Schweiz

Menschen formen in Zürich mit farbigen Regenschirmen ein «Ja» als Symbol für die Befürwortung der Atomausstiegs-Initiative. Bild: KEYSTONE

Umfrage: Anteil der Befürworter eines Atomausstiegs wächst

Publiziert: 04.11.16, 08:04 Aktualisiert: 04.11.16, 10:37

Die Atomausstiegs-Initiative der Grünen könnte gemäss einer Umfrage angenommen werden. In der zweiten Online-Umfrage im Auftrag des Medienhauses Tamedia ist der Anteil der Befürworter sogar noch etwas grösser geworden im Vergleich mit einer ersten Umfrage.

56 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagten Ja oder eher Ja zum Atomausstieg. 43 Prozent dagegen wollen die Volksinitiative, über die am 27. November abgestimmt wird, bestimmt oder eher ablehnen, wie Tamedia am Freitag mitteilte. Ein Prozent gab an, noch nicht entschieden zu haben.

Unveränderter Nein-Anteil

In der ersten Tamedia-Umfrage von vor zwei Wochen hatten zwei Prozent angegeben, noch keinen Entscheid gefällt zu haben. 55 Prozent hatten die Initiative befürwortet oder eher befürwortet. Der Anteil jener, die bestimmt oder eher ein Nein einlegen wollen, blieb dagegen unverändert bei 43 Prozent.

Befürworterinnen und Befürworter begründen ihre Position am häufigsten (43 Prozent) damit, dass ein Weiterbetrieb der AKW zu gefährlich sei. Ein Super-GAU könne auch in der Schweiz nicht ausgeschlossen werden.

Jeder vierte Befürworter findet zudem, dass der Atomausstieg ohne ausdrückliche Laufzeitbeschränkung für die AKW noch jahrzehntelang auf sich warten liesse. Die Initiative verlangt, dass die AKW nach maximal 45 Jahren Betriebszeit abgeschaltet werden müssen. Beznau I und II sowie Mühleberg müssten bei einem Ja 2017 abgeschaltet werden. Gösgen ginge spätestens 2024 vom Netz, Leibstadt als letztes Schweizer AKW im Jahr 2029.

Die vom Parlament verabschiedete Energiestrategie 2050 enthält dagegen keine Laufzeitbeschränkung. Die Kernkraftwerke dürfen so lange laufen, wie die Aufsichtsbehörde ENSI sie als sicher einstuft.

Angst vor Stromengpässen

Häufigstes Argument der Gegnerinnen und Gegner ist, dass ein Ja zur Initiative die Stromversorgung im Inland gefährde – 33 Prozent sind dieser Ansicht. 30 Prozent befürchten, dass nach einem verfrühten Aus für die AKW «dreckiger» Kohlestrom in die Schweiz importiert würde, während Energie aus AKW klimafreundlich sei.

Für die Steuerzahler teure Entschädigungen an die Betreiber und Besitzer der AKW sind dagegen lediglich für sechs Prozent der Gegner ein Thema. Die AKW-Betreiber Alpiq und Axpo haben beziffert, was ein Ja zur Initiative sie kosten würde.

Milliardenforderungen

Der Energiekonzern Alpiq rechnet mit einem wirtschaftlichen Schaden von rund 2,5 Milliarden Franken, wie er am Montag mitteilte. Die frühzeitige Abschaltung der AKW Gösgen und Leibstadt wäre für das Unternehmen deshalb nicht tragbar.

Noch deutlicher hatte sich am Vortag der Chef des Energiekonzerns Axpo, Andrew Walo, geäussert. Sein Konzern werde nach einem Ja Schadenersatz von 4,1 Milliarden Franken fordern, sagte er im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Das liegt deutlich über der Schätzung des Bundesrates für solche Zahlungen.

Die Umfrage war Anfang Woche aufgeschaltet worden. Die Resultate basieren auf 15'617 demografisch, geografisch und politisch gewichteten Antworten. Die Fehlermarge liegt bei plus/minus 1,2 Prozent. Knapp 20'000 Personen nahmen an der Umfrage teil. (viw/sda)

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33 Kommentare anzeigen
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  • Schneider Alex 06.11.2016 09:22
    Highlight Atomausstieg: Wir sollten dieses Experiment wagen!

    Warum keinen Versuch mit mehr Energieeffizienz, mehr neuen erneuerbaren Energien und neuen Stromabkommen mit dem Ausland wagen? Falls das nicht genügt für eine sichere Energieversorgung in der Schweiz, könnten wir innert kurzer Frist Gaskombikraftwerke erstellen. Als eines der reichsten Länder der Welt sollten wir dieses Experiment, den Ausstieg aus der Atomenergie, wagen.
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  • blinddursland 04.11.2016 13:10
    Highlight könnte Watson mal Ausrechnen was der Bund schon in die Kernkraft investiert hat?

    Heisst alle Ausgaben die der Steuerzahler seit ca. 1963 für die AKWs in der Schweiz gezahlt hat.

    Bau, Reparaturen, Überwachung (Kosten der ENSI) einfach alles was halt so angefallen ist das nicht durch die privaten Konzerne bezahlt wird, dies dann auf die Schätzung des Rückbaus addieren.

    Dann diese zahl durch die Produzierten KWh plus die 20 RP die der KKW Betrieb in die eigene Tasche finanziert = was uns 1 KWh mindestens Kosten sollte...
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    • ratson 04.11.2016 13:33
      Highlight nimmt mich auch wunder :) go for it watson!!!
      3 0 Melden
    • sheimers 04.11.2016 17:43
      Highlight Schon allein die NAGRA wird ein Vermögen verschlungen haben.
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  • Nuede 04.11.2016 10:39
    Highlight Bevor die AKW-Betreiber mit Forderungen auf Schadenersatz drohen, sollten sie sich Gedanken darüber machen, wie sie den entstandenen Müll anständig versorgen/vernichten wollen!
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  • demokrit 04.11.2016 10:33
    Highlight 40% des Energiebedarfs lassen sich nicht von heute auf Morgen substituieren. Schon gar nicht, wenn dieser Anteil durch die gewünschte Elektrifizierung der Transportinfrastruktur stark ansteigen wird. Die grünen Ideologen meinen Thermodynamik sei etwas, was man sich zurecht wünschen könne. Im Übrigen wird im Energiewende-Deutschland über 10 mal so viel CO2 pro KWH ausgestossen und hat unproblematische Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt:

    http://www.zeit.de/2016/45/atomausstieg-schweiz-volksinitiative-gruene-vorbild-deutschland
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  • Braun Pascal 04.11.2016 09:47
    Highlight Heisst das wir beziehen den Strom von den Auslands AKW? teurer?
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    • amore 04.11.2016 10:00
      Highlight Dieses Buch lesen, bitte. Dann wieder ein Urteil abgeben.
      6 2 Melden
    • Braun Pascal 04.11.2016 11:28
      Highlight Was urteilen hier auf watson kann kein mensch mehreine klare frage stellen ohne geblitzt oder irgendwelche Ufforderungen dies oder jenes zu tun....
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  • Pafeld 04.11.2016 09:47
    Highlight Der "dreckige Kohlestrom" hat einen bedeutend höheren Anteil an Wind- und Solarenergie, wie wir hier in der Schweiz haben. Zudem sind ja gerade die billigen Importe daran Schuld, dass die AKWs grosse Verluste schreiben. Immer wieder überaschend, wie sich hohle Phrasen halten können.
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  • äti 04.11.2016 09:35
    Highlight Die Schadenersatzvorderung wegen zu früher Stilllegung ist interessant: da könnte jeder Arbeitnehmer, der vor dem 65. Altersjahr "still gelegt" wurde, auch klagen.
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    • amore 04.11.2016 09:58
      Highlight Ein sehr guter Vergleich.
      12 1 Melden
    • demokrit 04.11.2016 10:23
      Highlight Eigentumsgarantie ist etwas anderes und eine Klage völlig legitim. Übrigens gehören die AKWs den Kantonen.
      2 3 Melden
    • Tilman Fliegel 04.11.2016 10:41
      Highlight Und wenn tatsächlich ein GAU passiert, wer bezahlt dann? Ich vermute mal die Betreiber haben für den Fall kein Geld auf die Seite gelegt.
      8 1 Melden
    • sheimers 04.11.2016 11:21
      Highlight Heisst das, eine Annahme der Initiative würde vier Milliarden vom Bund in die Kantonskassen spülen? Auf jeden Fall kommt es vom Steuerzahler und landet zu einem guten Teil wieder bei ihm, also kein Grund zur Sorge, man kann trotzdem JA stimmen.
      8 0 Melden
    • demokrit 04.11.2016 12:52
      Highlight Ein anderes Thema. Meiner Erfahrung nach sind GAUs viel zu selten, als dass es auf die paar Jährchen, wie sie die Initiative überstürzt verlangt, statistisch für die Schweizer irgendwie eine Rolle spielt (moralisch wird das Risiko sowieso nur in ein anderes Land verlagert).
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    • Pafeld 04.11.2016 15:15
      Highlight @Demokrit
      Erkläre deine Wahrscheinlichkeitsrechnung doch bitte einmal den Versicherungskonzernen, welche nicht dazu bereit sind, einen GAU abzudecken (also allen...). Würde wirklich der freie Markt und das Verursacherprinzip spielen, gäbe es gar keine AKWs. Weil schlicht niemand bereit ist, das umfassende Risiko zu tragen. Sprich das keine Möglichkeit besteht, alle unerwarteten Kosten auf den Steuerzahler abzuwälzen.
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    • demokrit 04.11.2016 16:29
      Highlight Pafeld: Einverstanden. Hat aber alles nichts mit der anstehenden Abstimmung zu tun (auch gemäss der Initiative werden die Meiler nicht sofort abgestellt). Fakt ist: Wir haben die Atommeiler UND wir haben auch keinen Ersatz für den Produktionsausfall. Energieproduktion ist kein ideologisches Fantasiereich.
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    • äti 04.11.2016 18:24
      Highlight @demokrit: für mich zählt, dass ein Projekt klare Termine braucht. Fehlen solche, ist massiver Ärger programmiert.
      Zudem, die Def "solange laufen wie die Sicherheit zulässt" ist (für mich) eine Gummidefinition und bremst einfach alternative Lösungen.
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    • demokrit 04.11.2016 20:45
      Highlight @äti: Der fixe Termin ändert nichts daran, dass eine Lücke klafft, die sich nicht mit ein bisschen Solarenergie füllen lässt. Deutschland kommt trotz Extremsubventionen für die Photovoltaik nur auf 6.4% Anteil an der Erzeugung. Bis jetzt habe ich noch keine intelligente Antwort vernommen, wie diese Lücke zu schliessen sei. Alternative Lösungen setzen sich durch, wenn sie konkurrenzfähig sind.
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    • äti 04.11.2016 22:03
      Highlight @demokrit: soweit verstehe ich es. Nun sind aber seit geraumer Zeit 2 AKWs down und etwas Winter ist auch noch, eigentlich das Horror-Szenario. Aber niemand schreit von Engpässen (gottseidank). Man überbrückt mit Import, was man bei 3 AKWs nach Situation auch machen würde. Gleiches Prozedere.
      Und ja, Alternative Lösungen sollen konkurrenzfähig sein. Im Fall der Initiative würde dies aktiv forciert, andernfalls eher aufgeschoben weil man ja viel (vermeintliche) Zeit hat.
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    • demokrit 04.11.2016 22:29
      Highlight @äti: Das zeigt ja, dass das ENSI eine gute Arbeit leistet. Ideal ist diese Situation für die Schweiz darum nicht, weil wir damit nicht autark sind und der Strom einfach von AKWs im Ausland importiert wird. Das ist doch ein Taschenspielertrick. Forcieren kann man die Erneuerbaren nicht, man kann Technologie nur à la Deutschland subventionieren (+4.7%..). Die Resultate dieser Politik kann man dort gut beobachten. Die Kohlekraft wird ausgebaut und die Laufzeiten der Kohlekraftwerke verlängert. Ökologisch sinnvoll ist das nicht. Zentral ist aber: Der Strombedarf wird in Zukunft stark ansteigen.
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  • Mate 04.11.2016 09:12
    Highlight Meistens bin ich bei Abstimmungen pessimistisch, da die Zustimmung fast immer abnimmt. Darf man hier träumen? Kann es sein, das für einmal die Lobbys trotz all dem Geld und den Unwahrheiten versagen?
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    • scout 04.11.2016 10:12
      Highlight Klären Sie mich auf, welche Unwarheiten?
      4 1 Melden
    • sheimers 04.11.2016 11:18
      Highlight @scout: z.B. die angeblich 50% Kohlestrom aus Deutschland (behauptet Leuthard immer wieder), die in Wirklichkeit nur noch knapp 43% sind, tendenz fallend.
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    • Mate 04.11.2016 12:34
      Highlight @scout damit meine ich den angeblichen "Blackout", der durch die Abschaltung der KKW's droht und das bei Annahme "dreckiger Kohlenstrom" importiert werden muss.
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    • scout 04.11.2016 17:00
      Highlight @mate Die Warheit zum Blackout ist, dass dies zu 100% nicht zutreffen wird. Ob Strom importiert werden muss, weiss momentan niemand (hier lügen beide Seiten).

      Lügenbarometer:
      Befürworter 1
      Gegner 2
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    • Pafeld 04.11.2016 19:35
      Highlight Natürlich werden wir Strom importieren müssen. Warum auch nicht?! Wir importieren schliesslich auch Brennstäbe und Erdölprodukte. Dieses ewig leere Geschnatter von der sich eingebildeten Unabhängigkeit...
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  • sheimers 04.11.2016 09:06
    Highlight Achtung, jetzt kommen dann gleich die bezahlen Kommentarschreiber der Energiekonzerne!
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    • Jaing 04.11.2016 10:08
      Highlight
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  • Hara 04.11.2016 08:21
    Highlight Wir dürfen dieser Atomausstieginitative ruhig zustimmen, das Parlament wird den Mehrheitsentscheid dann schon nach dem Willen der Regierung ins Gegenteil zurechtrücken.
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