Schweiz

Staatenchefs und die Uno fordern Hilfe. Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Hilferuf der Ebola-Länder

«Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus ist kläglich gescheitert.»

09.10.14, 16:19 09.10.14, 17:19

Die Staatschefs der drei am stärksten von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Länder haben einen eindringlichen Hilferuf an die Weltgemeinschaft gerichtet. Der Chef der Weltbank sprach von einem Scheitern der Weltgemeinschaft und warnte, dass die Zukunft Afrikas auf dem Spiel stehe.

«Diese Krankheit ist eine internationale Bedrohung und verdient eine internationale Antwort», forderte Guineas Präsident Alpha Condé am Donnerstag am Rande der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. Ähnlich äusserten sich die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und Sierra Leones Staatschef Ernest Bai Koroma, die über Video zu dem ranghohen Treffen zugeschaltet waren.

«Unsere Länder sind in einer sehr fragilen Situation», sagte Condé und verlangte eine bessere Koordinierung der Hilfsbemühungen. Koroma beklagte, dass das Engagement der internationalen Gemeinschaft derzeit noch hinter der Infektionsrate zurückbleibe.

«Zusagen auf Papier sind gut», sagte er. «Aber Zusagen als fassbare Fakten vor Ort sind am besten.» Auch Sirleaf rief zu einem «rascheren und entschiedeneren» Vorgehen auf, um die Ebola-Epidemie einzudämmen.

Ban fordert zwanzig Mal mehr Hilfe

Ban Ki-Moon. Bild: EPA/KEYSTONE

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon warnte beim Treffen, dass sich die Epidemie erst noch verschlimmern werde, ehe eine Besserung möglich sei. «Die Fälle steigen exponentiell an», sagte er.

«Wie viel schlimmer es wird, hängt von uns ab.»

Ban erklärte, dass die internationale Unterstützung für die betroffenen Länder verzwanzigfacht werden müsse. «Wie viel schlimmer es wird, hängt von uns ab.»

IWF-Chefin Christine Lagarde zeigte sich besorgt, dass die Ebola-Krise die in Westafrika erreichten wirtschaftlichen Fortschritte zunichte machen könnte. Weltbank-Chef Jim Yong Kim ergänzte, dass «nichts Geringeres als die Zukunft Afrikas» auf dem Spiel stehe. «Wir müssen die globale Antwort auf die Krise schnell beschleunigen und verstärken.»

Deutliche Worte von Kim

In einem Interview mit der britischen Zeitung «The Guardian» ging der Weltbank-Chef hart ins Gericht mit der internationalen Gemeinschaft. Diese sei in ihrem Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus «kläglich gescheitert». Die Wahrscheinlichkeit sei ziemlich hoch, dass das Virus auch europäische Länder erreiche, warnte Kim.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Westafrika bereits fast 3900 Menschen an Ebola gestorben. Insgesamt infizierten sich mehr als 8000 Patienten mit dem gefährlichen Virus.

Ebola-Infektionen ausserhalb Afrikas wurden bisher in den USA und Spanien nachgewiesen. Der Zustand der erkrankten spanischen Krankenpflegerin verschlechterte sich weiter, wie die Madrider Klinik «Carlos III» am Donnerstag mitteilte, in der die 44-Jährige behandelt wird.

Wegen ihrer Erkrankung wurden inzwischen sieben Menschen in Quarantäne genommen, unter ihnen ihr Ehemann sowie weitere Klinikmitarbeiter. Bei ihnen wurde das Virus bisher aber nicht bestätigt.

Menschen in der Schweiz in Quarantäne

Auch in der Schweiz befinden sich Menschen unter Ebola-Verdacht in Quarantäne, wie Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten vom Bundesamt für Gesundheit, am Mittwochabend gegenüber «10vor10» im Schweizer Fernsehen SRF sagte. Er sprach von «sehr wenigen» Fällen, ohne Zahlen zu nennen.

Man gehe davon aus, dass die Schweiz früher oder später einen Ebola-Fall haben werde. Höchstwahrscheinlich würde die Erkrankung aber bei Personen auftreten, bei denen man davon ausgehen konnte, dass sie exponiert gewesen waren – so beispielsweise bei Helfern, die man in die Schweiz zurückholen musste, oder bei Asylbewerbern, die sich bei einem Asylzentrum meldeten. «Doch auf diese Fälle wäre man vorbereitet», so Koch. (sda/afp/dpa)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • katungo 09.10.2014 18:18
    Highlight Auch wenn ich es nicht gerne erwähne: in diesen Ländern sind die Politiker extrem korrupt. Anstatt die Steuern für Spitäler und Infrastruktur zu verwenden fliesst es in die eigenen Taschen. Vielleicht sollten diese zuerst mal ihre ergaunerten Gelder anrühren bevor sie auf Bettelkurs gehen.
    2 0 Melden

Dieser Schaffhauser könnte schon bald die drittgrösste Stadt im Kosovo regieren

Faton Topalli wohnt im beschaulichen Dörflingen im Kanton Schaffhausen. Gleichzeitig sitzt er seit vier Jahren im Parlament des Kosovo – wo er auch schon mal eine Tränengas-Petarde zündete. Am Sonntag könnte Topalli Bürgermeister von Ferizaj werden, einer Stadt mit über 100'000 Einwohnern.  

Mehrere Hundert Menschen versammelten sich am Dienstagabend im Stadtzentrum von Ferizaj im Süden des Kosovo. Die Oppositionspartei «Lëvizja Vetëvendosje» (Bewegung für Selbstbestimmung) hatte zur Abschlusskundgebung des Lokalwahlkampfs gerufen. Angereist waren die Granden der Bewegung: Visar Ymeri, der Parteivorsitzende, und Albin Kurti, ihr Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten.

Doch der eigentliche Star des Abends war ein 53-jähriger, im Kanton Schaffhausen wohnhafter, …

Artikel lesen