Schweiz

Erste «Hanf-Apotheke» öffnet in Basel ihre Tore

Publiziert: 04.10.16, 09:31 Aktualisiert: 04.10.16, 09:42

Samuel Hufschmid / bz Basel

Yilmaz Simsir (mit Ölflasche) und Volkan Kaymaz (mit Cannabis-Spaghetti) in ihrer Hanf-Apotheke. Bild: Kenneth Nars/bz

In mehreren US-Bundesstaaten ist Cannabis seit 2014 legal – und sorgt gemäss einer aktuellen Studie von «Sucht Schweiz» bereits jetzt für Milliardenumsätze. So wurden im letzten Jahr alleine in Colorado 40 bis 50 Tonnen rauchbare Cannabisblüten verkauft, dazu mehrere Millionen Einheiten cannabishaltiger Esswaren und Öle. «Das freie Marktmodell der USA hat gezeigt, dass es den Schwarzmarkt weitgehend aushebeln, Arbeitsplätze schaffen und Steuereinnahmen generieren kann», heisst es in der Studie.

Auch in der Schweiz kommt Bewegung in die Liberalisierungsfrage. Fünf Städte und zwei Kantone, darunter Basel, haben sich zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen und formulieren derzeit einen Antrag ans Bundesamt für Gesundheit. Noch ist allerdings völlig offen, ob, wann und wo in der Schweiz ein erster Legalisierungsschritt vollzogen wird. Dennoch scheinen sich die ersten geschäftstüchtigen Pioniere bereits jetzt in Stellung zu bringen.

Weg vom Schmuddel-Look

So eröffnet heute an guter Lage im Gundeli die erste «Hanf-Apotheke» der Stadt. Nach Bern ist es bereits die zweite Verkaufs-Filiale des Industrie-Cannabis-Herstellers Swiss Cannabis SA mit Sitz in Härkingen. Ganz im Gegensatz zu den früheren Hanf-Shops im Schmuddel-Look setzen die beiden Apotheken gezielt auf ein besonders sauberes Erscheinungsbild, eine Art Mischung zwischen Apple Store und Schönheitsklinik. Auf Designer-Regalen werden die Produkte in hellem Scheinwerferlicht präsentiert.

Die Produktpalette reicht dabei von Cannabis-Teigwaren (250 Gramm Spaghetti kosten 5.35 Franken) über rauchbare, THC-arme Hanfblüten in fünf verschiedenen Sorten bis hin zu Kosmetika. Auch Hanf-Speiseöl, Hanf-Mehl sowie diverse Snack-Produkte sind im Angebot.

Hoher Gehalt an Cannabidiol

Die beiden Inhaber Yilmaz Simsir und Volkan Kaymaz betonen dabei, dass sämtliche Produkte weniger als 1 Prozent THC aufweisen und deshalb vollkommen legal seien. «Es handelt sich um Industriehanf-Sorten, die speziell auf einen hohen Gehalt an Cannabidiol gezüchtet wurden. Dieser nicht psychoaktive Wirkstoff ist in der Schweiz absolut legal», sagt Kaymaz. Sollte sich die Gesetzeslage eines Tages ändern und der Verkauf von THC-haltigem Cannabis in der Schweiz legal sein, würden sie die Aufnahme solcher Produkte ins Sortiment sicherlich prüfen. «Aber darauf zu spekulieren, wäre ein zu grosses wirtschaftliches Risiko, weil niemand weiss, wann und ob die Legalisierung kommt», sagt Simsir.

Zuversichtlicher klingt ihr Berater und Cannabis-Spezialist Samuel Büechi. Er sagt: «Wenn in Zukunft Cannabis für weitere Krankheitstypen und Anwendungen legalisiert wird, möchten wir bereits im Markt Fuss gefasst haben.» Der Name soll deshalb auch als «zukunftsweisende Idee und mittelfristiges Ziel» verstanden werden.

Apotheker-Bewilligung fehlt

Die Wichtigkeit des Namens «Hanf-Apotheke» bestätigen auch die beiden Geschäftsführer. Damit werde eine zukunftsweisende Botschaft transportiert. Zudem verhelfe er den Hanf-Produkten aus der «Bob-Marley-Ecke», wie Kaymaz sagt. Die Verwendung des Begriffs Hanf-Apotheke sei gemäss eigenen rechtlichen Abklärungen noch nicht geschützt.

Eine Anfrage der BZ beim Basler Gesundheitsdepartement ergibt jedoch ein anderes Bild. «Das Verwenden des Begriffes Apotheke braucht eine Bewilligung. Diese ist im vorliegenden Fall nicht vorhanden. Wir erwarten deshalb das Einreichen eines Gesuches», sagt Sprecherin Anne Tschudin.

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
19 Kommentare anzeigen
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  • thy 04.10.2016 12:02
    Highlight 👍 Besser macht der Staat Kohle mit Gras, als mit Waffen oder zum Teil Sinnlosen Radarfallen 😉
    38 1 Melden
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  • hiob 04.10.2016 11:50
    Highlight gute jungs!
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  • Lowend 04.10.2016 11:46
    Highlight Ist zwar schön, dass Basel nun eine Hanf Apotheke hat, aber leider ist es nicht ganz richtig, dass es die erste in der Schweiz ist, denn hier waren die Berner ein klein wenig schneller, da die Filiale in Bern schon vor einigen Tagen ihre Pforten öffnete.
    Recherche scheint inzwischen Glückssache zu sein.
    http://www.blick.ch/gesundheit/medizin/ganz-legal-in-bern-gibts-jetzt-hanf-guetsli-wie-berauschend-ist-hanf-als-heilpflanze-id5550248.html
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  • Braun Pascal 04.10.2016 11:45
    Highlight Jo die zwei strahlet :)
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  • Rudolf die Banane 04.10.2016 11:24
    Highlight FREE THE WEED!
    16 3 Melden
    • Normi 04.10.2016 12:33
      Highlight Bei indoor sind sie doch immer gefangen 😊
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  • Theor 04.10.2016 10:49
    Highlight Interessant wäre eine fundierte Studie, ob diese Milliardenumsätze die man in der USA nun erziehlt, eins zu eins aus dem Schwarzmarkt entzieht, oder ob man nun einfach eine weitere Droge unters Volk mischt und sich der Konsum steigert.

    Ich bin zwar für die Legalisierung aber ausschliesslich aus gesundheitlichen Perspektiven. Ein weiteres Geschäftsfeld mit einer weiteren Droge zu eröffnen, finde ich dagegen moralisch verwerflich. Es sind schon zu viele Menschen Alkohol und Nikotinabhängig, jetzt muss man nicht noch neue Kunden mit THC anfixen, nur weils mehr Geld in die Kassen spielt.
    12 37 Melden
    • NewsHunter 04.10.2016 11:43
      Highlight Der Punkt ist, konsumiert wird! Ob die Kosumenten durch den Schwarzmarkt versorgt werden o. durch den wirts. Markt versorgt werden, ist dem Konsument, zugespitz gesagt, "Wurst".
      Die Frage ist lieber Staat oder Schwarzmarkt?
      Der Konsum wird wohl zuerst etwas boomen dannach wird +- der gleiche Prozentsatz konsumieren.

      Zur Abhängigkeitfälle..natürlich gibt es sie und werden sie danach auch weiterhin bleiben...doch nicht nur Drogen sind Mittel die zu einer Abhängigkeiten (Süsses, Gamen, Sport, Arbeit etc.) führen können. Meist ist dies ein psychologisches Problem nicht zwingend Substanzabhängig.
      25 2 Melden
    • Fumo 04.10.2016 11:46
      Highlight Man kann davon ausgehen dass wenn etwas legal zu erwerben ist der dazugehörige Schwarzmarkt in Mitleidenschaft gezogen wird (das Koks, Crack und sonstige Dealer noch den selben Umsatz machen war hoffentlich nicht deinen Einwand).

      Der Unterschied zwischen den von dir genannten legalen Drogen und THC ist das THC physisch nicht süchtig macht. Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen setzt THC nichts frei, es sensibilisiert nur die Rezeptoren. Danach kann man nicht süchtig werden.
      9 10 Melden
    • Blutgrätscher 04.10.2016 11:47
      Highlight Wo soll das Geld denn sonst herkommen? Meinen Sie, die Leute gehen weiterhin auf den Schwarzmarkt, obwohl sie es legal beziehen könnten?
      6 2 Melden
    • Snowdrum 04.10.2016 11:51
      Highlight In Holland hat sich gezeigt das nach der Legalisierung de Konsum gesunken ist
      12 1 Melden
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  • Statler 04.10.2016 10:35
    Highlight «Das freie Marktmodell der USA hat gezeigt, dass es den Schwarzmarkt weitgehend aushebeln, Arbeitsplätze schaffen und Steuereinnahmen generieren kann».

    Nein, echt jetzt? Wer hat das rausgefunden? Captain Obvious?
    58 4 Melden
    • pun 04.10.2016 11:34
      Highlight "Stiftung Sucht Schweiz" hat das herausgefunden. Steht im Artikel. ;-) *Captainfliesaway*
      14 1 Melden
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  • Fumo 04.10.2016 10:02
    Highlight Etwas frech sich Apotheke zu nennen ohne im Entferntesten was mit Medizin am Hut zu haben. Hoffe sie werden für diese bewusste Irreführung belangt.
    21 80 Melden
    • saukaibli 04.10.2016 11:07
      Highlight Muss dann auch der iPhone-Doktor seinen Namen ändern?
      47 6 Melden
    • Fumo 04.10.2016 11:43
      Highlight Nein weil man Doktor nicht automatisch mit Medizin in Verbindung bringt und es keine Irreführung ist. Oder erwartest du beim iPhone-Doktor Aspirin zu finden?
      9 20 Melden
    • terribile 04.10.2016 12:02
      Highlight lewider ist das Gegenteil der Fall. Musst dich lediglich mit diesem Thema beschäftigen. Man weiss in der Zwischenzeit, dass ettliche sehr kranken Menschen damit geholfen werden. Auch Kinder sind involviert und können in der Zwischenzeit ein angenehmeres Leben führen. Nur die Pharma will das so nicht einsehen. Die entsprechenden Medikamente sind sehr teuer. Hanf ist sehr viel billiger und - was wichtiger ist - es hilft. Vielleicht verucht Basel einmal über den Schatten des Pharmagebäudes zu treten und es zu akzeptieren.
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    • Fumo 04.10.2016 12:36
      Highlight Das Hanf pharmazoitische Wirkungen besitzt ist mir ja bewusst, nur sehe ich in diesem Fall hier keine medizinische Hintergedanken. Darauf bezieht sich mein Einwand.
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    • Shabina 15.11.2016 17:22
      Highlight @Fumo
      habe ein Interview mit einer Amerikanischen Familie gelesen, die extra nach Colorado zog, damit sie ihrem Kind THC-armes Gras geben dürfen.
      Das kind hat epilepsie und hatte ca 200-300 Anfälle täglich. Schule/Freizeit/Sport...keine Chance.
      Durch das THC-arme Grass konnten die Anfälle auf 3-5 pro Tag reduziert werden.
      Schule wider möglich, Freizeit Sport auch. Ob Hintergedanken oder nicht. Gut dass es diese Möglichkeit gibt!

      @Watson:
      Begriff: heisst der Laden nicht Hanftheke?
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