Schweiz

Beim letzten Dalai-Lama-Besuch in Bern: Vor drei Jahren schüttelte die damalige Nationalratspräsidentin Maya Graf (Grüne) noch seine Hand. keystone

Diplomatischer Eiertanz: Dalai-Lama-Besuch macht die Berner Behörden nervös

Die Stadt Bern und das EDA werden nicht müde, den nicht-offiziellen Charakter des Empfangs zu betonen.

Publiziert: 10.10.16, 05:46 Aktualisiert: 10.10.16, 06:02

Diese Woche macht der Dalai Lama auf seiner Reise durch Europa Halt in Bern. Am Mittwoch wird er das Haus der Religionen besuchen. Am Donnerstag hält er im Kursaal einen Vortrag. Wie immer, wenn das Oberhaupt der Tibeter in der Schweiz zu Besuch ist, begeben sich die Behörden auf dünnes Eis. China ist ganz und gar nicht entzückt, wenn offizielle Vertreter sich mit ihm treffen. Prompt ging denn auch eine Beschwerde ein. 

«Der Berner Gemeinderat will sich nicht von einem fremden Staat dreinreden lassen.»

Regula Buchmüller, Mediensprecherin bei der Stadt Bern

«Ihre Unlust haben die chinesischen Vertreter vor allem beim EDA deponiert», sagt Regula Buchmüller, Abteilungsleiterin Aussenbeziehungen und Statistik Stadt Bern, gegenüber der «Berner Zeitung». Der Grund: Der Berner Gemeinderat hat den Dalai Lama ins Haus der Religionen eingeladen und will diesen auch treffen. 

Das EDA habe die Beschwerden entgegengenommen. «Wir wollen keine diplomatischen Schwierigkeiten auslösen, aber der Berner Gemeinderat will sich auch nicht von einem fremden Staat dreinreden lassen», sagt Buchmüller.

Zurückhaltender als vor drei Jahren

Dennoch: Der Besuch ist ein diplomatischer Eiertanz. Dies zeigen die Reaktionen der Stadt Bern und des Bundes deutlich.

«Es ist aber kein offizieller Empfang.»

Regula Buchmüller, Mediensprecherin bei der Stadt Bern

Immer wieder betont die Stadt Bern den nicht-offiziellen Charakter des Besuchs. Sowohl im Haus der Religionen als auch im Kursaal sei ein Treffen mit dem Gesamtgemeinderat geplant. «Es ist aber kein offizieller Empfang», so Buchmüller. Offiziell wäre die Angelegenheit zum Beispiel, wenn der Gemeinderat den Dalai Lama in den Erlacherhof – der Sitz des Stadtpräsidenten – eingeladen hätte.

Das EDA sagt gegenüber der gleichen Zeitung, es sei nur beratend tätig und weder in die Organisation noch in die Durchführung des Besuchs involviert.

Vor drei Jahren, beim letzten Besuch in Bern, kam es noch zu einem Treffen mit der damaligen Nationalratspräsidentin Maya Graf (Grüne). Seit dem Freihandelsabkommen Schweiz-China gehen die Behörden in Sachen Dalai Lama zurückhaltender vor.

Personenschutz für Dalai Lama

China ist nicht der einzige Kritiker. Beim letzten Besuch in Basel vergangenes Jahr protestierten Mitglieder der International Shugden Community (ICS). Sie verehren Dorje Shugden als Schutzgottheit. In den Siebzigerjahren kritisierte der Dalai Lama die Verehrung des Schutzgeistes scharf. 1996 rief er gar alle Shugden-Anhänger dazu auf, von dessen öffentlicher Verehrung abzusehen. Shugden-Anhänger werfen ihm deswegen religiöse Intoleranz vor.

So protestierte letztes Jahr in Basel die Shugden-Gemeinschaft gegen den Dalai Lama. Bild: KEYSTONE

Die Sicherheitsvorkehrungen sind dementsprechend ausgeklügelt. Laut der Stadt werden die Zu- und Abgänge zu den Gebäuden überprüft, die Liegenschaften gefilzt und überwacht. Der Dalai Lama selber erhält Personenschutz. Die Bundespolizei (Fedpol) organisiert den Aufenthalt mit der Kapo zusammen. (rwy)

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User-Review:
Gina226 - 6.4.2016
Watson, du bist super. Ich möchte dich nicht mehr missen. ❤️
26 Kommentare anzeigen
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  • Spooky 10.10.2016 23:27
    Highlight Wenn Maya Graf dem Dalai Lama als Bettler verkleidet am Strassenrand begegnete, würde sie ihm auch so herzlich die Hand drücken? Nein!
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    • Fabio74 11.10.2016 07:00
      Highlight Was ist das für eine wirre Aussage??
      2 1 Melden
    • Spooky 11.10.2016 18:13
      Highlight Das ist keine wirre Aussage. Es geht hier um Schein und Sein. Es geht darum, dass die gesellschaftliche Position eines Menschen wichtiger ist als sein Charakter. Viele Leute behaupten, der Papst oder der Dalai Lama hätten Charisma. Das ist nicht wahr. Das sogenannte Charisma entsteht nur durch die gesellschaftliche Stellung des Dalai Lama (oder wer auch immer). Würde Maya Graf dem Dalai Lama, der als Bettler verkleidet am Strassenrand sitzt, begegnen, dann wäre er für sie nur ein bedauernswerter armer Schlucker - ohne jedes Charisma.
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  • kleiner_Schurke 10.10.2016 14:57
    Highlight Die 74. Inkarnation von Chenrezig alias Tendzin Gyatsho alias Dalai Lama kommt leider wieder mal in die Schweiz. Wie üblich mit grossem PR Getöse schon vor seiner Ankunft. Er wirbt zwar immer für Demokratie, doch demokratisch gewählt, als er noch im Amt war, war er natürlich nie. Auch hat er keinem Staat vorgestanden den es je gab. Aber das lächelt der Ozean der Weisheit glatt weg. Aber Schwamm drüber und freuen wir uns auf Weisheiten wie: “Wenn Ihr all das nicht versteht, dann habt Ihr nur eine geringe Möglichkeit, die Leerheit jemals zu verstehen“ - Wow, Hammer!
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  • Rabbi Jussuf 10.10.2016 13:41
    Highlight Eiertanz?
    Dummes Zeug!
    Der Dalai Lama hat kein offizielles Amt, das irgend eine Art von offiziellem Empfang rechtfertigen würde.
    Verträge mit China hin oder her.
    Hier werden Zusammenhänge konstruiert, die einfach nicht da sind. (Anscheinend auch von den Chinesen.)
    7 4 Melden
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  • Scott 10.10.2016 13:10
    Highlight Ersetzen Sie in den Reden des Dalai Lama das Wort "Tibet" durch "Schweiz" und "China" durch "EU": Voilà, fertig ist die SVP-Parteirede.

    Witzig, wie diese Gesinnung aus dem Munde des weisen Mannes bei Links/Grün Gehör findet.
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  • Blutgruppe 10.10.2016 12:09
    Highlight Velofahren ist angesagt. Nach oben buckeln, nach unten treten.
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  • pamayer 10.10.2016 11:47
    Highlight MADE IN CHINA

    Mit der billigproduktion in China zerstören wir unsere eigene produktion und verkaufen unsere Seelen einem unterdücker und ausbeuter.

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  • terribile 10.10.2016 09:43
    Highlight Das kommt davon wenn man mit der Zunge an grosse fremde Hinterteile leckt. Dafür hatte ja die Schweiz den Nationlitäten-Status der Tibeter auf China geändert.
    Unser Bundesrat macht alles um die Wirtschaft zu schützen - das machen Kriege auch. Schande.
    34 5 Melden
    • kleiner_Schurke 10.10.2016 14:49
      Highlight Tibet war nie ein unabhängiger Staat....
      1 4 Melden
    • Fabio74 11.10.2016 07:02
      Highlight Tibet war nie unabhängig. Taiwan aber schon. Nur da kuscht der Westen
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  • Theor 10.10.2016 09:22
    Highlight An den Vortrag wollte ich eigentlich hingehen. Leider kostete ein Eintrittsticket zwischen 70 und 250 Franken. Die persönliche Erleuchtung muss wohl warten, bis ich priviligierter im Portemonnaie bin.
    20 0 Melden
    • pamayer 10.10.2016 11:44
      Highlight Lege doch in dein Portemonnaie ein kleines led läpmchen und die erleuchtung hält für die Lebensdauer einer Batterie an.

      Nich besser ein brennendes zündholz, lebendigere erleuchtung und deine eh schmutzigen geldscheine erfahren echte Transformation.

      Aber nachher auf dem sozialamt einfach nicht erzählen, warum du pleite bist, denn die würden sich totlachen und das wollen wir doch nicht.
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    • stefstef 10.10.2016 13:10
      Highlight Der Vortrag im Haus der Religionen in Bern ist kostenlos. Es gab ein beschränktes Kontingent an Gratistickets. Für den Vortrag am Freitag in Zürich gibt es Karten ab 50 Franken. Das ist nicht allzu viel für einen Vortrag der von 8 Uhr bis 15:30 dauert.
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    • Theor 10.10.2016 16:29
      Highlight Als ich vor ein paar Monaten wegen dem Event in Zürich geschaut habe, waren die Gratistikets für Exil-Tibeter vorbehalten und über die tibetische Stiftung verwaltet.
      1 0 Melden
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  • Pinhead 10.10.2016 09:22
    Highlight Was hat die Berner Stadtregierung von China zu befürchten? Dasselbe übrigens in Zürich, kein Mitglied des Stadtrats wird den Dalai Lama treffen, angeblich "aus terminlichen Gründen". Beschämend und unwürdig, dieser vorauseilender Gehorsam gegenüber diesem Regime!
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  • Bridel 10.10.2016 08:27
    Highlight "Seit dem Freihandelsabkommen Schweiz-China gehen die Behörden in Sachen Dalai Lama zurückhaltender vor."

    - Wenns um Kohle geht ist fertig lustig.
    19 3 Melden
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  • Ron Collins 10.10.2016 08:25
    Highlight Jedesmal das gleiche Spiel. Wenn wunderts?
    11 2 Melden
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  • Dachhase gedünstet 10.10.2016 08:22
    Highlight Traurig dass unsere Politiker so viel Angst vor den Chinesen zeigen.
    15 3 Melden
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  • Max Havelaar 10.10.2016 07:18
    Highlight Dem Dalai Lama gebührt endlich ein offizieller Empfang mit allen Ehren. Aber das wird schwierig, mit so vielen Speichelleckern...
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    • Littlepage 10.10.2016 08:35
      Highlight Sie müssten sich endlich Eier wachsen lassen. Sowas von duckmäuserisch.
      11 4 Melden
    • Scott 10.10.2016 10:06
      Highlight Ein Empfang mit allen Ehren, für einen Mann der sein Land und seine Kultur vor fremden Einflüssen schützen will.

      Wie soll das in die Multikulti-Schweiz passen?
      12 7 Melden
    • Rabbi Jussuf 10.10.2016 10:10
      Highlight Wieso das?
      Der Dalai Lama hat keine offizielle Position inne. Also auch kein offizieller Empfang.
      9 9 Melden
    • Radiochopf 10.10.2016 10:25
      Highlight @Max Havelaar

      Ja die wirtschaftlichen Beziehungen zu China sind wichtiger als die Beziehungen zu Dalai Lama.. Wirtschaft und Geld bedeuten heutzutage einfach viel mehr als menschliche Werte.. echt peinlich wie sich die offizielle Schweiz gegenüber dem Dalai Lama verhält..
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    • Spooky 10.10.2016 22:44
      Highlight @Radiochopf
      Wie kommst du darauf, dass der Dalai Lama menschliche Werte verteidigt? Die meisten Tibeter sind froh, dass der Kerl ausser Landes ist.
      1 4 Melden
    • Fabio74 11.10.2016 07:03
      Highlight @spooky genau weil die chinesiche Besatzung ja so human ist
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