Schweiz

Die Kandidaten absolvieren gemeinsame Auftritte – hier an einem FDP-Anlass Anfang September. Bild: KEYSTONE

Cassis, Maudet und Moret weibeln bei der Bauernlobby

Gut eine Woche vor der Bundesratswahl hat für die drei Kandidierenden der FDP die heisse Phase begonnen: Am Montag sprachen Moret, Cassis und Maudet bei den Bauern vor. In den kommenden Tagen stehen weitere verschiedene Hearings mit Parteifraktionen und Verbänden an.

11.09.17, 16:56 11.09.17, 17:27

Kompetent, offen und ehrlich, seien die drei Kandidierenden seien kompetent, offen und ehrlich aufgetreten, sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Laut dem St. Galler CVP-Nationalrat haben alle ihre Pläne für die künftige Landwirtschaftspolitik transparent dargelegt.

Beim je 25 Minuten dauernden Hearing der Konferenz der bäuerlichen Parlamentarier, der rund dreissig National- und Ständeräte angehören, waren rund zwanzig Politiker anwesend, wie Ritter weiter sagte. In die Karten schauen lassen wollte er sich aber nicht. «Wir geben keine Wahlempfehlung ab.» Jeder Parlamentarier müsse den Entscheid für sich treffen.

Markus Ritter an einem Medienanlass für die Ernährungssicherheits-Initiative in Oberkirch. Bild: KEYSTONE

Er selbst habe bereits eine Präferenz, die er aber für sich behalten werde, sagte Ritter. «Ich muss mit jedem auskommen, falls er oder sie gewählt wird.»

Zurückhaltung vor dem Wahltag

Ob bei der Bauernlobby die Waadtländerin Isabelle Moret, der Tessiner Ignazio Cassis oder der Genfer Pierre Maudet am meisten Kredit hat, dürfte sich also erst am Wahltag zeigen. In den Medien äusserten sich in den vergangenen Wochen verschiedene Bauernvertreter eher kritisch zu Cassis und eher freundlich zu Moret. Über die agrarpolitischen Auffassungen von Maudet ist indes wenig bekannt.

Ob auch weitere Verbände zu offiziellen Hearings laden, ist derzeit unklar. FDP-Generalsekretär Samuel Lanz hat keinen Überblick über anstehende Treffen und Veranstaltungen der drei Kandidierenden. «Wir bieten unsere Hilfe an, wenn sie gewünscht wird», sagte er. Verantwortlich für die Organisation seien aber Moret, Cassis und Maudet selbst.

Anfragen beim Arbeitgeberverband, Gewerbeverband, Gewerkschaftsbund, bei economiesuisse, SwissMEM nach geplanten Treffen mit den drei FDP-Kandidierenden blieben am Montag unbeantwortet.

Die Gewerkschaft Travail.Suisse lädt die Kandidierenden nicht zu einem Hearing ein, aber steht mit den drei Politikern in Kontakt. «Wir befragen sie zu ausgewählten Themen – aktuell zum Thema Vaterschaftsurlaub, und wie sie dazu stehen», sagte Sprecherin Linda Rosenkranz der sda. Solche Recherchen würden aber nur intern verwendet. «Wir betreiben damit kein eigentliches ‹Rats-Lobbying›.»

Erste Parteihearings am Dienstag

Wichtige Termine für die drei Regierungsanwärter stehen unter der Bundeshauskuppel noch an. SVP, CVP und Grüne haben sie für (morgen) Dienstag zu Anhörungen aufgeboten. Die Hearings in den übrigen Fraktionen finden eine Woche später statt.

Auch wenn die Meinungen danach gemacht sein sollten und niemand einen Coup plant: Eifrig diskutieren werden Politikerinnen und Politiker noch in der Nacht vor der Wahl. Das Spektakel im Hotel Bellevue gehört inzwischen zur Tradition.

Politiker im Hotel Bellevue in Bern, an Weihnachten. Bild: KEYSTONE

Die Vereinigte Bundesversammlung entscheidet am 20. September, wer die Nachfolge des scheidenden Bundesrats Didier Burkhalter antritt. Bei drei Kandidierenden sind mehrere Wahlgänge zu erwarten.

Ab dem dritten Wahlgang können nur noch jene gewählt werden, die in den ersten beiden Runden Stimmen erhalten haben. Erreicht niemand mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, scheidet die Person mit der geringsten Stimmenzahl vor dem nächsten Wahlgang aus. Das wird wiederholt, bis eine Person das absolute Mehr erreicht. (dwi/sda)

Bundesratswahlen 2017

Cassis, Moret und Maudet on the Road: Das Bundesrats-Trio im watson-Check

«It's the biography, stupid!» – Die Doppelbürger-Diskussion um Cassis & Co. ist lächerlich

Der neue Burgunder-Krieg: Zwei Berner und zwei Waadtländer im Bundesrat?

Der «Kranken-Cassis» und Morets «problematische» Rüstungs-Lobby

«Herr Cassis, warum ist ein Tessiner im Bundesrat wichtiger als eine zusätzliche Frau?»

Quotenstreit um Bundesrat: «Es gibt mehr Frauen als Tessiner in der Bevölkerung»

Aussendepartement in SP-Hand? Leuthards «Verzicht» macht es wahrscheinlich

Dieses Flussdiagramm zeigt, weshalb Filippo Lombardi nie Bundesrat wird

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Martin Kaufmann (1) 11.09.2017 19:32
    Highlight Keiner von denen ist wählbar. Es wird wieder mal eine Überraschung und lange Gesichter geben. Die Königsmacher tasten schon die geheimen Kronfavoriten ab und checken ihre Leichen im Keller durch. Abwarten.
    4 1 Melden
    600

Der «Kranken-Cassis» und Morets «problematische» Rüstungs-Lobby

Wegen seiner Mandate im Gesundheitswesen ist FDP-Kronfavorit Ignazio Cassis unter Beschuss geraten. Seine Rivalin Isabelle Moret jedoch ist auch mit heiklen Gruppierungen verbandelt, sagt Otto Hostettler vom Verein Lobbywatch im Interview.

Herr Hostettler, gibts in der Schweiz eigentlich eine unbeliebtere Lobby als jene der Krankenkassen?Otto Hostettler: Kommt darauf an, aus wessen Sicht. Die Nuklear- oder die Rüstungsindustrie wird in gewissen Kreisen sicher noch kritischer gesehen.

Immerhin fühlte sich FDP-Bundesratskandidat Ignazio Cassis in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» bemüssigt zu erklären, Krankenkassen seien keine «Terrorgruppen». Das sagt einiges über das Image der Branche aus.Die Krankenkassen sind in …

Artikel lesen