Schweiz

2016 explodierte auf dem Novartis-Campus eine Propangasflasche. Der Koch, der die Explosion absichtlich ausgelöst haben soll, muss sich nun vor Gericht verantworten. Bild: KEYSTONE

Koch in Basel vor Gericht: Gasflasche wegen Pokerschulden angezündet?

Vor einem Jahr explodierte auf dem Novartis-Campus eine Propangasflasche. Der Koch muss sich nun vor Gericht verantworten. Er soll die Explosion absichtlich ausgelöst haben.

Publiziert: 11.01.17, 20:55 Aktualisiert: 12.01.17, 08:36

Patrick Rudin / bz Basel

«Was wollen Sie hören?», fragte der 30-jährige Koch zum Prozessauftakt gestern Mittwoch die fünf Richter. «Ich will eine Stellungnahme von Ihnen», antwortete Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger. «Ich habe keine Stellung dazu», lautete die knappe Antwort.

Die Vorwürfe sind happig: Im Februar 2016 verschwanden aus dem Tresor des Restaurants an der Basler Fabrikstrasse 26'700 Franken in bar. Vom Geschäftsführer darauf angesprochen beteuerte der Koch damals, das Geld sei einbezahlt worden. Der Geschäftsführer forderte den Einzahlungsbeleg nach, und wenige Stunden später knallte es: Im Tresorraum im Untergeschoss explodierte eine Propangasflasche. Die herbeigerufene Feuerwehr drehte das geöffnete Ventil wieder zu und entdeckte dabei auch Papiertücher in einer Kartonschachtel und eine Rechaudkerze.

Gewaltige Spielschulden

«Es war ein verzweifeltes Ablenkungsmanöver», sagte Staatsanwalt Tomislav Hazler gestern in seinem Plädoyer. «Er wollte seine eigene Haut retten. Er dachte wohl, er könne nach einem Pokergewinn das Geld zurückzahlen.»

Tatsächlich hatte der Mann gewaltige Geldprobleme: Seine Schulden betragen rund 80'000 Franken. In den Tagen vor der merkwürdigen Explosion verlor er im Casino Zürich beim Pokern über 20'000 Franken. Seit letztem Februar sitzt er in Haft. Verteidigerin Elisabeth Joller betonte gestern indes, man habe ihren Mandanten vorschnell aufgrund von Kollegentratsch im Restaurant des Diebstahls verdächtigt. «Es gibt keine DNA-Spuren, keine Zeugenbeobachtungen, nichts.» Insbesondere habe die Staatsanwaltschaft nicht die finanziellen Verhältnisse der anderen Mitarbeiter überprüft. Die Einzahlungen im Casino hingegen wurden überprüft: Der 30-Jährige habe dort seine Spieleinsätze mit Tausendernoten geleistet, unter dem verschwundenen Bargeld des Restaurants seien hingegen keine Tausendernoten gewesen. Auch sei der Tresorschlüssel für alle anderen Mitarbeiter des Restaurants damals problemlos zugänglich gewesen.

Nervös oder nicht ausgeruht?

Das Gericht lud gestern vier Mitarbeiter als Zeugen vor. Diese bestätigten teilweise, dass der Mann kurz vor der Explosion auffallend nervös gewesen sei. Für die Verteidigerin kein Argument: Der Koch habe am Tag zuvor bis um halb vier Uhr morgens im Casino in Zürich gespielt und sei danach direkt zur Arbeit erschienen, da wirke man nicht ausgeruht.

Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache dennoch klar: «Die Aktion hätte beinahe unschuldigen Menschen das Leben gekostet», sagte Hazler. Er verlangte einen Schuldspruch wegen eventualvorsätzlich versuchter Tötung sowie Verursachung einer Explosion. Als Strafmass beantragte er eine Freiheitsstrafe von 6.5 Jahren.

«Es hätte schon einiges schieflaufen müssen, dass Menschen verletzt oder gar getötet worden wären», meinte hingegen die Verteidigerin. Seine Täterschaft sei aber sowieso nicht nachgewiesen, deshalb sei er freizusprechen. Die fünf Richter sprechen das Urteil am Freitag. Zumindest im Grundsatz wird dabei auch über die Zivilforderungen entschieden: Die Rede ist von rund 500'000 Franken Schaden an Wänden und an der Decke. (bzbasel.ch)

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  • Kulinarischer Sondermüll 12.01.2017 07:19
    Highlight Verteidiger ist eigentlich schon ein widerlicher Beruf...
    Da wundert sich jemand, wenn man von Rechtsverdreher spricht...
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  • Robi14 11.01.2017 23:45
    Highlight Da hat das Sozialkonzelt der schweizer Casinos wiedereinmal super funktioniert!
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    • meine senf 12.01.2017 07:38
      Highlight Das alleine nützt in Basel ohnehin nichts. 5 km hinter der Grenze kommt das nächste Casino in Frankreich.
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    • Robi14 12.01.2017 11:11
      Highlight Genau, aber zum Glück hat man private Pokerturniere (auch diese mit Buy-ins um die 50-100CHF) verboten! Dies unter dem Vorwand, dass nur die Casinos die Spieler richtig überwachen und vor sich selber schützen können. Wenn dann aber ein Koch an einen Aben 20k verzockt fällt das niemandem auf!
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