinate werfen und das wars dann auch schon. Das sind nur Technologieträger. Bis zum automatischen Luftnahkampf muss noch "etwas" entwickelt werden.
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    • Lowend 22.11.2016 10:25
      Highlight Ausgebildete Piloten sind viel zu wertvoll, als dass man ihr Leben in Zukunft noch in Cockpits gefährden wird. Schon heute werden die US-Drohnen, die in Afghanistan und dem nahen Osten fliegen, von Rammstein aus gesteuert.
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    • Tom Garret 22.11.2016 10:56
      Highlight Ich bin mir nicht sicher ob Drohnen wirklich besser geeignet sind für die Zwecke der Schweizer Armee. Wie man eben wieder vor Augen geführt bekam ist bei "unseren" Einsätze Augenkontakt nötig (als der Russen Flieger begleitet wurde). Was da eine Drohne bringen soll leuchtet mir nicht ein. Drohnen sind super wenn man gerne irgendwas bombardieren aber keinen Piloten gefährden will. Ich hoffe aber eigentlich das wir weiterhin auf solche Einsätze verzichten...
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