Schweiz

Solidaritäts-Kundgebung in Baden. Bild: KEYSTONE

«Geri Bleibt!»

Selfie-Kundgebung in Baden: 250 Leute gehen für Geri Müller auf die Strasse

Mehrere hundert Personen haben an der Kundgebung für Geri Müller vom Montagabend teilgenommen. Sie knipsten auf der Gasse vor Badens Stadthaus Selfies mit «Geri bleibt»-Buttons und posteten die Fotos in den Social Media.

25.08.14, 20:35 26.08.14, 10:38

pirmin kramer, martin rupf / Aargauer zeitung

Ein Artikel der

Acht Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Geri Müller hat am Montagabend eine Solidaritätsaktion für den Stadtammann stattgefunden. Vor dem Stadthaus in der Badener Rathausgasse versammelten sich gemäss Stadtpolizei rund 250 Menschen und sprachen ihm ihr Vertrauen aus. 

Die Supporter steckten sich Buttons mit der Aufschrift «Geri bleibt» an und liessen sich damit fotografieren. Markus Widmer vom Komitee sprach zur Menge: «Wir wollen Geri Müller wieder als Stadtammann, er ist unser Stadtammann. Was er gemacht hat, ist seine Privatangelegenheit, die uns nichts angeht.» 

Aufgerufen zur Solidaritätsaktion hatte auf Facebook ein parteiübergreifendes Komitee um die linken Einwohnerräte Andrea Arezina und Steffi Kessler (beide SP) sowie Benjamin Steiner und Susanne Slavicek (beide Team). «Geri Müller leistet hervorragende Arbeit als Stadtammann von Baden. Genau darum haben wir ihn alle gewählt. Daran hat sich überhaupt nichts geändert. Geri Müller hat unser vollstes Vertrauen – er ist unser Stadtammann und er soll es auch bleiben», schrieben die Organisatoren in ihrem Kundgebungsaufruf. 

Das Selfie als Solidaritäts-Bekundung. Bild: KEYSTONE

Man wolle nicht in einer Stadt und in einem Land leben, in der eine selbst ernannte Sittenpolizei vorschreibe, «was wir tun und lassen dürfen». Ein kritischer und verantwortungsvoller Journalismus sei für die Demokratie lebenswichtig – aber das Privatleben von Geri Müller und allen anderen Bürgerinnen und Bürgern von Baden ginge niemanden etwas an, heisst es im Aufruf zur Solidaritätsaktion weiter. 

Neue Stellungnahmen der Parteien

Stadtammann Geri Müller hatte letzte Woche erklärt, seinen Verbleib im Amt davon abhängig zu machen, ob das Vertrauen in ihn noch weiterhin bestehe. Das links-grüne Lager hatte ihm im Stadtammannwahlkampf 2013 – zumindest gegenüber den Medien – noch mit uneingeschränkter Einigkeit das Vertrauen ausgesprochen. Die neusten Stellungnahmen des Team Baden und der Grünen Baden zeigen nun: Die Unterstützung für Geri Müller ist nach wie vor vorhanden – aber nicht mehr bedingungslos. 

Ein Plakat von Geri Müller vor dem Stadthaus in Baden. Bild: KEYSTONE

«Wir haben die Entschuldigung von Geri Müller akzeptiert und stehen weiter zu ihm als Stadtammann», schreibt das Team. Bislang sei sein Leistungsausweis als Stadtammann von links bis rechts anerkannt worden. «Aus Respekt vor seiner politischen Arbeit soll er die Chance erhalten, das Vertrauen als Mensch, Politiker und Führungsperson zurückzuerobern.» 

Das Team Baden werde diesen Prozess verfolgen. «Denn auch wir wollen einen Stadtammann, der das nötige Vertrauen geniesst.» Das Team sei sich bewusst, dass es nicht möglich sein werde, ohne weiteres zum Alltag zurück zu kehren. «Es wird viele Gespräche und vertrauensbildende Massnahmen brauchen. Wir trauen es Geri Müller und dem Stadtrat zu, auf der Basis dieser Gespräche selber herauszufinden, ob er das Amt des Ammanns weiter ausführen kann.» 

Grüne: «Wir beobachten genau» 

Auch die Grünen Badens unterstützen den Stadtammann. Präsidentin Bea Schilling: «Das Thema polarisiert parteienunabhängig, also auch innerhalb der Grünen Baden.» Der Vorstand habe aufgrund der Rückmeldungen von den Mitgliedern beschlossen, Geri Müller die Unterstützung zuzusagen. «Dies aufgrund seines guten Leistungsausweises und des Vertrauens, das wir ihm entgegenbringen. Wir verfolgen die weitere Entwicklung allerdings genau und werden bei Bedarf eine Neubeurteilung vornehmen», sagt Schilling. 

«Wir verurteilen Sexismus, aber Geri Müller hat sich öffentlich und glaubwürdig dafür entschuldigt.»

Bea Schilling, Präsidentin der Grünen Baden.

Zum Thema gemacht wurde in den Medien, dass sogar grüne Frauen Müller die Absolution erteilt hätten, obwohl seine Aktivitäten nicht frei von Sexismus gewesen seien – und dieser bei linken Frauen besonders verpönt ist. «Wir verurteilen Sexismus, aber Geri Müller hat sich öffentlich und glaubwürdig dafür entschuldigt», sagt Schilling. 

Andrea Arezina (SP) sagt: «Geri Müller hat sich naiv und dumm verhalten. Aber er hat sich dafür entschuldigt.» Die Mitglieder der SP treffen sich am Dienstagabend, um zu diskutieren, ob Geri Müller unterstützt werden soll oder nicht, wie Arezina sagt. «Klar ist, dass es innerhalb der SP unterschiedliche Meinungen gibt. Es gibt Mitglieder, die finden, Müller sei nicht mehr tragbar. Ich persönlich finde, seine Verfehlungen sind nicht so schlimm, dass sie einen Rücktritt erfordern. Darum stehe ich voll hinter ihm als Stadtammann.»

«Die Forderung kam auffallend früh, als noch kaum Fakten bekannt waren. Die Rücktrittsforderung verstehe ich als Angriff auf die links-grüne Mehrheit im Stadtrat.»

Andrea Arezina

Dass die SP sich noch nicht für eine Haltung entschieden habe im Fall Geri Müller, begründet Arezina so: «Der Fall entwickelt sich täglich neu, und wir wollten keine voreiligen Schlüsse ziehen.» Als solchen bezeichnet sie die Rücktrittsforderung der bürgerlichen Parteien. «Die Forderung kam auffallend früh, als noch kaum Fakten bekannt waren. Die Rücktrittsforderung verstehe ich als Angriff auf die links-grüne Mehrheit im Stadtrat.» 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • Gelöschter Benutzer 25.08.2014 23:52
    Highlight Für mich wäre der Mann in seinem Amt immer noch untragbar. Den kann man doch in Baden höchstens noch als Pausenclown brauchen.
    Die Demo ist eher lächerlich. Konsequent wäre gewesen wenn die Demonstranten Nacktselfies verschickt hätten...
    5 1 Melden
  • M@ Di11on 25.08.2014 22:55
    Highlight Alles Hamas-Freunde dort?
    4 2 Melden
  • Vladtepes 25.08.2014 22:24
    Highlight Wenn man diesen herunterspielenden Text auf WATSON liest, auch den beschwichtigenden Kommentar von Roger Köppel auf TeleZüri anhört, oder die "politische Verschwörungs-These" als Entschuldigungen für Geri Müller als entlastend interpretieren soll, bleibt die Tatsache, dass er sein Treiben im Amtsbüro, wo er in einem SMS noch anzügliche Bemerkungen über seine Sekretärin machte, vollzog - und nicht "privat". Somit wird er für die Mehrheit untragbar sein. Auch wenn seine Grünen und Linken nun (kleine) Demos veranstalten. Es wird nichts helfen!
    6 3 Melden
  • sewi 25.08.2014 22:20
    Highlight Die ganze Geschichte ist für mich ein Sinnbild linksgrüner Politik: Bireweich, unnötig und bar jeglicher Logik
    2 7 Melden
    • Gelöschter Benutzer 25.08.2014 23:53
      Highlight Und wenns ein Rechter gewesen wäre?
      2 1 Melden
    • sewi 26.08.2014 07:50
      Highlight @ Grufti: am ersten Tag zurückgetreten
      2 1 Melden

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