Schweiz

Warum ein toter Rassist beim Schweizer Alpen-Club als «Ehrenmitglied» verewigt bleibt

Der Naturforscher Louis Agassiz (✝1873) lehnte Darwins Evolutionstheorie ab und meinte, die weisse Rasse sei den «Negern» überlegen. Noch immer ist ein Berg nach ihm benannt. Und der SAC will Agassiz nicht von der Liste seiner Ehrenmitglieder streichen.

29.08.17, 08:42 29.08.17, 17:43
«Von einem hohen moralischen Standpunkt aus gesehen, ist die Erzeugung von Mischlingen eine ebensolche Sünde wider die Natur, wie der Inzest in einer zivilisierten Gemeinschaft eine Sünde wider die Reinheit des Charakters ist.»

Rassentheoretiker Louis Agassiz quelle: sac

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) will den Glaziologen Louis Agassiz auf seiner Liste der Ehrenmitglieder belassen. Das hat der Zentralvorstand entschieden.

Das Problem: Der schweizerisch-amerikanische Harvard-Professor machte sich im 19. Jahrhundert nicht nur um die Gletscherforschung verdient («Eiszeittheorie»), er war auch überzeugter Rassist.

Auf der SAC-Website veröffentlichte der Zentralvorstand letzte Woche eine Stellungnahme und begründete den Entscheid.

screenshot: sac-cas.ch

Die Vertreter der einflussreichen Alpinisten-Vereinigung führen formaljuristische Gründe ins Feld:

Und von der Liste der ehemaligen Ehrenmitglieder will man den Rassisten nicht streichen.

Begründung des SAC-Zentralvorstands:

Louis Agassiz um 1870. bild: wikipedia.org

Was steckt dahinter?

Warum muss sich der SAC-Zentralvorstand überhaupt mit dem vor bald 150 Jahren gestorbenen Mann befassen?

Dafür verantwortlich sind die Leute, die hinter der im Frühjahr lancierten Kampagne «Démonter Louis Agassiz» stehen. Eine Gruppe unter der Leitung des Schweizer Historikers Hans Fässler will den Namen des Rassisten von den Landkarten tilgen lassen. Denn bis heute sind diverse Orte nach ihm benannt.

Hierzulande sorgte das Agassizhorn im Berner Oberland für Schlagzeilen. Bund, Kanton und Gemeinde-Vertreter lehnten es ab, dem Berggipfel stattdessen den Namen jenes Sklaven zu geben, den der Naturforscher fotografieren liess, um die Minderwertigkeit von Schwarzen «wissenschaftlich» zu belegen.

Der weltberühmte Südtiroler Alpinist Reinhold Messner ist übrigens anderer Meinung als die Schweizer. Die SAC-Ehrenmitgliedschaft von Agassiz sei «untragbar», sagte er laut einem Bericht der «Jungfrau Zeitung» (hier online verfügbar).

Vorher war der Vorschlag von Agassiz-Gegner Fässler von der SAC-Sektion St.Gallen mehrmals abgewiesen worden.

Fässler dürfte geahnt haben, dass Agassiz nicht von der Liste der (ehemaligen) SAC-Ehrenmitglieder gestrichen wird.

Ein Jahr zuvor hatte er sich in einem lesenswerten Beitrag bei swissinfo.org zum Thema Vergangenheitsbewältigung bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit geäussert.

screenshot: swissinfo.ch

Angesichts der rassistischen Gewalt in den USA und dem hasserfüllten Kampf gegen Nicht-Weisse erhalten Fässlers Ausführungen zu Agassiz neue Brisanz. Er schreibt, Agassiz habe das Denken des faschistischen Dichters und Mussolini-Verehrers Ezra Pound entscheidend beeinflusst, wie auch das Handeln von John Kasper, Ku-Klux-Klan-Mitglied und militanter Rassist im Kampf gegen das Civil Rights Movement.

Während es eine Primarschule in Cambridge, Massachusetts, schon 2002 schaffte, die «Agassiz School» umzubenennen, wird uns der als einer der «einflussreichsten wissenschaftlichen Rassisten des 19. Jahrhunderts» bezeichnete Mann wohl noch lange erhalten bleiben. Auf der Landkarte, und beim SAC.

«Im SAC ist jeder willkommen, unabhängig von Herkunft, Religion, Muttersprache und Geschlecht.» – «Für Rassismus gibt es keinen Platz.»

Aussage der SAC-Zentralpräsidentin Françoise Jaquet, 2016, ein Jahr vor dem Entscheid. quelle: sac-mitglieder-zeitschrift «alpen»

Umfrage

Soll Agassiz von der Liste der ehemaligen SAC-Ehrenmitglieder gestrichen werden?

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Zeno Hirt, 25.6.2017
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  • NiemandVonNirgendwo 30.08.2017 06:52
    Highlight Ich finde man sollte den Status Quo erhalten. Der Grund dazu ist simple. Die Geschichte muss nicht perfekt sein. Die Geschichte soll vorallem wahrheitsgetreu sein. Der Mensch soll wissen was für Fehler frühere Generationen gemacht haben.

    Henry Ford sagte einst:
    "Unsere Fehlschläge sind oft erfolgreicher als unsere Erfolge."

    Wir wissen heute, dass diese Ansicht falsch ist!
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  • pachnota 29.08.2017 20:49
    Highlight Der Titel der Story ist irreführend.
    Agassi ist schon seit seinem Tot kein Ehrenmitglied mehr. Auch ist seine Vereinszugehörigkeit automatisch erloschen.
    Was nun der SPler Sommaruga fordert, ist die Löschung des Namens, aus der Liste, aller ehemaligen Mitglieder.
    über die Motive von C. Sommaruga darf natürlich spekuliert werden.

    Die völlige Tilgung der schieren Existenz dieses Forschers ist aus meiner Sicht, nicht nur Schildbürgertum, sondern auch gefährlich.
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  • lilie 29.08.2017 14:15
    Highlight Ich finde es sehr löblich, dass der SAC sich so viele Gedanken darüber gemacht hat.

    Trotzdem bin ich nicht glücklich mit dem Entscheid. Es handelt sich ja bei Agassiz nicht um einen "Stammtisch-Polteri", dem man zugute halten könnte, dass vermutlich die meisten seiner Zeitgenossen ähnlich dachten, sondern um einen international bedeutenden Wegbereiter der Rassenlehre, deren Auswirkungen wir alle kennen.

    Ihn kommentarlos als Ehrenmitglied aufzuführen, halte ich daher für falsch. Am besten fände ich, sein Name würde sichtbar gestrichen und mit einer erklärenden Fussote versehen.
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  • rich enough 29.08.2017 11:28
    Highlight Man muss da schon klar unterscheiden, zwischen der Liste der Ehrenmitglieder und dem Namen des Berges.

    Ihn von der Liste der Ehrenmitglieder zu streichen, käme einer Geschichtsfälschung gleich. Sowas ist klar abzulehnen.
    Zudem sind seine Verdienste als Glaziologe, aufgrund derer er SAC-Ehrenmitglied wurde, meines Wissens weiterhin unbestritten.

    Gegen eine Umbenennung des Berges spricht meines Erachtens nichts. Es kommt immer wieder vor, dass geographische Bezeichnungen geändert werden.
    Dies ist allerdings durch die lokale Bevölkerung bzw. nicht die lokalen Behörden zu entscheiden.

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    • Stan_the_man 29.08.2017 12:17
      Highlight Ich stimme zu.
      Problematisch ist, dass die Bewohner der betroffenen Gemeinden nicht gerade durch proaktive Rassismuskritik auffallen. Ergo wird sich betreffend der Namensgebung des Gipfels nichts tun.
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    • ThomasHiller 29.08.2017 12:25
      Highlight Das sehe ich ähnlich. Bei uns in Deutschland konnten manche Städte Hitler nicht schnell genug die Ehrenbürgerwürde verleien, später wollten sie diese (manche schnell, manche langsam) wieder loswerden.
      Man sollte sich aber seiner Vergangenheit stellen, auch der dunklen. Dass beispielsweise Golsar 2009 Hitler die Ehrenbürgerwürde aberkannt hat ist schlicht feige. Wenn, dann gleich nach dem Krieg. Aber Jahrzehnte nichts machen und dann mehr als 70 Jahre später? So verfälscht man Geschichtsbücher, um sich selbst rein zu waschen....
      29 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.08.2017 13:13
      Highlight "Problematisch ist, dass die Bewohner der betroffenen Gemeinden nicht gerade durch proaktive Rassismuskritik auffallen."

      Krass.

      Krass von denen, die sich so tolerant geben.

      Pfui!
      20 14 Melden
    • Stan_the_man 29.08.2017 17:26
      Highlight Anzumerken ist vielleicht noch, dass ich selber Bewohner und Stimmberechtigter einer dieser Gemeinden bin...


      Ansonsten mal die Abstimmungsresultate anschauen, dabei wird schon sehr deutlich, wie die Mehrheit der Stimmberechtigten dieser Gemeinden tickt ;)
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    • atomschlaf 30.08.2017 00:11
      Highlight @Stan_the_man: Dann kannst Du Dich ja bei der örtlichen Bevölkerung für eine Umbenennung einsetzen und versuchen, die Leute zu überzeugen.

      Wenn aber die Mehrheit keine solche will, dann ist dies zu akzeptieren. Demokratie halt.
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  • Mutzli 29.08.2017 10:51
    Highlight (2/2) und vieles mehr umbenannt, das ist nicht "Geschichtsvernichtung". Sondern der ganz normale Lauf der Dinge, ansonsten dürfte man ja rein gar nichts mehr ändern, aus der Angst etwas Historisches zu vernichten. Interessanterweise fehlt diese Empörung aber oftmals bei tatsächlich historisch relevanten Objekten vom Denkmalschutz oder bei archäologischen Schutzzonen... Der Rassismus von Agassiz war i.Ü. auch nicht der Standard der Zeit, sonder er war, wie im Artikel erwähnt wird, einer der Begründer und Propagandisten der "Rassenlehre" des 19 Jhr. welche so viel Leid verursacht hat.
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  • Mutzli 29.08.2017 10:46
    Highlight Als Historiker und Geschichtsliebhaber generell, macht das Argument der "Geschichtsklitterung" wirklich keinen Sinn. Die für die heutige Entscheidung relevanten Informationen werden ja nicht unterdrückt und dass es im 19 Jhr. leider sehr viele Rassisten gab, wird auch an anderen Orten dokumentiert. Es geht viel mehr darum, was wir heute als Gesellschaft i.O. finden als Teil des Landschaftsbildes, jedes Jahr in dem solche Monumente des Rassismus nicht geändert werden, ist ein weiteres Jahr, in dem wir sagen es sei schon i.O. so. Es werden und wurden überall x-fach Berge und Strassen (1/2)
    15 24 Melden
    • Rotbeisser 29.08.2017 13:54
      Highlight Das Agassizhorn erinnert an einen bedeutenden Wissenschafter für seine Verdienste in der Erforschung der Gletscher, und insbesondere der Eiszeit, aber auch in der Ichthyologie.
      Damit wird eine gute Sache geehrt.
      Daran ist rein gar nichts falsches.
      Dass Agassiz den damals ganz üblichen, allseits annerkannten Rassismus nicht bekämpfte, tut hier nichts zur Sache.
      Das Agassizhorn würde erst zum "Monument des Rassismus " wenn es umbenannt würde zu dem von Agassiz porträtierten Sklaven.
      15 11 Melden
    • Mutzli 29.08.2017 16:49
      Highlight Agassiz hat nicht nur "den damals ganz üblichen, allseits annerkannten Rassismus nicht bekämpft", sondern in unterstützt und weiterverbreitet, was ein wesentlicher Unterschied ist. Die Benennung des Horns ehrt ihn ja nicht als "Eiszeittheoriebegründer Agassizhorn" sondern als Gesamtperson, wobei auch seine unschönen Seiten dazugehören. Rentyhorn fände ich auch nicht super, da es wohl nicht der Name, des von A. als Studienobjekt missbrauchten Sklaven war. Es gibt auch sonst sehr viele verdienende Personen, seien es Anti-Rassisten oder Schweizer WissenschaftlerInnen ohne solche Leiche im Keller.
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    • TheMan 29.08.2017 19:04
      Highlight @Mutzli da würdest du den Berg lieber nach einem Antirassisten benennen? Dann lieber den Berg nach dem Ort benennen.
      Zu Bergen gehört kein Menschenname. Ob rassistisch oder nicht. Und wen man die Zeit anschaut, als Agassiz lebte, denke ich waren 80% der Menschheit (ich rede von den Weissen Menschheit) rassistisch. Es war zu dieser Zeit normal.
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    • Mutzli 30.08.2017 12:43
      Highlight @TheMan Das war rein als Alternative zu Renty gemeint, da es aus meiner Sicht nicht ganz koscher ist, jemand der als Opfer des Rassismus zu einem Objekt degradiert wurde, mit einem erfundenen Namen zu ehren und damit abermals seiner Individualität zu berauben. Als Historiker bin ich aber sowieso gar kein Fan von "grossen Personen" Kulten, finde es jetzt nicht etwa schade, dass z.B. der Gurten nicht Albert-Einstein-Högger heisst oder ähnliches. Zum anderen Punkt und zum wiederholten Mal: Der Rassismus von Agassiz war nicht einfach ein unausweichliches Charaktermerkmal zu dieser Zeit (1/2)
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    • Mutzli 30.08.2017 12:53
      Highlight Der quasi-moderne, möchtegern wissenschaftlich/biologisch begründete Rassismus wurde erst zu Agassiz' Zeit tatsächlich ausformuliert, verfestigt und verbreitet, wobei Agassiz' mitmischte. SIehe z.B.-> https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie#19._Jahrhundert Die "Rassenhygieniker" beriefen sich dann auch auf die Vorarbeit von Agassiz und auch zu seinen Lebzeiten wurde er dafür kritisiert, z.B. vom Präsidenten von Stanford. Sein Rassismus war nicht selbstverständlich, es gibt auch hier qualitative Unterschiede. Ein Anhänger oder latenter Rassist ist anders als ein Begründer einer rass. Lehre.
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  • Madison Pierce 29.08.2017 10:10
    Highlight Den Berg umzubenennen kann ich befürworten. Die Hitler-Strassen und -Schulen hat man auch umbenannt.

    Agassiz wurde von den damaligen Vereinsmitgliedern zum Ehrenmitglied ernannt. Da seine Ehrenmitgliedschaft erloschen ist, kann man sie nicht mehr entziehen. Ihn von der Liste der ehemaligen Mitglieder zu streichen, halte ich für falsch.

    Wo soll das enden? Pro Juventute bei der Zewo streichen wegen Alfred Siegfried? Das Denkmal von Alfred Escher entfernen? Früher waren die Wertvorstellungen anders. Dies muss man aufarbeiten, nicht streichen. Dafür ist die Geschichte da.
    63 8 Melden
    • freakykratos 29.08.2017 18:16
      Highlight In der Schweiz wird es normalerweise vermieden, irgend etwas aufzuarbeiten. Man wischt lieber alles unter den Teppich und hofft, dass niemand darüber stolpert.
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  • Ohniznachtisbett 29.08.2017 10:07
    Highlight Menschen sind vielschichtig und vielseitig. Dieser Mann war offensichtlich ein begnadeter Wissenschaftler auf dem Feld der Glaziologie. Daran gibts nichts zu rütteln. Auf der anderen Seite war er ein übler Rassist. Wir neigen heute dazu, den historischen Zusammenhang nicht zu sehen. Die USA im 19. Jahrhundert waren ein rassistisches Land. Agassiz Meinung entsprach einer Mehrheit der weissen Bevölkerung. Denn selbst der nicht Sklaven haltende Norden war rassistisch. Keine Ausrede, aber eine Einordnung! Wir schliessen ja auch nicht den Zoo, weil dort mal Afrikaner gezeigt wurden...
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  • Benji Spike Bodmer 29.08.2017 10:04
    Highlight Ich schliesse mich den meisten Kommentatoren an: Ja er war ein Rassist. Aber das waren auch Wagner (Antisemit), Rudolf Steiner, Hagenbeck jun. ...

    Ach Feth, wir können bei den Römern anfangen, die die hochstehende keltische Kultur als durch die Bank barbarisch ansahen.

    Agassiz wurde für seine Werke als Glaziologe geehrt. Diese Ehre hat er sich auch verdient. Dass er Rassist war, ist unschön und darf nicht vergessen werden. Dennoch: Aus heutiger Zeit jemanden einfach zu verurteilen, ohne den gesellschaftlichen Kontext zu betrachten, ist sehr heikel.
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    • @schurt3r 29.08.2017 10:59
      Highlight Agassiz gehörte zu den intellektuellen Wegbereitern der Nazi-Rassenhygiene. Das ist (mit) das Problem.
      32 42 Melden
    • Benji Spike Bodmer 29.08.2017 12:54
      Highlight Aye, zugegeben. Meiner Meinung nach stellt sich unter dem Strich folgende Frage:

      Ist die Waagschale stark genug zugunsten seiner Leistungen in der Glaziologie gegenüber seiner Taten als Rassist (im historisch- gesellschaftlichen Kontext). Ich persönlich finde, ja.

      Oder drastischer formuliert: Auch wenn Stalin aus einem rückständigen Agrarland eine moderne Industrienation geformt hat, geschah dies mit dem Blut von Millionen Menschen. So etwas kann unter keinen Umständen aufgewogen werden. Und deswegen hat er auch keine Denkmäler verdient.

      4 2 Melden
    • Benji Spike Bodmer 29.08.2017 12:54
      Highlight Ebenso würde aber ich auch dem besten Wissenschaftler aller Zeiten jegliche Anerkennung verweigern, sollte er in der heutigen Zeit (als lebendige Person) eine Haltung wie Agassiz an den Tag legen. Mit dem Wissen und den Überzeugungen die wir in der heutigen Welt haben ist das unmöglich zu vereinbaren.

      Auf welcher Seite nun die Waagschale in Agassiz Fall liegt, müssen Personen diskutieren, die mehr über ihn wissen als ich. :)
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  • Tribesman 29.08.2017 09:55
    Highlight Das TV-Format Schweiz Aktuell griff dieses Thema ungefähr vor zehn Jahren mal auf. Es kamen dort die drei Gemeindeammanne der angrenzenden Gemeinden zu Wort. Der letzte war der parteilose Herr aus Guttannen. Sein Votum mit dem N-Wort liess erblicken, dass Agassiz-Geist auch noch im 21. Jahrhundert herumgeistert.
    31 40 Melden
    600
  • ohjaja! 29.08.2017 09:32
    Highlight Die Geschichte zu verändern ist ein absolut heikles Thema und brandgefährlich!
    74 12 Melden
    • @schurt3r 29.08.2017 09:59
      Highlight Du zielst am Thema vorbei.
      Es geht nicht darum, die Geschichtsschreibung zu ändern. Es geht um die Frage, ob ein übler Rassist als Namensgeber für Berge etc. taugt.

      Und ob man ihn auf einer Liste der Vereins-Ehrenmitglieder lässt. Als SAC-Mitglied bin ich klar dagegen. Mein Wunsch: Von der Ehren-Liste streichen und diesen Schritt für spätere Generationen festhalten.
      39 82 Melden
    • pachnota 29.08.2017 11:19
      Highlight Ganz schlimm!
      Wir dürfen nicht unsere moralischen Vorstellungen von heute auf die Vergangenheit projizieren.
      Dies währe eine Verfälschung der Geschichte.

      Agassiz war natürlich KEIN Rassist!
      Weil es aus damaliger Sicht keinen Rassismus gab.

      Der Rassismus würde erst später entdeckt.

      Eines können wir mit Sicherheit sagen:
      wäre der selbe Agassiz heute am Forschen, würde er solche Aussagen mit wohl 100% Sicherheit nicht einmal denken.
      Und wir alle, auch der Autor dieses Artikels, würden, hätten wir vor 150 Jahren gelebt, ähnlich gedacht haben, wie Agassiz.

      Also bescheiden bleiben.
      30 23 Melden
    • @schurt3r 29.08.2017 11:58
      Highlight @pachnota:
      Tschuldigung, aber das ist so was von Bu... falsch!
      Er war Rassist. Punkt. Und den Rassismus-Begriff solltest du dringend bei Wikipedia nachlesen:

      «Rassismus als soziales und psychisches Phänomen existiert unabhängig von Rassentheorien, als rassistisch zu beschreibende Gruppenkonflikte lassen sich bis in die frühe Menschheitsgeschichte nachweisen»...

      http://bit.ly/2cMRsaY
      24 26 Melden
    • Boniek 29.08.2017 14:12
      Highlight @schurt3r. Indem Aggasiz auf der Liste der ehemaligen Ehrenmitglieder aufführt, hält man schlicht eine Tatsache fest. Würde man Aggasiz' Namen von dieser Liste streichen, käme dies einer Lüge gleich.
      14 2 Melden
    • pachnota 29.08.2017 16:27
      Highlight schurt3r

      Tut mir leid zu sagen, aber es sind sie, der hier falsch liegt.

      1.Die Unterscheidung verschiedener Rassen, insbesondere von höheren zivilisierten Rassen einerseits und niederen Rassen andererseits, war damals unter Zoologen weit verbreitet.
      (Wikipedia)

      2.
      Der Begriff Rassismus entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten.
      (Wikipedia)

      Das "Bewusstsein", dass Rassenlehre etwas Negatives ist, entstand also erst NACH dem Ableben von Agassiz.
      13 2 Melden
    • pachnota 29.08.2017 19:25
      Highlight Gut,.. ok.

      Ich schlage jetzt mal Schurter Horn, oder Schurter Hörnli vor.

      Na?
      : )
      Für ein entsprechendes Hochgefühl bei der Besteigung wäre gesorgt..
      :))
      4 0 Melden
    • Wurst 30.08.2017 10:37
      Highlight @schurter: ihn zu streichen und das festzuhalten kommt dem vergessen gleich. Weil in 50 jahren fragt niemand mehr wie der gipfel vorher hiess. Oder fragen sie mal auf der strasse wie Wolgograd oder St Petersburg früher hiess und warum es nicht mehr so heisst...
      2 0 Melden
    600
  • Surf & Turf 29.08.2017 09:30
    Highlight Finde den Artikel etwas fragwürdig. Sorry. Die Begründung des SAC, man könne einem Toten die Ehrenmitgliedschaft nicht mehr entziehen, weil sie bereits erloschen sei, ist nachvollziehbar. Und wenn der SAC Agassiz aus der Liste der ehemaligen Ehrenmitglieder streichen würde, fände sich bestimmt irgendwo ein Journi, der eine schreiende Headline komponieren würde, der SAC vertusche seine Vergangenheit. Wie auch immer.

    Dass ein Berg nach einem widerlichen Rassisten benannt bleibt, geht hingegen gar nicht. Dies zu ändern ist allerdings nicht Sache des SAC.
    106 22 Melden
    • @schurt3r 29.08.2017 09:43
      Highlight Danke für die begründete Kritik.

      Ich kann dir den im Artikel verlinkten Beitrag bei swissinfo.org sehr empfehlen. Denn es geht mehr denn je darum, Zeichen gegen Rassismus/Rassenwahn zu setzen.

      http://bit.ly/2wenhWu
      20 55 Melden
    • atomschlaf 29.08.2017 09:51
      Highlight Man setzt aber kein Zeichen gegen Rassismus, indem man Geschichtsklitterung betreibt!

      Ist etwa gleich sinnvoll, wie wenn man als "Zeichen gegen Rassismus" Hitler und die ganze Nazi-Zeit aus den Geschichtsbüchern streichen würde.
      98 19 Melden
    • Surf & Turf 29.08.2017 10:01
      Highlight Danke für den Link, Daniel. Wie bereits gesagt, gehört der Berg auch meiner Meinung nach umbenannt. Aber das hat der SAC nicht zu entscheiden. Deshalb ist es etwas seltsam, ihn in diesen Kontext zu stellen.

      Dass der SAC hingegen kein Problem hat, sich dem Diskurs zu stellen, zeigen hingegen mehrere Artikel in seiner Clubzeitschrift. Hier zum Beispiel einer aus dem Jahr 2016:

      http://alpen.sac-cas.ch/zeitschrift/artikel-einzelanzeigen/?user_fjx145_pi1%5Bmode%5D=single&user_fjx145_pi1%5Bartid%5D=1000006155

      Hast du den auch angeschaut, bei den Recherchen zu deinem Artikel?
      22 4 Melden
    • @schurt3r 29.08.2017 10:08
      Highlight @Surf & Turf:
      Ja, habe mich relativ intensiv damit befasst und die Beiträge im SAC-Magazin gelesen. Das Schlusszitat des Artikels ist aus deinem verlinkten Beitrag ;-)
      15 12 Melden
    600
  • Normi 29.08.2017 09:24
    Highlight Wer die Vergangenheit löscht, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
    95 9 Melden
    • Wilhelm Dingo 29.08.2017 09:36
      Highlight Sehr wahr!
      44 6 Melden
    • @schurt3r 29.08.2017 10:01
      Highlight Es will doch niemand «die Vergangenheit löschen», im Gegenteil. Wichtig ist die öffentliche Diskussion, wie mit berühmten Rassisten umzugehen ist.
      27 51 Melden
    • Normi 29.08.2017 11:13
      Highlight Sachen entfernen lassen und Dinge umbenennen bedeutet für mich die Vergangenheit leugnen, es sollten nur die Schilder angepasst werden, damit jeder auch die dunkle Seite der Vergangenheit kennt.
      19 5 Melden
    600
  • Wurst 29.08.2017 09:14
    Highlight Sie ehren ihn ja nicht, weil er ein Rassist war!?!

    Menschen sind nun mal vielschichtig und nicht alle Schichten sind rosa Zuckerguss. Damit werden wir uns wohl abfinden müssen. Das Bildung und Aufklärung dazu geführt haben, solche Werte allgemein zu ächten und aufzeigen, wie sich der Mensch entwickeln konnte, ist wichtig. Und das kann man z.B. tun in dem man zeigt, dass solche Ansichten durchaus auch von intelligenten Menschen und nicht nur von Primaten vertreten wurden. Es ist gefährlich, Rassisten zu unterschätzen.

    Wagners Werke nicht mehr zu zeigen wäre ja auch schade....
    114 13 Melden
    600
  • Anded 29.08.2017 09:11
    Highlight Ah, wusste nicht, dass das so einfach geht. Warum hat man dann Hitler noch nicht von der Liste der ehemaligen Reichskanzler gestrichen?
    116 10 Melden
    • ujay 29.08.2017 10:00
      Highlight Naja, eine Ehrenmitgliedschaft und die Tatsache, dass jemand Reichskanzler war, ist eine grosse Differenz. Ersteres hat mit Glorifizierung eines Rassisten zu tun, Zweites ist politische Geschichte eines Staates.
      15 36 Melden
    • heul doch 29.08.2017 10:52
      Highlight anded: ich hoffe du meinst das nicht ernst und dein beitrag ist ironisch zu verstehen.
      indem du agassiz (einen rassisten) mit hitler (dem wohl grössten massenmörder der geschichte) vergleichst, stellst du den holocaust und die verbrechen der nazis auf die selbe stufe wie die dummen aussagen eines rassisten. diese sind keinesfalls vergleichbar... du verletzt mit solchen ,hitlervergleichen' die opfer des ns-regimes und deren angehörige.
      8 15 Melden
    • Sebastian Wendelspiess 29.08.2017 11:00
      Highlight Ähm das macht man doch dauernd mit Trump, Putin, Assad usw.
      10 1 Melden
    • @schurt3r 29.08.2017 11:01
      Highlight Agassiz war ein intellektueller Wegbereiter der Nazi-Rassenhygiene. Siehe Swissinfo-Artikel...
      13 24 Melden
    • Anded 29.08.2017 11:32
      Highlight Agassiz ist EHEMALIGES Ehrenmitglied. Vor
      langer Zeit waren seine Ansichten salonfähig und deshalb kein Grund, ihm diese Ehrenmitgliedschaft zu verweigern. Ehrenmitglied hat auch nix mit glorifizieren zu tun. Tatsache ist aber, dass er (Ehren-)Mitglied war und dies lässt sich nicht mehr ändern. Genau so wie Hitlers Machtergreifung und die fatalen Folgen. Da käme ja heute niemand auf die Idee, dass Hitler glorifiziert wird, weil er noch als ehemaliger Führer in Büchern gelistet ist. Und wie @schurt3r erwähnt hat, waren diese Rassentheorien im 19. Jh. nicht unbedeutend was Hitlers Taten angeht.
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    • Baccara 29.08.2017 12:42
      Highlight Und Agassiz würde ja nicht Ehrenmitglied, weil er Rassist war, sondern weil er Glaziologe war. Soweit sogut.
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    • heul doch 31.08.2017 09:31
      Highlight wer blitzt hat eindeutig nicht verstanden was ich in meinem kommentar hervorheben wollte. man kann einen denkenden rassisten nicht mit einem handelnden vergleichen. sonst haben wir bald zustände wie in 'minority report' wo jedes verbrechen schon als blosser gedanke geahndet wird.

      @schurt3r: nun, ich hab e den artikel gelesen und finde, selbst wenn er andere rassisten beeinflusst hat, dass ein vergleich mit hitler unhaltbar ist. der mann ist verachtenswert wegen seiner gesinnung, aber längst kein monster wie die nazis oder faschisten der 30er und 40er.
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    • Anded 01.09.2017 07:21
      Highlight Du bist auch der einzige auf der Hitlervergleich-Schiene. Ich habe nie einen Vergleich gemacht. Mein erster kommentar sagt: Wenn ein "Monster" wie Hitler nicht aus Geschichtsbüchern gestrichen wird, warum sollte man es mit einem "harmloseren" Rassisten machen? Resp. Was bringts?
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  • amIsanta 29.08.2017 08:58
    Highlight Gebe dem SAC recht. So kann sein Horn im besten Fall sogar ein Mahnmal sein.
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  • Holla die Waldfee 29.08.2017 08:58
    Highlight Schon mal gehört, was Rudolf Steiner (Waldorfschulen) gesagt hat? Ungefähr sowas: "Neger sind degenerierte Weisse, die sich wieder zu Affen zurückentwickeln."

    Von einem Philosophen hab ich mir sagen lassen, dass auch Kant und Hegel Äusserungen machten, die heute als rassistisch eingestuft werden. Man verbannt sie trotzdem nicht vom Lehrplan. Der damalige Zeitgeist und Wissensstand muss berücksichtigt werden.

    Ich halte nichts von Geschichtsverfälschung. Sonst können wir gleich wie der IS historische Stätten zerstören.

    Löschen ist der falsche Weg!
    Es muss aber korrekt dargestellt werden.
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    • Kaspar Stupan 29.08.2017 10:01
      Highlight Ja, heute werden Kinder in die Rudolf-Steiner-Schule geschickt obwohl er Ansichten über Menschen vertreten hat, die klar rassistisch waren und manchen in der NSDAP beeinflusst haben, wieso wird das nicht aufgearbeitet? Er war damals schon für die Trennung von den einen zu den anderen Menschen.
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    • Holla die Waldfee 29.08.2017 10:35
      Highlight Ich kenne einige Leute verschiedenster Generationen (von 18-Jährigen bis 60-Jährigen), die in Waldorfschulen waren. Man kann über diese Schulen verschiedene Meinungen haben, wie über alles andere auch. Aber von denen, die ich kenne, wurde keiner rassistisch beeinflusst. Auch wurde keiner von ihnen zum Anthroposophen. Allerdings kenn ich eben nur ein paar dieser Waldorfbesucher.

      Aber ich stimme dir zu. Die Anthroposophen müssen das aufarbeiten. Als ich es das letzte Mal bei einem Steiner-Fan ansprach, wurde ich krass aggressiv und primitiv attackiert. Und zwar nicht sachlich, sondern persönlich.
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    • Kaspar Stupan 29.08.2017 16:37
      Highlight Zitat: Die Weissen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln. Daher sind sie auf sich selber angewiesen. Wenn sie auswandern, so nehmen sie die Eigentümlichkeiten der anderen Gegenden etwas an, doch sie gehen, nicht als Rasse, sondern mehr als einzelne Menschen zugrunde. Die weisse Rasse ist die zukünftige, ist die am Geist schaffende Rasse."
      Und das ist bei weitem noch etwas vom harmloserem
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  • pun 29.08.2017 08:52
    Highlight Ich finde Aussagen des SAC nicht schlecht, wenn sie keine Ausreden sind, um keinen Diskurs führen zu müssen.

    Auf den Landkarten hat der üble Rassist aber wirklich nichts zu suchen. Mit Bergspitzen schafft man ihm ein Andenken, die Liste der ehemaligen Ehrenmitglieder des SAC wird wohl kaum jemand einfach so mal zufällig durchforsten.
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    • Lady Blue 29.08.2017 09:32
      Highlight Sehe ich genau so.
      Die Aussagen des SAC machen Sinn.

      Ich fände aber eine Umbenennung des Berges sinnvoll.
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