Schweiz

Dieser italienische Reitversuch von Mona Vetsch wird im Dickicht enden ... Bild: facebook/agriturismo due sorelle

Wenn die Mona zweimal klingelt ... Himmel und Hölle unserer TV-Auswanderer 

Es muss nicht immer «Goodbye Deutschland!» sein. In «Auf und davon Spezial» auf SRF geht Auswandern ganz ohne Fremdschämen. 

18.04.17, 09:53 18.04.17, 15:23

Die bei uns berühmteste Sendung zum Thema Auswandern geht so: Deutsche Menschen ohne Ersparnisse, Können und Fremdsprachenkenntnisse wandern mit Vorliebe nach Mallorca aus. Dort wundern sie sich dann, dass die Einheimischen Spanisch sprechen und dass auch sonst nichts und niemand auf die Neuen gewartet hat. 

Trotzdem fühlen sich die Menschen aus «Goodbye Deutschland dem Ausland gegenüber immerzu im Recht. Das Ausland ist ihnen ein neues Glück schuldig. Schliesslich war das Inland, also Deutschland, schon scheisse genug (HartzIV! Wetter! Essen!). Und ein paar besonders Hartnäckige machen dann so ein bisschen Karriere. Zum Beispiel diese drei:

Daniela Katzenberger

Sie verbrachte vor Jahren mehrere «Goodbye Deutschland!»-Folgen damit, nicht in Hugh Hefners «Playboy»-Mansion reinzukommen. Das machte sie stark. Für alles. Heute ist sie mit dem Sohn von Schlagersänger Costa «ich hab mir Fett aus meinem Hintern ins Gesicht gespritzt» Cordalis verheiratet.

Die Katzenberger, hier noch so gut wie ungeschminkt. Bild: vox

Jens Büchner

Jens kam ohne Geld und Gesangstalent nach Malle. Das prädestinierte ihn dazu, Ballermann-Barde zu werden. Soeben hat er seiner Daniela (heissen eigentlich alle Daniela?) einen Heiratsantrag gemacht. Und er war im Dschungelcamp. Und er hat ungefähr 13 Kinder. Kommt das gut? Sicher nicht.

Ja! Sie sagt Ja! Weiss sie, was sie tut? bild: vox

Didi & Hasi

Da gingen also Didi und Hasi an den Gardasee und versuchten wie verbissen, den Menschen die feine italienische Pizza aus- und ihre deutsche Currywurst einzureden. Es war hart. Aber weil sie sich auf ihr einziges Talent (die Rezeptur der Currysauce) fokussierten, schafften sie nach vielen Jahren einen bescheidenen Geschäftserfolg. Und dann verliess der Didi die Hasi für eine andere!!! Er will auch mit ihr ins Currywurstgeschäft einsteigen. Und die Didi&Hasi-Sauce klauen. Deutschland empört sich gerade fürchterlich über Didi.

Hasi (arm) und Didi (Schuft). bild: vox

Aber halt! Wollten wir wirklich über diese hier berichten? Mitnichten! Eigentlich sollte dieser Platz ausschliesslich den andern Auswanderern gewidmet sein. Denen, die mit Anstand und einem minimalen Wohlstand ins Ausland gehen und nicht nur eine Einbildung, sondern auch etwas Bildung haben. Den Strebern also. Den ... Ja, genau, den Schweizern! Wie langweilig ist das denn! Ist Fremdschämen etwa nicht eins der schönsten Gefühle vor dem Fernseher? Hmmm ... ja, schon, aber nicht nur.

Es geht auf SRF nämlich weiter mit «Auf und davon Spezial», Mona Vetsch besucht wieder Menschen auf der ganzen Welt, die ihr Glück gefunden haben, mit glücklichen Kindern und glücklichen Tieren. Menschen, die im Paradies gelandet sind und scheinbar unangestrengt alles richtig machen. Die Toblers in Australien zum Beispiel: 

Die Toblers

Emma und ihr Bodenleger Rolf wandern nach Australien aus. Sie nehmen die Kinder Kevin, Dylan und Jennifer mit und machen in Australien auch noch einen James. Leider will in Australien niemand Rolfs sackteure Schweizer Qualitätsspannteppiche kaufen. Dafür findet Emma einen Job in einer Rudolf-Steiner-Schule. Obwohl die Toblers das zuerst für dummen Hippie-Kram hielten.

Das verschwindend kleine Anwesen der Toblers. Bild: srf

Die Kinder sind sowas wie die glücklichsten Kinder ausserhalb der Kelly Family (also, ausserhalb der Kinder von Angelo Kelly, deren vollkommene Zufriedenheit war mal in einem «Goodbye Deutschland»-Special zu bestaunen). Sie reiten, kraulen andauernd zahme Emus, gewinnen im Sport und studieren Meeresbiologie. Vater Rolf will jetzt Hausmann werden. Alle Toblers sind äusserst bescheidene Menschen.

Ein gelungenes Kind der Toblers. Bild: srf

Das sonnige, immerzu von bunten Fischen, herzigen Tannzapfenechsen und anderem Getier durchwirkte Glück der Toblers wird allerdings eine Folge später durch das existenzielle Pech von Anja und Claude relativiert. Es ist wirklich schlimm. Es geht so:

Anja und Claude

Werber Claude und seine Liebste wollen in Italien ein Agriturismo gründen. Das wollen viele. Gerade aus der Schweiz. Alte Bausubstanz mit den eigenen Händen aufmöbeln, eigener Garten, eigene Tiere und so. Sie machen das. Als Mona Vetsch sie im Oktober 2016 besucht, gehen die Arbeiten dem Ende entgegen, die Minne ist gross.

Mona Vetschs Besuch im Oktober 2016 ... Bild: facebook/agriturismo due sorelle

Zwei Wochen später ein Erdbeben. Vieles wird zerstört. Das Dorf, zu dem das Gehöft der beiden gehört, wird von seinen Bewohnern verlassen. Herrenlose Tiere laufen ihnen zu. In der Nacherzählung wirkt das schon fast biblisch.

... und im März 2017. Bild: srf

Anja und Claude leben jetzt in einem Wohnwagen. Sie werden Hilfe erhalten, aber mit drei Jahren ist für den Wiederaufbau zu rechnen. Fast all ihr Geld steckt in den Trümmern. Fuck, das Leben ist hart. Aber sie haben einander und die Tiere. Und die Solidarität der Einheimischen. Die Schweiz ist keine Alternative mehr. Mallorca-Jens wäre in dieser Lage nicht zu brauchen.

Nicht nur das beschädigte Haus, auch der Wohnwagen ist undicht. Bild: srf

Mehr durften wir noch nicht sehen. Aber es wird weitergehen – nach Schweden, Bali, Florida, zu Schweizerinnen und Schweizern, die es zu Hause nicht mehr ausgehalten haben. Nicht wie früher, als die Schweiz so arm war, dass viele nach Nord- und Südamerika auswanderten. Heute wandern sie aus, weil die Schweiz zu reich, der Leistungsdruck zu hart und die Zeit zum Leben viel zu knapp ist. 

«Auf und davon Spezial» gibts ab dem 21. April jeweils freitags um 21 Uhr auf SRF1 zu sehen.

Einfach, weil's schön ist: Die Welt aus Sicht eines Vogels

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  • JasCar 19.04.2017 12:49
    Highlight Danke Simone Meier:
    Jetzt hab ich doch glatt Fernweh, obwohl ich schon ausgewandert bin.
    Ich schaute schon immer selten Fern, aber diese Sendungen mochte ich... jedenfalls die ersten Staffeln auf Vox und auch das schweizer Pendant...
    Hätte ich damals schon gewusst, dass ich mal auswandern werde, hätte ich s wohl mit anderen Augen geguckt...
    Heute fehlt mir manchmal das deutsche und schweizer TV Angebot doch ein bisschen. S ist nämlich ziemlich vielfältig, das schätzte ich davor gar nicht...
    Sonnige Grüsse aus Portugal
    1 0 Melden
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  • bobi 19.04.2017 11:14
    Highlight Eine meiner Lieblings-Sendungen. Zeigt sehr wohl die Schwierigkeiten des Auswanderns auf, weckt bei mir dennoch immer Fernweh :)
    0 0 Melden
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  • evelinef 18.04.2017 22:15
    Highlight liebe simone meier, deine schreibe schätze ich grundsätzlich, aber warum hier diese häme? schade.
    6 2 Melden
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  • Honey Badger 18.04.2017 15:08
    Highlight Ich wiederhole mich:

    Es kann nur einen Reise-Selbstfindungs-Auswanderer-Messias geben, Hermann Schönbächler....alles andere ist Beilage.

    48 4 Melden
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  • 's all good, man! 18.04.2017 13:37
    Highlight In der letzten Staffel »Auf und davon« hat sich SRF leider auch schon ein wenig dem Konzept von »Goodbye Deutschland« genähert, indem sie gewisse Protagonisten ein wenig wie Einfaltspinsel dastehen liessen. Schade eigentlich, aber das Konzept solcher Sendungen funktioniert anscheinend ja sehr gut.
    23 2 Melden
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  • ovatta 18.04.2017 12:41
    Highlight Die heissen eigentlich alle Chantal und Kevin, aber das war rtl dann doch etwas zu klischee!
    25 0 Melden
    • Makatitom 18.04.2017 12:50
      Highlight :) Nein, das war nicht zu Clichée, das war zu ausgelutscht, Jeremy-Paskal und wie die Wollny-Goofen noch alle heissen :)
      12 0 Melden
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  • manhunt 18.04.2017 12:39
    Highlight liegt wohl auch daran, dass srf sachlicher und unaufgeregter dokumentiert. auch bei den schweizer auswanderern sind nicht alle optimal vorbereitet. trotzdem liegen welten zwischen den protagonisten des srf und jenen des deutschen assi-tvs.
    45 0 Melden
    • Lichtblau 18.04.2017 20:27
      Highlight Die CH-Auswanderer guck ich gerne. In bester Erinnerung sind mir die beiden auf der andalusischen Reiter-Finca. Wie sie gelitten haben, als ein Pferd starb. Und wie sie den ziemlich überheblichen Co-Chef aushalten. Doch, ausgezeichnete Unterhaltung. Gut erzählte Geschichten, die das Leben schreibt.
      9 0 Melden
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  • Makatitom 18.04.2017 12:32
    Highlight Danke für die wundervollen, und soo wahren, beiden Schlusssätze. Und an alle, die die Billag abschaffen wollen: Solche niveauvollen Sendungen finanziere ich gerne mit meinen Gebühren, 1000 mal lieber, als Ricklis Goldbach-media zu supporten.
    59 5 Melden
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  • lily.mcbean 18.04.2017 11:24
    Highlight Omg Frau Meier da haben Sie doch tatsächlich den erfolgreichsten deutschen Export -die Reimanns- vergessen! 😱 Die haben wenigstens geschnallt das man den Finger aus dem Popo ziehen muss, und der Konny ist doch auch ein Arbeitstier!
    41 1 Melden
    • Simone M. 18.04.2017 11:33
      Highlight Omg - ja! Voilà:
      47 0 Melden
    • lily.mcbean 18.04.2017 11:51
      Highlight 😍😍😍
      15 0 Melden
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  • Jaing 18.04.2017 10:31
    Highlight Kürzlich wurden auf SRF auch Schweizer porträtiert, die in Bali ein Guest House eröffnen wollten. Das war nicht viel besser geplant als die Deutschen auf Mallorca oder Gran Canaria es jeweils tun. Weniger fremdschämen musste man sich nur, weil SRF dezenter vorgeht als Vox und Co. und die Sache nicht boulevardisiert, sondern interessant dokumentiert.
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  • Gelöschter Benutzer 18.04.2017 10:29
    Highlight Die Schweizer Auswanderer stehen wenigstens noch mit beiden Beinen auf dem Boden. Hingegen sind es bei "Goodbye Deutschland" sehr oft Familien, die mit einer Geldreserve von Euro 3-5'000 auswandern - in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht sprechen - und meinen, sie könnten dort Millionäre werden.
    Aber dank den Medien werden einige "Looser" immer wieder nach oben gespült. Einer von diesen ist der Büchner - mich nimmt nur wunder, was die Leute - vor allem die Frauen - an dem so tolles finden.
    45 2 Melden
    • ThomasHiller 18.04.2017 12:24
      Highlight Das Gute an "Goodbye Deutschland" ist die Hoffnung des Restes von uns, daß diese Leute hoffentlich nie wieder zurück kommen.

      Deshalb nehmen wir Deutsche das auch in Kauf, daß ob dieser Leute und Vox es uns eigentlich so dermaßen peinlich sein sollte, daß wir kollektiv alle vor Scham im Erdboden versinken müssten.
      24 1 Melden
    • Hoppla! 18.04.2017 12:38
      Highlight Wer mit CHF 3'000 Millionär werden will, dem empfehle ich z.B. Vietnam...
      19 2 Melden
    • Makatitom 18.04.2017 12:53
      Highlight RTL, Vox etc. bedienen mit diesen Sendungen ganz einfach ein, meistens nicht berechtigtes, Überlegenheitsgefühl der Zuschaer ( Guck mal, die sind noch dümmer, ärmer, asiger etc als ich/wir)
      20 1 Melden
    • Hölzig 18.04.2017 13:08
      Highlight @hoppla meinste wegen der Währungsumrechnung?😉
      5 1 Melden
    • 's all good, man! 18.04.2017 13:33
      Highlight Bei »Goodbye Deutschland« ist doch keine einzige Geschichte mehr auch nur annähernd der Realität entsprechend. Das ist wohl sowieso von A - Z gescripted mittlerweile.
      17 0 Melden
    • ThomasHiller 18.04.2017 14:37
      Highlight Ach, das sind keine wahrhaften Geschichten??? Vox belügt uns? Mein Weltbild wankt ... ;)
      6 1 Melden
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