Schweiz

Affäre Müller kocht weiter: Nach Morddrohung soll es nun eine weitere Strafanzeige geben.  Bild: KEYSTONE

#Gerigate

Affäre Müller: Josef Bollag bestreitet, aktiv den Kontakt zur Chat-Partnerin gesucht zu haben

26.08.14, 17:05 26.08.14, 18:11

Josef Bollag, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Baden, will nicht länger als Strippenzieher in der Nacktselfie-Affäre um den Badener Stadtammann und Grünen-Nationalrat Geri Müller dastehen. Weil er zudem Morddrohungen erhalten hatte, reichte er Strafanzeige gegen Unbekannt ein.

In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zur Affäre Müller erklärt Bollag, dass es die Chat-Partnerin von Geri Müller gewesen sei, die Kontakt mit ihm aufgenommen habe. Er habe sie zu keiner Zeit bedrängt, das belastende Material den Medien zu übergeben.

Die Frau sei im Frühling dieses Jahres mit einem Hilferuf an ihn gelangt und habe ihm ungefragt einen Teil des Chat-Materials zugeschickt, schreibt Bollag. Das Material habe ihn schockiert.

Er habe aber auch versucht, der Frau beim Wiedereinstieg ins Berufsleben zu helfen. Im Laufe der Zeit sei der Kontakt mit ihr belastend geworden, zumal sie ihm mitten in der Nacht zahlreiche SMS geschickt habe.

Sich über Geri Müller informiert

Bollag gibt zu, dass er ein politischer Gegner von Geri Müller sei und dass er sich über seinen beruflichen Hintergrund, sein politisches Umfeld und seine Beweggründe für sein politisches Handeln ins Bild gesetzt habe. Dies sei in einer politischen Auseinandersetzung für einen engagierten Gegenpart eine Selbstverständlichkeit.

Bollag stellt im Schreiben seine Beziehungen zum PR-Berater Sacha Wigdorovits dar, der im Zuge der Müller-Affäre von den Medien ebenfalls als Strippenzieher und Spindoctor dargestellt wurde. Mit Wigdorovits verbinde ihn die Stiftung «Audiatur» sowie das Engagement für eine faire Berichterstattung über den Nahostkonflikt und die Rolle Israels.

Kein Auftrag an Wigdorovits erteilt

«In der Angelegenheit um Geri Müller hatten wir nur miteinander zu tun, weil Sacha Wigdorovits der Frau geraten hatte, sich einen juristischen Berater zu nehmen und ihr deshalb den Kontakt zu mir vermittelte», schreibt Bollag. Wigdorovits habe in dieser Angelegenheit aber von ihm nie irgendwelche Aufträge oder ein Mandat erhalten.

Neben der Strafanzeige gegen Unbekannt wegen den Morddrohungen hat Josef Bollag gemäss der Mitteilung seine Anwälte zudem beauftragt, ehrverletzende und persönlichkeitsverletzende Äusserungen und Darstelllungen zu überprüfen und nötigenfalls rechtliche Schritte einzuleiten.

Details über Polizeibefragung in Baden verlangt

Die Affäre Müller erreichte inzwischen auch das Aargauer Kantonsparlament. Die SVP-Fraktion im Aargauer Grossen Rat will mit einer Interpellation Licht in die Sache rund um die polizeiliche Befragung von Müllers-Chatpartnerin in Baden bringen.

In dem am Dienstag eingereichten Vorstoss stellt die Fraktion der Regierung nicht weniger als 15 Fragen. Der Regierungsrat werde höflich gebeten, die einzelnen Fragen separat zu beantworten, heisst es am Schluss der Interpellation. Die SVP-Fraktion wolle keine pauschalen Antworten.

Die polizeiliche Befragung von Müllers Chat-Partnerin durch die Polizei fand wenige Tage, bevor die Affäre publik wurde, in Baden statt. Wer die Frau nach Baden beorderte, ist nach wie vor unklar. 

Geri Müller gab bei seinem öffentlichen Auftritt vor einer Woche in Zürich lediglich zu, dass er an jenem Tag die Kantonspolizei Bern informiert hatte, weil die Frau Suizid-Absichten ihm gegenüber ausgesprochen habe.(gag/sda)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Dieser Schaffhauser könnte schon bald die drittgrösste Stadt im Kosovo regieren

Faton Topalli wohnt im beschaulichen Dörflingen im Kanton Schaffhausen. Gleichzeitig sitzt er seit vier Jahren im Parlament des Kosovo – wo er auch schon mal eine Tränengas-Petarde zündete. Am Sonntag könnte Topalli Bürgermeister von Ferizaj werden, einer Stadt mit über 100'000 Einwohnern.  

Mehrere Hundert Menschen versammelten sich am Dienstagabend im Stadtzentrum von Ferizaj im Süden des Kosovo. Die Oppositionspartei «Lëvizja Vetëvendosje» (Bewegung für Selbstbestimmung) hatte zur Abschlusskundgebung des Lokalwahlkampfs gerufen. Angereist waren die Granden der Bewegung: Visar Ymeri, der Parteivorsitzende, und Albin Kurti, ihr Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten.

Doch der eigentliche Star des Abends war ein 53-jähriger, im Kanton Schaffhausen wohnhafter, …

Artikel lesen