Schweiz

Es geht um 50 Millionen: Wer lügt, Bundesrat Burkhalter oder die Bundesanwaltschaft?

Publiziert: 15.11.16, 16:38 Aktualisiert: 15.11.16, 17:32

Hat Botschafter Jacques Pitteloud zwei Kenianern angeboten, für 50 Millionen Franken dafür zu sorgen, dass die Schweiz das Verfahren gegen sie wegen Geldwäsche einstellt? Der Botschafter sagt, er habe auf das Angebot auf Anweisung der Bundesanwaltschaft gemacht. Auch Bundesrat Didier Burkhalter hält sich an diese Version. Die Bundesanwaltschaft bestreitet dies jedoch. Wer lügt?

Eric Cottier, Staatsanwalt des Kantons Waadt, soll als ausserordentlicher Staatsanwalt den kuriosen Fall des Botschafters Jacques Pitteloud nun untersuchen. Eingesetzt hat ihn die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA).

Botschafter Jacques Pitteloud.

Die Aufsichtsbehörde hat am Dienstag eine Meldung von Radio Télévision Suisse (RTS) bestätigt. Die Ernennung ist gut einen Monat nach der Ankündigung der Bundesanwaltschaft erfolgt, dass sie die Ermittlungen abgeben will. Damit wollte sie jeden Anschein von Befangenheit vermeiden.

Im August versicherte Bundesrat Didier Burkhalter, der ehemalige Botschafter in Kenia habe «in Absprache» mit der Bundesanwaltschaft gearbeitet. Diese Aussage wurde von der Bundesanwaltschaft bestritten, weshalb sie einen Antrag auf Einsetzung eines ausserordentlichen Staatsanwalts stellte.

Vorwurf der Nötigung

Eric Cottier muss nun abklären, ob an den Vorwürfen von zwei Kenianern gegen Pitteloud etwas dran ist. Gegen die beiden Brüder läuft in der Schweiz eine Strafuntersuchung wegen Geldwäscherei.

Sie werfen dem Botschafter vor, sie unter Druck gesetzt zu haben. Er soll ihnen die Einstellung der Untersuchung in Aussicht gestellt haben, wenn sie ihm 50 Millionen Franken bezahlen würden.

Die Bundesanwaltschaft trat zunächst nicht auf die Sache ein. Die Kenianer reichten dagegen Beschwerde beim Bundesstrafgericht ein, welches ihnen Recht gab.

«Angebot» per SMS

Das Bundesstrafgericht wies in seinem Entscheid auf eine SMS-Kommunikation zwischen Pitteloud und den beiden Kenianern vom Mai 2014 hin. Darin soll der Ex-Botschafter sein «Angebot» gemacht haben.

Gegenüber der kenianischen Presse hatte Jacques Pitteloud erklärt, aus persönlichem Antrieb gehandelt zu haben. Anschliessend präzisierte er, Anweisungen der Bundesanwaltschaft gefolgt zu sein. Diese hielt jedoch fest, dass sie keinerlei Aufträge oder Instruktionen an den Ex-Botschafter gegeben habe.

Nach einer Militärkarriere wurde der Walliser im Jahr 2000 im Alter von 38 Jahren der erste Nachrichtenkoordinator des Bundes. Nach mehreren Pannen wurde der Dienst reorganisiert und einem Krisenstab unterstellt. Pitteloud wechselte in der Folge zum Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. (whr/sda)

Hol dir die App!

User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
7 Kommentare anzeigen
7
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Hierundjetzt 15.11.2016 18:47
    Highlight In der Privatwirtschaft wäre er jetzt beim Sozialamt.

    Klar, die BA lügt logisch. Wie praktisch das es keinen Schriftverkehr gab, gäll liebs EDA 🙄

    Anweisungen in der BV werden grundsätzlich mündlich gegeben oder mittels Rauchzeichen... Bitte...
    8 3 Melden
    600
  • Rendel 15.11.2016 18:06
    Highlight Wie soll ich wissen wer lügt, ihr könnt ja keine Fakten bringen, damit ich diese Frage beantworten kann.
    17 1 Melden
    600
  • N. Y. P. 15.11.2016 18:01
    Highlight Wäre ich bei der Bundesanwaltschaft, würde ich so eine Anweisung via Botschafter an die Kenianer mündlich machen. Falls die Kenianer nicht drauf eingehen, weiss man von nichts.
    Den schwarzen Peter hat jetzt der Botschafter, weil er nichts in der Hand hat.
    17 1 Melden
    • Hierundjetzt 15.11.2016 18:48
      Highlight Nur funktioniert die Bundesverwaltung leeeeeider nicht so 😉
      3 7 Melden
    600
  • Dovahkiin 15.11.2016 17:19
    Highlight Am Besten wäre wohl, wenn beide zurücktreten würden und die 50 Millionen abbezahlen müssten. Und alle Entwicklungshilfe und Zahlungen an Kenia wegen Korruptionsverdacht vorläufig eingestellt würden.
    21 8 Melden
    • bebby 15.11.2016 18:05
      Highlight haben Sie den Artikel gelesen? es ist kein Geld geflossen. Vermutlich ein Ablenkungsmanöver zweier korrupter Politiker und wir sind wieder einmal zu naiv, um ihnen zu glauben...laut Aussage des Botschafters wollte man damit eine Falle stellen
      12 4 Melden
    600
  • thierry_haas 15.11.2016 17:14
    Highlight Mhhh.... ça pue!
    13 1 Melden
    600

Freie Marktwirtschaft sei wichtiger als Prävention: Verbot von Tabakwerbung abgelehnt

Denkzettel für Gesundheitsminister Alain Berset: Das Parlament hat das Bundesgesetz über Tabakprodukte an den Bundesrat zurückgewiesen. Auch der Nationalrat will nichts wissen von einem Werbeverbot. Die freie Marktwirtschaft sei höher zu gewichten als die Prävention.

Mit 101 zu 75 Stimmen bei 14 Enthaltungen folgte die grosse Kammer am Donnerstag dem Ständerat, welcher die Vorlage in der Sommersession mit 28 zu 15 Stimmen zurückgewiesen hatte. Die Mehrheit von SVP, FDP und CVP brachte das …

Artikel lesen