Schweiz

Konfliktmanager in Leuchtwesten sollen den Fans ihre Grenzen vor einem Ordnungs-Einsatz aufzeigen, so die Idee. Bild: Getty Images Europe

Leuchtweste statt Schlag-Stock: Mit Konflikt-Managern gegen Pyrowerfer und Co.

Polizisten in zivil, die mit den Fans vor und während des Spiels reden – im deutschen Hannover hat sich dieses Modell bewährt. BDP-Nationalrat Bernhard Guhl möchte es nun auch in der Schweiz übernehmen.

22.06.15, 10:40 22.06.15, 10:57

Fabian Hägler / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

Bernhard Guhl ist kein eingefleischter Fussballfan. Er besucht aber gelegentlich Spiele der Nationalmannschaft und freut sich über Schweizer Erfolge.

Gar keine Freude hat der BDP-Nationalrat an Szenen, wie sie zuletzt beim Cupfinal vorkamen: Fans, die Pyros abbrennen und Böller zünden – das Spiel musste deswegen zweimal unterbrochen werden.

Impression vom Cupfinal: Sion-Fans in Freudenlaune brennen Feuerwerk ab. Bild: Giuseppe Esposito

«Dass es trotz des Hooligan-Konkordats weiterhin zu Ausschreitungen bei Fussballspielen kommt, ist mehr als ärgerlich», sagt Guhl. Grundsätzlich spricht sich der Nationalrat für ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte aus: «Ich habe kein Verständnis für Chaoten, die Pyros werfen oder Schlägereien anzetteln.»

Regeln für die Fans

Aber es brauche neue Ansätze, um das Problem zu lösen, hält er fest. In einer Interpellation schlägt er das sogenannte «Hannoveraner Modell» vor. In der deutschen Stadt wurde ein Modell entwickelt, bei dem die Polizei an Hochrisikospielen möglichst wenig in Erscheinung tritt.

Stattdessen werden sogenannte Konfliktmanager aufgeboten. Das sind speziell auf die Hooligan-Problematik geschulte Polizisten in Zivil, die den Fans im Vorfeld ganz klare Regeln kommunizieren. Am Tag des Spiels sind diese Konfliktmanager dann in orangefarbigen Westen vor Ort. Guhl nennt den Vorteil: «Die Fans wissen, unter welchen Umständen die Polizei einschreitet. Sie haben die Reaktion der Polizei somit selber im Griff.»

Er sagt, das «Hannoveraner Modell» funktioniere gut: «Bei 80 Prozent der Spiele ist kein Polizeieingriff nötig. Statt bis zu 900 Polizisten sind nur noch 250 im Einsatz.» Guhl ist überzeugt, dass dieses Modell aus Deutschland auch in der Schweiz helfen kann, Gewalt und Ausschreitungen bei Fussballspielen zu reduzieren oder sogar zu verhindern. Guhl will allerdings keinen Kuschelkurs: «Wenn die Grenzen überschritten werden, welche die Konfliktmanager den Fans aufzeigen, bin ich für ein hartes Durchgreifen der Polizei.»

Nicht eins zu eins übertragbar

Doch lässt sich das «Hannoveraner Modell» einfach auf die Schweiz übertragen? Bei einer Tagung der deutschen Koordinationsstelle Fanprojekte wurde genau diese Frage diskutiert. Gemäss dem Tagungsbericht stellte sich heraus, «dass der Einsatz von Konfliktmanagern, der in Hannover sehr erfolgreich bewertet wird, in anderen Standorten nicht einfach eins zu eins übernommen und verordnet werden kann». 

Was der Einsatz von Konfliktmanagern gegen das Abbrennen von Pyrotechnik (die Guhl so in Rage bringt) bringen soll: unklar. Bild: EQ Images

Ein solches Modell müsse vielmehr «in einem gemeinsamen Dialog zwischen Polizei, Verein, Fanvertretern und unter Beteiligung des Fanprojektes auf lokaler Ebene vereinbart werden», hielten die Experten fest.

Guhl zielt mit seinem Vorstoss auch nicht auf eine Gesetzesänderung oder bindende Vorgaben für den Einsatz von Konfliktmanagern ab. «Dieses Modell liesse sich im Rahmen der bestehenden Gesetze realisieren», sagt der Nationalrat. Er ist aber der Meinung, dass Vereine, Fangruppierungen, Polizei und Politik ein Interesse an der Idee der Konfliktmanager haben müssten. «Immerhin zeigt sich in Hannover, wo das Konzept angewendet wird, dass die Aufgebote der Polizei viel kleiner und die Sicherheitskosten deutlich gesunken sind.»

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  • Androider 22.06.2015 19:52
    Highlight «Dass es trotz des Hooligan-Konkordats weiterhin zu Ausschreitungen bei Fussballspielen kommt, ist mehr als ärgerlich»... und bestätigt, dass dieses heilbringende Konkordat für die Katz ist. Was von Anfang seitens der Fussballfans, Fanarbeit, usw. so mitgeteilt wurde. Also mich überraschts auf jeden Fall nicht.
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  • ket4mon 22.06.2015 14:00
    Highlight Ich kann nicht begreiffen, warum immer noch Leute dem Fussball hinterherrennen. Spätestens nach dem Fifaskandal (was onehin schon sehr lange bekannt war) sollte den vernünftigen Menschen doch ein Licht aufgehen. Es grenzt schon fast an Menschenhandel, was in dieser Szene abgeht. Es kann nicht sein, das jemand, der seinen Körper optimal nutzt und vorbereitet, Millionen verdienen kann. Andere Hochleistungssportarten, bei denen ein erheblich höheres Risiko besteht, werden um ein vielfaches weniger in den Medien behandelt, geschweige denn, finanziert.
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    • Androider 22.06.2015 19:48
      Highlight Simon, heul leiser ;D
      8 2 Melden
    • Oberon 23.06.2015 00:30
      Highlight Aber was kann der Sport dafür?
      3 0 Melden
    • ket4mon 23.06.2015 07:12
      Highlight Der Sport kann nichts dafür, es sind die Fan's. Logische Überlegung ;)
      0 0 Melden
  • Coach Cpt. Blaze 22.06.2015 13:53
    Highlight Ein Politiker, der selber so gut wie nie im Stadion anzutreffen ist wenn dann nur beim Länderspiel, hat DIE Lösung für das "Fanproblem". Kommt sicher gut...
    12 2 Melden
    • Androider 22.06.2015 19:47
      Highlight Kommt immer gut, wenn sich solche Sesselfurzer in Dinge einmischen, von denen sie nicht die leiseste Ahnung haben...
      6 1 Melden
  • gupa 22.06.2015 12:03
    Highlight Gibts doch in Bern schon länger?
    4 2 Melden
    • Asmodeus 22.06.2015 14:35
      Highlight In Basel ebenfalls. Nennt sich "Fanarbeit"
      7 2 Melden
    • gupa 22.06.2015 19:22
      Highlight Meinte mehr die Leuchtwesten-Polizisten nicht die Fanarbeiter.
      0 2 Melden

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