Schweiz

«Schwarzer Sonntag für den Berner Jura»: Die Pressestimmen zum Kantonswechsel von Moutier

19.06.17, 06:24 19.06.17, 06:41

Das Prädikat «historisch» hat Konjunktur in den Kommentarspalten der Schweizer Zeitungen am Tag nach der Abstimmung zum Kantonswechsel von Moutier. Während die einen den Entscheid im Lichte eines globalen Patriotismus-Trend verstehen, finden ihn andere einfach schade.

«Nordwestschweiz» / «Südostschweiz»:

«Und doch hat das knappe Verdikt historischen Charakter - natürlich für die Kantone Bern und Jura, aber auch für die Schweiz. Es ist ein positives Beispiel dafür, wie innerstaatliche Konflikte zwar langsam, aber letztlich erfolgreich gelöst werden können.»

«Luzerner Zeitung» / «St. Galler Tagblatt»:

«Bisher war der ganze Prozess ein Musterbeispiel für eine funktionierende Demokratie. Bern und Jura haben zusammen mit dem Bund die emotional aufgeladene Diskussion versachlicht und entschärft. Auch wenn der Entscheid jetzt gefallen ist, sind beide Kantone weiterhin gefordert. Bern muss Hand für eine faire Trennung bieten und der Jura dafür sorgen, dass sich auch die berntreuen Einwohner von Moutier willkommen fühlen.»

«Neue Zürcher Zeitung»:

«Der knappe Ausgang, nur 51.7 Prozent haben sich für einen Kantonswechsel ausgesprochen, ist für beide Seiten unerfreulich. Mit Abstimmungsbeschwerden von den jeweiligen Komitees ist zu rechnen. (...) Inhaltlich fokussierten sich die Befürworter vor allem auf die französische Sprache, auf ihre Offenheit und Identität. Der Kanton Bern sei ihnen fremd, sie fühlten sich von ihm vernachlässigt. Damit zementieren sie die kulturellen Differenzen und folgen dem Trend zum Patriotismus, der auch andernorts festzustellen ist.»

Die Sieger von Moutier feiern den Kantonswechsel. Bild: KEYSTONE

«Der Bund» / «Tages-Anzeiger»:

«Nüchtern betrachtet, bietet der Kanton Bern keinen Grund zum Wegzug. Er ist längst nicht mehr die arrogante Kolonialmacht, für die ihn die früheren Separatisten hielten. Bern ist vielfältig, offen, ein guter Ort zum Leben - auch wegen seiner Zweisprachigkeit, die durch Moutiers Wegzug nun geschwächt wird. Schade. Die sprachliche Mehrheit im Kanton Bern darf jetzt nicht trotzig reagieren: Sie muss den Französischsprachigen im Kanton jetzt umso mehr zeigen, dass sie zu ihr gehören.»

«Berner Zeitung»:

«Es bleiben Bern nach dem Verlust der 7600 Einwohner Moutiers 45'000 Frankofone. Das ist, was es schon vorher war: eine recht kleine Minderheit, zu der man Sorge tragen muss - auf jeden Fall dann, wenn das Lob auf die Zweisprachigkeit nicht bloss eine billige Abstimmungssonntagspredigt sein soll. Vielleicht liegt hier sogar die Chance des Abschieds von Moutier: dass die Zweckgemeinschaft der restlichen Bernjurassier und der Deutschschweizer nun eine etwas innigere wird, wenn sie nicht mehr von der leidigen Jura-Diskussion dominiert wird.»

«Le Quotidien Jurassien»:

Die Entscheidung von Moutier ist «folgerichtig». «Es wäre paradox gewesen, wenn eine Stadt, die seit über einer Generation von den Separatisten regiert wird, es abgelehnt hätte, nun die Türschwelle ins jurassische Hause zu überqueren.»

«Le Journal du Jura»:

Dies ist ein «schwarzer Sonntag für den Berner Jura». «Den Siegern von gestern, die sich nie wirklich als Teil dieser Einheit fühlten, dürfte das gleichgültig sein.» Es kündigt sich eine «lange Periode künstlicher Ungewissheit an» bis zum Übergang voraussichtlich im Jahr 2021, welche «nicht nur Gewinner zurücklassen wird». (sda)

History Porn Teil XVIII: Geschichte in 24 Wahnsinns-Bildern

Das könnte dich auch interessieren:

Coding soll für Gymeler ein Pflichtfach werden

Bub mit Down-Syndrom modelt für bekannte Kleidermarke 

Timberwolves crashen mit Buzzer Beater Oklahomas zu frühe Siegesparty

SBB dürfen ihr Monopol zwei weitere Jahre behalten

Mehr Geschlechtskrankheiten

Swisscom und UPC sperren hunderte Webseiten: Jetzt kannst du sehen welche

Kinder? Nöö! Warum sich  junge Frauen unterbinden lassen wollen

Zweistöckige Autobahn, Flüster-Asphalt und Tempo 85 – wilde Ideen in der Verkehrs-«Arena»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3Alle Kommentare anzeigen
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Sageits 19.06.2017 10:02
    Highlight Persönlich finde ich es schade. Mais je vous comprends....
    Adieu et merci Moutier 💞
    2 2 Melden
  • ev0lution 19.06.2017 08:55
    Highlight Gratulationan Moutier und den Jura aus dem Kanton Basel Stadt!
    3 9 Melden
    • Skip Bo 20.06.2017 13:11
      Highlight Glückwunsch an Ursenbach.
      0 0 Melden

Dieser Schaffhauser könnte schon bald die drittgrösste Stadt im Kosovo regieren

Faton Topalli wohnt im beschaulichen Dörflingen im Kanton Schaffhausen. Gleichzeitig sitzt er seit vier Jahren im Parlament des Kosovo – wo er auch schon mal eine Tränengas-Petarde zündete. Am Sonntag könnte Topalli Bürgermeister von Ferizaj werden, einer Stadt mit über 100'000 Einwohnern.  

Mehrere Hundert Menschen versammelten sich am Dienstagabend im Stadtzentrum von Ferizaj im Süden des Kosovo. Die Oppositionspartei «Lëvizja Vetëvendosje» (Bewegung für Selbstbestimmung) hatte zur Abschlusskundgebung des Lokalwahlkampfs gerufen. Angereist waren die Granden der Bewegung: Visar Ymeri, der Parteivorsitzende, und Albin Kurti, ihr Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten.

Doch der eigentliche Star des Abends war ein 53-jähriger, im Kanton Schaffhausen wohnhafter, …

Artikel lesen