Schweiz

Basler Sex-Skandal-Polizist soll erneut übergriffig geworden sein

Kaum wurde der mutmassliche Schänder wieder in den Dienst aufgenommen, stellte man ihn erneut frei. Inwiefern sich der Polizist strafbar gemacht haben soll, will Stawa-Sprecher Nico Buschauer nicht sagen.

16.05.17, 10:50 16.05.17, 14:41

Benjamin Rosch und Martina Rutschmann / bz

Während eines Gefangenentransports soll sich der Polizist ein zweites anzügliches Vergehen geleistet haben. Bild: Keystone

Ein Sex-Skandal erschütterte im vergangen Herbst die Basler Polizei. «Telebasel» machte damals publik, dass ein Polizist eine Kollegin im Nachgang zu einem Betriebsausflug geschändet haben soll. Ein weiterer Mitarbeiter der Basler Kantonspolizei soll gefilmt haben, wie der Polizist sexuelle Handlungen an der offenbar sehr betrunkenen Kollegin vollzog.

Die Basler Polizei bestätigte damals lediglich, die Baselbieter Staatsanwaltschaft (Stawa) habe ein Verfahren eröffnet und ein Mitarbeiter sei freigestellt worden. Ein Entscheid in dieser Causa sei gemäss Stawa «Ende Juni» dieses Jahres zu erwarten. Doch inzwischen gibt es neue Entwicklungen in diesem kruden Fall: Der betroffene Mitarbeiter hat gegen die Verfügung rekurriert. Die Personalrechtskommission hat darauf die Polizeileitung angewiesen, den freigestellten Mitarbeiter wieder in den Dienst aufzunehmen. Doch dort blieb er keinen halben Monat, wie nun Recherchen der BZ zeigen.

Frau beim Umziehen gefilmt

Der Polizist im Rang eines Feldweibels 1 wurde Anfang April in den Einsatzzug Horburg versetzt. Das ist jener Ort bei der Polizei, an dem junge Polizisten landen, wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen und erste Sporen auf der Wache abverdient haben.

«Gegen jenen Polizisten, gegen den ein Verfahren wegen Schändung hängig ist, wurde Mitte April eine zweite Strafanzeige eingereicht.»

Baselbieter Staatsanwaltschaft

Im Zug dieser Tätigkeit, so berichten mehrere unabhängige interne Quellen, habe der Polizist einen Gefangenentransport begleitet und sich dabei unrechtmässig verhalten: Er soll während des Transports eine Frau, die sich gerade umziehen wollte, gefilmt haben. Der Film sei ohne das Einverständnis der betroffenen Frau entstanden.

Polizeisprecher Toprak Yerguz bestätigt, dass es einen weiteren Vorfall gab: «In diesem Zusammenhang hat die Kantonspolizei Basel-Stadt Anzeige erstattet», sagt Yerguz auf Anfrage. Beim ersten mutmasslichen Vergehen des Mannes im Herbst soll er nicht der Filmer gewesen sein, sondern derjenige, der sich an der Kollegin vergangen hat.

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage der BZ: «Gegen jenen Polizisten, gegen den ein Verfahren wegen Schändung hängig ist, wurde Mitte April eine zweite Strafanzeige eingereicht.» Inwiefern sich der Polizist strafbar gemacht haben soll, will Stawa-Sprecher Nico Buschauer aber nicht sagen. Es gilt überdies in beiden Fällen die Unschuldsvermutung.

Erneute Freistellung

Fakt ist: Die Basler Polizeileitung handelte – und stellte den Mitarbeiter erneut frei. «Die zweite Freistellung erfolgte aufgrund eines neuen Vorfalls», sagt Yerguz. Wie viel Zeit zwischen dem Wiedereintritt in den Dienst und der erneuten Freistellung verstrich, will er «aus Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte nicht beantworten».

Die Mail, mit dem die Polizeileitung damals die Massnahme intern verkündet hat, liegt der BZ inzwischen vor. Kurz und knapp verständigte der stellvertretende Kommandant Rolf Meyer in der «dringenden Mitteilung» seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: «Ich teile Ihnen mit, dass wir heute und mit sofortiger Wirkung L* freigestellt haben.

Hausverbot

Ihm wurde gleichzeitig ein Hausverbot für alle nichtöffentlichen Räume der Kantonspolizei auferlegt. Wir bitten Sie um Beachtung und Durchsetzung. Besten Dank.»

Das war im April dieses Jahres, genau ein Jahr vor dem Dienstjubiläum des Polizisten. Seither ist er nicht mehr in den Dienst zurückgekehrt. Seine Laufbahn bei der Polizei hatte Ende der 80er-Jahre begonnen. Er war für die Verkehrspolizei tätig und teilweise in zivilen Fahrzeugen auf der Jagd nach Verkehrssündern.

*Name der Redaktion bekannt (bzbasel.ch)

Aktuelle Polizeibilder: Nach 30-Meter-Flug auf dem Dach gelandet

Das könnte dich auch interessieren:

Die Schule geht wieder los? So viel verdient dein Lehrer – der grosse Lohnreport

Die kreative Reaktion dieses Supermarkts auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Bürgerkrieg und Sklaverei: Die unverheilte Wunde der USA

Fanta gibt's dank den Nazis – und 12 weitere WTF-Fakten zu Cola, Limo und Co.

7 Gründe, warum die Badenfahrt das bessere Züri Fäscht ist

Macht, Mord und Monobrauen: Im Harem des persischen Schahs

«Wir sind die grössten Loser – wenn das BGE mit uns klappt, dann klappt es überall»

Deutscher kassiert Busse in der Schweiz – und findet das wenig witzig

Guck mal, was die Russen in einem ihrer stillgelegten Hangars verstecken

Was diese Frau treibt, ist so grossartig wie abstossend – und ich kann nicht wegsehen

Obamas geniale Antwort auf Rassisten schlägt alle Twitter-Rekorde

Wie er Nazis verteidigt und über Wein schwafelt – Trumps irre Wutrede in 7 Akten

Was ist der hohlste Traumjob der Welt? Influencer!

Zum 40. (angeblichen) Todestag: ELVIS LEBT! 20 handfeste Beweise dafür

Mit Hipsterbart und Hakenkreuz: 5 alte und neue rechtsextreme Bewegungen

Warst du besoffen, Designer? 26 Kleider-Fails, die nicht mehr gut zu machen sind

Koksen und kotzen – Barbie ist im 2017 angekommen

Frau findet Ex auf Tinder – und erlebt zunächst eine witzige, dann eine böse Überraschung

Geheimes Chat-Protokoll aufgetaucht: Wie es wirklich zur Nordkorea-Krise kam

Zwei «Irre» auf Kollisionskurs: Die Angst vor der Bombe ist zurück

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
11Alle Kommentare anzeigen
11
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Dreiländereck 16.05.2017 14:22
    Highlight Könnte man bitte den Titel ändern?
    Es handelt sich um einen Basler Polizisten und nicht um einen Baselbieter Polizisten.
    Beim ersten Fall war einfach der Tatort im Baselbiet, darum ist die Baselbieter Staatsanwaltschaft zuständig.
    8 1 Melden
    • Willi Helfenberger 16.05.2017 14:43
      Highlight Vielen Dank für den Hinweis, ich habe den Titel geändert.
      5 1 Melden
    600
  • Selbstdenker97 16.05.2017 14:21
    Highlight Noch eine Frage an Watson.

    Wieso wird dieser Artikel(der meiner Meinung nach einen Skandal beschreibt) nur so klein auf der Website angezeigt?
    6 4 Melden
    600
  • Macke 16.05.2017 13:30
    Highlight Eine Schändung ist kein Sexskandal, sondern sexualisierte Gewalt. Sex ist es, wenn beide Parteien zugestimmt haben. Wenn das nicht gegeben ist, ist es falsch, von einem Sexskandal zu sprechen.
    23 0 Melden
    600
  • Selbstdenker97 16.05.2017 13:24
    Highlight Warum nur verlieren die Menschen den Respekt?
    8 1 Melden
    600
  • Selbstdenker97 16.05.2017 13:23
    Highlight Basler Polizist gerät im Ausgang in eine Schlägerei und wird im Nachgang durch die Staatsanwaltschaft Juristisch bevorteilt.
    Schttps://telebasel.ch/2017/01/22/polizeibericht-ueber-ziczac-schlaegerei-war-nicht-neutral/

    Basler Polizeikader benutzen Luxusdienstwagen für Privatzwecke.
    http://www.tageswoche.ch/de/2017_11/basel/745025/

    11 2 Melden
    600
  • Selbstdenker97 16.05.2017 13:16
    Highlight Ein Basler Polizist wird als Türkischer Spion enttarnt. Er ist wieder im Dienst.
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/basler-polizist-und-erdoganfan-festgenommen/story/31546548
    10 3 Melden
    600
  • Selbstdenker97 16.05.2017 13:15
    Highlight Der Auslöser der Ausschreitungen, ein Basler Polizist schiesst einem Fan aus einer Distanz von 2m Gummischrot ins Auge. Der Fan verliert sein Auge und ist seither Arbeitsunfähig. Der Polizist wird mit Begründung der Notwehr(trotz Rüstung, Schild, Schlagstock und weiteren Beamten)freigesprochen.
    http://www.blick.ch/news/schweiz/basel/anzeige-gegen-polizist-nach-fcb-krawallen-gummischrot-ins-auge-not-op-id4917705.html

    Ein Mitglied einer Basler-Sondereinheit denkt über dem Gesetz zu stehen.
    http://bazonline.ch/basel/stadt/Ich-bin-das-Blaulicht-von-Basel/story/14300714
    12 4 Melden
    600
  • pamayer 16.05.2017 13:05
    Highlight Die Polizei, dein Freund und Helfer...
    15 2 Melden
    600
  • Selbstdenker97 16.05.2017 13:03
    Highlight Bei allen anderen wollen Sie hart durchgreifen aber in den eigenenen Reihen drückt sowohl Polizei als auch Stawa der beiden Basel beide Augen ganz fest zu.

    Nicht nur das sich in letzter Zeit einige Vorfälle bekannt geworden sind. Nein die Polizisten sind auch Alle(bis auf den im Artikel) ausnahmslos weiterhin im Dienst

    Die Vorfälle mit Links werde ich noch anfügen.

    Liebes Watson-Team darüber könnte man auch mal schreiben!
    14 1 Melden
    600
  • baBIELon 16.05.2017 11:25
    Highlight Da muss jetzt durchgegriffen werden! Und falls nicht, dann hört aber auf zu motzen dass die Bevölkerung den Respekt vor der Polizei verliert... Für mich sowieso unverständlich wie der Rekurs dieses B*******n gutgeheissen werden konnte!
    13 1 Melden
    600

In welchen Städten die meisten Radarfallen stehen – diese Blitzer-Fakten musst du kennen

Radarmessgeräte sind unter Autofahrern verhasst. Die Polizei nutzt sie, um gefährliche Strassenabschnitte zu beruhigen – und als Einnahmequelle. Wir zeigen dir, welches die Radar-Hochburgen der Schweiz sind und wie viel Geld die Blitzer in die Kassen spülen.

Insgesamt stehen in der Schweiz fast 600 automatische Radargeräte im Einsatz. Mobile Geräte, die von Polizisten bedient werden, ausgeschlossen. Die Anlagen konzentrieren sich besonders auf Schweizer Städte. In der Stadt Zürich alleine stehen 87 Blitzer. watson hat bei den Gemeinden und Stadtpolizeien nachgefragt und die Daten ausgewertet.

Die meisten Blitzer stehen in Zürich, gefolgt von Lausanne und Luzern.

Vergleicht man jedoch die Anzahl Blitzer mit der Bevölkerungszahl, landet Zürich nur auf …

Artikel lesen